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Weitere Videos aus Gaza belegen: Israel schießt auf unbewaffnete Zivilisten


Weitere Videos aus Gaza belegen: Israel schießt auf unbewaffnete Zivilisten

Palästina Nachrichten, 12. April 2018

(PN) 12.04.2018 – Während die israelische Armee selbst nach 31 getöteten und über 3.000 verletzten Palästinensern darauf besteht, sie schieße bei den Freitagsdemonstrationen im Gazastreifen nur auf „bewaffnete Terroristen“ und „gewalttätige Unruhestifter“, beweisen weitere Videos das Gegenteil. In einem Video ist zu sehen, wie ein junger Mann per Selfie eine Videobotschaft aufnimmt. Ein israelischer Soldat zerschießt ihm daraufhin beide Knie. In einem anderen Video ist zu sehen, wie eine Frau mittleren Alters, die eine Palästina-Fahne schwenkt, niedergeschossen wird. Der junge Mann war Fußballer. Seine Karriere ist zu Ende.

Standbild aus dem Video eines palästinensischen Demonstranten, der friedlich eine Videobotschaft aufnahm. Mit einem Butterfly-Geschoss zerstörten israelische Scharfschützen seine Knie (im Bild ist das linke zu sehen).

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Standbild aus dem Video eines palästinensischen Demonstranten, der friedlich eine Videobotschaft aufnahm. Mit einem Butterfly-Geschoss zerstörten israelische Scharfschützen seine Knie (im Bild ist das linke zu sehen).

Beide Videos wurden am ersten Tag des Protestes „Großer Rückkehrmarsch“ vor zwei Wochen, am 30. März, aufgenommen und später ins Netz gestellt. An jenem Freitag wurden durch israelische Kugeln 20 Palästinenser getötet und über 1.300 verletzt.

An den Demonstrationen nahm auch der junge Fußballer Mohammed Khalil teil. Er spielt als Verteidiger für den Fußballclub Al-Salah FC. Auf dem Video, das er als Selfie mit seinem Smartphone aufgenommen hat, sieht man ihn, wie er in weiter Entfernung des Grenzzauns völlig allein und ruhig im Gazastreifen steht, und eine Videobotschaft aufnimmt.

„Wir sagen der israelischen Besatzung: Trotz der Katastrophen, schwierigen Situationen und der Besatzung – trotz all dessen sagen wir der israelischen Besatzung – egal wie lange ihr unser Land besetzt haltet, wir werden Euch rauskriegen und zurückkehren.“

Ganz ruhig fährt er fort: „Wir sagen der zionistischen Besatzung – Lasst uns in Ruhe!“

Während der junge Mann dies sagt und sich leicht dreht, sieht man im Hintergrund weit entfernt den Grenzzaun und die Sandbarriere, die die israelische Armee zu ihrem Schutz aufgebaut hat. Dahinter verstecken sich drei israelische Scharfschützen, von denen man nur die Köpfe sieht. Im nächsten Moment, ohne Vorwarnung und Grund, fällt ein Schuss und der junge Mann stürzt zu Boden.

Das Video läuft noch weiter, während der Mann stöhnend am Boden liegt. Dabei zeigt das Bild kurz sein rechtes Knie, in das eine Kugel eingedrungen zu sein scheint, dann kurz darauf das linke Knie, das ein riesiges, tiefes Loch aufweist und zerstört ist.

Veröffentlicht wurde das Video Tage später von Mohammed Kareem, einem Freund des Fußballers, der als Journalist bei der Gate News Media Agency in Gaza arbeitet. Er hatte das Video von Khalil erhalten, mit Untertiteln unterlegt und auf seinem Twitter-Account veröffentlicht.

Bereits am Abend des Vorfalls hatte er ein Foto des Verletzten aus dem Krankenhaus getweetet und berichtet, dass das eine Knie seines Freundes völlig zerstört und operativ ersetzt werden müsste. Das andere sei gebrochen, und es würde Monate dauern, bis zur Heilung. Die Fußballerkarriere des Verteidigers sei damit zu Ende.

Ebenfalls berichtete er dem israelischen Online-Portal Mondoweiss, dass die Knie mit einer sogenannten Butterfly-Kugel beschossen wurde. „Die Kugel durchschoss das eine Knie und traf dann das zweite und zertrümmerte es.“

Dr. Basem Naim, ehemaliger Gesundheitsminister im Gazastreifen, erklärte auf Twitter, dass Israel diese Art von Kugeln gegen die Demonstranten in Gaza einsetze. Es seien inzwischen hunderte solcher Fälle dokumentiert. Es handele sich um explodierende Kugeln, die international verboten seien. Nach Eindringen in den Körper würden sie sich mit großer Wucht zerlegen und fürchterliche Zerstörungen anrichten. Er veröffentlichte erschütternde Fotos von Verletzungen durch diese Butterfly-Geschosse, die in ihrer Wirkung sogenannten Dum-Dum-Geschossen ähneln.

Bereits vor Jahren war Israel beschuldigt worden, palästinensische Demonstranten mit derartigen Kugeln zu beschießen, obwohl der Einsatz solcher Munition gegen internationales Recht verstößtDie Karriere des jungen Fußballers Mohammed Khalil (im grünen Trikot) ist vorbei. Israelische Soldaten zerschossen ihm beide Knie. (Foto: Kareem/twitter)

https://palaestinanachrichten.files.wordpress.com/2018/04/mohammed-khalil-playing-football.jpg
Die Karriere des jungen Fußballers Mohammed Khalil (im grünen Trikot) ist vorbei. Israelische Soldaten zerschossen ihm beide Knie. (Foto: Kareem/twitter)

Frau schwenkt Fahne und wird niedergeschossen

In einem weiteren Video, das ebenfalls an jenem Freitag aufgenommen wurde, ist eine Palästinenserin mittleren Alters zu sehen, die unbewaffnet und friedlich mit einer Palästina-Fahne in der Hand in Richtung Grenze geht. Sie schwenkt die Fahne hin und her, als wolle sie den Soldaten hinter dem Grenzzaun sagen: Seht her, hier ist Palästina. Nach wenigen Schritten fällt ein Schuss, und die Frau bricht verwundet zusammen.

 

Auch dieses Video belegt, dass die israelische Armee keineswegs, wie sie behauptet, lediglich auf „bewaffnete Terroristen“ und „gewalttätige Anstifter“ schießt. Diese Frau war unbewaffnet, gewaltfrei und schwenkte lediglich eine palästinensische Fahne. Das genügte, um sie niederzuschießen.

Ein ähnlicher Fall war bereits letzte Woche bekannt geworden. Auch in dem Fall war eine Frau niedergeschossen worden, die nichts anderes getan hatte, als friedlich eine palästinensische Fahne zu schwenken. Israelische Soldaten schossen sie daraufhin nieder.

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