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Die OPCW-Untersuchung zu Skripal – Fake News auf allen Kanälen


Die OPCW-Untersuchung zu Skripal – Fake News auf allen Kanälen

logo-nds  Jens Berger, 12. April 2018

opcw-untersuchung-fake-newsDie OPCW hat heute einen ersten Kurzbericht zu den Untersuchungen im Fall Skripal vorgelegt. Erwartungsgemäß stützt sie die britischen Untersuchungsergebnisse. Ein echter Paukenschlag ist jedoch, was zahlreiche deutsche Medien daraus machen. So melden SPIEGEL Online, Süddeutsche und WELT, die OPCW hätte eine „russische Herkunft“ des Gifts festgestellt. Das ist aber nicht der Fall! Wenn selbsternannte Qualitätszeitungen bei einem solch heiklen Thema Fake News verbreiten, ist dies ein Medienskandal erster Güte.

SPIEGEL Online

Süddeutsche.de

WELT.de

Sonderlich überraschend konnte das Ergebnis der OPCW-Untersuchungen nicht ausfallen. Schließlich haben die Labors der OPCW ja die gleichen Proben ausgewertet, die auch die Briten in Porton Down analysiert haben und die laut dem Leiter des britischen Chemiewaffenlabors keine Rückschlüsse auf die Herkunft des Gifts erlauben. Dementsprechend unaufgeregt sind auch die Statements des OPCW-Kurzberichts:

10. The results of analysis by the OPCW designated laboratories of environmental and biomedical samples collected by the OPCW team confirm the findings of the United Kingdom relating to the identity of the toxic chemical that was used in Salisbury and severely injured three people.
11. The TAV team notes that the toxic chemical was of high purity. The latter is concluded from the almost complete absence of impurities.
12. The name and structure of the identified toxic chemical are contained in the full classified report of the Secretariat, available to States Parties

Das ist so ziemlich genau das, was man vom Bericht hatte erwarten können. Der Begriff „Russland“ oder „russisch“ taucht im gesamten Bericht nicht auf und auch über die Herkunft des Gifts verliert die OPCW kein einziges Wort. Woher haben die oben zitierten deutschen Medien dann aber die Falschinformation, nach der die OPCW die russische Herkunft des Gifts festgestellt haben soll?

Die Antwort ist ebenso banal wie erschreckend. Alle drei Qualitätsmedien haben eine Falschmeldung der Nachrichtenagentur AFP übernommen.

AFP

Fehler können passieren. Aber wer auf einem derart hohen Ross sitzt, wie die Damen und Herren von SPIEGEL, Süddeutscher und WELT, der sollte doch bitte die Weiterverbreitung solch gefährlicher Fake News verhindern. Das Zauberwort heißt: Qualitätskontrolle. Aber so was scheint den Qualitätszeitungen nicht bekannt zu sein.

FAZ und Heute.de zeigen übrigens, das es auch anders geht, während die Tagesschau sich tief im Schlaf der Gerechten befindet und (Stand 14:20) die Meldung bis dato komplett verpennt hat.

Dazu passt folgende Textzeile aus dem schönen Lied „Zug der Opportunisten“ von Marc-Uwe Kling …

Spring auf, spring auf
Auf den Zug der Opportunisten
Und leg dich zu den im Zug
Eingebetteten Journalisten

Und wir schreiben alle voneinander ab
Denn die Zeit, die drängt und das Geld is’ knapp
Und es ist auch schon oft passiert
Dass alle abgeschrieben ha’m und keiner hat recherchiert

**

Dagmar Henn schreibt dazu auf Facebook:

Die OPCW bestätigt exakt nur eine Sache: dass die Probe, die sie erhalten hat, die Substanz enthält, die unter „Nowitschok” verzeichnet ist.

Das ist keine Aussage über folgende Punkte:

  • woher die Probe stammt und wer sie wo entnommen hat
  • wo die Substanz, die in der Probe festgestellt wurde, hergestellt worden ist
  • dass diese Probe überhaupt eine Verbindung zum „Fall” Skripal besitzt.

Es gibt Gründe, warum die Regeln für den Umgang mit Beweisen sehr streng sind, wenn sie gerichtsverwertbar sein sollen.

Schon die vielfältigen Aussagen der Briten, wo und wie das vermeintliche Gift verabreicht worden sein soll, deuten darauf hin, dass mit den jeweiligen Proben nicht ordnungsgemäß verfahren wurde. Die ganze Problematik um die Frage, warum ein Nervengift, das im Mikrogrammbereich tödlich wirkt, in diesem Fall erst nach Stunden gewirkt haben soll, und dann nicht tödlich, will ich nicht noch einmal wiederholen….

Es ist anzunehmen, dass in Porton Down eine Probe dieser Substanz zur Verfügung stand. Schließlich haben die USA jenes Labor in Usbekistan ausgeräumt, in dem sie einmal produziert wurde. Dann kann natürlich eine passende Probe an die OPCW weitergereicht werden, die keinerlei Einfluss auf den Ursprung dieser Probe hatte.

Wenn ich an meinen Kühlschrank gehe, ein Stück vergammelte Wurst heraushole und an ein Labor schicke, und das Labor dann bestätigt, dass diese Wurst vergammelt ist, dann belegt das weder, dass Nachbars Katze von dieser Wurst gegessen hat, noch, dass ihr von dieser Wurst übel wurde…

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