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Die Anatomie der amerikanischen Propaganda: Alles was es braucht ist ein Name


Die Anatomie der amerikanischen Propaganda: Alles was es braucht ist ein Name

theblogcatSeraphim Hanisch, 17.03.2018

foxnews
Es hieß mal: „Wir berichten. Sie entscheiden.“ Aber wenn es um Russland geht, so trifft das heute nicht mehr zu.

Bitte versteht mich nicht falsch. Meine persönliche Ansicht über Fox News ist eigentlich unter den amerikanischen Massenmedien am höchsten. Zu ihrer großen Ehre waren sie zum Kandidaten und jetzigen Präsidenten Donald Trump sehr gerecht und sie zeigen in aller Regel bei der Darbietung aus einer konservativen Sicht ein gutes Maß an Fähigkeiten – solange es die Innenpolitik betrifft.

Aber sobald es um Berichte über den Rest der Welt geht, sind sie Versager. Und wenn sie gar über Russland berichten, oder im besonderen über Präsident Wladimir Putin, hüllt sich dieser ehrwürdige Sender in eine sehr falsche Rhetorik, oder er glaubt gar daran. Und das amerikanische Volk glaubt leicht daran, und das alles mit Hilfe eines sehr einfachen Werkzeugs. Bevor ich mehr erkläre, lasst uns einen Text über die kommende russische Präsidentenwahl betrachten, die am Sonntag, dem18. März stattfindet. Natürlich geht es um den Kandidaten/Präsidenten Putin, und um der Kürze willen habe ich alles weggelassen, was für mein Argument nicht unbedingt nötig ist. Ihr könnt euch aber hier das ganze Stück auf deren Webseite ansehen, das hilft bei der Überprüfung meiner Sichtweise, ob ich voreingenommen bin:
http://www.foxnews.com/opinion/2018/03/16/why-russias-elections-matter-so-much-to-putin-hint-its-not-what-think.html

„Die bevorstehende russische Präsidentenwahl ist für Präsident Wladimir Putin von entscheidender Bedeutung. Das erscheint seltsam, da das Ergebnis nicht in Frage steht (ich verrate es: Putin wird gewinnen). Aber trotzdem, die Wahl bedeutet viel – und sie sollte es auch für uns tun.
Das Ausmaß des Sieges, die Zahlen und die Demographie jener Russen, die wählen, und wie manipuliert die Wahl wahrgenommen wird, all das ist für Putins weitere Stabilität und Macht von Bedeutung. Zum Einen braucht Putin eine breite Unterstützung der Wähler, entweder um die Regeln so zu ändern, dass er unendlich an der Macht bleiben kann oder um einen anderen sicheren Weg zu finden, um am Ende seiner Amtsperiode sicher ausscheiden zu können. Er wird unter der gegenwärtigen Verfassung der Russischen Föderation 2024 nicht mehr als Präsident kandidieren können…
Natürlich haben die Russen bei dieser Wahl sowieso keine echte Wahl, da der Kreml brauchbare Opposition an der Teilnahme gehindert hat. Nur zu gewinnen ist für Putin nicht genug. Er muss die selbe populäre Unterstützung wie bei der letzten Wahl erhalten, wenn nicht mehr. Ein schlechteres Ergebnis bei seinem unvermeidlichen Sieg oder die Wahrnehmung, dass er für ein gutes Ergebnis tricksen musste, könnte seine Kontrolle untergraben.“

Mit „brauchbarer Opposition“ meint die Autorin dieses Textes Alexey Navalny. Herr Navalny wurde von der Präsidentenkandidatur ausgeschlossen, weil er Straftaten begangen hat. Diese Tatsache bestreitet er, aber man sollte auch anmerken, dass dieser Aktivist und Jurist auch für das Bürgermeisteramt in Moskau kandidiert und verloren hat, mit 27% gegen 51% von Sergey Sobyanin. Man sollte ferner anmerken, dass Herr Sobyanin, der zwar Putins Wahl ist, aus einem Grund gewählt wurde – er ist ein hervorragender Verwalter. Moskau wurde auf erstaunliche Art und Weise modernisiert und aufgepeppt, und es ist ganz offensichtlich, dass hier ein effektive Führung am Werk ist. (Ich lebe in Moskau, ich sehe all das was passiert.)

Zurück zu unserem Text:

„Ein weiteres Thema ist die Massenpsychologie seiner Herrschaft der Stärke. Die meisten Russen denken, dass die meisten Russen Putin unterstützen. Sein eigener Apparat unterstützt ihn zum Teil deswegen weil sie glauben, dass ihn die russische Bevölkerung in großem Ausmaß unterstützt. Putin kann nicht zulassen, dass dieser Glaube untergraben wird.
Erstaunlicherweise kümmert sich Putin auch um die wahrgenommene Legitimität der Wahl. Demokratie bleibt ein zentraler Punkt in Putins politischer Selbstdefinition und ist der Kern seiner Ideologie, trotz der andauernden Propagandakampagne gegen die Fehler der westlichen Demokratien.
Die Ironie ist, dass die meisten Russen Putin ohnehin wählen würden, trotz der Erkenntnis über die politischen Fehler des Regimes und die Grenzen ihrer bürgerlichen Freiheiten.
Viele nehmen Putin als den Garanten für die wirtschaftliche Stabilität Russlands und den Nationalstolzes wahr. Die Mehrzahl der Russen erinnert sich an die schrecklichen 1990er – eine Periode brutaler Armut, schwacher Regierung, sozialem Zerfall und politischer Ungewissheit.“

Es gibt hier in Russland keine ausdrücklichen Grenzen für bürgerliche Freiheiten, von denen ich speziell gehört hätte. Die Meinungsfreiheit ist hier ein sehr hoch geachtetes Gut und ich höre jede Menge Zynismus, aber keine Gerede von „Er unterdrückt uns!“ oder so.

„Aus historischer Sicht waren die Russen oft bereit, bürgerliche Freiheiten aufzugeben, wenn sie damit sicherstellten, dass sie nicht in eine Instabilität zurückfallen. Dieses Phänomen ist in vielen post-diktatorischen Staaten üblich, wenn die Wirtschaftspolitik ihre Bevölkerung zurück in die Autorität treibt.“

Das ist ein reine Propaganda, die bei den Amerikanern Erfolg hat, die sich nur an die Schatten der Unterdrückung unter dem Kommunismus der Sowjetunion (sic) erinnern. Die meisten Amerikaner haben keine Vorstellung davon, wie das Land jetzt aussieht, und sie wären überrascht zu erfahren, dass die Worte unserer Autorin überhaupt kein Thema sind.

„Putin verstärkt auch das Bedürfnis für eine Festigung der russischen nationalen Identität und füllt das dann auf. Seine Propagandamaschine spielt die Erniedrigung Russlands in den 1990ern hoch und die historische Größe. Putin bietet eine Quelle des Nationalstolzes, besonders bei den älteren Generationen, mit militärischen Abenteuern, die in Syrien und der Ukraine „den Terrorismus eliminieren“, die „westliche Scheinheiligkeit“ bekämpfen und die russische Streitmacht stärken.“

Das ist nach meiner Einschätzung eine Mischung aus Wahrheit und Fälschung. Was gewiss stimmt ist die Feststellung, dass die russische nationale Identität sehr stark ist. Im Gegensatz zu der „Amerika ist schuldig“-Rhetorik der Obama-Jahre und verglichen mit der Zeit eines großen Nationalstolzes in den USA während der 1970er bis in die 1980er, ist der Nationalstolz in Russland eine einigende und zusammenschweißende Kraft. Und es ist ein ziemlich ehrliches Phänomen. Mitanzusehen, wie sich dieses Land mit so einer stillen Entschlossenheit und erfolgreich wieder aufgebaut hat, das ist wirklich erstaunlich. Was die Sache mit Syrien anbelangt, so folgt Russland dem internationalen Recht. Ob richtig oder falsch, Syrien hat um ihre Hilfe gebeten. Die Amerikaner befinden sich dort illegal. Die Syrer wollten sie nie dort haben und die amerikanische Allianz mit AlQaeda verbündeten Gruppen ist eines der erstaunlichsten Beispiele für Scheinheiligkeit in der Geschichte Amerikas. Jeder der 9/11 miterlebt hat, wäre entsetzt wenn er das wüsste.

„Viele Russen sehen die Ukraine beispielsweise als chaotisch an und dass sie in die Armut der 1990er abrutschen, ohne deutlichen Vorteil. Fast zwei Jahrzehnte lange Propaganda-Märchen über das US-Versagen bei Demokratie im Irak, in Libyen und Afghanistan haben diese Wahrnehmung ebenfalls verstärkt.“

Die Ukraine IST in die Armut zurückgerutscht. Die Währung des Landes ist nahezu wertlos. Sogar die BBC bemerkt die ernste Lage. Auch wenn dieser Bericht aus dem Jahr 2014 stammt – jüngste persönliche Berichte über das dortige Leben zeigen keine großen Fortschritte…außer man ist dort ein Politiker, der korrupt ist, auf ausschweifende Reisen geht und für sich Paläste errichten lässt. (Beide Seiten haben dabei schlecht agiert, und das geht so weiter.)

„Viele junge Menschen in Russland erinnern sich nicht an die 1990er und springen nicht auf den Putin-Zug „Stabilität und Stolz“ auf. Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist zwar nicht so schlimm wie in den mageren 90ern, aber sie ist auf einer negativen Talfahrt.“

Dass ist total und komplett falsch. Sorry, das ist nicht meine Meinung. Es ist die Einschätzung der Weltbank. Die russische Wirtschaft wächst und ist ziemlich stabil. Die Inflation wurde wieder auf 4,5% gesenkt…

inflationsrate-russland

„Darüber hinaus haben Sanktionen, die nach der russischen Einmischung in die US-Wahlen wieder aufgelegt wurden, Putins innersten Zirkel aus Unterstützern aufs Korn genommen und haben negative ökonomische Auswirkungen auf ausländische Investitionen. Folglich stellt sich eine beträchtliche Zahl an Russen die Frage, ob der hohe wirtschaftliche und menschliche Preis von Putins ausländischen Abenteuern gerechtfertigt ist.“

Und wieder die alte Leier mit der Einmischung in die Wahlen. Diese Lady aus Florida hat die beste Antwort, die ich je zu dieser alten Story gehört habe:

Nun, das war der größte Teil dieses Artikels. Und womit verkauft die Autorin so vielen Amerikanern die Wahrhaftigkeit der Meinung? Mit ihrem Namen.

Nataliya Bugayova. Schöner slawischer Name, daher muss sie Expertin für Russland sein. Das ist jedoch nicht sehr vernünftig, wenn man die restlichen Informationen über sie betrachtet, geliefert von Fox News:

„Nataliya Bugayova ist Development Direktorin beim Washingtoner Insitute for the Study of War, wo sie über Russlands globalem Einfluss forscht. Zuvor war sie CEO bei der Kyiv Post und diente nach der demokratischen Revolution 2014 in der ukrainischen Regierung.“

Unsere Autorin ist also mit Washington DC verknüpft und arbeitete für eine Kiewer Zeitung in der Ukraine. Und DAZU NOCH in der Regierung der Ukraine nach dem EuroMaidan. Sie ist voreingenommen.

Nun, es ist nichts falsch daran, ein Stück zu schreiben in dem sie ihre Wünsche ausdrücken kann. Und man muss Fox zugute halten, dass es als „Meinungs“-Beitrag gekennzeichnet ist. Aber es gibt ganz offensichtlich keinen Beitrag zur Unterstützung von Herrn Putin, oder wo eine Sicht auf Russland von innen wiedergegeben wird. Oder die von vielen Diskussionen über das Leben unterstützt wird, mit Menschen, die Bürger sind.

Ein ideales, intellektuell ehrliches amerikanisches Medienerzeugnis sollte diesen Standpunkt einnehmen. Fox News hatte einmal einen großen Untertitel: „Wir berichten, Sie entscheiden.“

Aber hier wird der Sender der Sache nicht gerecht, und das ist eine Schande.

 

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