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Gegen Geschichtsfälschung: Über Ursachen und Charakter von Kriegen, am Beispiel des 2. Weltkrieges


Über Ursachen und Charakter von Kriegen, am Beispiel des 2. Weltkrieges

Dies ist ein Abschnitt den ich dem 1. Band (s.u.) entnommen habe, der Ursachen und Charakter von Kriegen, hier am Beispiel des 2. Weltkrieg, treffend beschreibt.
Man muss nur das Wort: Sowjetunion durch das Wort Russland ersetzen und bedenken: 1. dass es keine Sowjetunion und keine Sozialismus mehr gibt; 2. die englischen und französischen Kolonialreiche durch die Hegemonialpolitik der USA, mit Hilfe Deutschlands zerschlagen wurden und England und Frankreich, die noch bis zum 2. Weltkrieg die mächtigsten imperialistischen Staaten in Europa waren, zu Juniorpartner der USA degradiert wurden
(Nato), genauso wie Deutschland, und 3. die Geschichte sich durch den Verrat und dem Revisionismus der sowjetischen Führung, von 1956 – 1991, zu Gunsten des Imperialismus verändert hat. Heute bestehen die antagonistischen Widersprüchen nicht mehr zwischen Kapitalismus und Sozialismus, sondern innerhalb der Imperialistischen Staaten.

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Ursachen und Charakter des zweiten Weltkrieges

Der Überfall des faschistischen Deutschlands auf die UdSSR, den das sowjetische Volk mit dem Großen Vaterländischen Krieg beantwortete, erfolgte während des zweiten Weltkrieges. Der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion ist ein untrennbarer und der wichtigste Bestandteil des zweiten Weltkrieges. Deshalb ist die Frage nach dem Ursprung und dem Charakter des zweiten Weltkrieges von solch großer Bedeutung.

Der zweite Weltkrieg entsprang wie der erste dem System des modernen Kapitalismus und der ihm eigenen Widersprüche. Unter den Bedingungen des Imperialismus ist die territoriale Aufteilung der gesamten Welt unter die kapitalistischen Mächte abgeschlossen.

Diese Aufteilung vollzog sich im erbitterten Kampf der kapitalistischen Räuber entsprechend dem realen Verhältnis ihrer Kräfte. Aber dieses Kräfteverhältnis bleibt nicht unveränderlich. Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung der verschiedenen Länder, eine dem Kapitalismus eigene Gesetzmäßigkeit, verschärft sich in seinem höchsten, dem imperialistischen Stadium. Diese Ungleichmäßigkeit ruft Konflikte hervor: Das neue Kräfteverhältnis zwischen den kapitalistischen Mächten stimmt mit der Aufteilung der Kolonien und Einflusssphären nicht mehr überein. Ein solcher Konflikt führt unvermeidlich zum Krieg, denn es gibt keinen anderen Weg für die Neuaufteilung der Welt unter die imperialistischen Mächte.

(Anm.: Deutschland, das durch die späte Nationalstaatsgründung (1871) bei der Aufteilung der Welt zu spät gekommen war und heute Russland, das der Hegemonialpolitik der USA/Nato nicht viel entgegen zusetzen hat, haben das gleiche Schicksal: Sie werden von den anderen imperialistischen Mächte bedroht und sollen vernichtet werden.)

W.I. Lenin schrieb, als er die tieferen Ursachen des ersten Weltkrieges analysierte, „daß der Kapitalismus die Reichtümer der Erde in den Händen einzelner Staaten konzentriert, daß er die Erde bis zum letzten Winkel aufgeteilt hat; eine weitere Teilung, eine weitere Bereicherung ist nur noch auf Kosten anderer, auf Kosten eines Staates im Interesse eines anderen möglich. In dieser Frage eine Entscheidung herbeiführen kann man nur durch Gewalt – und deshalb wurde der Krieg zwischen den räuberischen Weltmächten unvermeidlich.“ [10]

Die Neuaufteilung der Welt zugunsten der von den USA, England und Frankreich geführten imperialistischen Mächtegruppe, die aus dem ersten Weltkrieg als Sieger hervorgegangen war, beseitigte nicht die Widersprüche, die zum ersten Weltkrieg geführt hatten, im Gegenteil, sie schuf alle Bedingungen für die weitere Verschärfung der Widersprüche und für einen neuen Zusammenstoß. Die allgemeine Krise des Kapitalismus, die sich im Ergebnis des ersten Weltkrieges und des Sieges der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution entwickelt hatte, vertiefte alle inneren Widersprüche des kapitalistischen Systems. Besonders scharfe Widersprüche traten zwischen den alten und den jüngeren imperialistischen Mächten auf, die sich infolge der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung nach vorn schoben, sowie zwischen den Siegerstaaten und den besiegten Ländern, die nach Revanche lechzten.

Deutschland, das den ersten Weltkrieg verloren hatte, sowie Italien und Japan, die sich bei der Verteilung der Kriegsbeute übergangen fühlten, forderten die Neuaufteilung der Welt.

(Anm.: Richtiger müsste es heißen: Deutschland, das von den Siegern zum Verlierer erklärt wurde, denn am 1. Weltkrieg trugen alle imperialistischen Staaten Schuld. Der 1. Weltkrieg war der erste Verteilungskrieg zwischen den imperialistischen Staaten. Deutschland wollte den Status quo ändern, England und Frankreich und die USA nicht.)

Die alten Kolonialmächte England und Frankreich und das jüngste kapitalistische Land, die USA, dessen Monopolkapital gigantisch angewachsen war und das sich am ersten Weltkrieg skrupellos bereichert hatte, dachten nicht daran, ihre Positionen aufzugeben. Im Gegenteil, sie wollten ihre Herrschaft erweitern und die Konkurrenz des deutschen, italienischen und japanischen Imperialismus in der Welt ausschalten. Zwischen den beiden imperialistischen Mächtegruppen entbrannte der Kampf um die Weltherrschaft, der immer schärfere Formen annahm. Wie vor dem ersten Weltkrieg wurde dieser Kampf besonders aggressiv vom deutschen Imperialismus geführt.

(Anm.: … dem zuspätgekommenen Staat bei der Aufteilung der Welt.)

Die Existenz und das schnelle Wachstum des ersten sozialistischen Landes, der Sowjetunion, waren der neue und entscheidende Faktor, durch den sich die Situation und die Bedingungen der Vorbereitung des zweiten Weltkrieges von denen des ersten Weltkrieges grundlegend unterschieden. Neben den Widersprüchen, die die Imperialisten trennten, gab es ein Moment, das sie vereinte: den grundlegenden Widerspruch zwischen den beiden sozialökonomischen Systemen – dem Kapitalismus und dem Sozialismus. Es ist verständlich, dass sich die Führer des anglo-amerikanischen Imperialismus bemühten, unter der Flagge des Kampfes gegen den ihnen verhassten sozialistischen Staat alle Kräfte des kapitalistischen Lagers zu vereinen. Dieser Kampf sollte jedoch vor allem von ihren Rivalen bestritten werden. Die amerikanischen und englischen Monopole unterstützten den aggressiven deutschen Imperialismus in nicht geringem Maße; denn sie rechneten damit, dass das Wiedererstarken seiner militärischen Macht die Positionen des Kapitalismus in Europa – und nicht nur in Europa – stärken würde. Im deutschen Militarismus sahen die Imperialisten der USA und Englands eine reale Kraft für den Kampf gegen die Sowjetunion. Nur durch die Hilfe der internationalen Reaktion, vor allem der nordamerikanischen Monopole, konnte sich dieser Hauptkriegsbrandstifter von seiner Niederlage im ersten Weltkrieg so schnell wieder erholen. Die weitgehende Unterstützung, die die deutschen Imperialisten bei ihren aggressiven Absichten erhielten, ermöglichte es ihnen, in verhältnismäßig kurzer Zeit ihre Industrie neu auszustatten, erneut aufzurüsten sowie nach und nach eine starke Armee zu schaffen, die bis zu ihrem Zusammentreffen mit der Roten Armee für unbesiegbar galt. Die monopolistischen reaktionären Kreise der USA, Englands und Frankreichs züchteten den deutschen Faschismus hoch und halfen dem deutschen Militarismus bei seiner Vorbereitung auf den „Ritt gen Osten“ mit dem Ziel, die Sowjetunion zu vernichten.

Die imperialistische Bourgeoisie Europas und der USA, unterstützt von den rechten Führern der Sozialdemokratie, klammerte sich bei ihrer kurzsichtigen, antisowjetischen Politik an eine schrankenlose Feindschaft gegen die sozialistische Gesellschaftsordnung. Das grenzte unter den Bedingungen der wachsenden Gefahr einer faschistischen Aggression an Verrat der nationalen Interessen und überschritt in einigen Fällen auch schon diese Grenze. Die gesamte Vorgeschichte des zweiten Weltkrieges zeigt, wie die Klassenbeschränktheit der reaktionären Bourgeoisie und ihr blinder Hass gegen den Kommunismus viele Staaten Europas in eine fürchterliche Katastrophe, in die Knechtschaft der faschistischen Eroberer trieben.

Die faschistischen Aggressoren, die nach der Weltherrschaft strebten, spekulierten hemmungslos auf die antisowjetische Einstellung und die antisowjetischen Pläne der herrschenden Kreise der USA, Englands und Frankreichs. Sie nutzten den Antikommunismus aus, um aus ihren Konkurrenten Kredite und technische Patente, Rohstoffe und strategische Materialien herauszupressen und Unterstützung auf diplomatischer Ebene zu erlangen, bis zur offenen Begünstigung des weltweiten Raub- und Plünderungszuges. Mit dem Gerede über einen „Kreuzzug“ gegen den Kommunismus vertuschte der deutsche Faschismus seine Weltherrschaftspläne, die nicht nur die UdSSR, sondern auch die westliche Welt bedrohten. Der deutsche Imperialismus, der dieses blutige faschistische Regime hervorgebracht hatte, wollte sich nicht mit einem Überfall auf die UdSSR begnügen. Darin sah er nur die wichtigste, entscheidende Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft, die auch den Dollar und das englische Pfund zu Fall bringen sollte.

Der tiefe Antagonismus zwischen den beiden Gesellschaftsordnungen konnte die inneren Widersprüche des kapitalistischen Systems nicht verdecken oder gar abschwächen. Je mehr sich die imperialistischen Staaten in ihrem antisowjetischen Kurs einander näherten – unvermeidlich wurden dadurch die faschistischen Aggressoren weiter gestärkt -, desto heftiger entbrannte zwischen ihnen der Kampf um die Weltherrschaft. So wurde der zweite Weltkrieg durch die Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus geboren und entstand innerhalb dieses Systems.

Die Weltreaktion wollte die Widersprüche zwischen den beiden Gesellschaftsordnungen durch einen Krieg lösen, obwohl sich das Rad der Geschichte von niemand zurückdrehen lasst. (Anm.: Das man das Rad der Geschichte zurückdrehen kann, haben die Jahre von 1956 – 1989/91 gezeigt) Die Kommunistische Partei der Sowjetunion und die Sowjetregierung (unter Stalin) dagegen strebten, getreu dem Vermächtnis W.I. Lenins, unentwegt und beharrlich nach einer friedlichen Lösung der strittigen internationalen Fragen, und zwar unter der Bedingung der friedlichen Koexistenz von Staaten mit einer unterschiedlichen Gesellschaftsordnung. Die Sowjetunion setzte der imperialistischen Politik zur Vorbereitung und Entfesselung des Weltkrieges eine Politik entgegen, die ganz darauf gerichtet war, den allgemeinen Frieden und die Unabhängigkeit der Völker durch ein System der kollektiven Sicherheit zu festigen und friedliche Bedingungen für den sozialistischen Aufbau zu schaffen. Um die Sowjetunion scharten sich alle Anhänger des Friedens und der Demokratie. Die Entwicklung der Ereignisse hat unwiderlegbar bewiesen, dass die Völker danach streben, jeden Krieg in einen gerechten, auf die Verteidigung ihrer nationalen Unabhängigkeit gegen die faschistischen Eroberer gerichteten Befreiungskampf zu verwandeln.

Um ganz sicher zu gehen, entschloss sich der deutsche Imperialismus, zunächst die Gebiete zu erobern, bei denen er keinen militärischen Weltkonflikt zu befürchten brauchte, sich dann die schwächeren kapitalistischen Länder zu unterwerfen und erst danach den entscheidenden Feldzug um die Weltherrschaft zu führen.

Eine der Besonderheiten des zweiten Weltkrieges besteht darin, dass er nicht sofort im Weltmaßstab entbrannte. In den Jahren 1931 bis 1939 gingen ihm eine Reihe militärischer Konflikte voraus, die Glieder ein und derselben Kette waren. Diese lokalen Kriege, die die faschistischen Aggressoren auf den drei großen Kontinenten Europa, Asien und Afrika entfesselten, sollten die Völker der überfallenen Länder unterjochen und günstige Bedingungen für weitere Raubzüge scharfen.

In all diesen Kriegen verteidigten die Volksmassen der angegriffenen Länder ihre nationale Unabhängigkeit und die Interessen der Demokratie tapfer gegen den Faschismus, die reaktionärste Stoßkraft des Imperialismus. Die Imperialisten der USA, Englands und Frankreichs dagegen begünstigten stets die Aggressoren, weil sie hofften, dass sich der Hauptstoß des Krieges früher oder später gegen die UdSSR richten werde. Sie ließen die faschistischen Staaten, die für die sogenannten demokratischen Länder des Westens immer gefährlicher wurden, ungehindert erstarken und schreckten auch vor einigen Opfern nicht zurück. Dafür sollte sie später ein Sieg Deutschlands über die UdSSR oder die Schwächung Deutschlands durch die UdSSR hundertfach entschädigen.

Das Münchener Komplott von 1938 war der Gipfelpunkt dieser Politik der westlichen „Demokratien“. Hier wurde dem deutschen Imperialismus der Weg zum zweiten Weltkrieg freigegeben.

Die UdSSR warnte die Menschheit als erste vor der Gefahr eines militärischen Weltkonflikts. Sie kämpfte tatkräftig für den Frieden, entlarvte schonungslos und konsequent die Kriegsbrandstifter und schlug konkrete, wirksame Maßnahmen für die Sicherheit aller Völker vor. Sie schlug den Abschluss von Nichtangriffs- und Neutralitätsabkommen vor, ein Programm der allgemeinen und totalen Abrüstung, ein System der kollektiven Sicherheit, das den Aggressoren die Hände gebunden hätte. Diese Friedensinitiative wurde von den Aggressoren und ihren Helfershelfern abgelehnt, aber bei Millionen von Werktätigen fand sie lebhaften Widerhall. Die internationale Lage im Sommer 1939 und der Druck der öffentlichen Meinung zwangen die Regierungen Englands und Frankreichs, Verhandlungen mit der Sowjetunion aufzunehmen, die diesen Ländern einen Pakt der gegenseitigen Hilfe im Falle der Aggression vorgeschlagen hatte. Ein solcher Pakt hätte zu einer unüberwindlichen Schranke für die faschistische Aggression werden können. Doch die kapitalistischen Westmächte wollten das faschistische Deutschland nicht im Zaume halten. Sie hatten nur ein Interesse: die deutsche Aggression gegen die UdSSR zu lenken. Aus diesem Grunde lehnten die Regierungen Englands und Frankreichs den Vorschlag der Sowjetunion ab (1938/39). Unter solchen Bedingungen blieb der Sowjetunion kein anderer Ausweg, als einen Nichtangriffspakt mit Deutschland abzuschließen. Dieser Pakt verhinderte die Bildung einer einheitlichen antisowjetischen Front der kapitalistischen Mächte und sicherte der Sowjetunion für nahezu zwei Jahre den Frieden, den sie für den weiteren Aufbau des Sozialismus und die Stärkung ihrer Verteidigungskraft dringend benötigte.

Der zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem Überfall des faschistischen Deutschlands auf Polen als ein Zusammenstoß zweier Koalitionen der kapitalistischen Großmächte. Seinem Ursprung nach war es ein imperialistischer Krieg. Die Schuldigen waren die Imperialisten aller Länder, das System des modernen Kapitalismus selbst. Die Politik der rechten Führer der Sozialdemokratie, die ihre eigene Bourgeoisie unterstützten und die Arbeiterklasse gespalten hatten, begünstigte den Ausbruch des Krieges. Die unmittelbaren Initiatoren des Krieges, die herrschenden Kreise des faschistischen Staatenblocks, angeführt von Deutschland, trifft eine besonders schwere Verantwortung für seine Entfesselung. W.I. Lenin hat wiederholt darauf hingewiesen, daß der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen, mit gewaltsamen Mitteln ist. Er schrieb:

Und gerade das war stets der Standpunkt von Marx und Engels, das,jeden Krieg als eine Fortsetzung der Politik der betreffenden interessierten Mächte – und der verschiedenen Klassen in ihnen – in dem betreffenden Zeitabschnitt auffaßten.“ [11]

Der zweite Weltkrieg entstand als direkte Fortsetzung der Politik der imperialistischen Mächte, ihres Kampfes um Absatzmärkte und Rohstoffquellen, um Kapitalanlagesphären, um die Weltherrschaft, für die Wiederherstellung der einheitlichen und ungeteilten Herrschaft des kapitalistischen Systems. Seitens der faschistischen Staaten trug der Krieg von Anfang bis Ende imperialistischen Charakter. Sie hatten ihn entfesselt mit dem Ziel, die Welt zu erobern und alle anderen Länder und Völker kolonial zu unterdrücken. Um den Widerstand der Volksmassen zu brechen, verübten die faschistischen Eroberer unerhörte Grausamkeiten und mordeten Millionen von Menschen. Viele europäische Staaten beraubten sie ihrer Souveränität und nationalen Unabhängigkeit. Ja mehr noch, die Aggressoren Deutschland, Italien und Japan wollten im Falle ihres Sieges auf dem Erdball die sogenannte faschistische Neuordnung errichten, die ein Regime der reaktionärsten, zügellosesten Diktatur gewesen wäre und die Unterjochung der Völker verewigen sollte. Diese Gefahr schuf die potentielle Möglichkeit, den Krieg gegen die faschistischen Staaten in einen gerechten Befreiungskrieg umzuwandeln. Im ersten Weltkrieg gab es einige Ansätze gerechter Kriege (Serbien und Belgien), die jedoch keinen entscheidenden Einfluss auf den Gesamtcharakter des Krieges ausübten. Im zweiten Weltkrieg setzte sich der bewaffnete Befreiungskampf gegen den Faschismus einzelnen Bächen gleich von Anfang an durch, die schließlich in den einheitlichen mächtigen Strom des antifaschistischen Krieges der Völker und Staaten mündeten und den Charakter des Weltkrieges von Grund auf änderten.

Das polnische Volk führte vom ersten Tage der deutschen Aggression an bis zur Befreiung des Landes durch die Rote Armee und die polnische Armee einen gerechten, antifaschistischen Befreiungskrieg für seine Freiheit und Unabhängigkeit; gleichzeitig war das ein Kampf gegen die polnische Reaktion im Lande und in der Emigration, die im Interesse ihrer Klassenherrschaft und damit letztlich zugunsten des Faschismus handelte. Der englisch-französisch-deutsche Krieg trug in der ersten Etappe auf beiden Seiten imperialistischen Charakter. Die angebliche Verteidigung Polens war für die herrschenden Kreise Englands und Frankreichs nur ein formaler, äußerer Vorwand, den Krieg zu erklären. Der wahre Grund ihrer Kriegserklärung gegen Deutschland war der, dass sie ihre Stellung als koloniale Großmächte nicht verlieren und ihre imperialistischen Interessen, die der deutsche Faschismus antastete, verteidigen wollten, da es ihnen 1939 nicht gelungen war, den Stoß des deutschen Faschismus gegen die Sowjetunion zu richten.

In den Jahren 1939 und 1940 führten England und Frankreich den sogenannten komischen Krieg gegen Deutschland oder, wie ihn heute westliche Historiker nennen, den Krieg der verpassten Gelegenheiten. 110 Divisionen dieser Länder standen tatenlos gegen nur 23 deutsche Divisionen. Diese in der Geschichte der Kriege seltene Passivität war mit einer intensiven Vorbereitung der englischen und französischen Führung zur Intervention gegen die UdSSR verbunden; als Vorwand dafür wurde zu Beginn des Jahres 1940 eine angeblich notwendige Unterstützung Finnlands, das heißt der finnischen Reaktion, die im Dienste des deutschen Imperialismus stand, ausgenutzt.

Der imperialistische Charakter des Krieges seitens Englands und Frankreichs war in der Innenpolitik der Regierungen dieser Länder begründet, die einen breiten Feldzug gegen die demokratischen Kräfte unternahmen und den Kriegszustand für die Stärkung der Reaktion ausnutzen wollten.

Die rechten Führer der Sozialdemokratie lehnten es vor dem Kriege ab, sich in den Kampf der Völker um den Frieden einzuschalten; sie unterstützten nach seinem Ausbruch ihre imperialistischen Regierungen und verrieten erneut die Sache der Arbeiterklasse. Die Kommunistische Internationale und die kommunistischen Parteien schätzten schon in den ersten Tagen den Charakter des Krieges richtig ein. Im Aufruf des Exekutivkomitees der Komintern zum 22.Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution hieß es:

Der Krieg tobt im Herzen Europas. Die herrschenden Klassen Englands, Frankreichs und Deutschlands führen Krieg um die Herrschaft über die Welt. Dieser Krieg ist die Fortsetzung des vieljährigen imperialistischen Streites im Lager des Kapitalismus… Das ist der wahre Sinn dieses Krieges, der ein ungerechter, reaktionärer und imperialistischer Krieg ist.“ [12]

Die Kommunistische Partei Englands schrieb in ihrem Manifest, dies ist „ein Krieg imperialistischer Länder um Profite, Märkte, Weltherrschaft“ [13].

Die Kommunistische Partei Frankreichs erklärte:

Der dem französischen Volk aufgezwungene Krieg ist ein Krieg der Kapitalisten, ein Krieg, den die englischen und deutschen Imperialisten gegeneinander führen.“ [14]

Analog lautete die Erklärung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der USA:

Die herrschenden Klassen der Kapitalisten und Großgrundbesitzer in allen kriegführenden Ländern sind gleichermaßen schuldig an diesem Krieg.“ [15]

Nur die Kommunisten traten in den Vorkriegsjahren entschlossen und konsequent für den Frieden, gegen die faschistischen Aggressoren ein. Als der Krieg entbrannte, kämpften unter der Führung der Kommunisten die Patrioten in Deutschland, Italien und Japan für die Niederlage ihrer Regierungen in dem ungerechten, imperialistischen Krieg. Die Politik dieser kommunistischen Parteien wurde von der gesamten internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung unterstützt.

Der Volkskampf gegen die faschistischen Eroberer begann schon in den ersten Tagen des Krieges. Dieser Kampf hatte einen gerechten, einen Befreiungscharakter und wurde von Tag zu Tag stärker. Im Osten wurde er vom chinesischen Volk gegen die japanischen Imperialisten geführt. In Europa wurde das von den spanischen Republikanern erhobene Banner der nationalen Befreiungsbewegung von den Patrioten der Tschechoslowakei, den freiheitsliebenden Völkern Polens, Jugoslawiens, Frankreichs und anderer Länder, die ein Opfer der Aggression wurden, weitergetragen. Der Kampf der Werktätigen gegen die faschistische Unterdrückung und gegen die Vernichtung der Zivilisation führte angesichts des Bestehens der UdSSR gesetzmäßig zur Umwandlung des Krieges gegen Deutschland, Italien und Japan in einen antifaschistischen Befreiungskrieg.

Der zweite Weltkrieg war also eine kompliziertere und vielfältigere Erscheinung als der Krieg von 1914 bis 1918. Die Entwicklung der Ereignisse offenbarte jetzt eine ganz bestimmte neue Gesetzmäßigkeit. Die allgemeine Krise des Kapitalismus rief einerseits den nationalen Verrat der Großbourgeoisie und der Großgrundbesitzer in einigen von der Aggression betroffenen Ländern hervor, andererseits ließ sie die Aktivität der Volksmassen im Befreiungskampf gegen die Aggressoren anwachsen.

Die militärische Niederlage der kapitalistischen Länder, die der faschistischen Aggression zum Opfer gefallen waren, zog den Bankrott der Regierungen und den wachsenden Volkswiderstand gegen die Okkupanten nach sich. In Polen zum Beispiel gaben die Regierung und ihre militärische Führungsspitze schon in den ersten Tagen der faschistischen Aggression den Kampf auf; Sie verließen das Land. Das Volk dagegen leistete auch während der Okkupation trotz aller Grausamkeiten den Faschisten immer stärkeren Widerstand.

Die Patrioten Frankreichs, Norwegens und anderer europäischer Länder, an ihrer Spitze die Kommunisten, verurteilten den Krieg und seine imperialistischen Ziele. Als die Gefahr der faschistischen Versklavung auch ihren Ländern drohte, verteidigten sie sich mutig gegen die Aggressoren und versuchten, ihre Regierungen auf den Weg des antifaschistischen Krieges zu drängen. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Frankreichs forderte in seinem Aufruf an die Regierung vom 6. Juni 1940, den Charakter des Krieges zu ändern und ihn in einen Volkskrieg für Freiheit und Unabhängigkeit umzuwandeln. Die französische Gewerkschaftszeitung „La vie Ouvriere“ warnte noch zu Beginn des Krieges, dass eine Regierung, die ihr Volk fürchtet, einer Niederlage entgegengeht.

Die kapitalistische Welt fand nicht die Kraft, die faschistische Kriegsmaschine zum Stehen zu bringen. In kurzer Zeit besetzte das faschistische Deutschland fast alle kapitalistischen Länder des europäischen Kontinents und erhöhte dabei auf ihre Kosten sein militär- ökonomisches Potential bedeutend.

In demselben Maße, wie die faschistischen Aggressoren ein europäisches Land nach dem anderen besetzten, wuchs auch der Volkswiderstand gegen die Okkupanten. Der Überfall Italiens auf Griechenland im Oktober 1940 traf auf den einmütigen Widerstand der Volksmassen. Die griechischen Kommunisten standen in den ersten Reihen der Kämpfer. Der mächtige Aufschwung des Befreiungskampfes zwang die griechische Regierung, die Abwehr der Aggression zu organisieren. Die Bemühungen der griechischen Patrioten wurden von den Werktätigen Albaniens unterstützt. Die italienischen Eroberer wurden aus Griechenland vertrieben. Die albanischen Patrioten befreiten einen Teil ihres Landes von den italienischen Okkupanten. Nach dem Überfall Deutschlands auf Jugoslawien und Griechenland im April 1941 wurde die Front des Befreiungskampfes noch breiter. Gemeinsam mit dem griechischen und dem albanischen Volk kämpften jetzt die Söhne Jugoslawiens, die einen bedeutenden Teil der Kräfte Deutschlands und seiner Verbündeten fesselten.

Auch in England und den USA wuchs die Entschlossenheit der Volksmassen, dem Faschismus eine Abfuhr zu erteilen. Sie verstärkten ihren Druck auf die Regierungen. Die allgemeine Lage zwang die herrschenden Kreise dieser Länder, ihre bankrotte volksfeindliche Politik zu ändern. Angesichts der ernsten Gefahr für die nationale und staatliche Unabhängigkeit ihrer Länder mussten die herrschenden Kreise Englands und der USA einen wirksamen Kampf gegen die faschistischen Aggressoren aufnehmen, trotz des heftigen Widerstandes der inneren profaschistischen Kräfte, die in den USA besonders einflussreich und zahlreich waren. In der zweiten Hälfte des Jahres 1940 und insbesondere Anfang 1941 verstärkte sich der Prozess der allmählichen Umwandlung des zweiten Weltkrieges seitens der gegen Deutschland kämpfenden Länder aus einem imperialistischen in einen antifaschistischen Krieg. Der Kriegseintritt der Sowjetunion war jedoch der wichtigste und entscheidende Faktor für die Umwandlung des Krieges in einen antifaschistischen Befreiungskrieg und vollendete diesen Prozess. Die entscheidende Rolle der Sowjetunion bestand nicht nur darin, dass ihr Kampf den anderen gegen den Faschismus kämpfenden Völkern neue Kraft und Zuversicht verlieh. Ihr Kampf wirkte sich auch auf die kapitalistischen Staaten und ihre Regierungen aus. Vor allem jene Großmächte, die sich im Kriegszustand mit den faschistischen Aggressoren befanden, waren durch die Lage gezwungen, sich mit der UdSSR zu verbünden und ihr auf diese oder jene Weise zu helfen, obwohl sie an ihrer ideologischen und in gewisser Beziehung politischen Feindschaft gegenüber dem sozialistischen Staat, der ihr Verbündeter geworden war, festhielten. Sie hatten keine andere Wahl. Ohne den Sieg der UdSSR konnten sie nicht siegen, aber der Sieg der Sowjetunion bedeutete den Sieg des Fortschritts und der Freiheit über die Reaktion.

Das imperialistische Wesen der Politik der regierenden Kreise der USA und Englands kam ebenfalls in ihrer Strategie zum Ausdruck. Es bestimmte besonders die langwierige und bewusste Verzögerung der zweiten Front in Europa gegen das faschistische Deutschland. Die herrschenden Kreise der imperialistischen Mächte ließen ähnlichen reaktionären Tendenzen in ihrer Politik freien Lauf. Sie beeinträchtigten damit letzten Endes ihre eigenen Klasseninteressen. Denn die Sowjetunion vermochte das faschistische Deutschland aus eigener Kraft zu zerschlagen und verhinderte in vielen vom faschistischen Joch befreiten Ländern Europas, das ihnen die anglo-amerikanischen Imperialisten ein reaktionäres Regime aufzwangen.

Die Einschätzung des Charakters des zweiten Weltkrieges und seiner Umwandlung besitzt große theoretische und politische Bedeutung. Der Krieg der Westmächte gegen den Faschismus wurde zu einem gerechten Krieg, weil die Völker einer Reihe europäischer Länder in diesem Krieg mit ihren Forderungen und ureigensten Interessen als selbständige Kraft auftraten. Darin kam die wachsende Rolle der Volksmassen im Leben der Gesellschaft zum Ausdruck; sie spiegelte die welthistorischen Veränderungen im sozialen Kräfteverhältnis wider, die im Ergebnis der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR entstanden waren.

Der Krieg, den die Imperialisten um der Lösung ihrer Widersprüche willen angezettelt hatten, verwandelte sich unter den Bedingungen des Bestehens eines wenn auch isolierten, so doch mächtigen und lebensfähigen sozialistischen Landes in einen gerechten Krieg, in einen Volkskrieg gegen die faschistischen Staaten, die damals der Hort der imperialistischen Reaktion waren. Dieser Krieg endete mit dem Sieg der vereinten antifaschistischen Kräfte über Deutschland, Italien und Japan, einem Sieg, an dem die Sowjetunion und ihre ruhmreichen Streitkräfte den entscheidenden Anteil hatten. Der faschistische Staatenblock erlitt eine schwere Niederlage. Damit schwächte der zweite Weltkrieg das kapitalistische System in seiner Gesamtheit.

Fußnoten:

[10] W.I. Lenin, Werke, Bd. 28, Berlin 1959, S. 67.
[11] W.I. Lenin, Werke, Bd. 21, Berlin 1960, S. 213.
[12] „Kommunistische Internationale“, Jg. 1939, S. 1105/1106.
[13] „Коммунистический Интернационал“, Moskau, Nr. 8/9/1939, S. 127.
[14] Ebenda, S. 123.
[15] Zitiert nach William Foster, Geschichte der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten, Berlin 1956, S. 550.

Quelle: Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Hrsg.): Geschichte des großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion in 6 Bänden, Band 1: Die Vorbereitung und Entfesselung des zweiten Weltkrieges durch die imperialistischen Mächte, Deutscher Militärverlag, Berlin 1962, S. XX – XXVII.

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