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Die Bedeutung der Hegelkritik des jungen Marx, zum 5.Mai 2018, dem 200. Geburtstag von Karl Marx


Die Bedeutung der Hegelkritik des jungen Marx, zum 5.Mai 2018, dem 200. Geburtstag von Karl Marx

Heinz Ahlreip, Die Rote Fahne – 2018-05

karl-marx-2Das Raubrittertum des Idealismus besteht darin, der Wirklichkeit die Substanz zu rauben. Ein Vorgang, der für Feuerbach ein theologisches Verfahren darstellte. Eine Wirklichkeit ohne Substanz hat ihre Substanz woanders, sie ist von der logischen Idee abgeleitet, theologisch formuliert: Sie ist ein Geschöpf Gottes. Im Hegelschen Idealismus scheint nur eine formale, unwirkliche Sonne bzw. die Sonne des Formalismus. Der Formalismus besteht in der Auslegung der logischen Idee als der angeblich allgemeinen und treibenden Kraft der Geschichte. Er erschöpft sich erst durch die Entdeckung des Klassenkampfes als des treibenden Prinzips. Die logische Idee normiert alles, sie ist es, die im Hintergrund die Abfolge‚ Familie – bürgerliche Gesellschaft – Staat‘ bestimmt, um sich nach ihrem Prozess der sich steigernden Entfaltung von Objektivität im absoluten Staat, der im Grunde ein stinknormaler bürgerlicher ist, sich selbst gleich zu werden. Dadurch rangiert für Hegel die bürgerliche Gesellschaft sekundär, für den jungen Marx ist sie gegenüber dem Staat das Primäre. So steht es schon in der im Sommer 1843 geschriebenen Kritik des Hegelschen Staatsrechts. Die Umkehrung, die der junge Feuerbach im Verhältnis Mensch: Gott auf dem Gebiet der Religionswissenschaft vorgenommen hatte, die nimmt nun der jährige Marx im Verhältnis bürgerliche Gesellschaft : Staat auf dem der Staatswissenschaft vor. Gott ist bedingt durch den Menschen und der Staat durch die bürgerliche Gesellschaft. Die menschliche Gattung (im Feuerbachschen Sinne) ist das Allgemeine und Gott nur eines ihrer Probleme, nicht der Staat repräsentiert wie in Hegels Rechtsphilosophie das Allgemeine und die bürgerliche Gesellschaft lediglich das Besondere, sondern die Form der Gesellschaft, später die ökonomische Gesellschaftsformation, bestimmt die Staatsform primär, die Rückwirkung des staatlichen Überbaus auf die gesellschaftliche Basis ist nur sekundär. (Diese Rückwirkung kommt in der ‚Deutschen Ideologie‘ noch zu kurz). Es gibt keinen total-absoluten Gott und keinen total-absoluten Staat. Gegen diese Totalität des Absolutismus (Altar und Thron) wüteten die bürgerlichen Emanzipationstheorien, um das traditionelle Verhältnis zwischen dem Allgemeinen und Besonderen umzukehren, d. h die bürgerliche Blutsaugerklasse an die Stelle der feudalen Blutsaugerklasse zu setzen. Die aufstrebende bürgerliche Klasse missbrauchte also den Begriff des Allgemeinen. Dem jungen Marx ist zwar Mitte 1843 der Begriff der „Diktatur des Proletariats” noch nicht präsent, aber er versteht sich bereits als radikaler Demokrat in Frontstellung gegen die liberale Demokratie.

Der Durchbruch zur weltgeschichtlichen Mission der Arbeiterklasse gelingt Marx aber ein halbes Jahr später in der um die Jahreswende 1843/44 geschriebenen „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung”. Da Hegel die Kernaufgabe des bürgerlichen Staates darin sieht, besondere Interessen unter eine Allgemeinheit zu subsumieren, die in Wirklichkeit nur eine bürgerliche Klassenherrschaft ist, so besteht eine effektive Kritik Hegels in dem Nachweis, dass die Monstranz der bürgerlichen Allgemeinheit bei kritischer Durchleuchtung zum besonderen Interesse des bürgerlichen Privateigentums an Produktionsmitteln zusammenschrumpft und dass dieses Eigentum der Mehrheit des Volkes die Ketten der Lohnsklaverei anlegt. Im Januar 1844 bestimmt Karl Marx die Arbeiterklasse als die Klasse, „welche einen universellen Charakter durch ihre universellen Leiden besitzt und kein besonderes Recht in Anspruch nimmt, weil kein besonderes Unrecht, sondern das Unrecht schlechthin an ihr verübt wird … Die Auflösung der Gesellschaft als ein besonderer Stand ist das Proletariat”. (Karl Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.390).

Erst jetzt ist ein ausreichender Begriff von Allgemeinheit im Sinn einer universellen Revolution erreicht. Der völlige Verlust des Menschen kann nur durch die völlige Wiedergewinnung des Menschen kompensiert werden. Damit hat die proletarische Revolution eine Radikalität erreicht, die die bürgerliche von 1789 nicht haben konnte.

Bei der Vorbereitung der bürgerlichen Revolution in Frankreich dringen Rousseau, Mably, Morelly u. a. schon vor 1789 bis zu kommunistischem Gedankengut vor, in dem die Privateigentümer von Land und Werkzeug als asoziale Sonderlinge bestimmt werden. Erst im Kommunismus, als dem Maß aller Dinge, sind alle im menschlichen Zusammenleben möglichen Privilegien aufgehoben. Die illusorischen Allgemeinheiten (Gott, Staat) müssen zerstört werden, um wirklichen Allgemeinheiten (kollektiven Produktionsassoziationen) Platz zu machen. 1789 blieb das ein Traum und der junge Engels bescheinigte der klassischen bürgerlichen Revolution, nur ein halbe gewesen zu sein. Aber Arbeitskollektive traten nach der Oktoberrevolution in Russland auf den Plan. Während Pfaffen und Politiker faul in ihren Betten lagen, wurden in den Subbotniks an neuralgischen Punkten der sowjetischen Wirtschaft im Kollektiv gearbeitet – ohne Geld. Das war eine konkrete Allgemeinheit, keine ideale, idealistische, illusorische, heuchlerische, wie sie die Pfaffen und Politiker vorgaukeln. Solange die Bestimmung des Menschen nicht in der Arbeit im Kollektiv liegt, erlischt auf der Grundlage des Privateigentums (an Produktionsmitteln) seine wirkliche Sonne in einer illusorischen (Religion, Staat). Es muss sich dies umso mehr hervortun, als der Mensch in der Produktion auf der Basis des Privateigentums (an Produktionsmitteln) eine geschundene Kreatur ist. Religion und Staat drücken aus, dass die Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft ein wertloses, in Entfremdungszusammenhängen leidendes Leben führen.

 

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