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Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus durch die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation – 8/9. Mai 1945


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Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus durch die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation – 8/9. Mai 1945

Im Archiv des Bundesausschuss der VVN-BdA fand ich folgenden Artikel:

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung, Chance für Frieden und Demokratie in Europa

Bundesausschuss der VVN-BdA, 14. Januar 2015

Am 8. Mai wurde ganz Europa von der Geißel des Faschismus befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer/innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Grundlagen unseres Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind und bleiben auch unsere Befreier. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition geleistet hat.

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Die deutsche Wirtschaft, allen voran Chemie- und Rüstungsindustrie und Banken waren die Gewinner von „Arisierung“, Krieg und der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter/innen. Diese Gewinne bildeten die Grundlage des „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik, während die Opfer um jede Mark Entschädigung kämpfen mussten und bis heute kämpfen müssen.

In nahezu allen ehemals von Nazi-Deutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage, das war auch in der DDR der Fall. Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteure und Mitläufer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Besatzer. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Nazi-Regimes „gesellschaftsfähig“.

Damit das so bleibt, fordern wir, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

Wir wissen, dass die Früchte des 8. Mai stets gefährdet sind. Rassismus, Chauvinismus, Antisemitismus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit – alle möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur. Wir wissen, die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angst vor dem Abstieg Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immer weiter eingeschränkt werden. Wir sehen mit Sorge, wie unbarmherzig unsere Gesellschaft Flüchtlingen gegenübertritt und gewaltsame Übergriffe duldet. Der rasante Aufstieg neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländern verlangt entschiedene Gegenwehr.

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Krieg führenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens „Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen“ als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Syrien, in der Ukraine und in weiten Teilen Afrikas toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – überall beteiligt. Die Bereitschaft, „deutsche Interessen“ erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung in Regierung und Bundestag wieder politische Praxis geworden.

Gerade darum wollen wir den Tag zum Feiertag machen, den die Überlebenden als „Morgenröte der Menschheit“ erlebt haben, wie es der als Jude und Kommunist verfolgte Résistance-Kämpfer Peter Gingold ausgedrückt hat. Wir wollen am 8. Mai vor allem an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung erinnern und diese als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten, so wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben. In diesem Sinne rufen wir auf:

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

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Und Johann Weber, aus Niederbayern, schreibt im RotFuchs:

8. Mai 1945 – Mit den Befreiern kam das Brot

Wie war die Lage der Berliner Bevölkerung Anfang April 1945? Josef Orlopp (SPD) beschreibt in seinem Buch „Zusammenbruch und Aufbau Berlins 1945/46“ deren Situation so: „Eine Hungersnot sei unabwendbar, wenn nicht schnellste Hilfe durch die russische Besatzungsmacht erfolge. Ein russischer Offizier erklärte, daß die Besatzungsmacht ihren gesamten Wagenpark für die Heranschaffung von Lebensmitteln zur Verfügung stelle, um die Berliner vor dem Verhungern zu schützen. Die für die nächsten acht Wochen notwendigen Lebensmittel seien ihrerseits schon bereitgestellt. Am 6. Mai 1945 wurden die Berliner Geschäfte in den Arbeiterbezirken Wedding und Reinickendorf zum ersten Male durch die Truppen der sowjetischen Armee beliefert.

Hungernde Menschen durchwühlten die Müllhaufen oder krochen in die Keller der zerstörten Wohnhäuser auf der Suche nach Resten von Lebensmitteln. Kartoffelschalen wurden zur menschlichen Ernährung verwendet, und die Schleichhandelspreise erreichten eine nie gekannte Höhe.

Meiner Auffassung nach hätte die russische Besatzungsmacht Berlin nur wenige Tage seinem Schicksal zu überlassen brauchen, und die Bevölkerung wäre vor Hunger umgekommen. In dieser größten Not halfen uns die Vertreter des Sowjetvolkes, das von Hitler im Jahre 1941 hinterhältig überfallen wurde. Sie übten keine Rache, sondern halfen mit allen Mitteln, die ihnen selbst zur Verfügung standen.

Am Abend des 6. Mai 1945 rollten die Militärautos durch die Straßen Berlins, und die Besatzungstruppen selbst belieferten die Lebensmittelgeschäfte.“

Und was hinterließen Hitlers Armee und seine Gefolgsleute mit ihrem Vernichtungskrieg in der Sowjetunion? Mehr als 27 Millionen Tote und Verwundete, 25 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause, 1710 Städte, 32 000 Industriebetriebe, 98 000 Kolchosen, 70 000 Dörfer, 65 000 km Eisenbahnstrecke und 1876 Sowchosen waren zerstört worden.

Die Sowjetunion hat einen Großteil der Menschen in ganz Berlin – die Stadt wurde erst im Juli 1945 in vier Sektoren geteilt – vor dem sicheren Hungertod gerettet.

„Doch von hungernden und frierenden Menschen, denen es an allen Bedarfsgütern des täglichen Lebens fehlt, kann ein objektives Urteil über die geleistete Aufbauarbeit nicht erwartet werden. Der Deutsche vergißt so schnell“, schreibt Josef Orlopp weiter.

Zu bedenken ist dabei auch, daß dieses Vergessen in Westberlin und Westdeutschland massiv befördert wurde durch das Wiederaufgreifen und Weiterbetreiben antisowjetischer und antikommunistischer Hetze, von der Nachkriegszeit an bis heute.

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Aber auch das gibt es:

Viele Deutsche wissen nicht was am 8. Mai 1945 geschah

Viele Deutsche sind sich der Geschichtsträchtigkeit des Datums allerdings gar nicht bewusst. Nach einer Umfrage wissen 45 Prozent der Bundesbürger nicht, was am 8. Mai 1945 geschah. Besonders groß ist die Unwissenheit unter den Jüngeren: Mehr als zwei Dritteln (68 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen ist laut Umfrage nicht bekannt, dass an dem Tag der Zweite Weltkrieg beendet wurde.

Ein Gesprächsthema ist der Zweite Weltkrieg in weiten Teilen der Bevölkerung laut der Umfrage ebenfalls nicht mehr. 26 Prozent gaben an, dass sie darüber in der Familie oder im Bekanntenkreis „so gut wie nie” sprechen würden. Bei 31 Prozent ist dies „selten” der Fall. Für 26 Prozent ist der Krieg „manchmal” ein Thema, nur 17 Prozent sprechen „häufig” darüber. Dass Deutschland heute noch eine besondere Verantwortung gegenüber den vor 73 Jahren überfallenen Ländern hat, meinten nur 28 Prozent der Befragten.

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Wer erinnert sich noch?

Wir, die Deutschen, brachten 27 Mill.-fachen Tod und Verderben, und sie, die „Russen”, uns unseren deutschen Volkslieder.

Nikitin: Im schönsten Wiesengrunde (1948) Berlin

Nikitin: Heidenröslein (1948) Dresden

Nikitin: Kalinka (1948)Berlin

 

Siehe auch: https://wipokuli.wordpress.com/2016/05/08/71-years-thank-you-red-army-71-jahre-danke-rote-armee/

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2 Gedanken zu „Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus durch die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation – 8/9. Mai 1945“

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