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Wider den Mißbrauch des Begriffs Antisemitismus


Wider den Mißbrauch des Begriffs Antisemitismus

rotfuch-kopflogo-rotfuchs – 241 – 02. 2018

Bildergebnis für Abraham MelzerDer deutsch-jüdische Autor und Verleger Abraham Melzer kritisiert die Unterstützung Israels durch die deutsche Politik und wird deswegen selbst häufig als Antisemit bezeichnet – zu Unrecht, wie er sagt.

Dazu hat er nun das Buch „Die Antisemitenmacher – Wie die neue Rechte Kritik an der Politik Israels verhindert“ geschrieben. Das Buch sei eine Anklage, erklärt Melzer.

„Ich klage damit nicht nur die Täter, also diejenigen, die uns diffamieren, verleumden und beleidigen, an, sondern ich klage auch unsere Gesellschaft und die Presse an, daß sie darüber schweigt.“

Melzer ist vehementer Kritiker der Besatzungs- und Siedlungspolitik Israels. Dazu sagt er:

„Meine Kritik an der Politik des Staates Israel wird von vielen Leuten, besonders von Zionisten oder Vertretern der jüdischen Gemeinde, als antisemitisch deklariert. Ich hasse nicht etwa Juden, sondern ich kritisiere die Politik des Staates Israel.“

Um sein Buch zu vermarkten, hatte Melzer bei einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Frankfurt am Main einen Raum für die Buchmesse gemietet. Dieser Raum wurde ihm jedoch ohne Angabe von Gründen kurz vor der Veranstaltung gekündigt. Der Autor erzählt: „In dem Kündigungsschreiben stand: „Nach eingehender Recherche“. Was für eine Recherche das war und bei wem recherchiert wurde, stand nicht drauf. Als ob der Grund „eingehende Recherche“ genügen würde, zu kündigen. Ich habe dann eine einstweilige Verfügung beantragt und habe sie sofort bekommen. Die Begründung des Gerichts war sehr kurz, aber sie haben gesagt, daß das nicht in Frage kommt, natürlich hat Abraham Melzer das Recht, „auf seinem Vertrag zu bestehen.“ Den Vorwurf des Antisemitismus weist Melzer weit von sich. Antisemitismus bedeute, „Juden zu hassen, nur weil sie Juden sind und aus keinem anderen Grund“. Er betont: „Dieser Antisemitismus macht mir so lange keine Angst, solange er nicht staatlich verordnet wird. Der Antisemitismus wird erst dann gefährlich, wenn er zu einer staatlichen Doktrin wird.“

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Festnahme eines palästinensischen Aktivisten durch israelische Geheimpolizisten, die sich als Demonstrationsteilnehmer getarnt hatten. Aufgenommen am 12. 12. 2017 in Ramallah

In München wurde 2016 sein Vortrag mit dem Titel „Antisemitismus heute“ aufgrund einer E-Mail der Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, abgesagt. In dieser E-Mail hieß es, Melzer sei „für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt“. Auf Antrag von Melzer untersagte das Landgericht München Frau Knobloch diese Behauptung. Man würde in Deutschland sehr oft von Meinungsfreiheit und dem Grundgesetz reden. Immer jedoch, wenn es zum Problemkreis Palästina- und Israelkonflikt komme, werde die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Dies geschehe, so Melzer, sowohl auf Druck von jüdischen Gemeinden wie auch auf Druck der israelischen Regierung und von deutschen Politikern, die glaubten, sie müßten „zionistischer sein als die Zionisten selbst“.

Mit seinem Buch will Melzer bewirken, daß man über

„diese Situation, diese Unfreiheit, in der wir hier agieren, diese Verletzung des Grundgesetzes und der Meinungsfreiheit spricht und es nicht verschweigt. Ich kritisiere schon so lange die Politik des Staates Israel. Ich war immer ein einsamer Rufer in der Wüste, und wir hatten nie eine richtige Resonanz in der Presse, nie eine richtige Resonanz in der Gesellschaft, und ich wollte die Gesellschaft und die Presse wecken und sagen: Leute, hier ist etwas, darüber müßt ihr auch mal ab und zu schreiben.“

Eine Lösung des Nahostkonfliktes sieht Melzer nicht, das müßten wir Menschen akzeptieren. Schuld sei die aktuelle zionistische Politik. Er erläutert:

„Die Geschichte hätte anders verlaufen können, wenn es vernünftigere Zionisten gegeben hätte. Es gab ja auch in der zionistischen Bewegung Leute, die gesagt haben: So geht es nicht. Das Land Palästina war ja nicht leer. Darüber hat die zionistische Bewegung nicht genug nachgedacht. Die Folge ist, daß wir heute ein unlösbares Problem haben. In der Geschichte ist alles möglich, aber da muß schon wirklich ein Wunder passieren.“ S. N.

Abraham Melzer: Die Antisemitenmacher. Wie die neue Rechte Kritik an der Politik Israels verhindert. Westend-Verlag, Frankfurt a. M. 2017, 288 S.

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