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Wie Trotzkisten die Geschichte fälschen. Gefälschter Dimitroff-Brief auf „The Espresso Stalinist“


Wie Trotzkisten die Geschichte fälschen. Gefälschter Dimitrow-Brief auf „The Espresso Stalinist“

Sascha’s Welt

Gefälschter Dimitroff-Brief:

 

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Auf der englischsprachigen Website „Espresso-Stalinst“ erschien ein Auszug aus einem angeblichen Brief Dimitroffs an Stalin vom 1. Juli 1934, in dem die Autoren Dallin und Firsow  behaupten, daß Dimitroff Stalin auf einen Fehler aufmerksam gemacht habe – nämlich: die These des Sozialfaschismus sei falsch gewesen. Das gleiche behauptet z.B. auch der bekannte trotzkistische Geschichtsfälscher Wadim Rogowin[1] in seinem 1997 erschienenen Buch  „Die Partei der Erschossenen“ (Роговин В. З. Партия расстрелянных, M. 1997). Er zitiert dazu wiederum aus einem Buch „Geschichte und Stalinismus“ (S. 184 f. russ.), das 1991 in Moskau erschienen war. Dieser angebliche Brief aus den geheimen Archiven ist offensichtlich eine Fälschung.

Nun ist es nicht verwunderlich, wenn ein Trotzkist vom anderen abschreibt. Diese Methode ist nicht neu. Doch auch die Quellenangaben sind nicht nachvollziehbar oder einfach nur falsch. Bekanntlich wurden ja schon zu Gorbatschows Regierungszeiten Fälschungen im sowjetischen Staatsarchiv[2] vorgenommen, mit denen versucht wurde, die Politik der UdSSR unter der Führung Stalins zu verleumden. Daß diese Fälschungen aber vor allem in den USA von trotzkistischen Autoren begierig aufgenommen werden, zeugt immer noch von einem gewissen Interesse an antikommunistischen Geschichtsfälschungen, obwohl dieselben schon mehrfach ein totales Fiasko erlitten haben. Auch das ist wenig verwunderlich, denn es handelt sich hierbei um Lügen. Man zeige uns das Original und nicht eine der zahlreichen trotzkistischen „Abschriften“. Dieser Brief ist eine Fälschung!

Anmerkungen:
[1] Wadim Sacharowitsch Rogowin (1937-1998) trotzkistischer Autor. Über ihn schreibt der russisch-amerikanische Historiker Juri Felshtinsky, die Bücher Rogowins seien „durchdrungen von einer hemmungslosen Apologetik Trotzkis und einem daraus entspringenden Dogmatismus“ (Juri  Felshtinsky, 30. August 2010. Юрий Фельштинский: „Несколько слов о книгах Волкогонова Д., ответ читателю“
siehe: https://www.webcitation.org/6EkfFNueq
– russ.)
[2] Fälscher im russischen Staatsarchiv.

Kann man gleich noch hinzufügen, daß auch die in mehreren Sprachen verbreiteten angeblichen „Tagebücher Dimitroffs“ eine Fälschung sind.

Die Zeitung der Österreichischen KP „Volksstimme“ veröffentlichte Einzelheiten über die sogenannten „Tagebücher Dimitroffs“. Die Zeitung selbst hält sie natürlich nicht für eine Fälschung der CIA, denn die KP Österreichs tritt aktiv gegen den „Stalinismus“ auf.  Und so kommen ihr die „Tagebücher“ gerade recht.

Doch die Sache wird interessant. Es zeigt sich, daß Dimitroff das angebliche „Tagebuch“ vom März 1933 bis August 1943 auf Deutsch geführt haben soll, weil die Deutschen ihm im Gefängnis angeblich verboten hätten in anderen Sprachen zu schreiben. Das man einem Angeklagten jedoch verbietet, Aufzeichnungen zu seiner Verteidigung vor Gericht in seiner Muttersprache vorzunehmen, so etwas gibt es nirgends!

Doch es wird noch interessanter: Von September 1943 bis Ende 1944 sind die Aufzeichnungen der „Tagebücher“ auf Russisch. Befand sich Dimitroff in der UdSSR etwa auch im Gefängnis? Und dann, von 1945 bis 1946 sind sie auf Bulgarisch geschrieben. Man muß jetzt verstehen, daß er aus den „Stalinschen Folterkammern“ befreit wurde.

Diese Vielsprachigkeit zeigt doch deutlich, daß an diesen „Tagebüchern“ eine ganze „internationale“ Truppe gearbeitet hat. Darüber, wo diese „Tagebücher“ „aufgetaucht“ sind, schreibt die Zeitung: „Die Autographie (hä?) besteht aus 12 Heften und einzelnen 9 Seiten (und daraus kann man mehr als 700 Buchseiten herstellen?), die nach dem Tode Dimitroffs in einem speziellen persönlichen Fundus des Zentralen Parteiarchivs der Bulgarischen KP so geheim aufbewahrt wurden, daß von deren Existenz nicht einmal die Mitarbeiter des Archivs etwas wußten.“ Da ist ein Kommentar – denke ich – überflüssig. Des weiteren teilt die Zeitung mit, daß nach dem Sturz Shiwkows (durch die „Demokraten“) am 10. November 1989 der Zugang zu den Archiven „erleichtert“ wurde, und daß 1990 in Bulgarien sogar erste „Raubkopien“ erschienen seien. Das ist nicht auch verwunderlich. Man hat sie einfach hergestellt.

An der Sofioter Universität seien dann 1997 die „Tagebücher“ angeblich in einer Auflage von 1.000 Exemplaren herausgegeben worden. Das seltsamste daran ist, daß ein solches bedeutsames Ereignis dermaßen unbemerkt geschehen ist, geradewegs so, als ob Bulgarien sich auf dem Mond befindet.

Es ist also durchaus möglich, daß es diese Ausgabe überhaupt nicht gab. Und daß man sie in Verbindung mit der Herausgabe der „Tagebücher“ in Berlin einfach „nachgedruckt“ hat. So grob arbeitet der CIA!

Was die Kommentare zu den „Tagebüchern“ betrifft, so erklärt die „Volksstimme“ im Unterschied zur Zeitschrift „Profil“, daß sie Georgi Dimitroff nicht selbst geschrieben habe, sondern sein „Pflegesohn“ Bojko Dimitroff. Und dafür vielen Dank. Bojko ist also dieser Kerl gewesen.

Schade nur, daß die Zeitung der KP Österreichs Dimitroff mit einer so offenkundigen Fälschung verleumdet.

Der Betrug war, wie es scheint, technisch perfekt gemacht. Doch leider, sind den Fälschern mehrere Fehler unterlaufen, die beweisen, daß es diese „Tagebücher“ niemals gab. Einige bedauerliche Dummköpfe haben sich allerdings dazu hinreißen lassen, darüber u.a. auch in linken Medien zu berichten und ihre bornierten Kommentare abzugeben. Wie man sieht, reicht aber weder die Intelligenz der Fälscher, noch die von deren Nachbetern aus, um das Ansehen des Kommunisten Georgi Dimitroff, und schon gar nicht das Ansehen Stalins zu schädigen. Das ist schon sehr blamabel für diese Herren Fälscher. Und es ist schon witzig, wenn die ersten Ausgaben dieser „Tagebücher“ in Berlin und in den USA erscheinen. Hat sich denn darüber noch niemand gewundert?

Siehe auch: Georgi Dimitroff: Wo sind sie denn, die Kommunisten?

 

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