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Ich stelle mal die Frage direkt: Gab es in der DDR Revisionismus?


Ich stelle mal die Frage direkt: Gab es in der DDR Revisionismus?

(Eigentlich erübrigt sich die Frage für Kommunisten!)

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Letztens schrieb mir ein „Genosse“ in seinem Kommentar (hier):

„Wenn Du allerdings schreibst, Du habest „immer ,danebengestanden‘“, so warst Du wohl auch nie ein Kommunist.
(Nachtrag: Hier hätte er schreiben müssen: ich war auch nie einer. Ich war und ich bin nur ein intelligenter Worthülsenlaberer, dem es am Arsch vorbeigeht, dass ich und meine Partei, 17 Millionen Menschen wieder dem Kapitalismus überantworte habe. Hauptsache ist, weiter für alles eine Rechtfertigung finden, die DDR weiter glorifizieren und mit großen Sprüchen die Leute für blöd verkaufen – also, alles wie in der DDR gehabt – und weiter so.)
Das ist so ein kleinbürgerliches Verhalten: Fehler machen immer die anderen; und die Außenstehenden wollen es immer „schon gewußt“ haben, daß „der Sozialismus SO keine Perspektive“ habe! Wie schäbig, wie feige!
Schade – ich hätte mehr von Dir erhofft!“

Als erste Reaktion schrieb ich dazu:

„Ich las den Kommentar mal so stehen. Es ist mir zu unmarxistisch, auf persönliche Angriffe mit Adjektiven wie: „kleinbürgerliches Verhalten“, „schäbig“ und „feige“ zu antworten. Wenn man keine Argumente mehr hat! Eine Antwort hast du ja schon auf der Seite der KPD Hessen bekommen – Wenn die Argumente fehlen – Über Sascha313.

Nur so viel; ich habe mich nie als Kommunist bezeichnet, sondern war und bin immer ein Anhänger Stalins gewesen – ein Anti-Revisionist. Vielleicht sehe ich ja gerade deshalb den Chruschtschowschen und den Honecker-Revisionismus in der DDR, so deutlich.
Und – lieber nur mit „kleinbürgerlichem Verhalten danebengestanden“, „schäbig“ und „feige“, als in irgendeiner Form, und sei es auch nur als Mitglied der SED, dafür verantwortlich zu sein die DDR zu Grunde gerichtet zu haben.
Es ist wie nach 1945, die, die am lautesten schreien, haben nach meiner Erfahrung, „den meisten Dreck am Stecken“. Mehr haben wir uns nicht zu sagen oder schreiben!“

Ich möchte das Thema heute noch einmal aufgreifen, zumal es immer noch „Genossen“ gibt, die dogmatisch, weder logisch, noch dialektisch, analysieren können, nur voller Wut auf die mitverschuldete und erlebte Niederlage sind, jeden verurteilen, der kritsche Fragen stellt und wie beim Kinderspiel: „Topfklopfen mit verbundenen Augen“, wild um sich schlagen, Freund und Feind in einem Topf werfen und dann in ihren Artikeln Rundumschläge formuliert:

„Immer wieder in den all den Jahren nach der Konterrevolution 1989 wird versucht, die DDR in den Dreck zu ziehen.“ Mal ist es der angebliche „Unrechtsstaat DDR“, mal der „verordnete Antifaschismus“, mal die „Stasi“, mal das angebliche „Staatsdoping“, mal die „SED-Diktatur“ (alles Anschuldigungen des Imperialismus, wieder nur Topfklopfen) oder gar der zum Zwecke der Delegitimierung der DDR erfundene „Revisionismus der Honecker-Clique“ (Blödsinn eine dialektische Analyse ist keine Delegitimierung und der Revisionismus nicht erfunden) – womit unser einstiges sozialistisches Vaterland verunglimpft werden soll (das Vaterland war nur zu Beginn sozialistisch, dann wurde es revisionistisch). Alle diese Lügen und Verleumdungen, von welcher Seite auch immer sie kommen mögen und wie fein sie gesponnen sind, werden letztlich doch entlarvt. (Die Lügen der Revisionisten der DDR wurden schon 1989 entlarvt.) Ihre Quellen werden versiegen, sobald die Zuwendungen enden, mit denen die Lügner und Verleumder, die angeblichen „DDR-Opfer“ und all die Auftragsschreiberlinge, bis heute großzügig versorgt werden. (Von welchen Quellen schreibt hier der Autor? Nur die imperialistischen Schreiber haben „Quellen“, andere Kritiker haben keine. Da der Autor aber nicht trennen kann, scheint er das nicht zu wissen.) Der Effekt dieser großangelegten Hetzkampagne ist allerdings – trotz der bereitgestellten Milliardensummen – relativ gering. Nichts dergleichen vermag darüber hinwegzutäuschen, daß die sozialen, politischen und ökonomischen Probleme der BRD sich weiter zugespitzt haben und die braune Vergangenheit wieder aufzuleben beginnt. (was hat das mit der DDR zu tun? Der Autor sollte bei der DDR bleiben und nicht wieder, nach DDR-Manier, mit den Fehlern die BRD ablenken.) Was sind dafür die Gründe? Sehen wir uns nun einmal die Wirtschaft beider Staaten an.“

Dann folgt eine schriftliche Glorie auf die DDR. Warum es die DDR heute nicht mehr gibt, bei so vielen Erfolgen, diese Frage kommt in dieser Glorie allerdings nicht vor. (unten dazu mehr.)

Einschiebend muss ich hier schreiben: Ja die DDR war das Beste, was die deutsche Arbeiterklasse, nach dem völligen Versagen im faschistischen Deutschland, unter Leitung großer Genossen (Pieck und Ulbricht) mit der Sowjetunion im Rücken, hervorgebracht hat.
Dass das sich aber ab 1956 änderte, wollen, oder können, einige „Genosse“ nicht sehen! Die DDR wurde zu einem Land, in dem „die furchtbare Niederlage zu Orientierungslosigkeit, Resignation und massenhaftem Renegatentum geführt hat“, (Kurt Gossweiler in „Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus“, Referat, am 2. Mai 1993, (hier) oder aber zur trotziger Kopflosigkeit, wo logisches und dialektisches Denken keinen Platz mehr hatte und der Losung wich: „Jetzt erst recht“, – zukunftlos bis heute.
Ja, die DDR war auch meine Heimat, aber zurückhaben, mit all den Begleitumstände, möchte ich sie nicht; man kann nur einmal im Leben so große Enttäuschungen erfahren und überleben. (wieder so ein Satz, an dem sich einige „Genossen“ „hochziehen“ werden!)

Jedes Mal, wenn ich solche undifferenzierten „Anmoderationen“ mit Schlagwörter wie: „Lügen und Verleumdungen“, „großangelegten Hetzkampagne zum Zwecke der Delegitimierung der DDR erfundene ‚Revisionismus der Honecker-Clique‘“ usw. usf., zu themenfremden Glorien lese, frage ich mich: hat der Schreiber nie Artikel von Kurt Gossweiler oder seine Taubenfuß-Chronik gelesen, oder Bücher von Harpal Brar? Ist er nicht mehr in der Lage Freund und Feind auseinander zu halten oder ist jeder sein Feind, der nicht seiner Meinung vertritt? Ich glaube das letzte ist der Fall. Dazu passt auch die Aussage:

„Das ist so ein kleinbürgerliches Verhalten (das Danebenstehen): Fehler machen immer die anderen; und die Außenstehenden wollen es immer „schon gewußt“ haben, daß „der Sozialismus SO keine Perspektive“ habe! Wie schäbig, wie feige! Schade – ich hätte mehr von Dir erhofft!“

Wer nicht seiner Meinung ist wird verurteilt und nieder gemacht! Nur seine Meinung zählt!

Das ging noch in der revisionistischen DDR der 1980er Jahre, heute aber nicht mehr. Wobei wir beim Thema wären:

Gab es nun Revisionismus in der DDR zur Zeit von Honecker?

(Ich benutze hier ganz bewußt nicht das abwertende Wort: Clique, denn das passt zum Kapitalismus besser, als zum Revisionismus.)

Natürlich gab es ihn!

Wenn der „große Bruder in Moskau“ eine bestimmte Politik machte, konnte keiner „der kleinen Brüder“ es wagen, eine andere Politik zu machen. Was passiert, wenn sie es doch taten, im positiven oder negativen Sinne, haben die Ungarn 1956 und die Tschechoslowaken 1968 erfahren müssen. Nein, in Moskau wurde die Politik des ganzen sozialistischen Lagers bestimmt. Eine andere Meinung ist Geschichtsklitterung.

Der Honecker-Revisionismus war der Endpunkt einer Entwicklung die 1953 in der UdSSR von Chruschtschow eingeleitet und 1989/90 von Gorbatschow/Jelzin zu Ende gebracht wurde oder anders ausgedrückt: der Revisionismus der SED wären ohne den Revisionismus der KPdSU nicht möglich gewesen.

„Der Chruschtschowismus ist der Gorbatschowismus der fünfziger und sechziger Jahre, wie der Gorbatschowismus der Chruschtschowismus der achtziger und neunziger Jahre ist.“ (Kurt Gossweiler: Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR)

Kurt Gossweiler schreibt in diesem Artikel (s.o.), zum Revisionismus in der DDR, weiter:
Im März 1953 waren noch alle diese hervorragenden kommunistischen Führer auf ihren Posten, und es ist schon sehr bezeichnend, dass das erste Land und der erste Mann, die zu spüren bekamen, dass aus Moskau jetzt ein anderer Wind wehte, das Land war, das von seinem imperialistischen Nachbarn als sein eigenes Staatsgebiet beansprucht und da-mit am meisten gefährdet war, nämlich die Deutsche Demokratische Republik, und der Mann, der von den Feinden der DDR am meisten gehasst und ihren massivsten Angriffen ausgesetzt war – Walter Ulbricht, weil er der härteste Widersacher aller Versuche war, die DDR vom Wege des Sozialismus abzudrängen.

(Anm.: Das änderte sich als Honecker und andere „Genossen“ zur Macht drängten und Ulbricht, mit Hilfe Moskaus, kalt abservierten wurde! Wir erinnern uns an das desavouierende Bild Ulbrichts in Filzlatschen, sitzend vor Honecker!)

Er stand damit – wie sich zeigte – auch jenen Leuten in Moskau im Wege, deren Exponent damals, einer Auskunft Molotows zufolge, Berija war. Molotow berichtet über eine Besprechung im Politbüro der KPdSU im Frühjahr 1953 über die Situation in der DDR. Dort habe Berija den Standpunkt vertreten: „Wozu muss man in der DDR Sozialismus machen, wenn sie nur ein friedliches Land ist, genügt uns das; was für ein Land, das ist dann unwichtig.“ Molotow trat – seinem Bericht zufolge – Berija entschieden entgegen und erklärte, er hielte es für sehr wichtig, welchen Weg die DDR beschreite, sie sei ein hoch entwickeltes kapitalistisches Land im Zentrum Europas und obwohl nur ein Teil Deutschlands, hänge vieles von ihr ab. Deshalb müsse fester Kurs auf den Aufbau des Sozialismus gehalten werden, jedoch ohne sich zu übereilen. [44] (Fußnoten im Original Artikel) Dieser Besprechung im Politbüro der KPdSU folgte eine Einladung an Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Fred Oelßner zu einer „Beratung“ nach Moskau. Bei dieser „Beratung“, die in Wahrheit einem Befehlsempfang gleichkam, [45] wurde den Genossen aus Berlin ein fertiges Dokument in die Hand gedrückt mit der Überschrift: „Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der Deutschen Demokratischen Republik“, in dem alle Maßnahmen der Partei und der Regierung der DDR der letzten Monate, – die zu einem großen Teil auf Empfehlungen und Forderungen der Sowjetischen Kontroll-Kommission (SKK) zurückgingen! – für falsch und fehlerhaft erklärt wurden, und verlangt wurde, sie rückgängig zu machen. Verlangt wurde auch, alle landwirtschaftlichen Genossenschaften aufzulösen, „die sich als lebensunfähig gezeigt haben“, in der DDR seien nur einfache Formen der Genossenschaften lebensfähig, in der der Boden gemeinsam bearbeitet würde, „ohne dass die Produktionsmittel vergesellschaftet werden“. Die Forderung nach Auflösung der „lebensunfähigen“ Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften wurde in der DDR dank Walter Ulbrichts und der Mehrheit des ZK der SED nicht durchgeführt; (Stattdessen wurden die MTS’en aufgelöst und die „lebensunfähigen“ LPG’en noch lebensunfähiger.) – diese Forderung aber entsprach genau dem, was Gomulka in Polen praktizierte, nachdem er im Oktober 1956 mit Chruschtschows Hilfe an die Macht gehievt worden war; er hat damit neun Zehntel der bestehenden Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften liquidiert, […]. Aber was Gomulka 1956 an konterrevolutionärer Landwirtschaftspolitik betrieb, das war – wie das sowjetische Dokument von 1953 zeigt, – durchaus kein original polnisches Gewächs, sondern der allgemeingültige revisionistische Weg zur Verhinderung des Sozialismus in der Landwirtschaft, den die Chruschtschow-Führung den sozialistischen Ländern aufzuzwingen versuchte.
Doch zurück zur DDR. Nach ihrer Rückkehr aus Moskau stand die Führung der SED vor der aufgezwungenen Aufgabe, den Moskauer Forderungen entsprechende Maßnahmen durchzuführen und sie dem Partei- und dem Staatsvolk plausibel zu erklären.

(Anm.: Dass die SED-Führung der Politik aus Moskau Widerstand entgegensetzte und Gossweiler hier von „der aufgezwungenen Aufgabe“ und „den Moskauer Forderungen“ schreibt, hielt nur solange an wie Ulbricht an der Macht war. Trotzdem musste auch er schon die revisionistische Politik Moskaus machen.
Nachdem sich Honecker an die Macht intrigiert hatte, bis Modrow und Krenz, oder wie sie alle hießen die nach Moskau reisten, befohlen oder freiwillig, waren alle willfährige Vasallen der Politik Moskaus.
)

Aber auch dafür ließen ihnen die neuen Männer in Moskau keinen Freiraum. Der am 27. Mai 1953 – nach Auflösung der SKK – zum „Hohen Kommissar“ der Sowjetunion in der DDR ernannte W.S. Semjonow verlangte von der SED-Führung einen Wortlaut des Kommuniqués, mit dem der „neue Kurs“ verkündet werden sollte, von dem der zu seiner Abfassung verurteilte Rudolf Herrnstadt sagte: obwohl er es nach den gegebenen Anweisungen selbst geschrieben habe, könne er seiner Veröffentlichung nicht zustimmen; es würde „eine nicht zu verantwortende Schockwirkung in der Partei und in der Öffentlichkeit hervorrufen, die Partei desorientieren und erbittern und dem Gegner die Flanke öffnen“. Walter Ulbricht und Otto Grotewohl, denen er seine Bedenken mitteilte, waren genau der gleichen Ansicht. In einer Unterredung mit Semjonow sagte Herrnstadt dem dann auch:
„So darf man den Kurswechsel nicht einleiten. Das Kommuniqué kann nur Verwirrung stiften.“
Darauf Semjonow:
„Das Kommuniqué muss morgen in der Zeitung stehen.“
Herrnstadt hatte dennoch versucht, Semjonow umzustimmen, indem er ihm sagte:
„Geben Sie uns 14 Tage, und wir können den Kurswechsel so überzeugend und fortreißend begründen, dass wir mit ihm in die Offensive gehen und nicht der Gegner.“
Darauf gab Semjonow „sehr scharf und von oben herab“ die geradezu ungeheuerliche Antwort: „In 14 Tagen werden Sie vielleicht schon keinen Staat mehr haben.“ [46]
So erschien das Kommuniqué dann am 11. Juni 1953 und tat genau die von Herrnstadt, Ulbricht und Grotewohl vorhergesehene und befürchtete Wirkung: es „desorientierte und erbitterte die Partei und öffnete dem Gegner die Flanke“.

Diese Vorgänge und die zitierte Antwort Semjonows sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, nur drei Monate nach Stalins Tod, in der neuen Führung Leute gab, die mit dem Gedanken spielten, die DDR der BRD preiszugeben – gegen entsprechende Gegenleistungen, versteht sich.

Und wenn schon das nicht gelang, dann sollte der 17. Juni wenigstens dazu ausgenutzt werden, Walter Ulbricht zu stürzen. In den heftigen Diskussionen im Politbüro und im Zentralkomitee wurde von verschiedenen Genossen sein Rücktritt gefordert, und Herrnstadt brachte den Vorschlag ein, als neuen 1. Sekretär Wilhelm Zaisser, damals Minister für Staatssicherheit, zu wählen. (Anm.: Für diesen Verrat wurde Herrnstadt und andere dann auch später zu recht geschasst.)
Dieser Vorschlag war offenbar mit einigen Leuten im Moskauer Politbüro abgestimmt, war doch Berija als Chef der sowjetischen Staatssicherheit Zaissers sowjetischer übergeordneter Amtskollege.

(Anm.: So wie Berija als Chef der sowjetischen Staatssicherheit Zaissers sowjetischer übergeordneter Amtskollege war, waren Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Tschernenko, Gorbatschow immer die übergeordneten Generalsekretäre von Ulbricht, Honecker und Krenz. Eine eigenständige Politik, das beweist dieses Beispiel, durfte kein anderes sozialistisches Land machen – auch die DDR nicht. Entweder wurden Vasallen in die Ämter gehievt, wie Gomulka und Honecker, oder die Gegner wurden beseitig wie Berija, Malenkow und Bulganin)

Heinz Brandt, zur Zeit des 17. Juni 1953 noch Sekretär für Agitation und Propaganda in der Bezirksleitung Berlin der SED, später Überläufer und eines der für manchen noch so sehr notwendigen Beispiele dafür, dass einer ein Feind sein und dennoch jahrelang im Parteiapparat in hoher verantwortlicher Position unerkannt bleiben und als zuverlässiger Genosse gelten kann, – dieser durch seine Funktion gut informierte Heinz Brandt schrieb in einem Buch über die Situation im Juni 1953:

„Der Kreml verlangte ultimativ, dass die bisherige SED-Politik liquidiert werde, er verlangte sogar einen Wechsel in der Führung, er war bereit, die DDR eventuell sogar aufzugeben, um über Churchills Mittlerrolle zu einem Agreement mit den USA zu gelangen. Es hatte sich eine einmalige Konstellation für die demokratische und friedliche Wiedervereinigung Deutschlands ergeben, für die katastrophenlose Liquidierung des unseligen, sozialistischen’ DDR-Abenteuers.“ [47]

Der gleiche Heinz Brandt ließ am 23. April 1981 in einer Sendung des RIAS mit dem Titel „Die DDR vor der Mauer“ wissen, dass Semjonow am 9. Juni schon eine neue Liste für das Politbüro fertig hatte, mit Herrnstadt an der Spitze.

Dieser erste, aber keineswegs letzte Versuch, Walter Ulbricht zu stürzen, schlug fehl, nicht zuletzt deshalb, weil sein damaliger Hauptbetreiber in der sowjetischen Parteiführung, der Inspirator und Schutzherr Zaissers, Berija, gerade in diesen Tagen in Moskau selbst gestürzt wurde. Kurzum, so früh hatten wir es schon mit dem ersten Fall der Bereitschaft der neuen Führung in Moskau zur Preisgabe der DDR und mit dem Versuch, Ulbricht zu stürzen, zu tun. Das ist wichtig zu wissen, um den weiteren Verlauf der Dinge in der DDR besser zu verstehen.

In seinen Artikel: Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus führt Kurt Gossweiler aus:

„… Wir haben es nicht mit der Katastrophe einzelner sozialistischer Länder, etwa der DDR, zu tun, sondern mit der Katastrophe des Sozialismus in Europa und weit darüber hinaus.
Es ist deshalb unmöglich, den Zusammenbruch eines einzelnen sozialistischen Landes isoliert zu behandeln, so, als ob jedes einzelne nur an seinen eigenen inneren Gebrechen zugrunde gegangen wäre.
Die Krankheit, an der sie alle zugrunde gegangen sind, war und ist überall die gleiche; sie heißt: Revisionismus.“

Im Umkehrschluss bedeutet das, wenn es Revisionismus in der Sowjetunion gab, muss es ihn auch in der DDR gegeben haben, sonst wäre die Aussage: „Die Krankheit, an der sie alle zugrunde gegangen sind …: Revisionismus“ von Kurt Gossweiler falsch.

Zum Schluss möchte ich noch Folgendes zitieren:

„Die Kritik unsererseits ist letztendlich eine Warnung für die Zukunft, wachsamer gegenüber Revisionisten zu sein, […] damit dieses Mal der Kampf um den Sozialismus erfolgreich bleibt, und es nicht nach etwas mehr als 20 Jahren rückwärts, zurück Richtung Kapitalismus, geht. Dazu ist der Artikel ein Beitrag, dem noch viele, besonders viel detailliertere, folgen müssen, um die Entwicklung des Revisionismus in der SED (und nicht nur in der SED) gründlichst aufzuarbeiten und daraus die seit Jahrzehnten überfälligen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Indem man jedoch auf jeden, der Kritik an Fehlern und Mängeln übt, eindrischt, als würde man in den 80er Jahren in Honeckers DDR leben als ein revisionistisches SED-Mitglied, das Karriere machen will, dann wird sich natürlich nichts vorwärtsbewegen. Damit kommen wir nicht nur nicht vorwärts an der Stelle, wo das letzte Mal Renegaten die Partei übernahmen, wenn wir diesen Punkt wieder erreichen sollten, sondern kommen nicht mal so weit, da unsere Linie dann eine grundlegend falsche wäre und wir es nicht mal hinbekämen, eine wirklich marxistisch-leninistische Avantgardepartei auf die Beine zu stellen, weil man die ererbten Fehlentscheidungen als „richtig“ abstempelt (Marktwirtschaft statt Planung [heute besonders mit dem Verweis „China macht es ja auch so!“], Unterdrückung von Kritik und Selbstkritik [wie hier, wo man gleich als „Partei- und Staatsfeind“ abgestempelt wird, so wie bürgerliches Geschund jeden, der den Kapitalismus kritisiert als „Nestbeschmutzer und Vaterlandsverräter“ abtut, ohne dafür Belege vorzulegen] etc) und diese zu „unverrückbaren Dogmen“ erklären würde, die man nicht analysieren darf, damit diese im „Gewächshaus“ bloß keinen „Wind“ abkriegen.
Welcher wirkliche Marxist fürchtet die Wahrheit? Keiner, denn die Wahrheit ist auf unserer Seite, auch wenn sie subjektiv manchmal als „hart“ oder gar „unglaublich“ erscheinen mag, wenn man davor nur im Eigensud gekocht hat, in einer „Du hast immer recht!“-Blase sein Leben verbracht hat. Das Beispiel der Person des Verfassers: Er hätte 2015 noch nicht geglaubt, dass Honecker so ein Revisionist gewesen ist, weil er von ihm noch kein Werk gelesen hatte, noch am erlernen der marxistischen Grundlagen war und von Seiten sogenannter „erfahrener Genossen“ über Honecker nur Positives gehört hat und nie den Hauch von Kritik. Als er den dialektischen Materialismus erlernte, dank Stalins „Über den dialektischen und historischen Materialismus“ und Maos „Über die Praxis“ und „Über den Widerspruch“, begann er nach den Grundursachen zu forschen. 1. Wurde ihm klar, dass die DDR nicht bloß „von Gorbatschow ausverkauft“ sein konnte; da musste es auch interne Faktoren gegeben haben. 2. Warum schon ab den 70er Jahren, wo Honecker frisch drankam, Probleme auftraten, die laut denen, die behaupten „Gorbatschow verlangte Weltmarktpreise für Rohstoffe“, dann wohl erst ab den 80er Jahren hätten auftreten können. 3. Fing er an Honeckers Werke zu lesen und ihm wurden Widersprüche zum Marxismus-Leninismus klar. 4. Hinterfragte sich dadurch, ob diese unkritische Lobhudelei, welche manche „erfahrene Genossen“ betreiben, nicht doch völlig überzogen ist und in Wahrheit den Fokus alleinig auf ein paar „schöne Erinnerungen“ lenkt, weg von der Gesamtbeurteilung, bei der natürlich auch das Negative zum Vorschein gebracht werden müsste. Seine Intentionen, über welche er schon mal schrieb, zielen sehr ehrlich darauf ab für den Kampf um den Sozialismus aufgrund der Lehren aus der Vergangenheit gewappnet zu sein und übt dabei natürlich „Kritik ohne Ansehen der Person“, ohne Kriecherei vor „hohen Autoritäten“, denn über richtig und falsch entscheiden nicht „große Autoritätspersonen“, sondern die objektive Realität.
Und wir werden auch in Zukunft nicht davor zurückschrecken Fehler und Mißstände offen als solche zu benennen, damit diese überwunden werden, denn nur so kommt man vorwärts. (Quelle: hier)

Meine Empfehlung: Die Artikel von Kurt Gossweiler (hier) alle mal genau lesen und einmal darüber nachdenken. Ich habe es schon getan!
Er formuliert, worüber ich schon mit Kommunisten in den 60er Jahren diskutiert habe.

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2 Gedanken zu „Ich stelle mal die Frage direkt: Gab es in der DDR Revisionismus?“

  1. Da ich 8 Jahre nach Gründung der DDR geboren wurde, wuchs ich ohne Stalin (seine Rolle wurde auf den 2. Wltkrieg reduziert) auf.
    Richtig ist deine Kritik an einer Überglorifizierung der DDR und der SED in ihren letzten 20 Jahren. Und Dogmatismus ist bei diesem Thema die schlechteste Wahl.
    Ich lerne, – lerne immer noch und ändere meinen Blickwinkel.
    Stolz bin ich auf meine Tätigkeit als Jugendbrigadier bei „Heckert“ – heute noch immer. Wie das so im Leben ist, bleibt das positive in den Erinnerungen und strahlt und leuchtet. Kritische Auseinandersetzngen bleiben da fast immer auf der Strecke.
    Dennoch kann ich Deine Einschätzung verstehen und nachvollziehen: In meinen Jahren bei „Heckerts“ konnte ich Karl-Friedrich Zais als Parteisekretär erleben und ich traf ihn Anfang der 90er als PDS-Mann und später bei den Linken wieder: Er ist ein blühendes Beispiel eines Revisionisten.
    Danke für Deine Nachhilfe!

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    1. Ich kenne viel Parteimitglieder, Leitungsfunktionäre, Mitarbeiter der Stasi, Offiziere der NVA (z.B. Piloten) bis in die Spitze der SED-Führung, die zu DDR-Zeiten dogmatische Betonköpfe und Karrieristen waren, die jeden vernichten wollten, von denen sie meinten, die vertreten nicht die richtige Ideologie und nicht IHRE Meinung über die DDR.
      Während der „Wende“, kurz vorher und kurz nachher, sicherten sie sich still und heimlich ihre Fründe und verrieten die DDR wo sie nur konnten. (z.B. durch Bruch des Fahneneides). Die Sicherung der Fründe war wichtiger als die Bekämpfung der Konterrevolution, die der andere Teil dieser Karrieristen machten. (Nicht alle, aber es gab sehr wenige ehrliche Genossen) Nach Brecht: Erst kam das Fressen und dann die Moral.
      Nach der „Wende“, als die Fründe gesichert waren, verhielten sie sich still und hofften das Gras über ihre Tätigkeit in der DDR wachsen würde.
      Dann, je weiter die „Wende“ zurück lag, konnte man zwei Gruppen feststellen. Die eine Gruppe hatte alles was sie mal in der DDR gelernt hatten, vergessen, auch ihre Lippenbekenntnisse, hatten den Kapitalismus verinnerlicht (schon in der DDR) und nun endlich die westliche Lebensweise, die ihnen die Privilegien für die Nomenklatura, schon in der DDR versprochen hatten, und nach der sie sich unendlich gesehnt und alles dafür getan haben.
      Und eine zweite Gruppe, die Enttäuschten. Diese Gruppe, die eigentlichen Konterevolutionäre, die Kriecher und Angepassten, die jahrelang in der DDR nach dem Motto: „Augen zu und durch!“ gelebt haben, waren von den Kapitalisten so sehr enttäuscht, denn der „König liebt den Verrat, nicht den Verräter“, dass sie sofort begannen die DDR lautstark zu verteidigen. Hintergrund war und ist, von ihrem Verrat, von ihrer Niedrigkeit und dem „Angepasst sein“ abzulenken und die Arbeiterklasse ein zweites Mal zu verkaufen. Diese Leute kann man ganz leicht an den Widersprüchen, an dem was sie sagen und schreiben und an dem was sie tun, erkennen.
      Und da sind die Millionen, die wieder dem Kapitalismus überantworte wurden und heute teilweise ums Überleben kämpfen.

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