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Das Ende der Geschichte


Das Ende der Geschichte

Dr. Rostislaw Ischtschenko (Ростислав Ищенко)

rostislaw-ischtschenko-1Eine Übersetzung eines Artikels (Quelle)

Wenn Ihnen jemand – weil er ein Flegel ist – im öffentlichen Verkehr versucht, dumm zu kommen, oder ein intellektueller Invalide versucht, als literarischer Kritiker aufzutreten, Puschkin verbessernd, oder es urteilt irgendein Besserwisser, twittert in den Formaten der sozialen Netzwerke von „den Fehlern Putins“, vom „syrischen Afghanistan“ oder von „der Hilflosigkeit des Kremls“, … in solchen Fällen ist immer die beste Reaktion – jegliche Reaktion zu unterlassen.

Den Außenseiter ignorierend, lassen Sie den Galanteriewarenhändler allein mit seinem Spiegel zurück. Wenn Sie reagieren, beginnt er „Frankreich“ zusammen mit dem Kardinal zu retten. Der Außenseiter ist ehrgeizig, er verkümmert ohne Aufmerksamkeit und versucht immer, an jemanden oder etwas anzudocken, das das öffentliche Interesse herbeiruft, damit er weiter geschoben wird, wie der Mond, der vom widergespiegelten Licht leuchtet. Es ist einfach: wenn ich Putin schelte und Putin antwortet mir, dann bin ich genauso viel wert wie Putin.

So eine Methode des Verweises von Außenseitern auf ihren Platz in dieser Welt wird von klugen Menschen im Alltagsleben oft angewendet. Den Dummkopf wirst du dennoch von nichts überzeugen, warum also Zeit und Kräfte vergeuden.
Aber in der Politik herrschte immer ein anderes Herangehen. Auf jeden Niesser der Opponenten sollte man antworten. Und das ist kein müßiges Überbleibsel aus den Zeiten des Trojanischen Krieges, sondern eine wohlbegründete Regel. Wenn der beleidigte Staat auf die Beleidigung nicht antwortet, dann ist das genauso, als würde er seine Zahlungsunfähigkeit erklären. Auf dieser Regel beruhen viele Provokationen. Sogar der Französisch-Preußische Krieg hat wegen der falschen Übersetzung der Emser-Depesche angefangen.

Am 30. Dezember 2016 hat der Präsident Russlands in der Politik die Hausregel des Ignorierens des Außenseiters angewendet. Es war absolut klar, dass die Ausweisung von 35 russischen Diplomaten aus den USA ein aufrichtig unfreundlicher, provokatorischer Schritt war. Und er wurde mit zusätzlichen Bedingungen eingerichtet, die Moskau in Raserei bringen sollten, um dann damit heftige Antwortreaktionen zu provozieren, die man dem amerikanischen Volk und dem Westen insgesamt als unmotivierte Aggression verkaufen wollte. Wenn man in den zwei letzten Tagen bis zum Jahreswechsel von den Diplomaten fordert, das Land zu verlassen, dann strebt man (Barack Obama) offenbar und unzweideutig danach, den Menschen den Feiertag zu verderben. In Washington erwartete man darauf eine entsprechende Reaktion und hatte sogar begonnen, vorauszusagen, was man alles in die Antwort an Moskau einschließen könnte.

Russland hat Obama ignoriert. Auf eine Reaktion hat man nicht verzichtet, aber die Reaktion bestand „nur“ im öffentlichen und demonstrativen Ignorieren des Präsidenten der Supermacht, die noch gestern um den Status eines weltweiten Hegemonen kämpfte. So eine grausame öffentliche Erniedrigung aber auch. Die Handlungen des Hegemonen werden genauso ignoriert, wie die Versuche des hysterischen Kindes, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu erlangen.

Besonders bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund die Reaktion der Welt auf die Handlungen Russlands. Sie billigen ihm zu, dass es sich empören kann, sie unterstützen und kritisieren, aber selbst die schwächste Bewegung Moskaus bleibt nicht ohne operative Reaktion. Außerdem reagierte der Westen in letzter Zeit sogar auf jene Dinge, die Russland nicht nur nicht machte, sondern sich noch nicht einmal vornahm zu machen. Die USA überreagierten bis zu dem Maße, dass sie allen Ernstes behaupteten, dass Moskau, mit Hilfe ihres Direktors vom FBI, ihnen ihren Präsidenten gewählt hat.

Die Erniedrigung Obamas ist auch eine Erniedrigung der USA – er ist doch schließlich der Präsident in bedeutendem Grade – redet und gilt im Namen des Riesenlandes, wenn ihm dafür auch nur noch drei Wochen übrig bleiben. Im Übrigen, das was gestern offensichtlich wurde (wegen der Fehlkalkulation der Mannschaft Obamas, die es auch dieses Mal nicht schaffte, die Reaktion Putins vorauszusehen) war bereits vor einigen Jahren geboren worden. Die Politik des Ignorierens in der weichen, nicht demonstrativen Variante wurde bereits in den normannischen und Minsker Formaten erprobt.

Wegen des Fehlers der amerikanischen Diplomatie, die dachte, dass der Einsatz der Verbündeten und Satelliten gegen Russland bessere Ergebnisse bringen würde, haben sich die USA aus dem Prozess der Regelung der ukrainischen Krise selbst ausgeschlossen. Ungeachtet der nachfolgenden mehrfachen Versuche Washingtons, zum Tisch der Minsker Verhandlungen durchzubrechen, setzte Moskau fort, es auf Abstand zu halten. Es hatte sich eine paradoxe Situation entwickelt: Der weltweite Hegemon, der die ukrainische Krise auslöste und die ukrainische Macht kontrollierte, konnte den Verlauf der Verhandlungen nicht direkt beeinflussen. Daraufhin hatten die USA nur noch die Möglichkeit, die Bemühungen der Seiten zur Realisierung der Bedingungen von Minsk zu blockieren (dafür sind sie sowieso begabt und es macht keine besonderen Bemühungen erforderlich, dazumal Kiew selbst nicht wünschte, diese zu erfüllen), aber ihre Vorstellungen in die Gespräche einzubringen waren sie nicht mehr im Stande.

Das zweite Mal wurde die Politik des Ignorierens schon öffentlich und im breiteren Format in Syrien Ende Dezember d. J. verwendet, als sich Russland und die Türkei über die Organisation des Waffenstillstands, schon ohne Teilnahme des ganzen Westens, einschließlich der EU, vereinbart haben. Es ist verständlich, dass das ein Waffenstillstand und nicht der Frieden ist und er wird nicht immer von allen beachtet werden. Es ist auch klar, dass er sich bei weitem nicht auf alle verfeindeten Gruppierungen erstreckt. Nichtsdestoweniger ist wieder ein Präzedenzfall geschaffen worden, indem der Westen (wenn auch nur vorübergehend) von der Teilnahme an der Regelung des von ihm ausgelösten Konfliktes entfernt wird.

Wenn man in der Welt etwas ohne Sie entscheiden kann – dann sind sie schon nicht mehr der Hegemon. Wenn man ohne Sie den größten Konflikt auf dem Nahen Osten (der Schlüsselregion des Planeten) lösen kann, entsteht die Überlegung, dass Sie nicht viel größer als eine regionale Macht sind. Wenn sich der kollektive Westen – die USA, die NATO, die EU in einer solchen Lage zeigt – dann wird die Verachtung gegenüber dem Präsidenten der USA und der ganzen amerikanischen Diplomatie, öffentlich Zweifel an der Fähigkeit des Westens demonstrieren, die weltweite Hegemonie auszuüben und sich in Überzeugungen von seiner Disqualifizierung zu verwandeln.

Und wir können feststellen, dass die vielfach beschimpfte, verleumdete und von vielen nicht verstandene Politik von Minsk zu diesem Ergebnis ohne großes Blut, ohne Erschütterungen und sogar ohne Überanspannung der Wirtschaft und der Finanzen geführt hat. Es ist ein reiner Sieg, und zwar nicht von den Zahlen her, sondern von den strategischen Fähigkeiten her.

Obwohl das Ganze früher oder später gut enden wird und im neuen Jahr das Schicksal von Minsk (wie eines politischen die USA ausschließenden Formates) nicht so eindeutig ist. Wenn die erklärte Absicht Trumps, die Beziehungen mit Russland zu verbessern, nach einem ganzen Komplex von Fragen begonnen wird, realisiert zu werden, dann muß man mit Washington reden. Man kann sich nicht vereinbaren, ohne zu sprechen. Das bedeutet, früher oder später, muß man die für es heute noch geschlossenen Formate öffnen. Selbst wenn das bedeutet, dass bei der interessierten amerikanischen Teilnahme, die Krisen und Bürgerkriege unendlich lange dauern, und sonst im Verlaufe von ein-zwei Jahren beenden sein könnten. Und es sind Hunderttausende, wenn nicht Millionen geretteter Leben und die Möglichkeit, die Wiederherstellung der Wirtschaft der leidenden Territorien in einer früheren Etappe (bei deutlich weniger Zerstörungen) und bei günstigeren Bedingungen (den Bemühungen der ganzen weltweiten Gesellschaft) zu beginnen.

Also … und damit alle Erfolge, die in den drei letzten Jahren nicht erreicht werden konnten, Donald Trump „für seine schönen Augen einfach geschenkt werden“, sollten beliebigen mehrseitigen Verhandlungen immer zweiseitige (Russland-USA) Konsultation vorangehen. Im Verlauf solcher Konsultationen werden die Positionen abgestimmt und erst danach kann die Rede über irgendein neues Format bei der Regelung der konkreten Krise gehen. Dabei ist es nicht obligatorisch, sofort auf das Alte zu verzichten. Schließlich stört nichts, die Arbeit nach dem Prinzip „das Minsker Format + die USA zu beginnen“ und dann – betreffs der syrischen Frage – zum Format „Astana + die USA“ zu wechseln, wenn Washington eine destruktive Position zum vorangehenden Format einnimmt.

Im Übrigen, die Hauptsache ist in jedem Fall erreicht. Nicht ohne Hilfe der unfähigen Mannschaft Obamas, sind die USA in die Lage eines Bittstellers manövriert worden. Russland hat demonstriert, dass es fähig ist, die es interessierenden Probleme nicht nur ohne Hilfe von Washington, sondern auch trotz seiner aktiven Gegenwirkung zu lösen. Amerika hat die Abhängigkeit von Moskau in der Lösung der globalen strategischen Probleme gezwungenermaßen anerkannt. Es war notwendig, das zu beweisen.

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