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Starikow, Nikolai: „Wer hat HITLER gezwungen STALIN zu überfallen?“


Starikow, Nikolai: Wer hat HITLER gezwungen STALIN zu überfallen?“

Beim Lesen dieses Buches muss man bedenken, das es von einem „Demokraten”, Nationalisten, Anti-Kommunisten, und nach meiner Meinung, einem russischen Demagoge, geschrieben wurde, zu mal der Autor dem Leser einreden will, dass die russische Oligarchie eine „Demokratie” ist, ähnlich und/oder besser, wie es die westlichen „Demokratien” sind. Russland ist aber genauso wenig eine „Demokratie” wie es die westlichen „Demokratien” sind, – es sind Klassengesellschaften, ob kapitalistisch oder imperialistisch, ist völlig nebensächlich.

Über die Gedanken in Klassengesellschaften, die auch in diesem Buch zusammengefasst werden, schreiben Karl Marx und Friedrich Engels in „Die deutsche Ideologie“ (http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_009.htm):

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefaßten herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft. Die Individuen, welche die herrschende Klasse ausmachen, haben unter Anderm auch Bewußtsein und denken daher; insofern sie also als Klasse herrschen und den ganzen Umfang einer Geschichtsepoche bestimmen, versteht es sich von selbst, daß sie dies in ihrer ganzen Ausdehnung tun, also unter Andern auch als Denkende, als Produzenten von Gedanken herrschen, die Produktion und Distribution der Gedanken ihrer Zeit regeln; daß also ihre Gedanken die herrschenden Gedanken der Epoche sind. Zu einer Zeit z.B. und in einem Lande, wo königliche Macht, Aristokratie und Bourgeoisie sich um die Herrschaft streiten, wo also die Herrschaft geteilt ist, zeigt sich als herrschender Gedanke die Doktrin von der Teilung der Gewalten, die nun als ein ‚ewiges Gesetz‘ ausgesprochen wird.“
Karl Marx & Friedrich Engels: „Die deutsche Ideologie“ (http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_009.htm)

Geschickt werden unzählige Aussagen, die eine Hälfte Wahrheit, die andere Hälfte Lügen, so zusammengeknüpft, dass jeder Leser hinterher völlig verwirrt ist und nicht mehr weiß, was er gelesen hat. Dabei wieder spricht sich der Autor von einer Seite zur anderen, selbst.
Eines ist aber deutlich abzulesen: Der deutsche Militarismus ist unschuldig, dass Hitler an die Macht gekommen ist. Schuld haben Großbritannien und die USA und natürlich ihre Handlanger: die Bolschewisten. Selbst Marx wird zur Untermauerung dieser These herangezogen:

„Insgesamt 37 Jahre seines Lebens wohnte der Deutsche, Karl Marx, in London. Dort schrieb er sein Werk „Das Kapital“, dort ist er beerdigt. In dieser Stadt wurde die 1. Kommunistische Internationale gegründet. Sicher nicht zufällig. Schon ungefähr 200 Jahre finden alle antirussischen Kräfte ihr Asyl gerade in dieser Stadt. Die letzten Ereignisse im modernen Russland dürften dafür ein überzeugender Beweis sein.” (Fußnote 50, in diesem Buch)

Am Anfang des Buches werden die deutschen Industriellen davon freigesprochen Hitler finanziert zu haben, an einer anderen Stelle des Buches ist Lew Trotzki der Vater der deutschen Nazi-Ideologie.
Bezeichnend ist, das keine 10 Jahre später die Doktorarbeit von Karsten Heinz Schönbach: „Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943”, trafo Verlag, 658 Seiten, beschrieben in Gerd Bedszent: Die Geldgeber der Nazis (http://www.ossietzky.net/19-2016&textfile=3672 ) die Freigesprochen, erneut belastet werden.
Totzdem, im Kampf innerhalb des Imperialismus um die Meinungs- und Deutungshoheit der Geschichte, – denn wer die die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Gegenwart und Zukunft, – enthält das Buch auf der einen Seite wichtig Fakten, – die belegen, dass die Menschen von der westlichen, bürgerlichen Geschichtsschreibung seit Jahren belogen werden. Auf der anderen Seite werden aber auch neue Lügen, in Sinne der neuen russischen Oligarchie, hinzugefügt. Antikommunistisch ist das Buch, dem Zeitgeist angepasst, von der ersten Seite an.

Nikolai Starikow, genauso wie Viktor Suworow, alias Wladimir Resun (Mitglied des sowjetischen Geheimdienstes, Vaterlandsverräter – „wichtigstes“ Werk „Der Eisbrecher“) und die vielen anderen Karrieristen, haben festgestellt, dass man mit antikommunistischer, sowjetfeindlicher Geschichtsklitterung, in einer imperialistischen Welt, in der die Monopol- Finanz- und Medien-Kapitalisten um ihre Macht fürchtet, und die, für die Verdammung des Kommunismus hunderte Millionen Dollar schon ausgegeben haben und noch ausgeben werden – sie Hunderttausende Rubel/Dollar verdienen können.

Starikow gibt zwar als „Gralshüter der Wahrheit” und kritisiert Viktor Suworow, verbreite aber auf der anderen Seite die gleiche anti-kommunistische Propaganda, wie Suworow. Sie nehmen sich also beide nicht viel. Der eine schreibt für die westlichen Imperialisten und der andere für die russischen. Die Wahrheit erfährt man jedenfalls so nicht.

Ein Beispiel – Folgendes ist zu lesen:

„Es handelt sich um Dachau. Gerade vor diesem Ort wurde die Rote Armee (Armee der deutschen Arbeiter) von den herangezogenen Regierungstruppen zum Stehen gebracht. Dort begann die 60-tausend Mann starke Armee unter Führung des „Bluthundes“, Gustav Noske, die Gegenoffensive. Gemeinsam mit der regulären Armee vernichteten die Freikorps die Bayrische Räterepublik, wobei sie ihre Gegner mit der gleichen Grausamkeit töteten, wie die Kommunisten. Die Straßenkämpfe in München dauerten 5 Tage. Anschließend erfolgten zahlreiche Hinrichtungen im Hof des Gefängnisses.“

Die Behauptung, dass die Kommunisten ihre Gegner mit der gleichen Grausamkeit töteten wie die „Bluthunde Noskes“ ist eine schäbige, antikommunistische Lüge, die der Autor des Buches gleich selbst revidiert und es noch nicht einmal merkt [sic], wenn er schreibt:

„Tatsache ist, dass die bayrische Konterrevolution weit blutiger war, als die Revolution. Von der Roten Armee wurden 8 Geisel erschossen. Sie waren Mitglieder der Thule-Gesellschaft (ein politischer Geheimbund, der im August 1918 in München von dem Aristokraten, Rudolf von Sebottendorf, gegründet wurde, Anm. d. Übers.).
Die „Weißen“ erschossen fast sämtliche Soldaten eines Sanitätsbataillons, 21 Mitglieder eines katholischen Gesellenvereins, 12 Arbeiter aus Perlach, 50 freigelassene russische Kriegsgefangene, die führenden Mitglieder der Bayrischen Räterepublik, Rudolf Egelhofer, Gustav Landauer und Eugen Leviné u.a. Nach offiziellen Angaben forderte die Niederschlagung der Räterepublik 625 Todesopfer. An der „Befreiung“ Münchens nahmen auch die künftigen Nazis, Ernst Röhm und Rudolf Heß, teil. Hitler, der sich zu dieser Zeit in München befand, hat am Kampf gegen den Kommunismus aus unerklärlichen Gründen nicht teilgenommen.“

Hier ein weiteres Beispiel, wie er als bürgerlicher Historiker, die Geschichte genauso fälscht, wenn er sich vor die deutschen Industriellen stellt:

„Die Nationalsozialisten kommen niemals aus den Reihen der kleinbürgerlichen Sozialdemokraten oder Gewerkschaftlern, aber wunderbar aus den Reihen der Kommunisten“. […]
In Deutschland finden schon keinerlei Aufstände und Umstürze mehr statt – nicht von den Rechten, und was für uns besonders wichtig ist, auch nicht von den Linken. Die Gefahr einer Vergiftung bestand nicht, d.h. es wurden auch keine Entgiftungsmittel gebraucht. Es bestanden gute Voraussetzungen, die Rechtsordnung, Rechtsorgane und ihre Beschützer zu stärken und alle Extremisten – sowohl rechte als auch linke – schonungslos zu bestrafen. Aber irgendjemand brauchte unbedingt die Machtübernahme durch Adolf Hitler. Ganz sicher waren das nicht die deutschen Industriellen.”

Seine Sprache ist in diesem Zusammenhang sehr interessant. Der Kampf der Arbeiter und Bauern für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, ihr Kampf gegen Ausbeutung und Krieg, wird als Vergiftung bezeichnet und das Zusammenschießen der linken Revolution, genauso wie die der rechte Konterrevolution, als Entgiftungsmittel. Die Beurteilung, wie weit dieses Denken vom Faschismus entfernt ist, mag der Leser selbst entscheiden.

Das sind nur zwei Beispiel – das Buch ist voll davon; Lügen, Habwahrheiten, Märchen und Verschwörungstheorien, wie das Märchen, das Deutschland den 1. Krieg verlor, weil der Reichskanzler geschlafen hat. [sic] (Geschichte für Dummies!)
Wer schreibt: „Die Revolutionen in Deutschland und in Russland organisierte der britische Geheimdienst mit maßgeblicher Unterstützung der USA und von Frankreich. [S. 69]“ hat die Zusammenhänge in Klassengesellschaften nicht verstanden oder schreib bewusst die Unwahrheit und/oder will die Lehren aus den Revolutionen der letzten Jahrhunderte nicht zur Kenntnis nehmen.
Revolutionen entstehen, wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen. (Lenin),

Lesenswert?

Man muss sich mit solchen Büchern beschäftigen. Die Lügen der westlichen Geschichtsklitterung, mit der Gleichsetzung des Faschismus und des Kommunismus, kennen wir nun ja schon zur Genüge, – da erzählt uns dieses Buch auch nichts Neues (jedenfalls mir nicht!) – diese neue, russische Geschichtsklitterung müssen wir erst noch kennen lernen, nach dem auch dort die Oligarchen und ihre Handlanger, die Macht ergriffen haben und die Hilfswilligen alles tun, um sie an der Macht zu halten.

Ich stehe schon lange auf den Standpunkt:
„Hitler hat es nur bis vor die Tore Moskaus geschafft – Goebbels aber, sitzt heute mitten im Moskau”.

Ein zweites mal würde ich dieses Buch nicht wider erwähnen.

logo-fit-4-russland, 26. Januar 2018

nikolai-starikow
© CC-BY 4.0 mid.gospmr.org

Das von Dr. Wolfgang Schacht übersetzte Buch von Nikolai Starikow „Wer hat HITLER gezwungen STALIN zu überfallen?“ ist im Verlag „Baltosios Gulbes“ in deutscher Sprache erschienen.

72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges besteht damit für den deutschen Leser erstmals die Möglichkeit, sich mit den wahren Ursachen, Hintergründen und wirklichen Inspiratoren der größten und schrecklichsten Katastrophe in der Geschichte der Menschheit vertraut zu machen. [sic] Auf der Grundlage eines umfangreichen und detaillierten Faktenmaterials zerreißt Nikolai Starikow mit seiner ausgezeichneten Argumentation und bestechenden Logik das vom Establishment gesponnene Netz der Lügen, Klischees und Mythen über Hitlers Streben nach der Weltherrschaft und seiner Allein-Schuld an diesem grausamen Krieg. Das Buch handelt über jene, welche

  • diesen schrecklichen Krieg erst möglich gemacht haben;
  • Hitler und seine Partei finanziert haben;
  • Hitler geholfen haben, die Macht zu ergreifen;
  • Hitler die erforderlichen Waffen, neue Territorien und ihm den festen Glauben an seine Allmacht gegeben haben.

Die  Übersetzung erfolgte freiwillig, unentgeltlich und ohne irgendwelche kommerzielle Absichten und Ziele. Sie dient allein der Wahrheitsfindung für unsere Kinder und Kindeskinder. Um das Interesse der deutschen Leser an diesem einmaligen „Lehrbuch unserer Geschichte“ zu erhöhen, hat Dr. Wolfgang Schacht in seinem Exemplar des Buches auf seiner Internetseite zu den bereits vorhandenen 33 Bildern mehr als 350 zusätzliche Bilder, Tabellen und Diagramme eingefügt. Denn das von Nikolai Starikow geschriebene Buch ist – wie alle seine Bücher – in erster Linie für den russischen Leser bestimmt. Viele Fakten und Details des Großen Vaterländischen Krieges, die zum Allgemeinwissen in Russland gehören, sind dem deutschen Leser weitgehend unbekannt.

Dr. Wolfgang Schacht hat vom Verlag „Baltosios Gulbes“ die offizielle Erlaubnis erhalten, dass das von ihm in die deutsche Sprache übersetzte Buch vollständig auf seiner Internetseite veröffentlicht werden kann.

Hier geht es zum Buch (pdf-Datei)

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