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Nicht „May be!”, nein, für die ARD steht fest: die Russen warns in Salisbury


hartmut-barth-engelbart.pngNicht „May be!”, nein, für die ARD steht fest: die Russen warns in Salisbury

Hartmut Barth-Engelbart, 15. März 2018

Während die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz als Einzige bei Markus Lanz der Frage stellt „Qui bono?”, wem nützt es?, sind die Exzellenz-Journalisten der Tagesschau nicht Mal dazu in der Lage. Auch nicht dazu, die britische Premierministerin May zu diesen Schauspiel zu befragen, zu dem die britische Regierung jegliche wichtigen Auskünfte verweigert. Welches Interesse soll Russland direkt vor der Fußball-Weltmeisterschaft und vor den Präsidentenwahlen an der Vergiftung eines entlassenen Sträflings, der wegen Spionage einsaß, und seiner Tochter haben? Licht ins Dunkel bringt eine umfassende Analyse der Lage durch das Portal „German Foreign Policy” https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7563/

Die vom Pulitzer Preisträger Seymour Hersh aufgedeckten US-IS Giftgas-Attacken, organisiert durch die CIA im Auftrag Killary Clintons reichen für die Begründung der völkerrechtswidrigen Bombardierung durch die US-Airforce und die vom Macronat und Mistress May angedrohten der französischen und britischen NATO-Partner nicht mehr aus. Merkels Blitzmädel Uschi von der Leichen wird auch sehr schnell von der reinen Daten und Logistik-Dienstleistung für US-Angriffe und US-IS-Schläge über den Irak auf dem syrischen Schlachtfeld erscheinen als Bundeswehr-Friedens-Mission. Für das Überschreiten der „Rote Linie” braucht man eben noch ein paar andere Giftgaseinsätze, die Ausweisung russischer Diplomaten und dann darfs losgehen. Wer noch mit dem katholischen Bischof von Aleppo spricht ist ein Landesverräter, ein Putinversteher und Russenfreund und den Russen kennen wir doch! Als die im Mai 45 in Berlin einmarschierten, schallte der Not-Warn-Ruf durch die Reichshauptstadt „Uhren weg, der Iwan kommt!” Die wollten uns doch tatsächlich alle 38/39er Judenschnäppchen wegnehmen und die Rüstungsbetriebe demontieren.

Die Bildzeitung hetzt bereits gegen die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland: „Darf man heiter bei Putin Fußball spielen, während die Russen syrische Kinder zerbomben” so oder so ähnlich stand es auf der gestrigen Titelseite:

BILD fragt Nationalspieler: Darf man heiter bei Putin Fußball … – Bild.de (https://www.bild.de/…/fussball/wm…/darf-man-heiter-bei-putin-fussball-wm-spielen-550…)

vor 3 Tagen – In drei Monaten soll in Russland die Fußball-WM beginnen – in jenem Land, dessen Präsident Wladimir Putin in Syrien Bomben auf Kinder werfen lässt, in der Ost-Ukraine einen verdeckten Krieg führt und im Sport selbst weitreichendes Doping zu verantworten hat. Haben unsere Fußballer also ein ….

Wegen Bomben auf Syrien: Wäre ein Boykott der WM in … – Bild.de (https://www.bild.de/…/fussball/wm…/waere-ein-boykott-der-weltmeisterschaft-in-russlan…)

vor 2 Tagen – Wäre ein Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland wegen der grausamen Kriegsführung Wladimir Putins (65) gegen die syrische Bevölkerung möglich? Obwohl es vergleichbare Fälle in der Geschichte gibt, ist.

BILD-Kommentar – Spielt für Syriens Kinder! – Fussball – Bild.de (https://www.bild.de/…/fussball/…/kommentar-spielt-fuer-syriens-kinder-55077418.bild.h…)

vor 2 Tagen – BILD fragt Nationalspieler Darf man heiter bei Putin Fußball-WM spielen? In drei Monaten soll in Russland die Fußball-WM beginnen – in jenem Land, dessen Präsident Wladimir Putin in Syrien Bomben auf Kinder werfen lässt. Putin veranstaltet kein Sportereignis, sondern ein politisches …

WM-Boykott wegen Russlands Bomben auf Syrien? – JOGI – Bild.de (https://www.bild.de/…/fussball/wm…/jogi-loew-das-wuensche-ich-mir-von-der-politik-5…)

vor 3 Tagen – Weniger als 100 Tage sind es noch bis zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland! Die Fans, die Teams und die Offiziellen freuen sich auf spektakuläre Spiele und tollen Fußball – aber darf man das ohne schlechtes Gewissen? Immerhin ist Gastgeber Russland jenes Land, dessen Präsident Wladimir Putin …

In Russland – Was hat die WM mit Krieg zu tun? – Fussball – Bild.de (https://www.bild.de/…/fussball/wm…/was-hat-die-wm-mit-krieg-zu-tun-55067036.bild.h…)

vor 3 Tagen – BILD fragt Nationalspieler Darf man heiter bei Putin Fußball-WM spielen? In drei Monaten soll in Russland die Fußball-WM beginnen – in jenem Land, dessen Präsident Wladimir Putin in Syrien Bomben auf Kinder werfen lässt. 425 Tote in Ost-Ghouta durch Putin und Assad …

Deshalb ist die WM für Putin so wichtig – Bild.de (https://www.bild.de/…putin/deshalb-ist-die-wm-fuer-ihn-so-wichtig-55066820.bild.html)

vor 3 Tagen – Während die russische Luftwaffe Syrien in Schutt und Asche legt, laufen die Vorbereitungen für die Fußball-WM in Russland auf Hochtouren. Sport und Politik, so heißt es, müsse man trennen. Nur einer.

Todes-Serie in England DFB ist gegen WM- Boykott in … – Bild.de (https://www.bild.de/politik/…/ist-gegen-wm-boykott-in-russland-55089178.bild.html)

vor 1 Tag – Heute in drei Monaten startet das Eröffnungsspiel zur Fußball-WM in Russland. … Kein Boykott: DFB-Präsident Reinhard GrindelFoto: Andreas Thelen BILD … Ein Boykott der WM 2018 in Russland wegen der grausamen Kriegsführung Putins gegen die syrische Bevölkerung – wäre das möglich?

Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein entsprechender Artikel im Neuen Deutschland und eine passende Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die als Konsequenz die Aufnahme der Ukraine in die NATO empfiehlt sowie den Ausschluss der Türkei aus diesem Demokratie-Verteidigungsbündnis.

Siehe dazu auch: RLS & ARD propagieren Angriff auf Syrien & die LINKE? Programmbeschwerde!! (http://www.barth-engelbart.de/?p=202317)

Der Ex-Tagesschau-Redakteur Volker Bräutigam und der Ex-Hausjurist des NDR schrieben dagegen die zweite Programmbeschwerde dieser Woche, gegen „die Macht um Acht”, wie ihr Buch heißt, das sie zusammen mit Uli Gellermann von der Rational-Galerie geschrieben haben:

Datum: 14. März 2018 um 21:53:25 MEZ
An: „NDR RR VWR” (gremienbuero@ndr.de)

Betreff: Programmbeschwerde: Mangelhafte Berichterstattung über die Salisbury-Affäre

Programmbeschwerde: Mangelhafte Berichterstattung über die Salisbury-Affäre

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-24593.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-5863.html

Sehr geehrte Rundfunkräte,

die hier per Link genannten Sendungen der ARD-aktuell stehen beispielhaft für das Versagen der Redaktion, über die Vergiftungsaffäre in Salisbury und deren politische Begleiterscheinungen so zu berichten, dass sich der Zuschauer zumindest ein halbwegs schlüssiges Urteil bilden kann.

Zwar wird umfangreich darüber berichtet, dass die britische Regierung nach Auffindung der beiden Opfer, Vater und Tochter Skripal, schon sehr früh und vollkommen beweislos Russland bezichtigt hat, für einen mutmaßlichen Anschlag verantwortlich zu sein, und es wird auch die russische Gegenäußerung dazu referiert. Die politischen und diplomatischen Rahmenvorgänge werden dargestellt, wenn auch nur oberflächlich.

Aber trotzdem leidet die Berichterstattung deutlich unter Schieflage. Grundfragen werden nicht einmal gestellt, geschweige denn ihnen wird nachgegangen. Beispiel: Wem sollte dieser Vorfall in Salisbury nützen? Es wurde lediglich fantasiereich über ein paar auf Russland verweisende denkbare Motive spekuliert. Der ehemaligen ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz blieb vorbehalten, das selbstverständliche „Cui bono?” im Gespräch bei Lanz im ZDF zu fragen. Den Gniffke-Qualitätsjournalisten fiel das anscheinend nicht ein. Krone-Schmalz erinnerte daran, dass ein ebenfalls freigelassener vormaliger Mithäftling  Skripals in der tschechischen Ausgabe von US-Radio Liberty erklärt hatte, es gebe für Russlands Regierung überhaupt kein Motiv, politische Straftäter nach deren Freilassung noch zu ermorden. Krone-Schmalz machte auf ein weiteres Manko aufmerksam: Die Unschuldsvermutung, grundlegendes Prinzip der Rechtsstaatlichkeit, bleibe regelmäßig außen vor, wenn es um Russland gehe. Auch bei ARD-aktuell blieb diese Frage völlig unterbelichtet, obwohl man sich überschlägt, wenn es darum geht, vermeintlich rechtstaatiche Versäumnisse russischer Behörden bei ARD-Freiheitshelden wie Nawalny bis zum Exzess anzuprangern.

Einem zweitem wesentlichen Fragenkomplex ging ARD-aktuell ebenfalls nicht auf den Grund: Was sagt der Zeitpunkt des Geschehens, in welchem Kontext ist es zu sehen? Stichworte: Präsidentschaftswahl in Russland, Brexit-Ärger der vom Machtverlust bedrohten May etc. pp.

Es wird ferner jeder Hinweis darauf unterlassen, dass das einzige „Indiz” für eine mögliche russische Täterschaft für sich genommen wertlos ist. Die britische Regierung hat ohnehin noch nicht mal einen Nachweis erbracht, dass tatsächlich um ein in der Sowjetunion hergestelltes Gift verwendet wurde. London verweigert sogar ausdrücklich jede Einsichtnahme in die Ermittlungsergebnisse sowie die Herausgabe von Giftproben und verletzt damit die Statuten und Ermittlungsvorschriften der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen, OVPC. Es fragte kein ARD-aktuell-Journalist danach, weshalb London jede Transparenz verhindert.

Ein Beleg für den russischen Ursprung des Giftes würde aber auch nicht weiterführen: Eine russische Täterschaft wäre damit nicht zu beweisen. Die vormals sowjetischen Chemiewaffenbestände wurden in Russland 1992 unter internationaler Aufsicht vernichtet, und es ist aktenkundig, dass damals Expertenkommissionen der USA, Großbritanniens, Israels und weiterer Staaten Zugriff auf die Giftbestände hatten – und allergrößtes waffentechnologisches Interesse daran.

Mit gleichem Anspruch wie bei der Bezichtigung Russlands ließe sich behaupten, es liege ein Attentatsversuch des israelischen Geheimdienstes vor. Der Mossad ist schließlich weltweit berüchtigt dafür, Gegner Israels zu ermorden und hat eine der längsten Erfolgslisten darüber.

Von ARD-aktuell ist zwar kein kriminologisch bzw. forensisch einwandfreies Ermitteln in der Salisbury-Affäre zu verlangen, wohl aber journalistische Sauberkeit, Distanz zum Geschehen und Neutralität in der Berichterstattung.

Kennzeichnend für diesbezügliche schwere Defizite ist, dass in allen Sendungen dieser Nachrichtenredaktion zwar über die Ereignisse selbst und über die Äußerungen der beteiligten Regierungen und Diplomaten berichtet, nicht aber der allerersten Frage nachgegangen wird:

Was ist das Motiv der britischen Regierung, einen solchen internationalen Eklat mit einer so schwerwiegenden Bezichtigung auf so hauchdünnem Eis zu veranstalten, ohne auch nur die Spur eines Beweises vorzulegen, nicht wenigstens ein einziges vernünftiges Argument vorzubringen und sogar ausdrücklich die Herausgabe von ‚Ermittlungsdaten zu verweigern?

Kam niemand in der ARD-aktuell-Redaktion auf den Gedanken, deswegen Nachfrage bei der Regierung May zu halten? Zum Beispiel mit der Begründung, dass Russland sehr viel unauffälligere Mittel und Möglichkeiten hätte, sich eines Ex-Geheimdienstlers zu entledigen? Warum verwies ARD-aktuell nicht darauf, dass Sergej Skripal regelmäßiger Besucher der russischen Botschaft in London war und deshalb jederzeit ganz unauffällig hätte beseitigt werden können? Stattdessen ein Attentat, das einen wahren Jahrmarktsrummel bewirkt? Wo bleibt da die Logik, wenn Russland ins Visier genommen wird?

ARD-aktuell fragte nicht im Büro der Premierministerin May nach: Was ist das Motiv, mit einem so kurzfristigen Ultimatum vorzugehen und nicht wenigstens abzuwarten, bis die beiden Opfer, Skripal und seine Tochter Julia, wieder aussagefähig sind, die derzeit angeblich noch im Koma liegen, deren Zustand aber „stabil” sein soll?

Die Nachrichtengestaltung der ARD-aktuell setzte nicht etwa den Akzent auf die geradezu überwältigende Fragwürdigkeit des britischen Vorgehens. Sie lieferte vielmehr das Bild von einem Giftanschlag, der einen russischen Ex-Agenten und dessen Tochter traf, mit „offenkundig” russischem Spezialgift ausgeführt wurde und für den wahrscheinlich Russland – genauer: natürlich Putin – verantwortlich ist.

Die übliche Propagandaschablone also.

Den Programmgrundsätzen und -richtlinien des Staatsvertrags angemessener Journalismus sieht anders aus als solche Qualitätsprodukte der ARD-aktuell.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer

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