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Wie nazi ist Österreich?


Wie nazi ist Österreich?

Ceiberweiber, Dezember 2017

Offene Nazi-Bezüge erregen und empören, verdeckte NS-Traditionen werden kaum jemals thematisiert, sind aber umso folgenreicher für die Gesellschaft. Bei offenen Bezügen wird man den Kopf schütteln und sich fragen, wie man heute noch so dumm sein kann. Wenn der Geist des Nationalsozialismus z.B. in der Justiz gepflegt wird, hat das weit mehr Konsequenzen als wenn jemand einen Weihnachtsgruss aus dem Dritten Reich auf Facebook postet. Doch hier haben viele einen blinden Fleck bzw. verhalten sich in einer Art und Weise, die direkt aus der damaligen Zeit stammt. Dass wir diese Vorgänge benennen können, verdanken wir vor allem der Schweizer Psychoanalytikerin Alice Miller, die mit Büchern wie „Du sollst nicht merken“ oder „Das Drama des begabten Kindes“ bekannt wurde und die sich gegen Schwarze Pädagogik und Schwarze Psychoanalyse wandte. Wie wir als Erwachsene sind, wird in der Kindheit geprägt, in der wir rettende Faktoren brauchen, um heil zu sein: „Ein helfender Zeuge ist für mich ein Mensch, der einem mißhandelten Kind beisteht (und sei es noch so selten), der ihm eine Stütze bietet, ein Gegengewicht zur Grausamkeit, die seinen Alltag bestimmt. Das kann jeder Mensch sein: ein Lehrer, eine Nachbarin, die Hausangestellte oder die Großmutter. Sehr häufig sind es die eigenen Geschwister.

Dieser Zeuge ist eine Person, die dem geschlagenen oder verwahrlosten Kind etwas Sympathie oder gar Liebe entgegenbringt, es nicht aus erzieherischen Gründen manipulieren will, ihm vertraut und ihm das Gefühl vermittelt, daß es nicht böse ist und daß es Freundlichkeit verdient. Dank dieses Zeugen, der sich seiner entscheidenden, rettenden Rolle nicht einmal bewußt sein muß, erfährt das Kind, daß es in dieser Welt so etwas wie Liebe gibt. Es entwickelt im besten Fall das Vertrauen zu den Mitmenschen und kann Liebe, Güte und andere Werte des Lebens bewahren. Wo ‚helfende Zeugen‘ vollkommen gefehlt haben, hat das Kind die Gewalt glorifiziert und wendet sie später oft selber mehr oder weniger brutal und unter dem gleichen heuchlerischen Vorwand an. Es ist bezeichnend, daß sich in der Kindheit von Massenmördern wie Hitler, Stalin oder Mao kein ‚helfender Zeuge‘ finden läßt.“ Eines von Millers Gegenbeispielen ist Michail Gorbatschow, dessen Kindheit „einen Beweis mehr (liefert), dass auch die schwersten materiellen Entbehrungen den Charakter des Kindes nicht schädigen, solange seine Integrität nicht durch Heuchelei, Mißhandlungen, Züchtigungen, Demütigungen seelischer Art verletzt wurde. Der stalinistische Terror, später der grausame Krieg, die brutale Besatzung, sehr große Armut, schwere körperliche Arbeit – all das gehörte zu Gorbatschows Schicksal. Aber all das kann ein Kind überstehen, ohne daran krank zu werden, wenn ihm das emotionale Klima in seinem Elternhaus Schutz und Sicherheit bietet .“

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Verfehlter Gruß des FPÖ-Politikers Blochberger

Miller, die auch gegen die „Schweigemauer“ kämpfte, schuf einprägsame Beispiele, die ein Verstehen psychischer Prozesse ermöglichten. Etwa jenes von der jungen Frau,. die schwer magersüchtig war, sich aber auf das Gewicht heruntergehungert hatte, mit dem ihre Mutter aus Auschwitz befreit wurde. Es was das einzige Detail, das sie kannte, da auch nicht über viel zu Grauenvolles gesprochen wurde. Wie ein Interview mit Sohn Martin Miller zeigt, der Traumatherapeut wurde, konnte die Mutter zwar so vielen den Weg weisen, scheiterte aber bis zu einem gewissen Grad als Holocaustüberlebende auch an der eigenen Geschichte:  „Meine Mutter hat ihr Jüdischsein während der Ehe mit meinem Vater stets verleugnet und sich erst nach der Scheidung wieder intensiv damit beschäftigt. Ich bedaure zutiefst, dass sie mich davon völlig ausgeschlossen hat. Als ich in den achtziger Jahren zur jüdischen Gemeinde in der Schweiz Zugang suchte, fühlte ich mich von dieser ebenfalls ausgegrenzt: Man sah mich nicht als ‚echten Juden‘ an, weil ich eine religiöse Lebenserfahrung verpasst habe. Da ich nun die Geschichte meiner Mutter kenne, weiß ich, woher ich komme.“

Sein Vater „war ein überzeugter Christ und ein Antisemit. Mit ihm hat meine Mutter die Vergangenheit reinszeniert, er hieß sogar genauso wie der Mann, der meine Mutter in der NS-Zeit lange verfolgt hat. Stellen Sie sich vor, was für eine Stimmung bei uns zu Hause herrschte!“ Ein langjähriger österreichischer Abgeordneter erfuhr erst von der Kultusgemeinde in Wien, dass seine Mutter Auschwitz und Dachau überlebt hatte, denn zuhause war dies tabu, sodass er auch in ein kirchliches Gymnasium ging. Aus diesem flüchtete er aber mit 17, weil er zur Fremdenlegion wollte, doch seine Mutter erwischte ihn in Frankreich. Sie war im gleichen Alter von Holland nach Frankreich geflohen, wobei jener deutsche Soldat, der die Brücke hinter ihnen sprengte und sie fast erwischt hätte, später dann ihr Ehemann wurde. Martin Miller sagt: „Ich hatte mal eine Patientin, die, ohne dass es jemand begriff, zu Hause ihre Erfahrungen aus dem Luftschutzbunker simuliert hat. Alle Familienmitglieder mussten sich ruhig verhalten, es durfte kaum gesprochen und nicht diskutiert werden. Für den Sohn hatte das verheerende Folgen, bis er den Zusammenhang begriff und sich von diesem Schweigegebot befreien konnte.“ Die NS-Zeit wird überall dort reinszeniert, wo zu wenig Menschen sich der Geschichte auch auf persönliche Weise gestellt haben.

Denn alle Menschenrechtserklärungen, Konventionen und Gesetze nützen nichts, wenn die österreichische Justiz fremdes Eigentum „arisiert“ und die auserkorenen Opfer zu Zehntausenden zu „lebensunwertem Leben“ erklärt. In totalitärer Weise versanden alle Eingaben und man verhält sich unmenschlich gegenüber Betroffenen und deren Angehörigen. Diese NS-Opfer würden Millers „helfende Zeugen“ brauchen, doch diese sind oft schwer zu finden, weil viele nicht glauben wollen, welche Menschenverachtung und Brutalität hier möglich ist. Wie am Fließband sprechen Bezirksgerichte de facto Todesurteile über Menschen, die ihren Lebensabend in Frieden verbringen wollen, oder über Jüngere, die etwas besitzen und / oder Skandalen auf die Spur kommen und / oder deren Eltern bereits in die Fänge der Arisierer geraten waren. Man nimmt Menschen alle bürgerlichen Rechte und Freiheiten, jedes einzelne Menschenrecht, um ihre Wohnungen, Häuser, ihren Schmuck, ihre Aktien, ihre Konten, ihre Renten zu stehlen. Fake-Gutachter (Psychiater und Psychologen), die ihre Opfer selten zu Gesicht bekommen, haben ihren Anteil an der Beute, da sie unterstellen, ein Oper sei nicht geschäftsfähig. Diese NS-Opfer sind wie jene damals vogelfrei, da sie sich weder an die Polizei noch an andere Stellen wenden können, sondern einzig anderen Menschen ihr Überleben verdanken, da es für sie keinen Rechtsstaat und keine Demokratie gibt.

Arno Gruen

Die Nazinetzwerke bestehen aus Richtern, Anwälten, Gutachtern, Sozialarbeitern, Bankangestellten, Beamten und einigen mehr und werden wie einst auch von Denunzianten in Gestapo-Manier unterstützt. Ältere Naziopfer sterben meist bald, sodass die Naziseilschaften sich ständig neue Opfer zuteilen; jüngere kämpfen, solange sie Kraft haben, scheitern aber auch daran, dass die allermeisten anderen ebenfalls Drittes Reich spielen. Denn sie tun das, was ihre Vorfahren taten: sie nicken, wenn Leben als lebensunwert bezeichnet wird und sie schlagen die Tür zu, wenn jemand Angst hat, hungert und obdachlos ist, weil er Nazimördern ausgeliefert ist. Da fast alle immer noch im Damals existieren, sehen auch Offensive gegen Rechts, Sozialdemokratische Freiheitskämpfer, Mauthausen Komitee, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes usw. konsequent weg. Wie damals decken die meisten Nazimörder, sodass man Anwaltskammer, Justizministerium und Co. auch entsprechend umbenennen kann.

Der Verfassungsgerichtshof sorgt sich zwar um Flüchtlinge, die nach Genfer Konvention keine sind, unterstützt aber das Außer Kraft Setzen von Unionsrecht durch die Justiz. Wenn aber die EU-Grundrechtecharta in Österreich nicht gilt, ist das nicht bloss Fall für ein Vertragsverletzungsverfahren, sondern für den sofortigen Ausschluss aus der EU. Wer Nazimördern ausgesetzt ist, kann sich totrennen an vielen geschlossenen Türen, ehe er oder sie Menschen findet, die auch damals für andere da waren und ohne lange zu fragen gegen Unrecht auftraten. Sehen wir uns an, wie gleichgültig in den sozialen Medien auf Massenverbrechen reagiert wird, können wir uns vorstellen, wie selten damals jemand mit der Behandlung der Juden nicht einverstanden war. Es wird ähnlich wie heute vor allem die eigene Bequemlichkeit interessiert haben und natürlich die Karriere, die Urlaubsreisen und all der mögliche Konsum, nicht aber, was vor aller Augen abläuft.

https://www.youtube.com/watch?v=QEPnz57bkzo
Alice Miller

Kein einziger „Volksvertreter“ steht auf gegen die Nazis von heute, keiner schützt Opfer und verhindert damit, dass es einen beständigen Strom an weiteren Opfern gibt. Nicht einmal dann, wenn jemand Opfer kennt und weiss, dass sie ins Visier geraten, weil sie anständig sind oder etwas besitzen, wird ein Politiker aktiv und vertritt zur Abwechslung einmal wirklich das Volk. Vielleicht werden Nazi-Reinszenierungen deswegen geduldet:  „Wer in seiner Kindheit Unterdrückung erfahren hat, nimmt die Mittel der Gewalt oft in Kauf, greift selber zu Gewalt – aber nicht gegen diejenigen, durch die er die Unterdückung erfahren hat, sondern gegen die, die noch Lebendigkeit in sich verspüren.“ (Arno Gruen). Soll die Lebensfreude im älteren Mann abgetötet werden, der mit einer Verletzung ins Spital in Wien-Favoriten kommt, wo routinemässig die Nazis geholt werden, um Patienten zu entrechten? Sind beruflich tüchtige Frauen zu lebendig, die es wagen, ohne männlichen Beschützer Kompetenz zu erwerben? Ist der Schutz von Korruption und Kriminalität in der öffentlichen Verwaltung wichtiger als Whistleblowern Sicherheit zu bieten?

Österreich ist dafür berüchtigt, internationale Konventionen zu unterzeichnen, um deren Umsetzung es sich einen feuchten Kehrricht schert. Das Folterverbot kratzt ebenso keinen wie die UN-Behindertenkonvention, da man hier auch noch nahe am lebensunwerten Leben, zumindest aber am Tschapperl ist. Auf das mehrmalige Verlangen der UNO, Menschenrechtsverletzungen durch Sach(raub)walterschaft zu beenden, reagiert man mit einem spätestmöglich in Kraft tretenden „Erwachsenenschutzgesetz“, das in Wahrheit ein „Nazinetzwerkeschutzgesetz“ ist, weil alles so weitergeht wie bisher. Alice Miller wäre entsetzt über die Unüberwindbarkeit der „Schweigemauer“, die den Bruch von Staatsgrundgesetz (1867), Allgemeiner Erklärung der Menschenrechte (1948), Staatsvertrag (1955), EMRK und EU-Grundrechtscharta sowie NS-Verbotsgesetz umgibt. Als Ziegel fungieren etwa: Justizministerium, Staatsanwaltschaften, Oberster Gerichtshof, Verfassungsgerichtshof, Volksanwaltschaft, Patientenanwaltschaften, Mainstream-Medien, ORF-Bürgeranwalt, ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS, Liste Pilz, Grüne, Bundesregierung und Landesregierungen, Zivilgesellschaft, Kultusgemeinde, Kirchen (denen es wesensverwandt ist) usw. Naziopfer kann jeder werden, da es auch sehr beliebt ist, dies anderen anzudrohen oder sich so Kritiker etc. vom Hals zu schaffen. 2018 wird aber nicht nur das Jahr der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft sein, sondern auch des Aufstandes der Vogelfreien (Zwangsentrechteter, Eltern, deren Kinder geraubt wurden, Arm Gemachter, Missbrauchsopfer usw.)

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgebung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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