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Der Henker von Lwow


Der Henker von Lwow

Sascha’s Welt

Im Jahre 1965 erschien im Staatsverlag der DDR das Braunbuch der Nazi- und Kriegsverbrecher. Dieses Buch, das sehr ausführlich die spätere Rolle dieser Verbrecher in der Bundesrepublik Deutschland beschreibt, wurde vom westlichen Imperialismus heftig bekämpft. Doch unbeirrt setzten die Kommunisten in der DDR ihre Arbeit fort. Bis zur Konterrevolution 1989/90 gelang es, umfangreiche Beweise an die Öffentlichkeit zu bringen, die nicht nur die braune Vergangenheit dieser BRD offenlegte, sondern auch eine Vielzahl ihrer Verbindungen. Auch konnten in der DDR noch einige dieser untergetauchten Massenmörder zur Verantwortung gezogen werden, wie bspw. der Mörder von Oradour, Heinz Barth. Im folgenden geht es um die Biografie eines Massenmörders, der es in der BRD bis zum Minister gebracht hatte, und dem ein gewichtiger Anteil an dem faschistischen Putsch in der Ukraine nicht abzusprechen ist.

 

 

oberländer
Theodor Oberländer (* 1. 5. 1905 in Meiningen; † 4. 5. 1998 in Bonn)

CDU-Bundestagsabgeordneter, einer der einflußreichsten Revanchepolitiker,
von 1953 bis 1960 – vor Krüger und Lemmer – „Vertriebenenminister“,
1965 Vorsitzender des Landesverbandes .Oder-Neiße“ der CDU.

Prof. Theodor Oberländer war von 1953 bis 1960 „Vertriebenenminister“. 0bwohl die Bundesregierung spätestens seit dem Sommer 1959 wußte, daß sich Oberländer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat, blieb er im Amt.

In einem öffentlichen Prozeß vor dem Obersten Gericht der DDR im Jahre 1960 wurde Oberländer wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen Menschlichkeit in Abwesenheit zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Oberländer mußte trotz heftigen Widerstandes der Bundesregierung und der Revanchistenorganisationen vier Tage nach dem Urteil als Minister entlassen werden. (Vgl. Die Wahrheit über Oberländer, Ausschuß für deutsche Einheit, Berlin 1960)

Am 9. November 1923 nahm Oberländer – wie der Blutrichter und sein Nachfolger im „Vertriebenenministerium“, Krüger, – am Hitlerputsch gegen die Weimarer Republik teil. Die große Stunde Oberländers kam mit der faschistischen Machtergreifung. Er erklomm in rascher Folge die höchsten Parteiämter. Am 1. März 1933 wurde er Direktor des „Instituts für osteuropäische Wirtschaft“ in Königsberg (Kaliningrad) und 1934, mit 29 Jahren, Professor. Er war Gau- und Amtsleiter im Gaustab Ostpreußen, zunächst Landesgruppenleiter und schließlich auf persönlichen Wunsch des Kriegsverbrechers Heß Leiter des berüchtigten „Bundes Deutscher Osten“ (BDO), ferner SA-Hauptsturmführer und Leiter des Landesverbandes Ostpreußen des VDA.

In seiner Tätigkeit als „Reichsleiter“ des BDO war Oberländer an führender Stelle an der theoretischen und praktischen Vorbereitung der Aggression gegen die östlichen Nachbarn Deutschlands beteiligt. Dabei widmete er sich besonders den deutschen Minderheiten im Ausland, denen er folgende Aufgabe stellte:

„Der Deutsche war rassisch überlegen … Jede deutsche Volksgruppe kann draußen … ein drittes Reich im kleinen sein und … das Judentum bekämpfen.“ (Kampfblatt für Erzieher, 1939)

Das Ergebnis dieses „Volkstumskampfes“ sollte die Ausrottung der slawischen Völker sein:

„Der Volkstumskampf ist unter dem Deckmantel des Friedens nichts anderes als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln … Ein Kampf, der sich auf Generationen hinzieht mit dem einzigen Ziel: Ausrottung.“ (Der Neue Weg, 1936)

Als die Kriegsvorbereitungen in ihr entscheidendes Stadium traten, wurde Oberländer als Spionage-Offizier in die Abteilung II der „Abwehr“ beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW) geholt. Diese Abteilung war eine Spionage und Diversionszentrale des deutschen Faschismus. Sie warb ihre Agenten vor allem unter den deutschen Minderheiten im Ausland.

Ab Mai 1939 stellte Oberländer seine Erfahrungen in den Dienst der Abwehrstelle des Wehrkreises VII in Breslau (Wrocław). Mit Unterbrechungen blieb er dort bis zum 18. August 1939. Oberländer gehörte zum Kreis der Initiatoren und Organisatoren des fingierten Überfalls auf den Sender Gleiwitz (Gliwice), der den Faschisten als Anlaß für den militärischen Überfall auf Polen diente.

Nach der faschistischen Okkupation Polens stellte sich Oberländer an die Spitze der Ausrottungsfanatiker und forderte die restlose Vertreibung und Vernichtung des polnischen Volkes:

„Die Eindeutschung in den Ostgebieten muß in jedem Falle eine restlose sein. Maßnahmen vollständiger Aus- und Umsiedlung mögen für die Betroffenen hart erscheinen … aber eine einmalige Härte ist besser als ein durch Generationen währender Kleinkampf … Aus diesem Grunde ist neben sielen anderen eine Assimilierung des Polentums abzulehnen.“ (Neues Bauerntum, April/Mai 1940)

Vor dem Überfall auf die Sowjetunion begann Oberländer mit der Aufstellung, Ausbildung und politischen Führung einer speziellen Sabotage- und Diversionseinheit für Sondereinsätze der Abteilung „Abwehr II“. Diese Sondereinheit war das Bataillon „Nachtigall“. Es bestand aus ukrainischen Nationalisten und Faschisten sowie aus asozialen und kriminellen Elementen. Die Gruppe war für „Sonderaufgaben“ – Sabotage, Diversion, Mordanschläge und Massenhinrichtungen in der Ukraine – vorgesehen. Sie sollte als erste Einheit in die Sowjetunion einfallen.

Damit begann der fürchterlichste Abschnitt in Oberländers Laufbahn als „Ostexperte“ und „Abwehr“-Offizier. Das Bataillon „Nachtigall“ erreichte als erste Einheit der faschistischen Wehrmacht am 30. Juni 1941 die sowjetische Stadt Lwow (Lemberg) und blieb dort bis zum 7. Juli 1941. Die Zahl der in den ersten sechs Tagen der faschistischen Besetzung durch das Bataillon „Nachtigall“ ermordeten Frauen, Kinder und Greise wird auf 3.000 bis 5.000 geschätzt. In Lwow begann Oberländer, seinen alten Plan zur Vernichtung der polnischen und sowjetischen Intelligenz zu verwirklichen. Unter den 3.000 bis 5.000 ermordeten Menschen befanden sich auch 34 hervorragende Vertreter des Geisteslebens. Ihre Namen waren vom „Institut für Deutsche Ostarbeit“ in Krakau (Krakow) zusammen mit Oberländer bereits vor der Aggression gegen die Sowjetunion auf die Todesliste gesetzt worden.

Doch nicht nur in Lwow beging die Einheit „Nachtigall“ Massaker unter der sowjetischen Bevölkerung. Das von Oberländer geführte Bataillon richtete auch in den Städten Solotschew, Tarnopol. Prokurow, Shitomir und Winnica furchtbare Blutbäder unter der Zivilbevölkerung an.

Nach kurzem Zwischenspiel als Leiter der Abteilung „Abwehr II“ beim Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd übernahm Oberländer im Herbst 1941 die Aufgabe, eine Sondereinheit zur Niederhaltung der sowjetischen Bevölkerung im okkupierten Gebiet und zur Bekämpfung der Partisanenbewegung aufzubauen. In dieser Einheit preßte Oberländer kriegsgefangene Angehörige der kaukasischen Völker. Für diese Kriegsgefangenen gab es nur die eine Wahl. Hungertod im faschistischen Lager oder Eintritt in das Bataillon (später Regiment) „Bergmann“.

Die unter Oberländers Befehl stehende Sondertruppe „Bergmann“ war von der Wehrmachtsführung zu Diversionsakten im sowjetischen Hinterland vorgesehen. In den Jahren 1942/43 war sie jedoch hauptsächlich an Vernichtungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung und die Partisanenbewegung beteiligt.. Alle diese Aktionen wurden „mit äußerster Härte“ durchgeführt. Die Einsatzbefehle unterschrieb Oberländer. Wer sich von den Angehörigen dieses Regiments an den Verbrechen nicht beteiligen wollte, wurde erschossen. So war es auch, als ein Teil des Regiments begann, sich zur Wehr zu setzen. Oberländer ließ sieben Angehörige der Einheit vor ein Kriegsgericht stellen und erschießen, Nach kurzem Einsatz auf dem Balkan „zeichnete“ sich das von Oberländer organisierte und politisch geformte Regiment im Jahre 1944 bei der grausamen Niederschlagung des „Warschauer Aufstandes“ aus.

Gegen Ende des Krieges wurde Oberländer noch zum Major befördert und zum Leiter des Schulungslagers „Ostprop-Abt. z.b.V.“ in Dabendorf bei Berlin berufen. In diesem Lager wurde die Armee des Verräter-Generals Wlassow ideologisch ausgerichtet. Vor den anrückenden sowjetischen Truppen floh Oberländer in die Tschechoslowakei, wo er in eine SS-Kriegsberichter-Standarte ein trat. Am 23. April 1945 begab er sich dann in amerikanische Gefangenschaft. 292ff.

Oberländer lebt heute nicht nur unbehelligt in Westdeutschland, sondern ist nach wie vor Abgeordneter der CDU im Bundestag und hat großen Einfluß auf die Politik der westdeutschen Revanchistenorganisationen, obwohl sogar die Banner Justiz in einem vergeblichen Reinwaschungsversuch die Mordtaten des von ihm geführten Bataillons „Nachtigall“ in Lwow bestätigen mußte.

Die Einsetzung der schwerbelasteten Nazi- und Kriegsverbrecher Oberländer, Krüger und Lemmer als Minister ist bezeichnend für den Geist und die Aufgaben des Bonner „Vertriebenenministeriums“.

Quelle: Braunbuch der Nazi- und Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik, Staatsverlag der DDR, Berlin, 1965, S.292ff.

Siehe auch:
Der Mörder von Oradour
Nazis, NATO und die Farbrevolutionen
Der alltägliche Faschismus in Lwow (aber nicht nur dort…)
Die Wiederkehr des Faschismus – XXI

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