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Die Konterrevolution in der DDR und ihre Handlanger


Die Konterrevolution in der DDR und ihre Handlanger

Sascha’s Welt

maueroeffnung-1990Es ist sehr aufschlußreich, einmal zu untersuchen, wie es einer Minderheit von sogenannten „Bürgerrechtlern“ – also ausgemachten Feinden der DDR, denen jedes nur denkbare Mittel recht war, um den sozialistischen Staat zu schädigen – mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung reaktionärer Kreise der BRD gelang, die DDR-Staatsmacht zu untergraben und den Staat letzlich zu beseitigen. Und – ob sie es nun wollten oder nicht, gehörten zu den Handlangern auch Mitglieder der SED, die viel zu spät (oder gar nicht) erkannten, daß 1989 eine Konterrevolution geschah.  Verfolgt man die Geschichte der DDR zurück bis zu ihrer Gründung, so wird leicht klar, daß der XX. Parteitag der KPdSU der Ausgangspunkt für diese zerstörerische Entwicklung war.  Hierzu ein interessanter Artikel des Historikers Prof. Dr. Horst Schneider im RotFuchs (Heft 10/2011, S.2)

(übernommen aus kommunisten-online):

Am 3. Oktober 2011 jährte sich die „Wiedervereinigung“ zum 21. Mal. Nicht wenige Akteure von damals haben ihren Anspruch auf einen herausgehobenen Platz im Geschichtsbuch selbst bestimmt: Helmut Kohl in „Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung“, der Leipziger Pfarrer Christian Führer in „Die Revolution, die aus der Kirche kam“, sein Rostocker Amtskollege Joachim Gauck, der im Juni 2010 vom Amt des Staatsoberhauptes träumte, in „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“. Wie immer hat der „Erfolg“ viele Väter, und der „Ruhm“, 1989 etwas zum Untergang des Sozialismus beigetragen zu haben, bringt manchen Nutzen. „Der Spiegel“ ließ zu verschiedenen Zeiten seine Reporter durch Osteuropa touren, um Antwort auf die Frage nach den „wahren Helden“ jener Ereignisse zu erhalten. Im Falle Rumäniens würdigte er Pfarrer László Tökes, „einen wortmächtigen und unerschrockenen Pastor aus der ungarischen Minderheit“, der als „populärer Dissident“ berühmt wurde. Seine Reden und Taten seien der Ausgangspunkt für jene Entwicklung gewesen, an deren Ende der Sturz Ceaucescus und dessen Erschießung standen.

Wie lagen die Dinge in Polen?

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Streiks in Polen 1988

Niemand bestreitet, daß Papst Johannes Paul II. eine Schlüsselfigur bei der organisierten Zerschlagung des Sozialismus war. Lech Wałęsa drückte den Anteil des Papstes am Sieg der Konterrevolution sogar rechnerisch aus: „Wenn ich in Prozentzahlen erklären sollte, wer wieviel zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems beigetragen hat, würde ich sagen: 50 Prozent der Papst, 30 Prozent Solidarność und Lech Wałęsa. Den Rest besorgten Helmut Kohl, Ronald Reagan und Michail Gorbatschow“, gab er dem „Spiegel“ 2004 zu Protokoll.

Was geschah nun wirklich im Jahre 1989?

Werfen wir einen Blick auf den „Herbst 1989“ in beiden deutschen Staaten. Achten wir vor allem auf die Sprache der Akteure, die Begriffe und Losungen, welche die Massen bewegten. Hans-Jochen Tschiche erklärte 1997: „Die Gruppe der Oppositionellen war, bei Licht besehen, nur eine kleine Minderheit.“ Er ging von 300 Personen aus. Jene, welche sich selbst zu „Bürgerrechtlern“ ernannten, sind nach 1990 in den Rang von Helden erhoben worden. Viele übten oder üben politische Funktionen aus: Rainer Eppelmann, Joachim Gauck, Heinz Eggert, Christian Führer, Steffen Heitmann, Manfred Stolpe, Friedrich Schorlemmer u.a. Es ist erstaunlich, daß sich Gottes irdische Gehilfen als Klub von „Revolutionären“ entpuppten.

Die Kirche als Trojanisches Pferd des Antikommunismus

In der DDR liefen 1989 de facto mehrere Prozesse parallel und in Wechselwirkung ab. Ein beträchtlicher Teil der Bürger, unter ihnen „Dissidenten“, Pfarrer und sogenannte Reformer in der SED traten gegen „Verkrustungen“ des „Regimes“ auf und forderten Veränderungen. Den anderen Prozeß repräsentierte Kohl. Er lief darauf hinaus, die Schwächen der DDR-Führung und die Oppositionsbewegung zu nutzen, um den sozialistischen deutschen Staat zu Fall zu bringen. Erst nachträglich ist zu ermessen, wie stark die Kirchen dabei als trojanische Pferde dienten. Nicht wenige Pfarrer bekennen sich inzwischen zu dieser höchst unchristlichen Rolle. Wie Egon Bahr in bezug auf 1953 sagen konnte, ohne den RIAS (an dem er selbst mitwirkte) hätte es den 17. Juni nicht gegeben, waren westliche Medien auch diesmal Stimme und Rückhalt der „Opposition“.

Entscheidend war die Ausgabe von Losungen

Im Oktober/November 1989 wurde die Parole „Wir sind das Volk“ in Umlauf gebracht. Die Forderung nach „Freiheit“ galt meist der „Reisefreiheit“, der Ruf nach „Demokratie“ meinte bürgerlichen Parlamentarismus. Kohls Sprachregler fanden den geeigneten Zeitpunkt, um die zentrale Losung inhaltlich zu verändern. In der Dresdener Rede des Kanzlers am 19. Dezember 1989 hieß der Slogan plötzlich „Wir sind ein Volk“. Erstaunlicherweise tauchten unmittelbar neben dem Rednerpult die Losungen auf: „Deutschland, einig Vaterland“ und „Modrow! Wiedervereinigung ins Programm!“ Man sollte bedenken: Mit dem Leitspruch „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ hatte Hitler 1938 den „Anschluß“ Österreichs an Deutschland propagandistisch vorbereitet. Mitte Dezember 1989 besaßen die Anhänger des „Beitritts“, der als „Wiedervereinigung“ getarnt wurde, unter DDR-Bürgern noch keine Mehrheit. Doch leider wurde die Tragweite des Kohl-Auftritts von der Partei- und Staatsführung nicht erkannt.

Die verlogenen Redensarten des Kanzlers Kohl

Das galt besonders für die verbalen Tricks des Kanzlers. Um den Dresdnern – und auch seinen eigenen Verbündeten in London, Paris und Rom – die Angst vor einem erstarkten einheitlichen Deutschland zu nehmen, leistete Kohl einen Eid auf den Frieden. Er gehöre zu jener Generation, die 1945 geschworen habe: „Nie wieder Krieg, nie wieder Gewalt! Ich möchte hier vor Ihnen diesen Schwur erweitern, indem ich Ihnen zurufe: Von deutschem Boden muß in Zukunft immer Frieden ausgehen – das ist das Ziel unserer Gemeinsamkeit!“ Kohl versprach demagogisch, das Selbstbestimmungsrecht der DDR-Bürger zu achten: „Wir werden jede Entscheidung, die die Menschen in der DDR in freier Selbstbestimmung treffen, selbstverständlich respektieren…“ Schon während seines Heidelberger Studiums hatte er erkannt: Wer die Begriffe definiert, bestimmt die Politik. Und er erfuhr dort auch, daß der erste Satz des Naziprogramms – die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes – der Expansion des Faschismus Tür und Tor öffnete.

oesterreich-1938Was unterscheidet den „Anschluß“ der DDR von der Annexion Österreichs und des „Sudetenlandes“ in den späten 30er Jahren? Das Dresdner Treffen diente nicht dazu, irgendwelche Probleme zu erörtern, Auseinandersetzungen zu führen oder Lösungen zu suchen – es war die Rückkehr des Patriarchen in sein Reich. Kohl mußte „sein Volk“ allerdings zunächst wieder verlassen. Doch er drang darauf, die „deutsche Einheit“ nun um jeden Preis durchzusetzen. Im Wege standen ihm nur noch das Völkerrecht und gültige Verträge. Aber war nicht auch ein anderer deutscher Kanzler mit solchen Hindernissen fertig geworden?

Die Dresdner Show war vorüber – wie ging es weiter?

Die Rolle und die Aufgaben der „friedlichen Revolutionäre“ änderten sich während und nach der Dresdner Show. Mitglieder der dortigen „Gruppe der zwanzig“ und Kirchenleute mutierten zu Kohls willigsten Helfern. Hatten sie ursprünglich von „Frieden schaffen ohne Waffen“ gesprochen, um die Massen gegen die Staatsmacht der DDR aufzubringen, so ging es ihnen jetzt nur noch um die Vorbereitung des „Anschlusses“ nach Bonner Fahrplan. Zum Schlüsselwort wurde der Begriff „Wiedervereinigung“. Die Brüder und Schwestern eines Volkes sollten sich jubelnd in den Armen liegen, Krupp und Krause zueinander finden. Aus „Brüdern und Schwestern“, die man „befreien“ und „wiedervereinigen“ wollte, wurden über Nacht Sieger und Besiegte. Die Konterrevolution kam 1989/90 in „Filzlatschen“ daher, wie Egon Bahr* es ausdrückte. Dazu gehörte auch eine Tarnsprache. Gewisse Theologen in der DDR spielten die ihnen zugewiesene Rolle, während die Zentren der psychologischen Kriegführung und dieser dienende imperialistische Medien den entscheidenden Part übernahmen.

Die „Erinnerungsschlacht“ geht weiter

Am 3. Oktober haben die Kämpfer gegen den „Unrechtsstaat“ und die Protagonisten der „friedlichen Revolution“ einmal mehr Hochkonjunktur. Während der erste Begriff die DDR verteufelt, soll der zweite den unrühmlichen Glorienschein der Akteure erstrahlen lassen.

Erinnern wir uns an ein Wort Abraham Lincolns: „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allzeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“

* es war nicht E. Bahr, sondern Otto Winzer!

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