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Ein sowjetischer Panzersoldat berichtet: „Der Aufstand in Ungarn 1956 war ein faschistischer Putsch!“


Ein sowjetischer Panzersoldat berichtet: „Der Aufstand in Ungarn 1956 war ein faschistischer Putsch!“

Sascha’s Welt

ilia-alekseev-byvshii-tankist… auch wenn im russischen Originaltext versucht wurde, das Interview missbräuchlich zu verfälschen, auch wenn die Fragen der Interviewerin auf eine erhebliche Unkenntnis der Geschichte schließen lassen und auch wenn ihre Fragestellungen und Erklärungen sogar beinahe beleidigenden Charakter tragen, sind die Aussagen des sowjetischen Panzersoldaten doch sehr aufschlussreich. Hier nun Auszüge aus dem Text des Interviews: Ilja Alexejew, der sich damals in den Reihen der Sowjetischen Armee befand, war Teilnehmer an der Niederschlagung des konterrevolutionären ungarischen Aufstands von 1956.

In der Geschichte der Menschheit gibt es einige solche Kriege, wo die Fronten und die Grenzen zwischen „Recht“ und „Unrecht“, so klar umrissen sind. In der sowjetischen Geschichte kann man den Vaterländischen und den Großen Vaterländischen Kriege so bezeichnen. Da ist alles sehr einfach: „wir wurden überfallen und wir verteidigten uns“. Doch wie ist es zum Beispiel mit einem Bürgerkrieg? Wer kann heute noch genau sagen, wer in Recht war, und wer im Unrecht? Als ein solcher unklarer Krieg war auch der ungarische Aufstand 1956, den die offizielle sowjetische Führung als „konterrevolutionären Putsch“ bezeichnete und mehr oder weniger beschuldigte, den Faschismus wieder herstellen zu wollen. Ilja Alexejew war vor 60 Jahren Teilnehmer jener Ereignisse. [1]

Ilja Illarionowitsch, wie sind Sie nach Ungarn gekommen?

Ich bin in Baschkirien geboren worden, lernte in Mittelasien den Beruf eines Instrukteurs der Rayon-Versorgungseinrichtung. Später bin ich dann zur Verteilung gekommen, habe mich aber dann freiwillig zur Armee gemeldet. Ich sagte: „Vielleicht können Sie mich zur Marine schicken.“ Aber sie sagten zu mir: „Zur Marine kannst du nicht. Du wirst Panzersoldat.“ Und sie schickten mich ins 101. Panzerregiment. 1956 war unser Regiment in Donezk bei der Maisernte (es war so eine Zeit, als bei uns überall Mais angebaut wurde, und sie haben sowohl Studenten, als auch Schüler, sowie uns, das Militär, zur Ernte eingesetzt). Und irgendwie nachts, als ich auf Wache stand, wurde plötzlich das Licht abgeschaltet. Der Vorgesetzte der Abteilung kam vorbeigelaufen und ich fragt ihn: „Was ist los?“ – obwohl man ja auf der Wache nicht sprechen soll. Aber er wusste es selbst nicht. Später wurde uns dann mitgeteilt, dass in Ungarn ein konterrevolutionärer Putsch stattfand, und wir wurden zuerst nach Berdischtschewo, und später über die ungarische Grenze befördert. Wir kamen an einem Maisfeld vorbei und dort standen ungarische Artilleriekanonen. Sollten wir nun schießen oder nicht: Chruschtschow hatte uns noch nicht erlaubt, zu schießen. Er sagte: „Nur einschüchtern“. Sie umringten uns und unser Kommandeur ging hin und fragte: „Werdet ihr schießen?“ Und sie sagten: „Wenn der Befehl kommt, ja“. Also was sollten wir tun? Und so fuhren wir drauf zu. Wenn wir es nicht gemacht hätten, hätten sie uns zerhackt.

Aber Sie hätten doch trotzdem schießen müssen?

Erst später. Am 4. November wurde uns erlaubt, die Waffen einzusetzen. Aber nicht gegen die friedliche Bevölkerung. Sie trat nicht gegen uns auf, obwohl sie sich nicht eindeutig verhielt – an die Zäune schrieben sie: „Русский, иди домой» (Russe geh nach Hause). In Kiskemet [2] befahlen wir den ungarischen Offizieren, die Waffen abzugeben und beschlagnahmten ungarischen Flugzeuge. Später haben unsere Mechaniker an dieser Technik etwas verstellt und gesagt, dass sie nicht mehr fliegen werden.

Was meinen Sie, gab es eine Notwendigkeit für die Einmischung der Sowjetunion in die ungarischen inneren Angelegenheiten? [3]

Der Führung war besser im Bilde. Zu dieser Zeiten war es notwendig. Sonst wären die Amerikaner gekommen. Wir hörten den amerikanischen Rundfunk „Свобода слова“ (Freiheit des Wortes). Dort sendeten sie auf Russisch. Da verkündeten sie, so als ob die Russen – die Eroberer seien, in das kleine Land seien mehr Panzer eingefallen, als das faschistische Deutschland Anfang des Krieges eingesetzt habe. Und dass wir also die Feinde seien. Zuerst hatte ja jene Regierung, die an der Macht war, die UdSSR gebeten, zu helfen. Später kam Imre Nagy und fing an, im Rundfunk zu erzählen, dass wir Feinde seine. Doch ich denke, es war notwendig, sich einzumischen. Besonders weil dort ehemalige Faschisten, gefangene Deutsche, die 1955 befreit worden waren, teilnahmen.

So war es aus Ihrer Sicht immerhin ein profaschistischer Putsch?

Ich denke, ja. Ungarn war doch die rechte Hand Hitlers!

Und haben Sie irgendwelche Auszeichnungen erhalten für Ihre Teilnahme an diesem Militärkonflikt?

Uns wurde nicht erlaubt, Auszeichnungen zu vergeben. Uns wurde sogar eine schriftliche Verpflichtung über die Nichtverbreitung für 35 Jahre abgenommen. Damit wir nirgends darüber etwas verbreiten. Aber jetzt sind wir den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges gleichgestellt worden.

(Hier endet das Interview)

Einige Nachbemerkungen der Interviewerin

Nach der Rückführung aus Ungarn und der Demobilisierung zog Ilja Illarionowitsch nach Tadschikistan, wo er als der Revisor arbeitete. Später zog er zusammen mit seiner Frau nach Nowokujbyschewsk, und von dort gingen beide 1969 nach Toljatti, wo gerade ein Betrieb errichtet worden war und Wohnungen vergeben wurden. Seit dieser Zeit leben beide dort. Ilja Illarionowitsch arbeitete im Betrieb in der metallverarbeitenden Produktion, und später bei der Montage von Motoren. 1998 ging er in Rente. Seine Frau, Tatjana Gawrilowna, war medizinische Lehrausbilderin, schreibt die Gedichte und zeichnet. Sie leben nun schon fast sechzig Jahre zusammen. Sie haben drei Kinder, fünf Enkel und vier Urenkel… [4] (gekürzt)

Alina Naumenko, „Platz der Freiheit“

Quelle: https://augustnews.ru/vengerskoe-vosstanie-1956-goda/

(Danke an Dr.Adrian Chan-Wyles für die englische Übersetzung)

Anmerkungen:

[1] Der faschistische Putsch in Ungarn war keineswegs ein „unklarer Krieg“, wie die Interviewerin behauptet. Man darf nicht vergessen, dass nach der Ermordung Stalins und dem Machtwechsel in der UdSSR 1956 mit Chruschtschow ein Antikommunist an die Spitze der Regierung gelangt war. Die Sowjetunion, mit deren Hilfe dann auch ein so standhafter Kommunist wie Máthás Rákosi abgesetzt wurde, kam also nur sehr zögerlich den Bitten der ungarischen Regierung nach.
[2] gemeint ist hier offenbar das südöstlich von Budapest gelegene Kecskemét
[3] Die Lüge von einer „Einmischung in die ungarischen Angelegenheiten“ wurde zeitgleich von allen imperialistischen Massenmedien verbreitet, was Alexejew ja auch bestätigt.
[4] Die Kürzungen beziehen sich auf tendenziöse Aussagen der Interviewerin und ein verfälschend wiedergegebenes Zitat aus Nikolai Ostrowskis „Wie der Stahl gehärtet wurde“. Offenbar wurden auch Antworten Alexejews in unzulässiger Weise weggelassen, da sie nicht ins antikommunistische „Weltbild“ der Redaktion passten.

Hier nun die Aussage eines ungarischen Jugendlichen zu den konterrevolutionären Ereignissen in Ungarn 1956:

ZUR ERINNERUNG AN DEN 23. OKTOBER

Im Oktober 1956 wollten die konterrevolutionären Kräfte das System zerstören, für das unsere Großeltern so hart gearbeitet hatten. Sie wollten ein System wiederherstellen, unter dem zuvor so viele gelitten hatten. Im Oktober 1956 versuchten die Horthy-Anhänger des Faschismus, die Bourgeoisie, die ehemaligen Kapitalisten die Macht der Arbeiter zu zermalmen und ihre Macht wieder errichten.

13 Tage lang wütete der weiße Terror in dem Land, ihm fielen viele ehrliche Kommunisten zum Opfer. In der heutigen Berichterstattung bleiben die Medien die Wahrheit schuldig. Sie verfälschen die Geschichte. Es ist schrecklich, sich vorzustellen, was passiert wäre, wenn am 4. November die Helden der Roten Armee nicht eingegriffen hätten. Wenn unsere Großeltern noch lebten, wären sie entsetzt, wenn sie wüssten, dass das Land heute die Konterrevolution feiert.

Diejenigen, die heute diese „Helden“ ehren und feiern, ob Politiker oder einfache Menschen, machen sich zumindest zu deren Komplizen, im schlimmsten Fall jedoch sind sie wirkliche Komplizen jener schändlichsten Mörder. Das kann für uns niemals ein nationaler Feiertag sein, der Tag, an dem sie unsere Großeltern töten wollten! Wir kennen die Wahrheit des Jahres 1956! Das werden wir nicht vergessen!

Nie wieder 23. Oktober!

Quelle: https://www.facebook.com/kommunistaoldal/ (Übersetzung: N.K.)

Siehe auch:
Der faschistische Putsch in Ungarn
Die blutige Fratze der Konterrevolution
Der angebliche Volksaufstand in Ungarn

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