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… was nicht zusammengehört


… was nicht zusammengehört

dagmar-henn  Dagmar Henn via Facebook

Diesen Absatz des Tagesspiegels muss ich mir einfach vornehmen, weil sich an ihm einige wichtige Beobachtungen zur Propaganda machen lassen:

„Moskau verbreitete zahlreiche Versionen im Fall Skripal
Das britische Außenministerium listete kürzlich mehr als 20 Versionen zum Fall Skripal auf, die von russischen Politikern oder staatlichen Medien verbreitet worden waren. Mal hieß es, die Skripals hätten sich versehentlich in einer britischen Militäreinrichtung vergiftet, andere Theorien machten Briten, Amerikaner oder Ukrainer für den Anschlag verantwortlich. Die Verbreitung einander widersprechender Versionen gilt als klassische Strategie der Desinformation und dient dazu, Zweifel zu säen und die Wahrheit nur als eine mögliche Variante von vielen erscheinen zu lassen.”

Der Trick bei diesem Absatz ist die Verknüpfung zweier Sachverhalte, die nichts miteinander zu tun haben.

Nicht dazugehört der Satz „Die Verbreitung einander widersprechender Versionen (…) erscheinen zu lassen.” Warum? Der Fall Skripal ereignete sich in Großbritannien, die Ermittlungen führen folglich britische Behörden. Demzufolge können nur britische Behörden Informationen oder gar Versionen über den Fall verbreiten; alle anderen sind, wie bei Zuschauern üblich, auf Vermutungen angewiesen.

Vermutungen erfolgen aber notwendigerweise in unterschiedlichen Versionen; man spielt Varianten durch und entscheidet dann, welche plausibel klingt und welche nicht. Selbstverständlich haben dabei auch in Russland unterschiedliche Menschen unterschiedliche Meinungen. Das ist kein Problem, das ist keine Desinformation, weil hier keinerlei Grundlage für eine Informationspflicht besteht, das ist schlicht normal. Und, so meine Beobachtung im Verlauf der letzten Jahre, die Russen sind deutlich meinungsstärker als die inzwischen auf lauwarm eingestellten Deutschen.

Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn eine für die Ermittlungen verantwortliche Behörde mit Versionen um sich wirft. Ihre Aufgabe ist es nicht, zu vermuten, ihre Aufgabe wäre es, Ergebnisse zu präsentieren. Wenn dann die Variante von gestern von der heutigen und diese wieder von der morgigen abweicht, handelt es sich tatsächlich um Desinformation, um die Verbreitung eines Datennebels, der die wirkliche Information verhüllen soll.

Wir erinnern uns: das Gift war in Julias Gepäck, im Blumenstrauß am Grab, an der Türklinke, im Buchweizen…

Tatsächlich haben also die britischen Behörden Desinformation betrieben. Davon schreibt der Artikel aber nichts; es besteht ja die Hoffnung, dass die Leser die ihnen bisher dargebotenen Varianten bereits vergessen haben.

Der Rest des Artikels ist der übliche Müll. Aber selten habe ich eine so hübsche und deutliche Version einer verzerrenden Verknüpfung gesehen.

https://www.tagesspiegel.de/politik/anfrage-zum-fall-skripal-die-linke-als-russlands-stimme-im-bundestag/21174176.html

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