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Der fast vollständige Bankrott des Revisionismus


Der fast vollständige Bankrott des Revisionismus

(Gedanken nach dem Lesen des Buches von Grover Furr, Chruschtschows Lügen, Berlin, 2014, 384 Seiten)

logo-offensiv, Karsten Schönsee

Beim Lesen der textkritischen Analyse der allseits bekannten „Geheimrede“ Chruschtschows auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) am 25. Februar 1956 von Grover Furr, stellt sich die Frage, warum Chruschtschows Lügen über Stalin, Berija und den Sozialismus in der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) von Leuten, die sich selbst Kommunisten nennen, so gerne aufgenommen werden. Obwohl Furr akribisch im ersten Teil seines Buches in neun Kapiteln die Lügen, Verdrehungen und Desinformationen von Chruschtschows berühmt berüchtigter Rede aufzeigt und mit Hilfe von gesicherten Archivquellen sowie Zeugenaussagen in 61 Textabschnitten diese „Geheimrede“ widerlegt, beziehen sich die modernen Revisionisten (die in der BRD ihre politische Heimat hauptsächlich in der DKP und der KPF der Partei Die Linke haben) immer noch auf Chruschtschows „Enthüllungen“ um den „Personenkult um Stalin“, die der Historiker aus der USA (Grover Furr) so treffend als einfach nur falsch, erfunden und schlichtweg gelogen entlarvt. Symptomatisch für solch einen Kult um die Verdrehungen Chruschtschows sind solche Lobpreisungen in den Spalten der – sich als marxistisch verstehenden – Tageszeitung „junge Welt“ vom 17./18.02.2001, S. 11, die unter der Überschrift „Die Geheimrede. Über den Personenkult und seine Folgen. Von Nikita S. Chruschtschow“ dessen Machwerk mit der Einleitung veröffentlicht:

In einer mutigen Rede enthüllte Nikita Chruschtschow vor 45 Jahren auf dem XX. Parteitag der KPdSU erstmals die Stalinschen Verbrechen. Allerdings unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Eine theoretisch fundierte Auseinandersetzung mit dem Stalinismus war auf diese Weise nicht möglich – und nach kurzem Tauwetter politisch auch nicht mehr gewollt.“[1]

Da wäre nach Lektüre der theoretisch fundierten widerlegten „Chruschtschows Lügen“ doch zumindest eine Selbstkritik der Redaktion der jW angebracht. Zumindest sollte sie jedoch ihren Leserinnen und Lesern Grover Furrs Buch ans Herz legen, was meines Wissens bis heute nicht in den Spalten der jW geschehen ist …

Chruschtschows Jauchegrube

Eine fundierte theoretische Auseinandersetzung mit der „Geheimrede“ und den politischen Revisionen der Chruschtschow-Ära hätte die Redaktion der jW schon in den 1980 in deutscher Sprache erschienen Erinnerungen des Zeitzeugen und Teilnehmers des 20. Parteitags der KPdSU, Enver Hoxha[2] „Die Chruschtschowianer. Erinnerungen“ entnehmen können. Lassen wir Enver Hoxha berichten:

Sein (Chruschtschows) erster Bericht auf dem Parteitag, großspurig als „kolossaler Beitrag“ zum Bestand des Marxismus-Leninismus, als „schöpferische Weiterentwicklung“ unserer Wissenschaft angepriesen, stellt in Wirklichkeit die offizielle Charta des modernen Revisionismus dar. Schon damals fanden Chruschtschows „Neuentwicklungen“ bei der Bourgeoisie und der Reaktion ungemein großen Anklang. Diese sprachen ganz unverblümt von radikalen Veränderungen, die sich gerade in der Sowjetunion und der politischen und ideologischen Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vollzogen.
Die Reaktion und die Bourgeoisie begrüßten also die große, radikale Wende Chruschtschows freudig, versäumten es aber gleichzeitig auch nicht, bei verschiedener Gelegenheit zu erklären, sie sei „gefährlicher“ für ihre eigenen Interessen als die Linie der Stalinzeit. (…)
Am letzten Tag wurde der Parteitag hinter verschlossenen Türen abgehalten, (…hier) wurde den Delegierten auch noch ein zweiter Bericht Chruschtschows verlesen. Das war der berüchtigte gegen Stalin, der sogenannte Geheimbericht. Man hatte ihn allerdings schon vorher den [ebenfalls offenen Revisionisten und] jugoslawischen Führern zugesandt, und schon wenige Tage später geriet er als ein neues „Geschenk“ Chruschtschows und der Chruschtschowianer auch in die Hände der Bourgeoisie und der Reaktion. (…)
Nachdem wir den schrecklichen Bericht gelesen hatten, gaben wir ihn unverzüglich seinen Urhebern zurück. Wir brauchten diese von Chruschtschow ausgeheckte Jauchegrube ekelerregender Beschuldigungen nicht. Wir gehörten nicht zu der Sorte von „Kommunisten“, die den Bericht mitnahmen, um ihn der Reaktion auszuhändigen und als gewinnträchtiges Geschäft pfundweise an den Kiosken zu verkaufen.“
[3]

Die Entlarvung des modernen Revisionismus

Doch warum halten sich „Chruschtschows Lügen“ auch heute, nachdem sie zunächst von Kurt Gossweiler („Wider den Revisionismus“ und „Taubenfußchronik“) und nun auch von Grover Furr erstmals 2007 in einer wissenschaftlichen, historischen Untersuchung in englischer Sprache als haltlos, erstunken und gelogen entlarvt worden sind? Sie sind die Vorraussetzung für die politische und ideologische Wühltätigkeit der modernen Sowjetrevisionisten vom Schlage eines Chruschtschows, Breschnew und deren Nachfolgern bis hin zu einem Genosken Gorbatschow innerhalb der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung nach dem 20. Parteitag der KPdSU 1956.

Den öffentlichen, offenen und ideologischen Kampf gegen diesen modernen Revisionismus nehmen der Vorsitzende Mao Tsetung und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) erstmals im Jahr 1960 anlässlich des 90. Geburtstages von W. I. Lenin in ihrem Band „Es lebe der Leninismus“ auf:

Es ist genau so, wie es in der Erklärung der Beratung von Vertretern der kommunistischen und Arbeiterparteien der sozialistischen Länder in Moskau vom November 1957 heißt: „Der bürgerliche Einfluß ist die innere Quelle des Revisionismus, Kapitulantentum gegenüber dem Druck des Imperialismus seine äußere Quelle“ Die alten Revisionisten waren seinerzeit bemüht, den Beweis für die Überlebtheit des Marxismus zu liefern, während die modernen Revisionisten denselben Beweis für den Leninismus antreten wollen. In der Moskauer Erklärung heißt es darüber: „Der moderne Revisionismus ist bemüht, die große Lehre des Marxismus-Leninismus in Verruf zu bringen, er erklärt sie für ´veraltet´, behauptet, sie habe heute ihre Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung verloren. Die Revisionisten sind bestrebt, den revolutionären Kern des Marxismus auszumerzen und den Glauben der Arbeiterklasse und des schaffenden Volkes an den Sozialismus zu erschüttern.“ Dieser Teil der Erklärung hat die Frage ganz richtig gestellt; er entspricht der tatsächlichen Situation.“[4]

Ideologischer Kampf gegen den Revisionismus – besonders auch heute im zweiten Teil von „Chruschtschows Lügen“ (Kapitel 10 bis 12) reist Grover Furr die Fragen an, warum und zu welchem Zweck es zu dem Kult um die Lügen von N. S. Chruschtschow „Geheimbericht“ gekommen ist. Eine Antwort liegt darin, dass es nach dem 20. Parteitag der KPdSU besonders in den 1960er und 1970er Jahren zu einem harten ideologischen Kampf in der internationalen kommunistischen Bewegung gekommen ist, der in der „Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung“[5] 1963 ff. einem Höhepunkt erreicht hat. Auf der einen Seite standen und stehen die modernen Revisionisten der damaligen KPdSU und die ihr hörigen Satteliten-KPen, auf der anderen Seite verteidigen in diesen Jahren der Vorsitzende Mao Tsetung und die Kommunisten der KPCh, PAA sowie weiterer Parteien den Marxismus-Leninismus.

So verteidigt der Vorsitzende Mao Tsetung in seinem Artikel „Zum Tod Stalins“[6] in der Renmin Ribao vom 09.03.1953 das marxistisch-leninistische Erbe Stalins gegen die KPdSU und Co. Die albanischen Kommunisten verteidigen 1964 in ihrer Schrift „Die gefährlichen Manöver der Chruschtschowgruppe im Zusammenhang mit dem sogenannten Kampf gegen den „Personenkult“ muß man bis zum Schluß enthüllen“ umfassend das Werk des Genossen Stalin gegen die Fülle der Attacken der modernen Revisionisten. Um die Frage zu beantworten, warum nach dem Tode Stalins die Chruschtschow-Banditen an die Macht kommen konnten, ist der Bericht von Enver Hoxha an den 5. Parteitag der PAA[7] sowie sein Artikel „Die Arbeiterklasse der revisionistischen Länder muß den Kampf aufnehmen, um die Diktatur des Proletariats wiederherzustellen“[8] vom 24.03.1968 sehr hilfreich.

Erst vor diesem Hintergrund erhellt sich die Notwendigkeit des langwierigen ideologischen Kampfes gegen den modernen Revisionismus in der BRD – auch heute noch.

Zu diesem trägt Grover Furrs Buch „Chruschtschows Lügen“ insoweit bei, als es die teilweise gebetsmühlenartigen und hysterischen Rückgriffe auf Chruschtschows „Geheimbericht“ als das entlarvt, was sie sind: Moralisierende Lügen und unwissenschaftliche Desinformationen, die eine Diskussion in der kommunistischen Bewegung über die ideologischen und politischen Positionen der „bösen Stalinisten und Maoisten“ verunmöglichen sollen.

Anhang:

I.

Die im Text angegeben Artikel und Bücher sind, auch antiquarisch, nur sehr schwer und teuer zu erstehen. Daher sei auf die nachfolgenden Internetseiten verwiesen: www.stalinwerke.de

Hier findet sich der volle Wortlaut von Chruschtschows „Geheimbericht“ und die Werke J.W. Stalins.
www.enver-hoxha.net
Hier finden sich die genannten Bücher und Artikel der PAA und Enver Hoxhas in deutscher Sprache.
www.bannedthought.net
Auf dieser englischsprachigen Webseite finden sich auch deutsche Texte der „Großen Polemik“ der KPCh und Mao Tsetungs.
www.infopartisan.net/archive/maowerke/index.htm
Hier finden sich die Ausgewählten Werke Mao Tsetungs.

II.

Zum Tod Stalins von Mao Tsetung (Renmin Ribao 09.03.1953)

Sowohl das theoretische als auch das praktische Werk des Genossen Stalin bilden einen unschätzbaren Beitrag für unser Zeitalter. Genosse Stalin ist der Repräsentant unserer Epoche in jeder Hinsicht. Sein Werk hat es dem sowjetischen Volk und der Arbeiterklasse aller Länder ermöglicht, die gesamte internationale Situation zu verändern.

Das Werk und die Ideen des Genossen Stalin haben sich tief in den Massen verwurzelt; sie sind ein unbesiegbare Kraft geworden, eine Kraft, die es jenen, die bereits einen Sieg erfochten haben, ermöglicht, noch weitere Siege zu erringen und die es denen, die tagtäglich unter der Unterdrückung des unheilvollen kapitalistischen Systems leiden, gestattet die Feinde des Volkes mutig zu schlagen.

Genosse Stalin hat auf allen Gebieten der Weiterentwicklung der Theorie des Marxismus-Leninismus Beiträge von historischer Bedeutung erbracht und damit den Marxismus auf eine neue Stufe gehoben. Genosse Stalin hat die leninistische Theorie des Gesetzes von der ungleichmäßigen Entwicklung im Kapitalismus sowie die Theorie von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem einzelnen Lande schöpferisch weiterentwickelt. Genosse Stalin hat die Theorie der allgemeinen Krise des Kapitalismus schöpferisch weiterentwickelt und einen wesentlichen Beitrag zur Theorie des Aufbaus des Kommunismus geleistet. Er hat die Theorie in Bezug auf die grundlegenden Gesetze des Sozialismus einerseits und des Kapitalismus andererseits bereichert. Er hat die Theorie der Revolution in den kolonialen und halbkolonialen Ländern weiterentwickelt und in schöpferischer Weise die Theorie Lenins über die Partei fortgeführt.

Alle diese schöpferischen Leistungen des Genossen Stalin haben es der Arbeiterklasse der ganzen Welt ermöglicht, ihre Einheit zu festigen, und sie haben die Einheit aller unterdrückten Klassen und Völker gestärkt. Damit haben sie auch den Kampf der Arbeiterklasse der ganzen Welt und aller unterdrückten Völker für Freiheit und sozialen Fortschritt beflügelt und ermöglicht, dass in diesem Kampf so beispiellose Siege errungen werden konnten.

Alle Werke des Genossen Stalin sind unvergängliche marxistische Dokumente: Seine Werke „Fragen des Leninismus“, „Geschichte der KPdSU(B)“ sowie sein letztes Werk „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ stellen eine Enzyklopädie des Marxismus-Leninismus dar und fassen die Erfahrungen der internationalen kommunistischen Bewegung im Laufe der vergangenen hundert Jahre zusammen. Seine Rede auf dem 19. Parteitag der KPdSU ist ein kostbares Testament, das er den Kommunisten in aller Welt hinterlassen hat. Wir, die chinesischen Kommunisten sowie die Kommunisten aller Länder der Welt, finden in den großen Werken des Genossen Stalin unseren Weg zum Sieg. Seit dem Tod Lenins war Genosse Stalin immerzu die zentrale Persönlichkeit in der internationalen kommunistischen Bewegung. Wir alle standen hinter ihm. Immer wieder haben wir ihn um seinen Rat gefragt, und wir alle haben uns durch die Lektüre seiner Werke ständig ideologisch gestärkt.

Genosse Stalin war erfüllt von einer tiefen Liebe für die unterdrückten Völker des Ostens. Seine Schrift „Vergesst den Osten nicht!“[9] war ein eindringlicher Aufruf, den er nach der Oktoberrevolution erließ.

Jeder weiß dass die tiefe Zuneigung des Genossen Stalin auch dem chinesischen Volk galt, und dass er von der gewaltigen Kraft der chinesischen Revolution überzeugt war. Seine Beiträge in Bezug auf Probleme der chinesischen Revolution waren von erhabener Weisheit. Die Kommunistische Partei Chinas und das chinesische Volk konnten ihren historischen Sieg erreichen, weil sie der Theorie Lenins und Stalins folgten.

Nun haben wir unseren großen Lehrer und unseren aufrichtigen Freund, Genossen Stalin verloren. Die Tiefe dieses Unglücks kann man mit Worten nicht beschreiben, und auch die Trauer, die wir empfinden, liegt jenseits unserer Ausdrucksmöglichkeit.

Es ist unsere Aufgabe, diese Trauer in eine starke Kraft umzuwandeln.
Es lebe die Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin!
Ewigen Ruhm dem erhabenen Namen des großen Genossen Stalin!

Fußnoten:

[1] junge Welt vom 17./18.02.2001, S. 11
[2] Enver Hoxha war als 1. Sekretär des ZK der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) Leiter der Delegation der PAA auf dem 20. Parteitag der KPdSU und hat als solcher auch den „Geheimbericht“ Chruschtschows zu lesen bekommen.
[3] Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer. Erinnerungen, Tirana, 1980, S. 200-203
[4] Es lebe der Leninismus, Peking, 1960, S. 10-11
[5] Die Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung, Peking, 1965
[6] Da dieser Artikel leider nicht in den V. Band der Gesammelten Werke Mao Tsetungs aufgenommen ist, wird er im Anhang aufgeführt.
[7] Siehe hierzu auch: Geschichte der PAA, Tirana, 1982, S. 387-419
[8] Enver Hoxha, Ausgewählte Reden und Aufsätze, Dortmund, 1974, S. 125-145
[9] J.W. Stalin, Werke Band 4, Berlin/DDR, 1951, S. 149-151

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Warum das Schweigen nach Chruschtschows „Geheimrede“?

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Vorwort:

Unsere Partei, die KPD/ML hat sich bekanntlich Silvester 1968 im Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus gegründet. Ausgangspunkt war die „Große Polemik über die Generallinie“ zwischen der KPdSU und der KP Chinas und der folgende ideologische Kampf der KP Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens gegen den modernen Revisionismus. Später kamen noch die persönlichen Erinnerungen Enver Hoxhas, zusammengefasst in seinem Buch „Die Chruschtschowianer“ hinzu. Die Entartung des Ostblocks wurde im Laufe der Zeit immer mehr auch in der Praxis sichtbar. Vieles blieb aber immer noch im Dunklen. Wie konnte das passieren? Was waren die Hintergründe? Erst mit der teilweisen Öffnung der Archive wurde einiges klarer.

Ein besonderes Verdienst haben hier die Bücher des US-Forschers Grover Furr. Sein Buch „Chruschtschows Lügen“ ist 2015 auch in deutscher Sprache erschienen.

Ein anderer Aspekt ist die Frage, warum hat die KPdSU diese Lügen hingenommen. Dazu folgender Artikel:

Historisches:

Warum das Schweigen nach Chruschtschows „Geheimrede“?

Eine der ungewöhnlichsten Neuheiten der letzten Zeit ist das Buch des amerikanischen Historikers, des Professors der staatlichen Universität Montclerc, Grover Furr „Die stalinfeindliche Fälschung“ (Algorithmus Verlag 2007) der sich bis in Detail mit der berüchtigten Rede von N.S. Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU befasst hat. („Die 61 Lügen Chruschtschows über Stalin“).

Eine Frage war noch warum ließen die Parteitags-Delegierten diese Rede schweigend über sich ergehen?

Hierzu ein Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Grover Furr und S. Charzisow von www.litrossia.ru:

„Doch trotzdem ist am Ende nicht klar: einerseits wurde die Rede Chruschtschows, wie sie schreiben, aus Lügen zusammengestellt, und andererseits hat sich in der Führungsspitze der UdSSR niemand gefunden, der die Falschheit der „Entlarvungen“ aufgedeckt hätte.“

Darüber hinaus wurde von allen Chruschtschow gegenüber einheitlich und stillschweigend volle Unterstützung zugesagt. Und gerade stoßen wir hier auf eine der spannendsten Fragen. Trotz der weitverbreiteten Vorstellung, war nicht Stalin die Hauptzielscheibe der „geschlossenen“ Rede, sondern der politische Kurs und eine bestimmte Tendenz, die sich mit seinem Namen verbanden. Der russische Historiker Juri Shukow erklärte das so:

Das Ziel Chruschtschows bestand gerade darin, mit den demokratischen Reformen, die noch zu Lebzeiten Stalins begonnen worden waren, aber nicht beendet wurden, Schluß zu machen.

Heute sind für viele (und man muß sagen, nicht ohne Einfluß der Chruschtschowschen Rede) die Begriffe „Stalin“ und „Demokratie“ in der Vorstellung gegensätzliche Begriffe, zwei unvereinbare Extreme, die zwei gegensätzliche Pole kennzeichnen. Aber eine solche Meinung ist falsch. Stalin teilte die Leninschen Ansichten über eine repräsentative Demokratie und war bestrebt, deren Prinzipien im Staatsapparat der UdSSR zu verwirklichen. Gerade Stalin stand an der Spitze des Kampfes für die Demokratisierung der sowjetischen Gesellschaft, eines Kampfes, der sich in den Jahren 1930 bis 1950 in der UdSSR im Herzen der politischen Prozesse abspielte. Ihr Wesen wurde darauf zurückgeführt, dass damit die Rolle der kommunistischen Partei bei der Verwaltung des Staates (wie auch in anderen Ländern) bis hin zu „normalen“ Grenzen eingeschränkt worden wäre, und die Aufstellung der Staatslenker nicht nach deren Parteimitgliedschaft zu geschehen hat, sondern aufgrund demokratischer Prozeduren.

Nicht nur Chruschtschow, sondern offenbar auch anderen sowjetische Führer waren mit dem Kurs solcher Reformen nicht einverstanden. Jedenfalls waren Malenkow, Molotow und Kaganowitsch – die bedeutendsten, mit Stalin verbundenen politischen Figuren, wenn auch ungern, doch im geheimen, mit dem unausgesprochenen Sinn der „geschlossenen“ Rede einverstanden und haben ihm zugestimmt. An die Macht kommen, und mit den Ideen einer solchen explosiven „geschlossenen“ Rede zu übertölpeln, konnte Chruschtschow nur, weil der die sowjetische Parteielite auf seine Seite brachte.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um den Historikern Juri Shukow (Russland) und John A. Getty (USA) meine Dankbarkeit auszusprechen, deren Arbeiten mich für die Arbeit an der „geschlossenen“ Rede begeistert haben, und die die zu Chruschtschows Zeiten noch tief versteckte Tatsache der Zuneigung Stalins gegenüber den demokratischen Prinzipien erneut aufgedeckt haben.

Quelle: http://www.kommunisten-online.de vom 30. Mai 2015

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