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Edith Gossweiler ist verstorben


Edith Gossweiler ist verstorben

logo-einheit  Hartmut Heck, 23. März 2018

Edith Gossweiler lernte ich als Ehefrau von Kurt Gossweiler kennen. Sie selbst lernte ihren späteren Ehemann Kurt schon in der Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln kennen und lieben. Getrennt waren von da an die späteren Eheleute Gossweiler nur in der Kriegszeit. 1943 lief Kurt zur Roten Armee über. 1947 ging Kurt und Edith in die DDR. Hier hatten sie ihre politische Heimat und heirateten. Fortan waren sie nicht mehr getrennt.

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Edith Gossweiler 2017, Foto: Hartmut Heck

Edith nahm Kurt viel Organisatorisches ab, hielt ihm, für seine politischen und wissenschaftlichen Arbeiten, im Alltag den Rücken frei. So manches Manuskript Kurts wissenschaftlicher Arbeiten tippte Edith ins Reine. – Als Kurt an seinem später berühmten Buch „DIE TAUBENFUSS-CHRONIK“ schrieb, war Edith die Vertraute, die die tiefgreifenden Untersuchungen und Erkenntnisse als erste zu lesen bekam.

Beim Aufbau und Werden der DDR hatten beide ihren Platz. Doch Edith stellte auch persönliche Belange hinter der geschichtlichen Bedeutung von Kurts wissenschaftlichen Arbeiten zurück und beide führten die Anforderungen der Zeit noch näher zusammen.

Der Verlust der DDR war für beide eine Zäsur, die auch Auswirkungen auf beider Gesundheit hatte. Kurt arbeitete nach der Konterrevolution intensiv. Er schrieb aufklärende Aufsätze, wissenschaftliche Beiträge für Zeitschriften, schrieb Reden, arbeitete an verschieden Projekten mit (z.B. offen-siv u.a.). Er brachte wichtige Bücher heraus wie z. B. „Die Taubenfuß-Chronik“ und „Wider den Revisionismus“. Kurt sagte geradeweg, ohne die klaglose Unterstützung seiner Frau Edith hätte er dies Pensum nicht bewältigen können.

Auch als beide Gossweilers, nach einem Herzinfarkt von Kurt in ein Berliner Seniorenheim zogen, wohnten beide Zimmer an Zimmer und führten ihre Gespräche.

Bei unseren Besuchen dort, erzählte Edith z. B., als Kurt 1973 den Vaterländischen Verdienstorden bekam, heftete Kurt ihr zu Hause den Orden an und sagte: „Eigentlich hätten wir zwei davon bekommen sollen“.

Kurt Gossweiler war als Kommunist immer bescheiden. Und Edith mochte große Auftritte gar nicht.

Im hohen Alter war es Edith vorderster Wunsch, nicht vor ihrem Kurt zu gehen. Es ist ihr gelungen ihrem Ehemann bis zuletzt liebevoll zur Seite zu sein. Und Kurt erzählte ihr noch mit fast hundert Jahren von seiner Liebe zu ihr.

Besuche von Genossen und Freunden waren Gossweilers immer ein Höhepunkt. Die Neugierde am Lauf der Kämpfe für unsere Sache ermüdete sie nie.

2017 feierten beide Gossweilers Ediths 100. Geburtstag. Kurt konnte seiner Frau den 100. Geburtstag nicht nachmachen, er starb im gleichen Jahr, mit 99 Jahren.

Kommunisten steht ein hohes Lebensalter gut. „Der Imperialismus ist mächtig, aber wir sind stärker“ sagte Kurt mit nachhaltigen Lächeln.

Bis wenige Tage vor Kurt Gossweilers Tod waren die Gespräche mit ihm und Edith anregend, heiter und mit kämpferischer Zuversicht geladen.

Kurt Gossweiler sah in der vorläufigen Niederlage des Sozialismus einen bitteren Rückschlag zwar, aber nicht das Ende der Geschichte. Edith war fest überzeugt, die Aufklärung die Kurts Arbeiten leisten, werden jetzigen und künftigen Kämpfen Instrument und Erkenntnisgewinn sein. Es war beeindruckend, wenn Edith in ihrer Betagtheit auf die Wucht von Kurts Arbeit ruhig und freundlich, aber in Überzeugtheit verwies.

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Edith und Kurt Gossweiler in jungen Jahren, Foto: Archiv Gossweiler

Edith hatte zwar, mehr als Kurt, Skepsis ob der Trägheit der Menschen nach der Konterrevolution sich Erkenntnisgewinn zu verschaffen, aber mit Kurts Arbeiten liegt viel vor, darin war sie sicher. Ihre Erfahrung war: Kurt hatte durchweg recht mit dem was er schrieb.

Ediths Wunsch an alle war: Lest Kurts Arbeiten!

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Hartmut Heck

Bei unseren Besuchen hatten wir zusammen, trotz der derzeit üblen gesellschaftlichen Verhältnisse, manches zu lachen. Jede Begegnung mit den beiden Gossweilers war uns eine Bereicherung. Unser junger Sohn machte mit Edith und Kurt manche Späße. Kurt nannte unseren Sohn seinen jüngsten Freund. Edith und Kurt waren neugierig zu erfahren, welche Themen ein Kindergartenkind, dann einen gerade Eingeschulter, dann den Viertklässler, bewegen. Und sie hatten dem jungen Zuhörer manch heitere Episode ihrer Jugend zu erzählen. Und die heitere, gelöste Verschmitztheit bei diesen Gesprächen war die einer Menschenfreundlichkeit wie sie bei Kommunisten so ohne Anstrengung ist, selbst im Alter von 1oo Jahren.

Edith und Kurt sahen in der Jugend den Keim für eine bessere Welt, eine ohne Imperialismus.

Nun ist Edith Gossweiler, im Februar, kurz vor ihrem 101. Geburtstag, gestorben.

Wir behalten beide Gossweilers, die kämpferisch und zuversichtlich bis an ihr Lebensende für die lichte Sache der Menschheit standen, in lebendiger Erinnerung!

Tschüss Edith!

Sozialismus statt Barbarei!

(Anm: Karl-Marx-Schule
„Die Karl-Marx-Schule im Berliner Bezirk Neukölln gehört zu den bekanntesten Berliner Reformschulprojekten der Weimarer Zeit. Sie wurde initiiert von dem Reformpädagogen Fritz Karsen, der ab 1921 Direktor des Neuköllner Kaiser-Friedrich-Realgymnasiums war. Diesem gliederte er 1923 Arbeiter-Abiturientenkurse an, die es ermöglichten, das Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg nachzuholen. 1927 ergänzte er die Schule um eine achtstufige Volksschule. 1929/30 wurde dieser Versuch einer Einheitsschule, die Merkmale einer heutigen Gesamtschule aufwies, in Karl-Marx-Schule umbenannt.
Von der Karl-Marx-Schule zur Fritz-Karsen-Schule
Mit dem Machtantritt der NSDAP und ihrer deutschnationalen Bündnispartner im Januar 1933 endet die Geschichte des Reformprojekts Karl-Marx-Schule. Die Konzeption einer großstädtischen „Einheits- und Gemeinschaftsschule“ war für die Nationalsozialisten nicht länger tragbar. Der seit dem 2. Februar 1933 amtierende kommissarische preußische Kultusminister Bernhard Rust entließ Fritz Karsen am 21. Februar – einen Tag vor den Reifeprüfungen in der Karl-Marx-Schule. Fritz Karsen ging mit seinen Angehörigen in die Emigration, zuerst in die Schweiz und nach Paris,danach über Kolumbien in die USA.
1956 wurde die Schule in Fritz-Karsen-Schule umbenannt.” (Wikipedia)

Es wird immer fortschrittlich denkende, auch bürgerliche, Menschen geben, die den Anachronismus des Kapitalismus überwinden wollen!

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