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Frau, im Sinne von weiblicher Mensch Teil I


Frau, im Sinne von weiblicher Mensch Teil I

logo-seppolog, 07.02.2018

frau1Zunächst lasse ich es mir keinesfalls nehmen, die Leser und Leserinnen des österreichischen „Standards“ hier zu begrüßen! Ihnen ist es zu verdanken, dass die Säulendiagramme der Abrufstatistiken dieses Blogs heute zeitweise nicht mehr dargestellt werden konnten, was ein wenig daran erinnert, wie vor Kurzem die Fernsehquotenmessung nachgereicht werden musste. Willkommen im seppolog, das sich in der Kategorie „Humorblog“ auf den oberen Plätzen der deutschen Top-50 tummelt (jüngst 17 Plätze gut gemacht) und über eine ganz ähnliche Reichweite wie „Der Standard“ verfügt. Heute ist somit gewissermaßen eine neue europäische Medienmacht entstanden! Der Anfang vom Ende des Rechtsrucks in Europa. Lasst wieder Freiheit und Pluralismus (auch in den Institutionen) unser Motto sein!

Genug Sprengstoff gelegt, widmen wir uns einem anderen, noch explosiveren Thema, das man allerdings gar nicht sensibel genug angehen kann. Schrieb ich vor Kurzem noch über den Mann, ferner über Männlichcait, schreibe ich heute über das Pendant: die Frau. Und steige mit einem Zitat ein, das mir sofort durch den Kopf schoss und freilich stammt es aus der Feder Loriots:

Männer sind … und Frauen auch … Überleg dir das mal!

Nachdem ich einigermaßen zügig von Leserinnen dazu aufgefordert worden war, eine „Ode an die Frau“ zu schreiben, war mein erster Gedanke: Auf keinen Fall. Du kannst heute in Deutschland wieder offen hetzen, du darfst beliebig Sündenböcke für irgendwas ausrufen, du darfst den irrsten „Parteien“ blind folgen, aber eines bricht dir mit Sicherheit das Genick: als Mann über die Frau zu schreiben. Warum? Weil mann sich nur um Kopf und Kragen schreiben kann. Da stelle ich mir jene Leserinnen vor, die sofort rufen: „Macho!“ Andere werden denken: „Was für ein Weichei!“ Und ein paar gibt es immer, die den Schreibenden dann dem Patriarchat zuordnen. Denn ich bin von einer Sache absolut überzeugt: Während Männer dem anderen Geschlecht gegenüber einigermaßen gelassen gegenüberstehen, haben Frauen vom Mann ein schlechtes Bild.

Oha! Richtig. Ich nehme dieses Mal kein Blatt vor den Mund, weise aber – wie es meine Art ist – auf einige Dinge im Vorfeld hin, weil ich einfach keinen Bock auf beleidigte und pöbelnde Kommentare habe: Ich kann hier nur verallgemeinern. Denn ich habe bislang noch nicht jede Frau dieser Welt kennengelernt. Und so wird sich nicht jede Frau hier wiederfinden (falls verloren). Ich fordere auch dazu auf, das Ganze nicht so ernstzuehmen. Beim „Mann„-Artikel wurde teilweise vieles doch extrem ernstgenommen, was ich mit einem Augenzwinkern geschrieben habe. Übrigens von Frauen. Es ist in unserer künstlich aufgeregten Zeit kaum noch möglich, polarisierend über etwas zu schreiben, ohne dass es zu großer Erregung kommt. So gelang es mir nicht, als Mann über den Mann zu schreiben, ohne dass einige Frauen es schafften, sich angegriffen zu fühlen. Als ich das realisierte, wusste ich: Schreibe niemals über das Wesen Frau! Was tut man also als Mann, um auf der sicheren Seite gegenüber der Frau zu sein: Man entschuldigt sich demütigst! Für alles. Und zwar vorher. Und auf jeden Fall danach.

Das ist ja so ein Klischee. Dass der Mann immer irgendwie Schuld an irgendetwas trage und keine Chance sich zu rechtfertigen habe. Das ist die Mario-Barth-Ebene. Was haben wir gelacht. Er macht trotzdem weiter.

Die Frau, die ich am besten kenne, ist meine Mitbewohnerin. Wir leben dieses Klischee nicht. Wenn unser Müll falsch getrennt ist, ist es klar meine Schuld, und wenn er überquillt ihre. Aber ansonsten kann ich nicht sagen, besonders oft für irgendetwas angeklagt zu werden, was auch umgekehrt gilt. Doch ich habe es selbst einmal erlebt, dass ich gegenüber einer Frau, die mir etwas fälschlicherweise vorwarf, jedes Argumentieren aufgeben musste. Ich wusste, egal, was ich als nächstes gesagt hätte, ich hätte nur eine weitere Lunte angesteckt. Und irgendwann wurde mir klar, sie nur noch durch eine Entschuldigung besänftigen zu können. Also entschuldigte ich mich demütig und sofort war die Welt wieder in Ordnung. Was habe ich damals gedacht? Dass es an sich ganz simpel ist: Schuld auf sich nehmen, egal ob zurecht oder nicht, der Mechanismus funktioniert in jedem Fall. Irgendwie fand ich sogar Gefallen daran. Sparte Zeit und Anstrengungen. Und nach einiger Übung tut es gar nicht mehr weh, seinen eigenen (in diesem Fall richtigen) Stolz über Bord und die Würde hinterher zu werfen. Doch in einer Partnerschaft, schlimmes Wort, nennen wir es also Liebesbeziehung, wäre das natürlich caine Lösung: Grundlos ziehe ich keinesfalls den Schwanz ein. Das erwarte ich im Übrigen auch von einer Frau.

Stichwort Schwanz: Hier soll es übrigens nicht um Fragen der Gleichberechtigung oder die „#MeToo“-Debatte gehen, die zweifellos aus dem Ruder gelaufen ist, im Kern aber natürlich notwendig ist.

Sie merken, ich laviere. Aus Angst. Mangelnden Respekt vor der Frau kann man mir nicht vorwerfen. Ich neige eher dazu, die mir liebsten Exemplare auf Händen zu tragen, denn ich weiß es natürlich besser. Es gibt zahlreiche Frauen, die völlig unkompliziert sind. Gut … das „zahlreiche“ war Schleimerei, aber einige wenige gibt es, habe ich selbst kennengelernt. Meine darüber weitergehende Erfahrung lässt sich aber zusammenfassen mit:

Frauen sind in aller Regel deutlich komplizierter als Männer.

Ich weiß, manche feiern sich dafür. Ich habe Frauen mein Leben passieren lassen, die für mich nicht ansatzweise Sinn ergaben. Mit denen ich auch kein Stück klargekommen bin. Und ja, das kann auch mit mir zu tun haben; das stelle ich nicht in Abrede. Aber das waren wirklich komplizierte Geschöpfe, die gegen jedes Naturgesetz, allen voran die Logik, verstießen. Frauen haben einen Begriff für dieses Phänomen: Gefühle. Ich habe es gegoogelt, das Wort gibt es tatsächlich. Achja, was ich von Frauen selbst gehört habe: „Hormone“. Ich habe eine erlebt, die alles mit ihren Hormonen entschuldigte. Daraufhin habe ich mal den Fehler begangen ihr zuvorzukommen:

„Deine Hormone sind wieder schuld, oder?“

Ihre Augen haben mich mehrfach hintereinander getötet. Hormone kann man sehen. In den Augen einer Frau, wenn man etwas falsch gemacht hat. Seitdem denke ich nur noch das Wort „Hormone“. Aber das merken sie auch. Sie riechen unsere Gedanken.

Fies, oder? Die Launen der Frauen auf so etwas zu reduzieren. Aber ich erinnere die aufgeregte Leserin an dieser Stelle, dass es eben eine Frau selbst war, von der dieses Argument kam. Und freilich hat auch der Mann Launen. Aber halt nur gute. Scheeeeerz. Wir beruhigen uns. Launen hat jeder Mensch.

Wo waren wir? Schon die ersten Frauen unterwegs zu meiner Wohnung, das Nudelholz bedrohlich schwingend? Wir waren bei „kompliziert“.

Macht sie das nicht gerade so reizvoll? Dass man sie entschlüsseln muss? Was mehr Menschen bereits das Leben gekostet haben dürfte als die Entschlüsselung des Enigma-Codes der Nazis. „Lego“-Technik ist ein Witz dagegen, zumal Lego ja die Anleitung gleich mitliefert. Ist das nicht die Herausforderung eines Gentlemannes, die Frau dadurch regelrecht zu erobern, dass er sie versteht? Nein. Völliger Blödsinn. Denkt man auch als Mann manchmal. Aber dann ist es oft zu spät, dann ist mann schon entrechtet und vogelfrei. Ich mag etwas ganz anderes an Frauen und überspringe die Beschaffenheit ihrer Körper, die ja selbst viele Frauen ästhetischer als den des Mannes finden. Wogegen der Mann in der Regel gar nichts hat … ganz im Gegenteil. An Frauen reizt mich, man mag sich wundern, zuvorderst das Innere. Also nicht im Sinne von Ausweiden. Das geht jetzt in eine ganz falsche Richtung. Mir geht es um das Wesen der Frau, das ich als sagenhaft angenehm empfinde: Sie sind weicher. Für manch Feministin sicherlich eine Beleidigung, aber ich meine es durchweg positiv. „Zart“ ist der wohl bessere Ausdruck. Und das zieht mich an, wobei – nochmal – ich mich auf die inneren Werte beziehe.

Auch wenn der Eindruck bis hier vielleicht ein ganz anderer sein dürfte, verstehe ich mich in aller Regel mit groben Ausreißern mit Frauen besser als mit Männern. Auch suche ich eher die (platonische) Nähe zu Frauen als zum Mann. Ich habe beispielsweise nicht den einen Kumpel (mir ging mit Pavel leider einer verloren, was ich sehr bedaure und noch lange betrauern werde), aber ich habe eine sehr gute Freundin, der ich Dinge mitteilen kann, die ich beispielsweise niemals einem Geschlechtsgenossen anvertrauen würde. Dabei übersehe ich allerdings keineswegs, dass jene Frau hochgradig, geradezu penetrant attraktiv ist, was ich im Übrigen auch auf ihre Augen beziehe, doch gefährdet das nicht unser Verhältnis. Dazu ist sie mir viel zu wichtig. Und so schaffe ich es, sie mehr als Mensch als als Frau zu sehen. Für diesen Satz muss ich mich mal eben kurz feiern. Die Hälfte dessen, was ich hier geschrieben habe, wollte ich mir eigentlich verkneifen. Aber scheißen wir gemeinsam auf politische Korrektheit. Wenn ich so etwas schreibe, sehe ich manchmal Leser vor meinem geistigen Auge, wie sie erste Pamphlete verfassen. Und dann reagieren aber auch die, die es verstehen, die die Ironie erkennen. Und das erwähne ich vor allem deshalb, weil das der nächste Punkt ist:

Extrem sympathisch sind mir Frauen, die mit Selbstironie aufwarten. Meinem Empfinden nach findet man die Fähigkeit zur Selbstironie eher bei Männern. Aber selbstironische Frauen haben mich sofort. Doch das ist Geschmackssache, stehe ich generell auf eine Ironie, die mit maximaler Trockenheit einhergeht. Ironieresistente Frauen hingegen finde ich so dermaßen abtörnend, dass ich in ihrer Gegenwart in ein Koma falle, das ich aber mit offenen Augen und damit unbemerkt absolvieren kann.

Ah, da mein ICE heute eine Umleitung über Paderborn fährt, habe ich 90 Minuten mehr Zeit. Was bedeutet das nun für Sie? Dass Sie Zeuge einer Entstehung eines Zweiteilers werden. Ich nutze also die Gelegenheit der allgemeinen Unruhe unter den Mitfahrenden, die gerade einen Aufstand gegen die Deutsche Bahn anzetteln, um hier einen Schnitt zu machen. Das gibt mir aber auch die Gelegenheit, im zweiten Teil direkt auf Kommentare eingehen zu können! Womöglich ist ja auch die eine oder andere Anregung dabei.

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