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Die Mutterin.


Die Mutterin.

Egon W. Kreutzer, 13. März 2018

Mutter? Falsch!

gorki-die-mutterEine der deutschen Sprache überdrüssige, in der Tradition der Suffragretten stehende, inzwischen 80 Jahre und kein bisschen weise gewordenen Frau, fühlt sich diskriminiert, weil eben diese deutsche Sprache, um sinnleere Satzmonster zu vermeiden, in der so genannten Kollektivform von „Patienten” spricht, von „Lehrern”, von „Kunden”, von „Bürgern” und damit stets die „Träger” sowohl weiblicher als auch männlicher primärer Geschlechtsmerkmale gleichermaßen anspricht.

Es ist ein Zeichen für eine kaum mehr zu überbietende Dekadenz unserer Gesellschaft, dass sich mit diesem Begehren nun hochbezahlte Richter des Bundesgerichtshofes auseinandersetzen müssen, gerade so, als hätten sie vor lauter Langeweile nichts anderes zu tun.

Hier sollen – aus Jux und Tollerei, aus Verbohrtheit, aus Fanatismus oder einfach nur aus Geltungssucht – von einer sektiererischen Minderheit die tragenden Säulen der Gesellschaft verrückt werden. Das wäre nicht schlimm. Man könnte lächelnd darüber hinweggehen. Das Problem ist, dass dieser Eigensinn ernst genommen wird. Dass man damit den ganzen Instanzenweg rauf und runter die Gerichte beschäftigen kann, die damit – und mit todernster Mine – den deutschen Kabarettisten das Wasser abgraben.

Bedenkt man, dass gleichzeitig Klagen in wirklich wichtigen, schicksalsbeeinflussenden Fragen schlicht ohne Begründung abgewiesen werden, wie es in Sachen EU und Euro immer wieder der Fall ist, dann sehnt man sich fast schon danach, wenigstens in Schilda leben zu dürfen, weil es da noch vernünftiger zugeht.

Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, aber mit der Ehe für alle, auch für solche, die sich dem dritten oder einem in der Rangreihe noch weiter hinten stehenden Geschlecht zugehörig fühlen, wird die von der alten Dame beklagte Sparkasse ihre Kunden vermutlich gar nicht mehr als Kunde, Sparer, Kreditschuldner ansprechen, auch auf sämtliche Höflichkeitsfloskeln verzichten, weil alles, was über Name und Vorname hinausgeht, eine Klage wegen Diskriminierung nach sich ziehen könnte.

Bevor sich der Streit nun endlos ausweitet, schlage ich eine Regelung vor, die allen sich diskriminiert fühlenden Minderheiten genau das gibt, was Sie sich wünschen:

Die Kultusministerkonferenz möge eine weitere Sprach- und Rechtschreibreform beschließen, dergestalt, dass in jedem Falle der Verwendung des generischen Maskulinums stattdessen schlicht der Begriff „Wesen” zu verwenden sei, ggfs. ergänzt durch eine vorangestellte genderneutrale Spezifizierung.

Beispiele:

 Begriff herkömmlich Begriff künftig alternativ
Schornsteinfeger Wesen Schornsteinfegewesen
 Kunden Wesen Kaufwesen
 Mitglieder Wesen Dazugehörwesen
 Bürger Wesen Dawohnwesen
 Ausländer (im Ausland) Wesen Hintergrenzwesen
 Kläger Wesen Anklagwesen
 Schildbürger Wesen Narreteiwesen
 Liedermacher Wesen Singwesen
 Minister Wesen Verwesen

Im Text liest sich das dann so:

Die Dazugehörwesen der Innung der Schornsteinfegewesen beschlossen, ihre Kaufwesen künftig, wie vom Innenverwesen vorgeschrieben, über die Vorteile von Rauchmeldern zu informieren. Verschiedene Singwesen erklärten in spöttischen Liedern, es handle sich hier um Narreteiwesenstreiche. Auch die Hintergrenzwesen verstanden nicht, dass alles nur ihrem persönlichen Schutz diene und zogen mit ihren Rechtsverdrehwesen als Anklagewesen bis vor die Höchstrichtwesen in den roten Roben in Karlsruhe.

Ist’s damit gut, ist’s das gewesen, liebes Gendergerechtigkeitswesen?

Der Weg des brauchbaren Schwachsinns in die Politik”, das ist der Untertitel von Florian Stumfalls Buch Das Limburg Syndrom.

Stumfall zeigt auf: Es ist nicht nur einfach dumm und dekadent – es steckt Kalkül dahinter. Und: Wir sollten uns wehren.

Die KlägerIn hat soeben auch vor dem BGH verloren. Nun ist der EuGH dran. Ich fass´ es nicht!

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger – mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:
Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.
Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.
Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.

Anmerkung: Der gleiche Unsinn herrscht bei manchen Pseudo-Linken vor, wenn sie nicht mehr schreiben: Arbeiterinnen und Arbeiter, sondern ArbeiterInnen. Für mich ist das Alles eine Vergewaltigung der deutschen Sprache.

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