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Das siebte Kreuz


Das siebte Kreuz

Sascha’s Welt, 31. Januar 2018

das-siebte-kreuzAuch wenn das Buch ein wenig abgegriffen ist und das Papier etwas gealtert – die Geschichte jedoch, um die es hier geht, ist beides nicht. Anna Seghers‘ Roman hat Millionen Leser zutiefst erschüttert. Es ist eine authentische Begebenheit zwischen furchtbarer Angst und zaghafter Hoffnung, zwischen Tod und Vertrauen, ein Zeitereignis aus dem faschistischen Deutschland nach 1933. Georg Heisler, dem letzten der sieben Flüchtigen aus dem KZ Westhofen gelingt es, dank der Hilfe seiner Genossen, den Häschern zu entkommen. Sehr eindringlich beschreibt die Autorin Land und Leute, Menschen des Rhein-Main-Gebietes, wie sie typisch sind für dieses Land, in dem der Faschismus Herzen und Hirne verwüstet hat, der aus Menschen kleinliche, ängstliche Wesen gemacht hat, denen nur eines wichtig ist – nicht auffallen, nur kein „falsches Wort“. Denn Denunzianten gibt es überall. Doch es gibt auch die anderen: es gibt Menschen die standhaft blieben, die nicht zu Verrätern wurden, nur um ihre eigene Haut zu retten. Die Kommunisten haben es vorgelebt, und in ihnen zeigt sich auch, wer Mut und Charakter besitzt angesichts der scheinbaren Allmacht der Gestapo…

Das Buch

1942 erstmals im Ausland erschienen, gehörte dieses Buch nach 1945 zu den ersten und wichtigsten Büchern, die in der DDR veröffentlicht wurden. Jedes Schulkind kannte „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers. Ebenso, wie auch jeder Schüler einmal während seiner Schulzeit die Nationale Mahn-und Gedenkstätte Buchwald besucht hatte. Das Grauen des Faschismus war den Menschen in der DDR bekannt. Und wer es nicht selbst erlebt hatte, der konnte sich ein Bild davon machen: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus! Das war unsere Haltung! Und „Das siebte Kreuz“ war ja nicht das einzige Buch, das über diese Zeit berichtete…

Widmung: Dieses Buch ist den toten und lebenden Antifaschisten Deutschlands gewidmet. Anna Seghers.

Auseinandersetzung mit dem Faschismus – eine Pflicht?

Ja – es war Pflicht in der DDR, sich von den Verbrechen zu überzeugen, die die Nazis begangen hatte. Wir wußten, daß der Faschismus das bisher größte Verbrechen an der Menschheit gewesen war. Ja, es war Pflicht in der DDR, sich mit den Ursachen des Faschismus zu befassen. Ebenso wie es Pflicht war, die Schule zu besuchen. Denn wir wollten verhindern, daß noch einmal junge deutsche Soldaten in den Kreg geschickt werden, fremde Länder überfallen, Tote, Verwundete und unvorstellbares Leid hinterlassen. Und ja, wir wollten verhindern, daß es jemals wieder dazu kommt, daß junge Menschen sogar bereit sind, ihre eigenen Eltern zu denunzieren. Das war das Vermächtnis der gefallenen Antifaschisten. Und es war unsere Pflicht, dies Vermächtnis zu wahren und weiterzugeben!

Braune Gedanken im Hirn?

Wir wiederholen es hier: Es wäre sicherlich nicht angebracht, über die Notwendigkeit des Besuchs einer Mahn- und Gedenkstätte wie Auschwitz oder Buchenwald zu diskutieren, fänden sich nicht in einflußreichen Kreisen des Westens immer mehr Stimmen, die sich herausnehmen, das Urteil der fortschrittlichen Menschheit über die blutigsten Verbrechen der bisherigen Geschichte unter dem Anstrich von Wissenschaftlichkeit „moralisch“ zu revidieren. Doch diese Revision beginnt schon in der Gedenkstätte selbst. Warum wurden aus Buchenwald die Lampenschirme aus Menschenhaut entfernt, Warum wird das Andenken an den Widerstand der Kommunisten in den KZ-Gedenkstätten beinahe verschwiegen? Ein ostdeutscher Pfarrer stellte die folgenden „Thesen“ auf:

  • Fröhliches Jugendleben in ehemaliger SS-Kaserne? Wer heute solche zynischen Erklärungen von sich gibt, die ehemalige SS-Kaserne in Buchenwald sei in der DDR eine Jugendherberge gewesen, in der ein fröhliches Jugendleben geherrscht habe, der hat wohl auch damals schon von alledem nicht viel begriffen. Das ist nichts als eine Verleumdung dr Lehrer, die mit ihren Klassen die Gedenkstätte Buchenwald besuchten.
  • Leichenberge von Buchenwald: „Es hat mich schockiert. Mehr nicht.“ Wer so etwas von sich behauptet, der hat wohl auch heute noch kein Gefühl dafür, daß es sich dabei um Menschen gehandelt hat, die für die Nazis und für die deutsche Industrie nur ein verwertbarer Rohstoff waren.
  • Verlogenheit des Antifaschismus in der DDR? Auch eine solche Äußerung, der  „verordnete Antifaschismus“ in der DDR sei verlogen gewesen, zeugt von Verachtung gegenüber den Opfern des Faschismus, wie sie wohl nur die Nazis hatten. Denn gerade in der DDR wurden Nazi- und Kriegsverbrecher, so man ihrer habhaft werden konnte und sie nicht schon vorher in den Westen geflüchtet waren, mit äußerster Konsequenz verfolgt und bestraft. Und die ersten, die in der DDR mit dem Wiederaufbau begannen, die für Bürgermeisterposten und Verwaltungsaufgaben überhaupt in Frage kamen, waren bewährte Antifaschisten. Dazu zählten in erster Line die Kommunisten, die bis zuletzt vor dem Faschismus gewarnt hatten, und deren führende Funktionäre die ersten waren, die in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden. Verlogen ist es, wenn heute in der BRD 95jährige ehemalige KZ-Wachposten vor Gericht gebracht werden, die man angeblich 70 Jahre lang nicht entdekct habe.
  • Ein „oberflächlicher“ Antifaschismus in der DDR? Das ist eine Lüge! Man kann sich noch heute in sämtlichen Geschichtsbüchern und in der einschlägigen Fachliteratur der DDR davon überzeugen, daß nirgends so klar und tiefgründig über die Wurzeln des Faschismus geforscht worden war, und davon die Öffentlichkeit informiert wurde, wie in der DDR.
  • Keine „persönliche Auseinandersetzung“ mit Antifaschismus in der DDR? Auch das ist eine dreiste Lüge! Sehr wohl haben antifaschistische Widerstandskämpfer, wie Peter Edel, Werner Eggerath, Sepp Wenig, Lydia Poser und Tausende andere in Schulen und zu außerschulischen Veranstaltungen Vorträge gehalten und in Büchern und unzähligen Gesprächen über ihre persönlichen Erfahrunjgen aus der Zeit der Faschismus berichtet.

Das Vorwort von Fritz Hofmann

In seinem Vorwort zum Buch des Anna Seghers schreibt der Kommunist, Genosse Hofmann:

Die schlimme Erfahrung, die der Flüchtling, die der antifaschistische Widerstandskämpfer machne muß, daß das Leben neben ihm weitergeht, als wäre, als würde nichts geschehen, weckt die Frage: „Ein bißchen gewöhnliches Glück, sofort, statt dieses furchtbaren, unbarmherzigen Kampfes für das endgültige Glück irgendeiner Menschheit.“ Eine Frage, vor die jeder Revolutionär, jede revolutionäre Partei ständig gestellt ist. Eine Frage, in der sich die ganze komplizierte Dialektik der Beziehung zwischen dem politschen Kampf und dem Alltag des Volkes, zwischen der Partei und den Massen des Volkes spiegelt; von Anna Seghers in ihren Büchern immer wieder behandelt.

Die doppelte Wirklichkeit des Lebens in Deutschland zwischen dr Oberfläche ds normalen Alltags und dem Untergrund des antifaschistischen Kampfes beschwört die Vorstellung des Traumhaften, des Unwirklichen, des Legendären herauf. …
Das „Niemandsland“, das „zwischen die Generationen“ gelegt weren soll, gilt es zu durchstoßen, die alten Erfahrungen, das Bewußtsein der Gemeinsamkeit wieder gegenwärtig zu machen. Die eine Tat löst tausende andere aus, sie wirkt fort im Lande, sie stärkt und bestätitgt jenes „Unangreifbare“ und „Unverletzbare“, was im Innern des Menschen lebt und auf die Stunde der Befreiung wartet.

Fritz Hofmann

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