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Das Recht auf Revolution


Das Recht auf Revolution

logo-freidenker, Klaus Hartmann

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Das Jahrhundertjubiläum der Oktoberrevolution in Russland ist vom Standpunkt der Ausgebeuteten und Unterdrückten, aus der Sicht der Fortschritts- und Emanzipationsbewegung ein Jubiläum, das gefeiert werden muss.

Die Oktoberrevolution von 1917 war ein welthistorisches Ereignis. Sie manifestierte -und manifestiert – in praktischer Hinsicht, dass sich die Menschheit in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus befindet. Dies beinhaltet nicht die Feststellung, dass wir den Beginn dieser Epoche auf das Revolutionsereignis datieren, das könnte ja zu dem irrigen Kurzschluss führen, dass mit dem Kollaps der aus der Revolution geborenen Gesellschaft auch die Epoche entschwunden sei.

Die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus trat auf die Tagesordnung der Geschichte mit dem Eintritt des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium. Dies wird mit der Oktoberrevolution beglaubigt. Sie unterstreicht, dass wir uns in der Epoche der sozialen Revolution des Proletariats befinden, welche die Geschichte der Klassengesellschaften beenden soll. Deshalb feiern wir die Oktoberrevolution – und weil diese Tatsache ungeachtet der auch in der UdSSR erfolgten Konterrevolution zutreffend ist, feiern wir sie berechtigter Weise immer noch und weiterhin.

Wem nach den Ereignissen von 1989 ff. nach Pessimismus zumute ist, ob es mit einer sozialistischen Gesellschaftsordnung noch etwas werden wird, sollte sich daran erinnern, dass der Kapitalismus auch nicht an einem Tag erbaut wurde. Auch diese Gesellschaftsordnung brauchte viele Anläufe und mehrere Jahrhunderte, bis sie sich schließlich durchsetzte.

Die Oktoberrevolution in Russland war nicht der erste Versuch, die kapitalistische Ausbeutergesellschaft zu überwinden. 1871 unternahmen die Kommunarden in Paris bereits einen Anlauf, der aber durch die einheimische Reaktion im Verbund mit den deutschen Truppen in Blut erstickt wurde.

„Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft“[1], schrieb Karl Marx – er erwartete also optimistisch die nächsten, erfolgreicheren Versuche.

Die Oktoberrevolution vor hundert Jahren war auch nicht der letzte Versuch, denn ihr folgten Revolutionen in vielen Ländern. Einige sind, bei aller Unterschiedlichkeit und Widersprüchlichkeit, bis heute erfolgreich. Weitere werden folgen. Und auch die Oktoberrevolution hat in Russland Spuren, Prägungen, Strukturen hinterlassen, die keine umstandslose Rückkehr i. S. eines „Zurück vor 1917“ zulassen, und die insbesondere bis heute keine imperialistische Entwicklung möglich gemacht haben.

Wie Andreas Wehr formulierte:

„Es ist eine Tatsache, dass es nach dem Ende des europäischen Sozialismus nicht zu einer vollständigen Beherrschung der Welt durch den US-geführten Imperialismus gekommen ist. Und das ist vor allem das Verdienst Russlands und Chinas, einem früheren bzw. einem weiterhin am Sozialismus festhaltenden Land. (…) Russland und China wandten sich gegen alle imperialistischen Abenteuer der Neuzeit.“[2]

An der Einstellung und Haltung zur Revolution scheiden sich die Geister. Revolution bedeutet harter, unversöhnlicher Kampf antagonistischer Klassen. Naturgemäß ist das Verhältnis der einen und der anderen Klasse zur Revolution diametral entgegengesetzt. Aufweiche Seite man sich stellt, hängt vom eigenen Klassenstandpunkt ab.

Aber damit ist der Zugang der Freidenker als sozialistischer Kulturorganisation zu Revolutionen noch nicht hinreichend beschrieben. Im Mittelpunkt unseres Anliegens als Weltanschauungsgemeinschaft und Kulturorganisation steht die Selbstverwirklichung des Individuums, die Selbstbestimmung des Menschen. Das Stichwort Selbstbestimmung wird heute oft beliebig und auch oberflächlich verwandt, ohne es in seinem vollen Sinngehalt zu durchdenken und zu erfassen. Selbstbestimmung als Begriff meint aber im Kern die, über die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen die Menschen leben, entscheiden zu können: die Produktionsverhältnisse, das politische System, die Reproduktionsbedingungen, das Funktionieren und Zusammenwirken der Elemente des Überbaus. Daraus folgt unsere Orientierung, dass die Menschen zum Subjekt ihres Lebens, zu Gestaltern ihrer Geschichte werden müssen. In diesem Sinne betrachten wir Revolutionen als Erfüllung dieser Bestimmung, als Höhepunkte der Subjekt werdung des Menschen.

Dies sollte für Freidenkerinnen und Freidenker Grund genug sein, Revolutionen generell und die Oktoberrevolution im Speziellen zu verteidigen, insbesondere Angriffen gegen ihre Legitimität vehement widersprechen. Diese Angriffe sind Legion.

Schwierige Diskussion

Bei den ersten Überlegungen zu dieser Konferenz standen die Angriffe gegen die Oktoberrevolution im Mittelpunkt: War die Geschichte der KPdSU „eine Kriminalgeschichte“? Ist die Parteinahme für die Revolution folglich eine Rechtfertigung von Fehlentwicklungen und Verbrechen, die sich im Revolutionsverlauf ereignet haben? Wir haben aber keinen Anlass, aus der Defensive gegen diejenigen anzukämpfen, die die Oktoberrevolution grundsätzlich als illegitim verdammen.

Die Stichworte der Revolutionsgegner lauten „Putsch“, „Terror“, „Gulag“, „Stalin“ etc. Die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, dass es sich nicht um eine Revolution, sondern um einen Staatstreich gehandelt habe, geht auf Churchill zurück: er hat den Vorwurf des „Staatsstreichs“ gegen die Bolschewiki 1920 als erster erhoben. „Stalin“ erscheint als optimale „Einstiegsdroge“, um die Revolution und die Sowjetunion, den Marxismus als Wissenschaft und Weltanschauung ins Unrecht zu setzen. Sozialismus und Kommunismus als gesellschaftspolitische Zielsetzung soll als erledigt gelten. Die „optimale“ Wirkung wird dadurch begünstigt, da auch bei Linken zum „Thema Stalin“ nicht die große Einigkeit und Harmonie ausbricht, sondern höchst kontrovers diskutiert wird.

Die Diskussion ist schon deshalb schwierig, weil eigentlich alle „Bescheid“ wissen, meinen sie zumindest. Die Positionen stehen sich diametral gegenüber: Diejenigen, die in der Distanzierung von Stalin und den Verbrechen unter seiner Verantwortung die Grundvoraussetzung sehen, um überhaupt glaubwürdig wieder einen neuen Anlauf zum Sozialismus beginnen zu können. Und andererseits diejenigen, die die Überwindung des Antistalinismus als Grundvoraussetzung betrachten, um die Einheit der kommunistischen Bewegung und einen neuen Aufbruch zu erreichen.

Es gibt diejenigen, die Stalin bewundern oder verehren, und dann wieder jene, die alles bei ihm abladen, was beim Sozialismus schiefgegangen ist oder ihnen missfallen hat. Man kann aber keine ernsthafte Diskussion führen, wenn man unterschiedliche Fanclubs bildet, sich dann jeweils in einen einreiht und dann wie die Schlachtenbummler zu einem Fußballspiel anreist.

Als Freidenker werden wir weder eine Abstimmung durchführen noch ein Gericht abhalten, wir halten es weder für möglich noch für anstrebenswert, in diesen Fragen eine „verbandsoffizielle“ Position zu beziehen. Was wir aber versuchen können und machen sollten: eine ernsthafte und kulturvolle Diskussion zu fuhren, die sich durch die Achtung der Integrität der Kontrahenten auszeichnet und sich im Übrigen rein auf die Tatsachen bezieht.

(Anm.: Es würde ja schon ausreichen die „Wahrheit“ zu verteidigen!)

Was ich jedoch für wichtig und als Bedingung für die ernsthafte Debatte festhalten möchte: Das Wort vom „Stalinismus“ ist kein brauchbarer Begriff. Hier und ausnahmsweise halte ich es mit Michail Gorbatschow:

„Stalinismus ist ein Begriff, den sich die Gegner des Kommunismus ausgedacht haben und der umfassend dafür genutzt wird, die Sowjetunion und den Sozialismus insgesamt zu verunglimpfen“[3]
(Anm.: Da gab sich Gorbatschow noch den Anschein, ein Kommunist zu sein! Später wurde er zu einem der größten Anti-Stalinisten und Verräter, aller kommunistischen Ideale.)

Wie ernst Gorbatschow das 1986 gemeint hat, kann ich freilich nicht beurteilen. Aber diesen Kampfbegriff aus dem Arsenal der Kalten Krieger und geschworenen Antikommunisten sollten wir im Interesse der Klärung und der kulturvollen Diskussion vermeiden.

Mit Hans Heinz Holz gesprochen:

„Stalinismus ist ein antikommunistischer Kampfbegriff. Die Personalisierung von systematischen Problemen und die Projektion auf eine „Unheilsfigur“ lassen sich dann innerkommunistisch auch als Entlastungsstrategie funktionalisieren, um spätere Fehlentwicklungen einer früheren Ursache aufzubürden. Diese Entlastungsstrategie verhindert ein historisch-materialistisches Verständnis der Geschichte des Kommunismus und arbeitet in der Konsequenz (sicher bei vielen Genossen ganz gegen ihre Absicht und Erwartung) der Propaganda des Gegners in die Hände“. Und: „Es ist nötig, dass wir von dem Klischee „Stalinismus – Antistalinismus“ wegkommen“.[4]

Fakten – welche Fakten?

Die „rein auf Tatsachen“ bezogene Diskussion stößt schon auf die ersten Schwierigkeiten bei der Frage: Was sind eigentlich Fakten, und was ist Fälschung? Ich will das anhand eines Problemfalls zeigen, am „Fall Katyn“. Das Massaker an polnischen Offizieren in Katyn während des II. Weltkriegs gilt in der herrschenden Geschichtsschreibung als ein Synonym für „Stalinsche“ resp. „Verbrechen der Roten Armee“. Auch die Regierung der Russischen Föderation hat bestätigt, dass die Opfer auf das Konto der Sowjetunion gehen.

Der erste, der das Massaker der Roten Armee anlastete, war Nazi-Propagandaminister Goebbels. Weder diesem Umstand noch seinem Tagebucheintrag vom 8. Mai 1943 wird hinreichend Beachtung geschenkt:

„Leider ist in den Gräbern von Katyn deutsche Munition gefunden worden. (…) Jedenfalls ist es notwendig, diesen Fall vorläufig noch streng geheim zu halten; würde er zur Kenntnis unserer Feinde kommen, so würde damit die ganze Katyn-Angelegenheit hinfällig werden.“[5]

1943 beauftragte sein Ministerium die faschistische Feldpolizei mit der „Untersuchung“. Ihr Ergebnis folgte Hitlers Vorgabe, „die Angelegenheit in der gesamten Welt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszuwerten“.

Die sowjetische „Spezialkommission zur Feststellung und Untersuchung der Umstände der Erschießung der kriegsgefangenen polnischen Offiziere durch die deutsch-faschistischen Eroberer im Wald von Katyn“ („Burdenko-Kommission“, benannt nach ihrem Leiter, dem Neurochirurgen Prof. Dr. Nikolai Burdenko) veröffentlichte 1944 ihren Bericht, der die Faschisten für die Massenerschießungen verantwortlich machte.[6]

Ein Jahr nach Beginn des Korea-Krieges und inmitten der militant antikommunistischen McCarthy-Ära richtete das US-Abgeordnetenhaus eine Untersuchungskommission unter Leitung des Abgeordneten Ray J. Madden ein, nach deren Beweiswürdigung (1952) die sowjetische Schuld am Massaker von Katyn „zweifelsfrei fest“ stehe.[7,8] 1990 erklärte Gorbatschow die „Gräueltaten im Wald von Katyn“ zu einem „der schwersten Verbrechen des Stalinismus“.[9]

(Anm.: s.a. KATYN – Note der Sowjetregierung an die Regierungen der USA (1951)
und weiter Arbeiten unter dem Stichwort: Katyn auf diesem Blog!)

Die Fraktion der KPRF in der Staatsduma der Russischen Föderation hatte zur Untersuchung der „Sache Katyn“ eine Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Ergebnisse der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sergej N. Reschulskij und der Arbeitsgruppenleiter Wiktor I. Iljuchin, stellvertretender Vorsitzender des Komitees der Staatsduma für Gesetzgebung und staatlichen Bau, am 18. Juni 2010 bei einer Pressekonferenz vorstellten:

Zu ihren bemerkenswerten Entdeckungen gehörte, dass gemäß Schriftexpertise die angeblichen Dokumente zu Katyn mit unterschiedlichen Schreibmaschinen angefertigt wurden und auf dem angeblichen Politbürobeschluss weder Unterschrift noch Siegel vorhanden waren. Nach Zeugenaussagen wurde während Jelzins Regierungszeit Anfang der 1990er Jahre in seinem Apparat eine Gruppe hochrangiger Spezialisten geschaffen und mit der Massenproduktion falscher Dokumente und mit ihrer nachfolgenden fälschenden Einfügung in die staatlichen Archive beauftragt. Blankoformulare wurden mit neuen Texten gefüllt, mit alten Stempeln versehen, die Unterschriften von Berija, Stalin u.a. gefälscht, die Beweisstücke auf der Pressekonferenz präsentiert. So seien Hunderte falscher historischer Dokumente produziert und eingefügt worden. Iljuchin:

„In 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnerte das Staatsarchiv an einen großen Flohmarkt“, insbesondere wurden vom antisowjetischen Wendehals D. Wolkogonow aus dem Geheimen Staatsarchiv Hunderte von Dokumenten in die Kongressbibliothek der USA entführt. Dies alles sei unter der mutmaßlichen Anleitung des ehern, des ZK-Mitglieds Alexander Jakowlew geschehen.[10]

Der US-Professor Grover Furr verweist auf das 1995 veröffentlichte Buch von Juri Muchin mit dem Titel „Das Geheimnis der Morde von Katyn“, nach, die „Geheimen Dokumente aus den Sonderakten“, die die russische Regierung 1992 der polnischen übergeben hat, Fälschungen sein. In der „offiziellen englischsprachigen Version“ fand Furr zahllose Widersprüche, so, dass vermeintliche „Todeslisten“ Gefangenentransport-Listen waren;[11] dafür aber Beweise, dass der größte Teil der verwendeten Munition (über 98%) 1941 hergestellt wurde.[12] 2011/12 fand ein polnische-ukrainisches Archäologenteam im Massengrab im ukrainischen Vladimir-Volynskii (Wladimir Wolynski) Überreste polnischer Polizeioffiziere, die als vermeintliche Katyn-Opfer galten, aber lt. Dr. Dorninika Siemihska, Leiterin des polnischen Teams, nicht vor 1941 zu Tode kamen (durch deutsche und ukrainische Faschisten).[13]

Im Juli 2017 hat das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation erstmals Archivdokumente über die Befreiung Polens durch die Sowjetarmee in den Jahren 1944-45 veröffentlicht und ins Netz gestellt. Darin enthalten sind Berichte von Einheimischen gegenüber der vorrückenden Sowjetarmee über ihre Erlebnisse während der Nazi-Okkupation und zu Katyn:

„Die Deutschen haben dieses Märchen erdichtet, von der Erschießung der Polen durch die Sowjets im Wald von Katyn. Keiner von uns hat das geglaubt. Die Deutschen selbst haben die Polen in Katyn getötet. So wie sie sie überall töteten.“[14]

Ich will es bei diesen, bei weitem nicht vollständigen Hinweisen in einem weithin als „klar“ geltenden Fall bewenden lassen, um eine Vorstellung von der Komplexität und der Schwierigkeiten bei der Wahrheitsfindung geben. Wenn dann erst weitere Stichworte wie „Lenins Testament“, „Zwangskollektivierung“, „Moskauer Prozesse“, „Gulag“ oder die „Vorbereitung auf den Überfall Hitler-Deutschlands“ aufgerufen werden, ergibt sich eine unendlich erscheinende Forschungsaufgabe.

(Anm.: Ich frag mich, was Herr Hartmann hier noch forschen will? Wenn eine Goebbels in seinem Tagebucheintrag vom 8. Mai 1943 schreibt: „Leider ist in den Gräbern von Katyn deutsche Munition gefunden worden. (…) Jedenfalls ist es notwendig, diesen Fall vorläufig noch streng geheim zu halten; würde er zur Kenntnis unserer Feinde kommen, so würde damit die ganze Katyn-Angelegenheit hinfällig werden.“ Dann ist nur noch zu prüfen ob die Handschrift von Goebbels ist und wenn ja – ist der Fall bewiesen: Die deutschen Nazis waren es. Nebenbei, das was die Burdenko-Kommission schon 1944 festgestellt hat.)

Maßstäbe geschichtlicher Bewertung

Auch wenn eine Reihe von Fragen noch eine Zeit offen bleiben und weiter erforscht werden müssen, bedarf es einer nüchternen Bestandsaufnahme der Fakten, die weder dem antikommunistischen Mainstream huldigt, noch vor Unangenehmem die Augen verschließt, die keine Schönfärberei betreibt. Denn unser Anliegen kann nicht sein, Stalin oder die KPdSU zu „verteidigen“ oder zu „verurteilen“, sondern Tatsachen zu Tage zu fördern und nichts als Beweise gelten zu lassen.

(Anm.: Noch einmal: Es würde schon ausreichen die „Wahrheit“ zu verteidigen!)

Ohne realistisches, möglichst alle Aspekte einbeziehendes Bild ist es nicht möglich, zu einer materialistisch-historischen Bewertung vorzudringen. Dabei sind abstrakte moralische Maßstäbe nicht hilfreich. Es setzt zunächst und insbesondere voraus, alle allgemein- und konkret-historischen Bedingungen dieser Zeit zu erfassen, die Akteure, ihre Interessen und ihre Handlungsspielräume in ihren Wechselwirkungen zu analysieren. Nur so kommt man auch zu begründeten moralischen Schlussfolgerungen.

So wenig, wie die Terrorphase der französischen bürgerlichen Revolution mit der bürgerlichen Gesellschaftsordnung gleichgesetzt werden kann (auch deswegen, weil noch weit Schlimmeres, wie der Faschismus und andere Exzesse dieser Ordnung, folgten), können Ungerechtigkeit, Willkür und Terror in der jungen Sowjetunion mit der sozialistischen Revolution und mit der sozialistischen Gesellschaftsordnung gleichgesetzt werden.

Man sollte sich davor hüten, Entschuldigungen für offensichtliche Missstände und Entartungen zu suchen, umso mehr muss man für ihre Erklärung die Frage nach den inneren Zusammenhängen der Entwicklung stellen. Hans Heinz Holz:

„Wer nach Erklärungen fragt, wird schnell verdächtigt, er wolle verharmlosen, beschönigen, vertuschen. Es geht jedoch hier darum, die Auswirkungen von Widersprüchen zu verstehen, um daraus Lehren zu ziehen. Das heißt nicht, diese Auswirkungen zu billigen. Die Erklärung historischer Vorgänge und ihre moralische Beurteilung müssen auseinandergehalten werden. Moralisieren ist kein historisch-materialistisches Verhältnis zur Geschichte, obwohl Moral ein wichtiger, unverzichtbarer Faktor in historischen Situationen ist.“[15]

Dabei ist die zentrale Tatsache in Rechnung zu stellen, dass in der gesamten Zeit von 1917 bis 1945 gegen die Sowjetunion entweder Krieg geführt wurde, oder sie permanenter Kriegsbedrohung ausgesetzt war. Die Sowjetunion musste die Herkulesaufgabe bewältigen, die Entwicklung vom rückständigsten Land in Europa, einem Agrarland mit weitgehend feudalen Verhältnissen zu einem Industrieland, in sehr kurzer Zeit – zwei Jahrzehnten – zurückzulegen.

Das Aufholen der Entwicklung betraf nicht zuletzt die Rüstungsindustrie, die Aufgabe, das Land auf den drohenden großen Krieg vorzubereiten und letztlich in die Lage zu versetzen, den barbarischen Überfall der Hitlerfaschisten zurückzuschlagen, die zurückzuschlagen, die Existenz des Landes zu retten und Europa von Krieg und Faschismus zu befreien.

Hans Heinz Holz:

„Das alles muss bei der Beurteilung der Epoche festgehalten werden, bevor wir zur Feststellung der Unrechtshandlungen, Verbrechen und Fehlentwicklungen und zur Erforschung ihrer Ursachen übergehen; sonst wird das Gesamtbild verzerrt, … Nur unter Voraussetzung dieser Leistungen können wir uns aufrecht und selbstkritisch statt verschämt und wehleidig mit den schrecklichen Verfehlungen auseinandersetzen, die gleichzeitig in dieser Epoche geschehen sind.“[16]

Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich klarzumachen, dass unter diesen Umständen der permanenten Bedrohung eine nachholende Entwicklung in so kurzer Zeit nur unter immensen Opfern möglich war, und diese Situation nicht dazu angetan war, die humanistischen Anliegen und die Menschenrechte zur vollen Entfaltung zu bringen.

Kurt Gossweiler sagte es so:

„Die Sowjetmacht kämpfte gegen den Imperialismus, der, um den Sozialismus wieder aus der Welt zu schaffen, auch vor den schlimmsten Verbrechen, dem Faschismus und dem Massenmord durch Abwurf der Atombombe, nicht zurückschreckte. (…) Wenn die strangulierte Sowjetmacht in ihrem Kampf für ihr Überleben, der zugleich ein Kampf um die kriegs- und ausbeutungsfreie Zukunft der Menschheit war, in bestimmten Situationen keine andere Wahl mehr sah, als sich auch mit Mitteln zu wehren, die ihrer eigenen Natur widersprachen, dann sollte uns das Bedauern darüber und die Trauer über die Opfer von exzessiver Verteidigung nicht den Blick dafür trüben, dass auch dieser Posten ins Schuldbuch des den Faschismus gegen die Sowjetunion von der Kette lassenden Imperialismus gehört. (…) Der Imperialismus verkörpert die menschenfeindlichste Ausbildung der Ausbeutergesellschaft. Der Sozialismus – solange nicht vom Revisionismus denaturiert – war und ist trotz seiner Unreife und seiner Fehler und Mängel die bisher einzig humane, das elementare Menschenrecht auf ein Leben ohne Krieg und Ausbeutung und Existenzangst gewährleistende Gesellschaftsordnung seit Beginn der Menschheitsgeschichte.“[17]

Gegen Revolution – immer und überall

Zum bis heute anhaltenden Propagandagetöse über einen vermeintlichen „Hitler-Stalin-Pakt“ soll ein Zeuge zu Wort kommen:

„Alles was ich unternehme, ist gegen Rußland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen, und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden.“

Der Zeuge hieß Adolf Hitler.[18]

(Anm.: s.a. Der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag von 1939
und weiter Arbeiten unter dem Stichwort: Der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag auf diesem Blog!)

Es wird wohl niemand behaupten wollen, dass der sowjetische Geheimdienst so unfähig gewesen ist, die Führung des Landes von den Absichten der Faschisten frühzeitig ins Bild zu setzen. Das belegen die jahrelangen Bemühungen der Sowjetregierung, Beistandsverträge mit den Westmächten zu schließen, und erst nach deren Weigerung den Nichtangriffsvertrag mit Hitlerdeutschland zu schließen, um zumindest weitere Zeit zu gewinnen.

Es gehört ebenfalls nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen dass die Geheimdienste Deutschlands und anderer faschistischer Länder alles daran setzten, die Sowjetunion, die KPdSU und die Rote Armee zu infiltrieren, zu zersetzen, Vertrauenspersonen auf einflussreiche Posten zu bringen, kurz: den Gegner von innen wehr- und kampfunfähig zu machen. Zum Arsenal bei dieser Aufgabe dient grundsätzlich das Mittel der Desinformation, hier besonders, Verdächtigungen gegen Personen zu streuen, die keineswegs insgeheim für den Gegner arbeiten. In einer angespannten Bedrohungslage ist es nicht einfach, jede Desinformation und falsche Verdächtigung sofort zu erkennen, in manchen Fällen ist es den Faschisten sicher gelungen, aufrechte Kommunisten zu denunzieren, die Sowjetorgane zu täuschen und Unschuldige der Strafverfolgung auszuliefern.

Angesichts dieser Situation des zugespitzten Klassenkampfes wollen wir auch nicht vergessen, dass ein Beistand der westlichen „Demokratien“ für die Spanische Republik und die Internationalen Brigaden angesichts der faschistischen Intervention 1936-39 nicht stattfand, was Hitler als gelungenen Test für die Hinnähme seiner expansiven Pläne werten konnte. Wir vergessen auch nicht, dass nach dem Münchner Diktat vom September 1938 auf Initiative Italiens und mit Zustimmung Großbritanniens und Frankreichs die Tschechoslowakei ihr gesamtes Grenzgebiet zum Deutschen Reich mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung an das faschistische Deutschland abtreten musste.

Die westliche Haltung wird bezeugt durch die Auslassungen des damaligen Senators und späteren Präsidenten Truman zu Beginn des Unternehmens Barbarossa:

„Wenn wir sehen dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn wir sehen, dass Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, und auf diesem Wege lassen wir sie so viele wie möglich töten.“[19]

Vielfach wird Stalin vorgeworfen, seine These von der Verschärfung des Klassenkampfes nach dem Sieg des Sozialismus sei falsch und die Grundlage für die Repressionen gewesen. Dem kann ich nicht folgen – angesichts der Entwicklung muss man eine erhebliche Verschärfung des Klassenkampfes feststellen. Domenico Losurdo spricht vom „internationalen Bürgerkrieg“, einem zweiten Dreißigjährigen Krieg. Richtig dürfte aber die Diagnose sein, dass der verschärfte internationale Klassenkampf maßgeblich für die Repressionen in der UdSSR war.

Wir sollten begreifen, dass die Angriffe auf Stalin als „Einstiegsdroge“ dienen sollen, um den nächsten Schritt der revisionistischen Geschichtsschreibung widerspruchslos zu akzeptieren: Dass die ganze Geschichte der Sowjetunion und der KPdSU im Grunde eine Kriminalgeschichte ist. Dass der Terror eigentlich auf Lenin zurückgeht,[20] nein, dass vielmehr in den Auffassungen von Marx und Engels bereits die Grundlagen des Terrors angelegt waren.[21] Unrecht war nach dieser Lesart, überhaupt eine Revolution zu machen, die Kapitalisten und Großagrarier zu enteignen. Die Herrschenden nennen das dann einen „Unrechtsstaat“, wir kennen das zur Genüge aus jüngerer Zeit zwecks Delegitimierung der DDR.

Und der dritte Schritt, der nächste Angriff folgt sofort: Die Revolution, jede Revolution wird als Unrecht verdammt. Domenico Losurdo berichtet darüber in seinem Buch „Kampf um die Geschichte“.[22] Angesichts der Pariser Cornmune sprach Nietzsche vom „Einfall eines barbarischen Sklavenstandes“.

Schon die amerikanische Revolution (1763-76) wurde „in der Substanz als ein Staatsstreich“ herabgewürdigt. Revisionistische US-Historiker sprechen von der „Katastrophe des Sezessionskrieges“, einer „vom Norden entfesselten blutigen und unsinnigen Revolution“. Für die Grausamkeit der englischen Revolution wird Thomas Cromwell angeklagt.

Im Mittelpunkt der Verdammung steht aber die Französische Revolution mit ihrer „Terreur“, die Jakobiner werden zum Inbegriff des Terrors erklärt. Bei diesem Stichwort sollte man sich daran erinnern, dass nach der Revolution zunächst Österreich, dann fast ganz Europa den Krieg gegen Frankreich erklärte. Die absoluten Herrscher Europas fürchteten die „Ansteckung mit der französischen Krankheit“, wie es damals genannt wurde. Ihre Söldnerarmeen landeten in den französischen Kolonien Nordafrikas und eroberten Nordfrankreich. Hans Heinz Holz zieht die Parallele zur Sowjetunion und schreibt, dass „auch in der Französischen Revolution die „Terreur“ und die Invasion wie kommunizierende Röhren zusammenhingen“.

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Die Barrikade am Weißen Platz wird von Frauen verteidigt – Mai 1871

Der Historiker Francois Furet sieht das „stalinistische Phänomen in jakobinischer Tradition“ und spricht vorn „ideologischen Delirium“ der Revolutionäre. Der reaktionäre britische Literat und Politiker Edmund Burke verdammt die „geistige Vergiftung“ durch die Französische Revolution, die er in der „Behauptung angeblicher Menschenrechte und der absoluten Gleichheit der menschlichen Rasse“ verortet. Der Historiker Augustin Cochin klagt die im Gefolge der Aufklärung, am Vorabend der Revolution gegründeten „Societées de Pensée“ an, deren Philosophie sei „aggressiv“, und enthalte in sich schon den Terror. Der britische Historiker Alfred Cobban sieht in Marx und Engels (und alle heutigen Anhänger des Manifests) als politische Erben von Jean-Paul Marat, des „ersten Diktators des modernen Europa“.

Der bekannte reaktionäre US-Historiker Richard Pipes sieht die „revolutionäre Krankheit“ nicht erst 1917, sondern bereits in der bürgerlichen russischen Revolution von 1905, und diese Krankheit gehe auf die Französische Revolution und – die Aufklärung zurück. Der österreichischer Ökonom Friedrich August von Hayek, Vordenker der „Österreichischen Schule“ der Nationalökonomie sowie des Neoliberalismus, sieht in der ihm als skandalös geltenden Forderung nach „Freiheit von Not“ das „Resultat des ruinösen Einflusses der russischen marxistischen Revolution“, und fordert programmatisch: „Die Negierung wirtschaftlicher und sozialer Rechte setzt die Liquidierung der revolutionären Tradition voraus“.

In den 1990er Jahren gab der Historiker Ernst Nolte dem Geschichtsrevisionismus neuen Auftrieb mit der Behauptung, Hitler sei mit dem Überfall auf die Sowjetunion Stalin nur zuvorgekommen. Diese These vom angeblichen deutschen „Präventivkrieg“ tobte einige Jahre als sogenannter „Historikerstreit“ durch die Feuilletons. Nolte gab in diesem Zusammenhang zu Protokoll, Hitler habe bei dem Massenmord an den Juden den Klassengenozid der Bolschewik! vor Augen gehabt. Der faschistische Staatstheoretiker Carl Schmitt schließlich sah in den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher wieder die Patenschaft der unseligen Französischen Revolution: es seien „revolutionäre Gerichte, besser Wohlfahrtsausschüsse“ am Werk.

Wir sehen, zusammengefasst, dass die reaktionären Kritiker der Revolution nicht bei der Oktoberrevolution Halt machen, dass sie neben den Bolschewiki auch die Jakobiner, also die revolutionären Traditionen seit 1789 liquidieren wollen, ja dass sich ihr Verdammungsurteil auch gegen die Aufklärung richtet, gegen soziale Menschenrechte überhaupt.

Wenn wir die Anklagen gegen die Bolschewiki, die KPdSU und ihre jeweiligen Verantwortlichen akzeptieren, von unserer prinzipiellen Haltung zur Oktoberrevolution Abstand nehmen sollen, kann ich nur entgegnen:
Das wäre ungefähr so sinnvoll und logisch, wie wenn wir von den Franzosen fordern wollten: Bevor wir die Losung der Französischen Revolution akzeptieren: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ sollen sie sich erstmal vom Terror ihrer Revolution und von den Jakobinern distanzieren.
Da distanzieren wir uns lieber von all den revisionistischen Historikern und Philosophen, deren Anliegen die Antiaufklärung ist, mit dem Ziel: das Recht, das Menschenrecht auf Revolution zu vernichten.

Krieg und Frieden

Der schon zitierte Churchill meinte mit „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“, man hätte Stalin statt Hitler schlachten müssen. Die zuvor in britische Kriegsgefangenschaft geratenen deutschen Offiziere und Soldaten behielten vor dem Mai 1945 ihre volle Bewaffnung. Englische Generäle sprachen offen davon, dass man gemeinsam gegen den Osten ziehen müsse.

Das entsprang nicht den Fantasien Einzelner: 1998 wurde ein als streng geheim eingestufter Plan öffentlich: Operation Unthinkable (Undenkbares Unternehmen) ist der Name eines im Mai 1945 vom britischen Premierminister Winston Churchill in Auftrag gegebenen Kriegsplans, der die militärische Unterwerfung der damaligen Sowjetunion durch Großbritannien und die USA zum Ziel hatte. Der ausgearbeitete Plan wurde Churchill am 22. Mai 1945, zwei Wochen nach der deutsehen Kapitulation, vom Chief of Staff, Lt. Gen. Sir Hastings Lionel Ismay, übergeben und am 8. Juni 1945 und 11. Juli 1945 ergänzt.[23]

Als Termin für den Angriff auf die Sowjetunion wurde der 1. Juli 1945 festgelegt. Geplant war der Einsatz von britischen und US-Truppen. Circa 47 Divisionen der Westalliierten (ungefähr 50 % der in Deutschland stationierten Truppen) sollten gegen die Rote Armee im Bereich Dresden vorrücken. Wegen der hohen zahlenmäßigen Überlegenheit der Roten Armee beabsichtigte man außerdem die Wiederbewaffnung von ca. 100.000 Soldaten der besiegten deutschen Wehrmacht.

Allerdings hatten die Sowjets im Sommer 1945 eine Überlegenheit an Soldaten von 4:1 und an Panzern von 2:1. Daher wurde der Plan vom britischen Chiefs of Staff Committee als militärisch undurchführbar eingestuft und daher schließlich fallen gelassen.

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Churchill und Truman starten zum „Kalten Krieg“

Über die Truman-Doktrin 1947 zwecks „Eindämmung der sowjetischen Expansionspolitik“, NATO-Gründung, BRD-Wiederbewaffhung, dem kalten Krieg bis zum NATO-Beschluss 1979 zur die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa zeigt sich der fortgesetzte Vernichtungswille gegen das Land des Roten Oktober.

„Das Gespenst von der „roten Gefahr“, das schon Hitler beschworen hatte, wurde nun auch als Popanz und Eckstein „westlicher Politik“ über Jahrzehnte hinaus festgeschrieben. Dieser Kurs, der als Begründung der NATO-Politik diente, wird sogar gegenüber Putin weiter ins Feld geführt.“[24]

Die NATO, seit 1999 von 16 auf 29 Mitglieder „erweitert“, setzt die Einkreisung Russlands fort, stationiert Truppen und schweres Gerät an seinen Grenzen, betreibt ein wahnwitziges Aufrüstungsprogramm. Die EU will zur „Militärunion“ mit eigener Armee werden, Deutschland will endlich die „Teilhabe“ an „europäischen“ Atomwaffen.

Mit dem Aegis-System unter dem irreführenden Namen „Raketenabwehrschild“ streben die USA erneut die atomare Erstschlagsfähigkeit an und bringen eine neue Qualität der nuklearen Bedrohung nach Europa zurück.

Die Prinzipien des „Dekrets über den Frieden“ verteidigen heißt:

Raus aus der NATO – Frieden mit Russland.

Die Oktoberevolution verteidigen heißt heute zuerst:

Krieg dem imperialistischen Krieg!

Von jenen, die das nächste Verbrechen gegen die Menschheit vorbereiten, nehmen wir keine Lektionen über Demokratie und Menschenrechte an. Ihren Soldschreibern gegen die Revolution halten wir Bert Brechts „Lob des Kommunismus“ entgegen: „Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen. Aber wir wissen: Er ist das Ende der Verbrechen“.

Fußnoten:

[1] Karl Marx. Der Bürgerkrieg in Frankreich. MEW 17, 312-365
[2] s. S. 30 in diesem Heft
[3] Interview mit der „L’Humanité“ am 4. Februar 1986
[4] Hans Heinz Holz, Theorie als materielle Gewalt. Die Klassiker der III. Internationale, Berlin, 2010
[5] Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte und mit Unterstützung des Staatlichen Archivdienstes Rußlands. Herausgegeben von Elke Fröhlich. Teil
II, Diktate 1941-1945, Band [8] April-Juni 1943, K. G. Säur Verlag, München 1993
[6]
Сообщение Специальной Комиссии (Бурденко)
[7] Whitney R Harris: Tyrannen vor Gericht: Das Verfahren gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg 1945 1946. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008
[8] http://www.foxnews.com/world/2012/09/10/memos-suggest-us-hid-evidence-soviet-massacre-during-wwii.html
[9] Thomas Urban: Katyn 1940, 2015
[10] http://www.kommunisten.ch/index.php?articleid=992, https://kprf.ru/dep/80269.html
[11] Anna M. Cienciala, Natalja S. Lebedewa und Wojciech Materski, „Katyn: A Crime Without Punishment“ (Katyn – ein Verbrechen ohne Bestrafung), Yale University Press 2007
[12] Grover Furr: Die „offizielle“ Version des Massakers von Katyn widerlegt? Offen-siv 8-2014
[13] http://sdonline.org/62/the-official-version-of-the-katyn-massacre-disproven/
[14] https://de.spntniknews.com/gesellschaft/20170718316645199-wie-rote-armee-polen-befreite/
[15 Hans Heinz Holz, a.a.O
[16] ebenda
[17] http://kurt-gossweiler.de/?p=822
[18] Gerd R. Ueberschär: Hitlers Entschluß zum
„Lebensraum“-Krieg im Osten. In: Gerd R. Ueberschär, Wolfram Wette (Hrsg.): Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion – „Unternehmen Barbarossa“ 1941. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1991)
[19] New York Times, 24 Juni 1941
[20] Dimtri Wolkogonow, Lenin – Utopie und Terror, Düsseldorf 1996, EGON Verlag
[21] http://www.epochtimes.de/politik/welt/sed-opfer-zum-karl-marx-denkmal-in-trier-was-kuemmern-schon-millionen-ermordete-der-marxistischen-partei-wenn-die-kasse-klingt-a2073173.html
[22] Domenico Losurdo: Kampf um die Geschichte. Der historische Revisionismus und seine Mythen – Nolte, Furet und die anderen, Köln 2013, Papyrossa Verlag
[21] https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Unthinkable (wurde gelöscht, hier Ersatz): https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Unthinkable
[24] Prof. Dr. Horst Schneider, „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“, Rotfuchs 219 – April 2016

Klaus Hartmann, Offenbach am Main, ist Vorsitzender des Deutschen Freidenker- Verbundes. Dieser Text enthält Teile der Begrüßung und des Schlusswortes zur Konferenz.

Quelle: Freidenker, Nr. 4-17, Extra Dezember 2017: 100 Jahre Oktoberrevolution – 100 Jahre Dekret über den Frieden, S. 61-70

 

LOB DES KOMMUNISMUS
Bert Brecht

Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige nach ihm.
Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen
Wir aber wissen: Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit, sondern
Das Ende der Tollheit.
Er ist nicht das Rätsel
Sondern die Lösung.
Er ist das Einfache
Das schwer zu machen ist.
Bertolt Brecht, Gesammelte Werke 9, Frankfurt/Main, 1990, S. 463

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