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„Leichenfledderei“ oder nüchterne, kritische und selbstkritische Analyse?


Leichenfledderei oder nüchterne, kritische und selbstkritische Analyse?

ich-war-dabeiWieder einmal musste ich mich von einem „Genossen“, der von sich selbst oberlehrerhaft glaubt, „die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben“, belehren lassen. Nebenbei, diese Sorte Genossen kenne ich noch aus der DDR. Das waren die, die jeden vernichten wollten, die nicht ihre Ideologie vertraten und die eine andere Meinung über die revisionistische DDR hatten. Selbst heute, nachdem sie den Sozialismus mit dem Revisionismus zu Grunde gerichtet haben, glorifizieren sie die DDR unangebracht und vertreten die Meinung keine Fehler gemacht zu haben. Ihre Selbstherrlichkeit ist grenzenlos, wie ihre Verlogenheit. Schuld war und ist immer – der Klassenfeind; eine innere Zersetzung des Sozialismus gab es nicht; alles hervorragende Genossen; nur Erfolge – die DDR ist an Ihren Erfolgen zu Grunde gegangen.

Eine Revolution ist nur dann etwas wert, wenn sie sich zu verteidigen versteht! (Lenin)

Er hält mir vor „Leichenfledderei zu betreiben“ und es wäre „schon immer einfacher, als gegen aktuelle Mißstände anzurennen“. (dabei war er ein Mitläufer) Weiterhin verbittet er sich mit dem Satz: „Und gerade deswegen brauchen wir!!! (maßt er sich hier an für ALLE zu schreiben oder wünscht er einen Anrede in der dritten Person!) keine Beratung von Leuten, die danebenstehen und abwarten was passiert“, jegliche Kritik an seinen oberlehrerhaften Standpunkt, ähm, Entschuldigung: an seinem „kommunistischen Standpunkt“. [sic] Das wäre auch sein „Kommentar zu der aktuellen Verleumdungskampagne der sogenannten „KPD“ Hessen gegen Erich Honecker!“, schrieb er abschließend.
Glorenschreiber leben nun einmal in der Vergangenheit und sind damit unfähig die Vergangenheit und die Gegenwart zu begreifen, und noch viel schlimmer, die Zukunft zu gestalten. Sie betäuben sich mit ihren Glorien, um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen!
Ich habe daraufhin mir mal die Mühe gemacht und nachgesehen, wer alles „Leichenfledderei“ betreibt. Zuvor habe ich folgenden Kommentar verfasst:

„Es tut mir leid, aber deine Lern- und Kritik-Resistenz ist erschreckend. (du hast ja noch nicht einmal begriffen wie viele Fake-Accounts (Atomino) sich bei dir rumtreiben – oder betreibst du sie selbst?)
Dass die DDR mit solchen „Kommunisten“ wie du einer bist, nie eine Chance gehabt hat, war mir schon zu DDR-Zeiten klar; bestätigt wurde es mir durch deine oberlehrerhaften „Ergänzungen“ zu einem Kommentar von mir, die du mir als PN geschickt hast. (Nachtrag: Auch wenn ich nur „danebengestanden habe“, aber mir wären nie in den Sinn gekommen, dir so eine PN zu schreiben).
Wenn die Sowjetunion, und auch die DDR, etwas Großes waren, dann waren sie es durch Stalin, den ehrlichen Genossen und den einfachen Menschen, und nicht durch die Revisionisten, die sie, wieder besserem Wissen, vernichtet haben. (Ich glaube mit der Aussage: „wieder besserem Wissen“ liege ich hier falsch, die Revisionisten hatten kein Wissen von Marxismus-Leninismus! Sie schwangen und sie schwingen, auch heute noch, nur große Worte – Lippenbekenntnisse.)
Es gab und es gibt, meiner Meinung nach selbsternannte Kommunisten, die wollen oder die können nicht begreifen, (konnten sie schon in der DDR nicht, als die Waren-Regale, trotz aller Erfolge, immer leerer wurden; aber wir fuhren ja Volvo und das Volk bekam Mazda und VW), warum die DDR keine Zukunft hatte (trotz ihrer Behauptung heute, sie hätten Gossweiler und Hesse, verstanden) und sie verstehen nicht, das der Kommunismus keine Zukunft hat, wenn die Ursachen des Scheiterns des Sozialismus nicht bis ins kleinste analysiert wird , – Glorien helfen niemanden!
Bleib die Frage: „Warum haben diese „Kommunisten“ Angst vor der Wahrheit, vor einer nüchterne, kritsche und selbstkritischen Analyse?
Meine Antwort: Kein Marxist-Leninist hat Angst vor der Wahrheit, denn sie ist auf der Seite des Kommunismus, auch wenn die Wahrheit subjektiv manchmal auch „hart“ oder gar „unglaublich“ erscheinen mag – nur Revisionisten haben Angst vor der Wahrheit, – weil sie befürchten müssen:

  • dass ihr „Sozialismus-Projekt“ sich als das herausstellt was es war, eine zukunftslose Verfälschung des Marxismus-Leninismus, seit dem 20. PT., 1956;
  • es schon in den 1950/60er Jahre Marxisten-Leninisten gab, die diese Verfälschung sahen (wie die KPCh und Albaniens, und auch die Gruppe um meinen „Lehrmeister“), aber kaltgestellt wurden oder freiwillig „daneben stehen mussten“.

SIE, die Revisionisten, fürchten das Urteil der Geschichte, die einmal feststellen wird: hätte ihr „Kommunisten“ nicht dekadent und kriecherisch gelebt, sondern wie Kommunisten, würde es den Sozialismus heute noch geben und ihr hättet nicht wieder hunderte Millionen Menschen dem Kapitalismus überantworte. Deshalb betäuben sie sich mit dem Schreiben von Glorien.
Angst vor der Wahrheit haben heute nur noch solche „Kommunisten“, „die immer noch „nur im Eigensud“ kochen und in einer „Ich habe immer recht! -Blase“ ihr Leben verbracht haben“ und noch verbringen.
Sie sind für die Gestaltung der Zukunft unnütze – wie ein Kropf!“

Dieser Kommentar wurde mit HINWEIS: Aggressive Anfeindungen und Beleidigungen werden gelöscht. Bitte beachten Sie die Nettiquette! Admin. zensiert! 😀 😁 😂

Kommen wir nun zu den „Leichenfledderern“

(die Aufzählung ist unvollständig).

Da wären als erster einmal die angesprochene KPD Hessen, die folgenden Artikel veröffentlich hat, (die dann aber wieder gelöscht wurden), (hier) und (hier) sind sie aber noch zu lesen und als Antwort auf den unbegründeten, anmaßenden Anschuldigungen, die Artikel: „Wenn die Argumente fehlen – Über Sascha313“ (hier) und „Das Fallen der Maske – Nochmals über Sascha313“ (hier).
Und dann wären da noch meine hochverehrten Favoriten Klaus Hesse und Kurt Gossweiler, (obwohl Kurt Gossweiler die Parteidisziplin, von der er einmal selbst schrieb, nie ganz vergessen konnte und dadurch, die ganze Wahrheit nicht sehen konnte oder auch wollte, und die Breshnew/Honecker-Zeit, bei seinen Analysen ausklammerte.)

Trotzdem schreibt Kurt Gossweiler z.B. in „Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus“:
„Die Ablösung Ulbrichts und der Wechsel zu Honecker war natürlich nicht ohne Einwirkung der Moskauer Führung vor sich gegangen. (Anm.: Honecker hat sich sozusagen, mit der Hilfe Moskaus, an die Macht geputscht).
Dennoch wäre es falsch, in diesem Wechsel etwa den Wechsel von einem Marxisten-Leninisten zu einem Revisionisten zu sehen. (Anm.: dass das falsch ist, sollten wir spätestens heute wissen, denn der Revisionismus begann 1956 und endete 1989/91.)
Es war vielmehr der Wechsel von einem der im Klassenkampf erfahrensten und begabtesten Führer der deutschen und der internationalen kommunistischen Bewegung zu einem von bestem Willen erfüllten, aber infolge schwacher Führungsqualitäten leicht auf Abwege zu führenden Parteifunktionär.

Vertiefend schreibt er in der Taubenfußchronik:
„Was Honecker betraf – so war er in meinen Augen zwar bei weitem keine ideale Besetzung für das Amt des Partei- und Staatsführers. Und ich konnte ihm auch nicht verzeihen seine schäbige Rolle beim erzwungenen Rücktritt Walter Ulbrichts, und unverständlich war mir auch, dass er und das Politbüro zugelassen hat, dass die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED das offenkundig auf ideologische Diversion zielende, von der Grundwertekommission der SPD lancierte Dokument ‚Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit‘ (ND, 28.8.1987) unterzeichnete.“

Und in einem Brief, vom 31. Dezember 1993, an Gerald Diesener, schreibt Kurt Gossweiler dann:
„Für mich war der Wechsel von Ulbricht zu Honecker der Wechsel von einem hervorragenden Führer der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung zu einem Mann ohne Führungsqualitäten, der unter Ulbrichts Führung allenfalls ein zuverlässiger Ausführer war, der aber jetzt billige Popularitätshascherei durch ökonomisch unverantwortliche Verlagerung der Mittel von der Festigung der Volkswirtschaft dienenden Investitionen zur Einfuhr von Konsumgütern – angefangen mit Bananen und Apfelsinen bis zu Golf- und Mazda-Wagen – betrieb und von Chruschtschow die schändliche Methode übernahm, durch Verdunkelung des Rufes seines Vorgängers das eigene Ansehen zu erhöhen.
(Kurt Gossweiler „Wie konnte das geschehen?“, Bd. III, KPD/Offen-siv, Bodenfelde 2017, S. 115.)

Weiter schreibt Kurt Gossweiler in „Stärken und Schwächen der SED“:
„Überblickt man die fast zwanzig Jahre, in denen Honecker an der Spitze der SED und des Staates stand, so muss man feststellen, dass er eine Politik repräsentierte, die auf allen Gebieten äußerst widerspruchsvoll war (Anm.: um nicht schreiben zu müssen: revisionistisch?!) und sich auf einer insgesamt absteigenden Linie bewegte.
Letzteres trifft aber auf alle sozialistischen Staaten Europas zu, ist also nicht in erster Linie etwaigen Fehlern der von ihm geleiteten Partei- und Staatsführung anzulasten. (Anm.: Falsch, es gab nachweislich in der Partei- und Staatsführung unter Honeckers Führung eine Gruppe, die revisionistisch war.)
Anfang der siebziger Jahre (Anm.: die wirtschaftlichen Errungenschaften der Stalinzeit waren schon lange durch Falschentscheidungen und Fehlentwicklungen, aufgebraucht) machte sich in den sozialistischen Ländern eine Trendwende der wirtschaftlichen Entwicklung bemerkbar. Die Störungen, die von der Desintegration der Wirtschaft der RGW-Staaten und von den Fehlplanungen und sprunghaften Planänderungen in verschiedenen Ländern, allen voran die Sowjetunion, als Ergebnis der revisionistischen Umorientierung der Planziele ausgingen, vergrößerten den Rückstand zu den entwickeltsten kapitalistischen Ländern, statt ihn zu verringern und verschlechterten die Lebenslage der Bevölkerung, statt sie zu verbessern.

Die Folgen waren wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, abnehmende Zustimmung und Unterstützung für die Politik von Partei und Regierung, immer schwächer werdende Verbindung der Partei zu den Massen, dafür stetig wachsender Einfluss westlicher elektronischer Medien und der Anziehungskraft der so genannten „westlichen Lebensweise“.

Es war kein Zufall, dass gerade dort, wo von der Spitze her dem westlichen Einfluss Tür und Tor geöffnet worden waren und der Sozialismus in den ökonomischen Verhältnissen am schwächsten entwickelt war, in Polen, das erste politische Erdbeben stattfand, das nicht vorwiegend von der Intelligenz – wie 1956 in Polen und Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei -, sondern von der Arbeiterschaft getragen war und die Führung zum Rücktritt zwang. Im Dezember 1970 musste Gomulka seinen Platz räumen; seine Nachfolge als 1. Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) trat Edward Gierek an.

Da dieser aber im Grunde am revisionistischen Kurs der Partei nichts änderte, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten vielmehr vergeblich mit Krediten aus dem westlichen Ausland zu beheben suchte, wurde er 10 Jahre später durch eine noch viel stärkere Unmutsbewegung großer Teile der Arbeiterschaft, diesmal unter der Führung einer von der katholischen Kirche gesteuerten „Gewerkschaft“ – der „Solidarnosc“, ebenfalls gestürzt. Damit begann die langanhaltende Agonie der Volksrepublik Polen. (Anm.: nicht nur die langanhaltende Agonie Polens, auch der DDR.)

Dagegen schreibt Klaus Hesse, mein zweiter hochverehrter Favorit:
„Vergleicht man die Entwicklung im Osten Deutschlands mit der in Polen und Ungarn, so wird zwar deutlich, dass es sowohl hinsichtlich der historischen Voraussetzungen als auch in der jeweiligen innenpolitischen Entwicklung nicht nur spezifische nationale Besonderheiten, sondern unübersehbare Entwicklungsunterschiede gab. Schon deshalb ist es falsch, wenn davon ausgegangen wird, dass es allein auf die Rede Chruschtschows zurück zu führen sei, dass es im Sommer 1956 in Polen und im Herbst des gleichen Jahres in Ungarn zu einer außerordentlichen Zuspitzung der innerpolitischen Auseinandersetzungen kam.
(Anm.: auszuschließen ist es aber auch nicht, denn die Entwicklung des Revisionismus ging ja schon seit Stalins Tod, 3 Jahre.)
Zum einen sind Parallelen zur Entwicklung in der DDR (Anm.: auch schon während der Ulbricht-Zeit) unübersehbar:

Auch hier hatten Überspitzungen und administrative Entscheidungen zu einem offenen Ausbruch erbitterter Klassenauseinandersetzungen geführt. Auch hier gab es subjektivistische Fehlentscheidungen leitender Funktionäre, die sich zwar auf unterschiedliche Art und Weise durch ihre Treuebekenntnisse zur Sowjetunion aber durchaus nicht in gleichem Maße durch Sachkompetenz hervorgetan hatten. (17. Juni 1953)
Einige der ‚leitenden Genossen’ nutzten ihre Position zum Ausbau eines Systems von Privilegien für ihnen nahestehende Mitarbeiter, ohne sich dabei selbst zu vergessen. Wer sich derartigen Erscheinungen in den Weg stellte, wurde kaltgestellt.

(Anm.: soviel zum Danebenstehen. Entweder man stellte sich freiwillig daneben, weil man wissend genug war, auch über die Repressalien, oder man „wurde danebengestellt“!)

Wenn in Polen von der ‚neuen Bourgeoisie’ gesprochen wurde, so mag die Wortwahl andernorts anders gewesen sein – das Problem gab es bei allen Unterschieden und Nuancen in allen Volksrepubliken.

Es ist keine Übertreibung, wenn in diesem Zusammenhang konstatiert wird, dass die Teilung des Nationalstaates und die offene Grenze wesentlich dazu beitrugen,

dass derartige Erscheinungen in der DDR nicht annähernd solche Ausmaße annehmen konnten, wie in der UdSSR und in anderen sozialistischen Staaten.
(Anm.: dennoch gab es sie, die „neue Bourgeoisie“, auch in der DDR, unterschiedlich ausgeprägt, je weiter man von Berlin weg kam, umso mehr!):

Die dortzulande mitunter sogar offen demonstrierte Erscheinungen von Korruption und Privilegien-Wirtschaft hätte die Westpresse mit Genuss aufgegriffen.
Zwischen dem im Februar 1956 stattfindenden XX. Parteitag der KPdSU und den Ereignissen von 1956 in Polen und Ungarn gab es ähnlich vielschichtige Beziehungen wie die zwischen dem Tod Stalins und den Ereignissen vom 17. Juni 1953 in der DDR.

Die durch den Tod Stalins verursachten Irritationen waren für die Regisseure des CIA Grund und Gelegenheit, um die Durchführbarkeit ihrer politischen Ziele durch ihre Helfershelfer die Organisation des Protestes von Unzufriedenen erneut zu testen. Jetzt bot der durch Chruschtschow losgetretene Kampf gegen den ‚Stalinismus’ noch viel weiter reichende Möglichkeiten:

Unter dieser Losung konnten bei geschickter Instrumentalisierung der Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung mit einer ganzen Reihe von Problemen nicht nur einige Positionen, sondern die ganze bisherige sozialistische Entwicklung in der UdSSR und in den Volksdemokratien angegriffen werden. In Polen und in Ungarn gab es mit den Strukturen der katholischen Kirche und dem straff organisierten und zumeist stockkonservativen Klerus Voraussetzungen für die verdeckte Vorbereitung solcher Aktivitäten. Dazu kam: In Polen hatte eine latente Orientierung an der antirussisch-antisowjetischen Grundorientierung in den Traditionen der Armija Krajowa und des polnischen Klerus unter bemerkenswert großen Teilen der Intelligenz aber auch unter den Bauern und in der Arbeiterklasse einen nicht zu unterschätzenden Einfluss.“
(Kapitel: E 1956 – Polen, Ungarn und Ägypten in Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU, Teil 2.)

Weiter mit Kurt Gossweiler und den „Stärken und Schwächen der SED:

„Was aber 1970 weithin nur als eine alleinige Angelegenheit eines einzelnen sozialistischen Landes, eben Polens, angesehen wurde, weist sich im Rückblick als ein deutliches Symptom des Eintritts des europäischen Sozialismus in seine Auflösungsphase.

So gesehen, stand die neue – personell größtenteils alte – Parteiführung mit Erich Honecker an der Spitze vor einer von vornherein unlösbaren Aufgabe.

Dies umso mehr, als von der KPdSU und der sowjetischen Staatsführung nicht Hilfe, sondern in zunehmendem Maße Störungen ausgingen.

Mit dem neuen Mann Gorbatschow im Kreml im April 1985 lebte bei allen Kommunisten noch einmal die Hoffnung auf,

in der Sowjetunion fände nun wirklich die schon so lange erwartete und so dringend notwendige Rückkehr auf den Weg Lenins statt, wie es dieser neue Mann ja verkündet hatte.

(Anm.: Bei mir keimte keine Hoffnung auf. Ich sah doch täglich wie degeneriert und dekadent der größte Teil der Genossen war.
Ein Beispiel: Es war kurz vor Weihnachten. Wieder wurden „Apfelsine pro Kopf“ verteilet, (was für mich völlig in Ordnung war, denn ich kannte die Devisensituation) als eine Frau, die in der Kreisleitung der SED arbeitete, mit einem prall gefüllten Einkaufsnetzt in den Bus einstieg, (jeder „gelernt DDR-Bürger“ kennt diese dünnen Nylon-Netze mit zwei Trageschlaufen aus Leder) als ihr dieses Netz riss und eine große Menge Apfelsinen im Bus rumkullerten. Die Menge war so groß, sie hätte schon für die ganze Hausgemeinschaft die Apfelsinen eingekauft haben müssen.
Es wurde schon immer in der Bevölkerung gemunkelt, dass die Stasi und die SED-Leitungen Sonderzuteilungen bekommen würden, von dem der einfache Bürger nicht wissen durfte. Auf einmal wurde dieses Gerede bestätigt. Heute sollte es jeder wissen, dass es so war!)
Aber bald mussten alle, die nicht in Illusionen verharren wollten, feststellen:

dieser Mann und seine Vertrauten sind Erz-Revisionisten, Zöglinge der Chruschtschow-Ära, die fortführten, was jener begonnen hatte, um zu vollenden, woran er gescheitert war.

Letzten Endes sind sogar die am meisten der Honecker-Führung als gewissermaßen „Eigenleistung“ anzurechnenden, nicht selten einfach unbegreiflichen Widersprüche ihrer Politik, eine Folge dieser Situation. Ganz banal und einfach ausgedrückt könnte man den Kern der Widersprüche dieser Politik so benennen: Hervorragende Absichten und Planziele – aber ruinöse Ergebnisse. Nehmen wir als Beispiel die Wirtschaftspolitik.
(Anm.: Und wie war es mit Breshnew und den vielen anderen Revisionisten im sozialistischen Langer, die sich nach 1956 und dem 20. PT entwickelt hatten. Hier irrt Kurt Gossweiler sehr, ist einseitig parteiisch und zeigt zu Unrecht nur auf Gorbatschow. Auch wenn es maginale Unterschiede in der Anerkennung oder Zurückweisung der Perestroika von Gorbatschow gab; die Karre steckte so tief im Dreck, dass keiner sie mehr bewegen konnte, außer in Richtung Kapitalismus. Das sieht man ganz besonders an der verfehlten Wirtschaftspolitik auch in der DDR.)

Auf diesem Gebiet erklärte Honecker zur Hauptaufgabe die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, was heißen sollte, im Gleichschritt mit dem Wirtschaftswachstum müsse auch das Leben der Arbeitenden sich verbessern. Das Ergebnis dieser Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik werde sein, dass die Arbeitsmoral und die Leistungsbereitschaft der Arbeitenden in gleichem Maße wachsen würden.
Um die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik zu sichern, wurde für jedes Jahr berechnet, wieviel Prozent Wirtschaftswachstum dafür vonnöten sei, und diese Zahl zur Grundlage des Jahresplanes gemacht.
Um das notwendige Wirtschaftswachstum zu sichern, wurde Anfang der siebziger Jahre die Umstellung von der vorwiegend extensiven auf die vorwiegend intensive erweiterte Reproduktion vorgenommen. Zugleich sollte den einzelnen Unternehmen ermöglicht werden, die Mittel zur Rationalisierung der Produktion selbst zu erwirtschaften.
Überlegungen waren gut und richtig, dennoch funktionierte das System auf die Dauer nicht, das wirkliche Wirtschaftswachstum blieb hinter dem als notwendig errechneten zurück.

Die Gründe dafür waren vielfältig.

Der wichtigste und entscheidende Grund war der faktische Ausfall wichtigsten Faktors des gemeinsamen Wachsens und Aufblühens aller sozialistischen Länder – der planmäßigen internationalen Arbeitsteilung im RGW.
(Anm.: In dem sich immer mehr der sowjetische Großmacht-Chauvinismus breitmachte, wie mir Leute erzählt haben, die im EGW in Moskau arbeiteten.)
Ein weiterer Grund waren die Kürzungen der sowjetischen Lieferungen an Rohstoffen, vor allem Erdöl. Dazu kamen die Preissteigerungen auf dem Weltmarkt für dringend benötigte Produkte, bei gleichzeitigem Preisverfall der Waren, die die DDR exportierte. Die Schere zwischen Import- und Exportpreisen ging zu Ungunsten der DDR immer weiter auseinander.

Engpässe bei Rohstoffen und Halbfabrikaten erschwerten die Arbeitsorganisation, führten immer wieder zu Stillstandszeiten einerseits, zu Hektik und Aufholjagden im Arbeitsprozess andererseits, verteuerten insgesamt die Produktion und gefährdeten die Planerfüllung.
Diese und weitere Ursachen führten dazu, dass das errechnete Wirtschaftswachstum nicht erreicht wurde, damit aber auch nicht die Mittel erarbeitet wurden, die für die Realisierung der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ notwendig gewesen wären. Mit anderen Worten:

Die Mittel reichten nicht aus, um sowohl die notwendigen Investitionen zu gewährleisten als auch die sozialen Leistungen zu finanzieren, z.B. wie versprochen, die Preise für die lebensnotwendigen Waren, für Verkehrs- mittel und Mieten stabil zu halten. Es mussten entweder die Preise erhöht, die Subventionen zur Stützung der niedrigen Preise und Mieten gekürzt oder aber die Akkumulationsrate gesenkt werden.

Eine Senkung der Akkumulationsrate musste sich verhängnisvoll auf die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft auswirken, den technischen Rückstand zu den kapitalistischen Ländern, insbesondere zur BRD, noch weiter vergrößern, die Exportfähigkeit weiter verringern, die Abhängigkeit von westlichen Kreditgebern erhöhen, kurzum, auf Dauer katastrophale Folgen zeitigen. (Anm.: Trotzdem musste die Akkumulationsrate gesenkt werden!)

Eine Nichteinhaltung der Versprechungen auf Stabilität von Preisen und Mieten und Beibehaltung und sogar Ausbau der sozialen Leistungen musste mit Sicherheit zu großer Unzufriedenheit und zu politischer Instabilität führen.

Ohnehin war die erwartete Steigerung der Arbeitsmoral nicht eingetreten, im Gegenteil. Schlechte Arbeitsorganisation und unkontinuierlicher Arbeitsfluss zum einen, eine allzu liberale Duldung von nachlässiger Arbeitsmoral und das Bewusstsein des Rechts auf einen Arbeitsplatz hatten dazu geführt, dass die Arbeitszeit immer großzügiger durch vorzeitigen Feierabend, Arbeitsbummelei usw. eigenmächtig verkürzt wurde, die Arbeitsproduktivität also absank statt verbessert zu werden.

Bei der Entscheidung darüber, auf welchem Wege aus dem Dilemma herauszukommen sei, durch Kürzung der Akkumulationsrate oder durch Beschränkung der sozialen Leistungen, wurde immer der Weg der rigorosen Beschneidung der Investitionsmittel und der nur zaghaften Belastung der Bevölkerung z.B. durch Preiserhöhungen für Mittel des „gehobenen Bedarfs“ gewählt. Dabei hat sicherlich die Erinnerung an den 17. Juni 1953 und haben die Ereignisse in Polen diese Entscheidung erheblich beeinflusst. Aber es entsprach das ganz sicher auch einem Gefühl der Verantwortung gegenüber den Arbeitenden. [sic]

Nur: es war dies keine Lösung. Es war nur die Wahl zwischen zwei Wegen des Untergangs. Denn es konnte keine vereinzelte Lösung für sozialistischen Länder geben. Die Lösung konnte nur in einer gemeinsamen Ursachenforschung und einer gemeinsamen Anstrengung zur Überwindung der Krise liegen, die im Übrigen absolut möglich war. Der wirtschaftliche Zustand der SU und ihrer Verbündeten war selbst 1989 nicht entfernt so katastrophal wie in Russland nach dem Ende des Bürgerkrieges.
(Anm.: Das tröstet die Menschen, die nach 1990 Tiernahrung gegessen haben, aber ungemein!)
Wenn Gorbatschow wirklich Kommunist und Leninist gewesen wäre, hätte er 1985 als erstes die Führer aller kommunistischen Parteien der RGW-Länder zu einer Beratung über die gemeinsame Überwindung der krisenhaften Situation zusammengerufen.
(Anm.: Ich habe oben geschrieben: „Bei mir keimte keine Hoffnung (beim Erscheinen Gorbatschows) auf.“ Weil er eben von Anfang an nicht dazu getan hat, die sozialistische Bewegung wieder zu einen und neu aufzubauen. Stattdessen ging er daran, mit seinem Großmacht-Chauvinismus und seiner Geheimdiplomatie, das sozialistische Lager zu verkaufen. Es ging nur noch um den Pries – meine Meinung, schon 1989.)
Stattdessen vertiefte er die Spaltung und die Vereinzelung der sozialistischen Staaten und die Orientierung auf die Rettung durch die imperialistischen Mächte und ihre Versklavungsinstrumente, den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank.
Dies enthüllt eigentlich wie kaum ein Zweites, was hinter der so genannten „Entstalinisierung“ in Wahrheit steckt und schon seit Chruschtschow gesteckt hat: nicht die „Humanisierung des Sozialismus“, sondern die „Entsozialisierung“, die Rekapitalisierung des durch die Oktoberrevolution dem Imperialismus entrissenen Teils der Erde.
(Anm.: … und alle sozialistischen Länder haben mitgemacht, bis auf zwei China und Albanien, wobei China erst unter Deng kapitalistisch wurde; dass sie mitmachen mussten, ist in Rückblick betrachte nebensächlich – seit 1989/90 gibt es keinen Sozialismus mehr – er ist am Revisionismus kaputtgegangen.)

Kurt Gossweiler schriebt einleitend:
“Wir haben es nicht mit der Katastrophe einzelner sozialistischer Länder, etwa der DDR, zu tun, sondern mit der Katastrophe des Sozialismus in Europa und weit darüber hinaus.
Es ist deshalb unmöglich, den Zusammenbruch eines einzelnen sozialistischen Landes isoliert zu behandeln, so, als ob jedes einzelne nur an seinen eigenen inneren Gebrechen zugrunde gegangen wäre.
Die Krankheit, an der sie alle zugrunde gegangen sind, war und ist überall die gleiche; sie heißt: Revisionismus.“
Und er bestätigt damit meine Aussage!

Immer wieder wird an uns – so auch hier nach dem Vortrag des Genossen Schnitzler – die Frage gerichtet, wieso die sozialistische DDR so rasch und lautlos zugrunde gehen konnte, wieso die Opposition so großen Zulauf hatte.

Die Hauptursache habe ich schon genannt: Die wirtschaftliche Entwicklung erfüllte nicht die Erwartungen der Leute und die Versprechungen der Partei. Statt stetigem Aufschwung trat von einem bestimmten Punkt an ein Abschwung ein, verschlechterte sich die Versorgung, gab es auf bestimmten Gebieten doch Preiserhöhungen, verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen in den Betrieben, wurden zwar auf der einen Seite viele neue Wohnungen gebaut, wurde aber auf der anderen dem Verfall der Altbausubstanz kein Einhalt geboten, kurzum, das Leben wurde statt leichter und reicher – belastender und ärmer. Das alles wäre aber noch zu ertragen gewesen, wenn die Partei den Menschen offen die Ursachen für diese negative Entwicklung dargelegt und mit ihnen darüber beraten hätte, wie man die Situation meistern könnte.

Doch die Parteiführung ging einen anderen Weg.

Sie ließ über die Medien verbreiten, dass alles in Ordnung sei, dass die Pläne erfüllt und übererfüllt würden, dass das Land von Erfolg zu Erfolg schreite – kurz, zwischen dem, was die Menschen tagtäglich im Betrieb, auf den Straßen, in den Läden und Verkehrsmitteln erlebten, und dem, was ihnen abends vom Bildschirm in den Nachrichten entgegentrat, klaffte ein Abgrund. Die Medienpolitik der Partei musste die Menschen empören, weil sie sich nicht nur belogen, sondern auch veralbert, nicht ernst genommen sahen. Sie verloren das Vertrauen zur Partei, die ihnen nicht die Wahrheit sagte, und öffneten nicht nur ihre Ohren, sondern schenkten auch ihren Glauben den Westmedien, deren Berichte über den DDR-Alltag in vielem dem, was sie kannten, näherkam, als die eigenen Sender.

Wie schrecklich weit Erich Honecker dem Denken und Fühlen der DDR-Bürger und von denen insbesondere der Jugend entfernt war, wurde besonders deutlich, als er zu einem Jahrestag des 13. August 1961, dem Tag der Errichtung der „Mauer“ in Berlin, erklärte, die Mauer werde „noch 100 Jahre stehen“, wenn nötig.

Er, der einst an der Spitze der Jugendorganisation der Freien Deutschen Jugend gestanden hatte, hatte keinerlei Empfinden dafür und offenbar auch keine Kenntnis davon, dass die DDR-Jugend der 80er Jahre die Mauer längst nicht mehr als Schutzwall empfand, sondern als eine Gefängnismauer, die sie lieber heute als morgen beseitigt sehen würde.

Die Kluft zwischen Partei und breiten Teilen des Volkes war groß geworden, und auch in der Partei selbst verlor die Parteiführung immer mehr an Vertrauen bei den einfachen Mitgliedern.

Diese Unmutsstimmung war Gorbatschow natürlich bestens bekannt. Er tat alles, um sie weiter zu schüren. Seine demagogischen Losungen: „Glasnost“ und „Wir brauchen die Wahrheit wie die Luft zum Atmen!“ dienten der Entfachung der Unzufriedenheit gegen die Partei nicht nur im eigenen Land, sondern besonders auch in den Ländern, die bisher standhafte Säulen des Widerstandes gegen die Wogen des Revisionismus geblieben waren – die DDR und die CSSR. Und er hatte Erfolg damit! „Gorbi“ wurde zum Hoffnungsträger sowohl derer, die wie Reagan und Bush und Kohl den Sozialismus beseitigt sehen wollten, als auch derer, die eine „Reformierung“, Verjüngung und Erneuerung des Sozialismus erstrebten.
Gorbatschow wusste sehr wohl, dass Honecker ihm misstraute und ihm, wo immer er konnte, entgegenwirkte.

Honecker hatte zwar auf außenpolitischem Gebiet mehrfach der revisionistischen Aufweichungspolitik in die Hände gearbeitet: So bei der Vorbereitung und Durchführung des KSZE-Prozesses und dem Abschluss des Helsinki-Abkommens, oder auch bei der Billigung des gemeinsamen Dokumentes von SED und SPD vom August 1987 „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“, mit dem die Vertreter der SED-Seite geradezu Vorarbeit für die Ereignisse des Herbstes 89 geleistet haben. [25]

Aber nie dachte Honecker daran, die DDR dem Imperialismus auszuliefern; in allem, was er tat, ging es ihm darum, die Existenz der DDR zu sichern. [sic]
(Anm.: 1961 hat er sie, damals unter Ulbricht, gesichert, in der Zeit bis in die 80er Jahren ruiniert)

Deshalb wandte er sich auch entschlossen gegen die Übernahme der Gorbatschowschen „Perestroika“, und sagte unverblümt, Perestrojka in der DDR würde ins Chaos führen, womit er natürlich die Situation in der UdSSR Gorbatschows kennzeichnete. Er ließ auch nicht zu, dass die deutschsprachige Ausgabe der „Moskauer Nachrichten“ – eines der übelsten antisowjetischen Hetzblätter, seit es in den Händen der Gorbatschow-Leute war, in die Postzeitungslisten der DDR aufgenommen wurde. Große Wellen schlug auch seinerzeit das Verbot der Auslieferung einer besonders üblen Nummer der sowjetischen Zeitschrift „Sputnik“ in der DDR, wobei eine lange Diskussion darüber entstand, ob es nicht besser gewesen wäre, die Zeitschrift erscheinen zu lassen und sich dann öffentlich mit ihrem Inhalt auseinanderzusetzen. Aber auf jeden Fall zeigte die DDR-Führung ihre Entschlossenheit, gegen die Infiltration antikommunistischer Hetze vorzugehen, auch dann, wenn sie das Herkunftszeichen „KPdSU, Moskau“ trug. Davon zeugte auch eine Rede des Sekretärs des ZK der SED, Kurt Hager, in der er der Verharmlosung des Imperialismus, wie sie von Gorbatschow und Schewardnadse betrieben worden war, mit der Feststellung entgegentrat, der Imperialismus werde niemals sein räuberisches, menschenfeindliches Wesen ändern.
(Anm.: Nachdem jahrelang genau das durch die Politik der SED gemacht wurde – „die Verharmlosung des Imperialismus“. Der KSZE-Prozess und der Abschluss des Helsinki-Abkommens waren doch dafür geschaffen, sein „räuberische, menschenfeindliches Wesen“ zu verschleiern. Die mehrfachen Handreichungen zur „revisionistischen Aufweichungspolitik“ des KSZE Prozessen wurden doch nicht gekauft, was man ja noch verstehen hätte können, sondern waren Ideologie der SED und Honeckers.)

An uns wurde auch die Frage gestellt, warum die DDR-Regierung kampflos das Feld geräumt hat, ohne bewaffneten Widerstand zu leisten. Aber gegen wen hätten die Waffen eingesetzt werden sollen? Etwa gegen die Demonstranten auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989?
Wer das meint, der ist auf das Gerede von der „friedlichen Revolution“ hereingefallen, durch die angeblich die „SED-Diktatur“ gestürzt worden sei.

Aber weder die DDR noch der Sozialismus in irgendeinem der ehemals sozialistischen Länder ist durch Aktionen der Massen gestürzt worden.

Der Sozialismus in Europa wurde in einem über 40-jährigen Kalten Krieg von außen in einer fast 40-jährigen Kombination mit einer vom Zentrum ausgehenden Zersetzungsarbeit im Innern zuerst an seiner Entfaltung gehindert, dann gelähmt und seiner wichtigsten Kraft, der Unterstützung durch die Massen, beraubt, um dann in diesem Zustand von der früheren Schutzmacht an den Imperialismus ausgeliefert zu werden.
Die Konterrevolution fand nicht an einem Tage, sondern 40 Jahre lang statt. Die Demonstranten des 4. November waren zwar von der Konterrevolution in Bewegung gesetzt – aber sie waren nicht die Konterrevolution. Schüsse, auf sie abgegeben, hätten nicht die Konterrevolution, sondern größtenteils die von der Konterrevolution verführten eigenen Leute getroffen, und die Getroffenen wären zu Blutzeugen der Konterrevolution gegen den Sozialismus gemacht worden.
Den Untergang der DDR hätten sie nicht verhindert, denn deren Auslieferung an die BRD war dem Bundeskanzler Kohl von dessen späterem Duz-Freund Gorbatschow schon 1987 zugesagt worden; aber sie hätten den Siegern von heute die von niemandem glaubwürdig zu widerlegende Propagandalüge in die Hand gegeben, die „machtbesessenen Greise des Politbüros“ seien nicht einmal davor zurückgeschreckt, ein Massaker unter Demonstranten anzurichten, die für den besseren Sozialismus auf die Straße gegangen seien, nur um sich der Macht zu halten.
Für den Neubeginn der Sozialisten wäre dies eine Katastrophe gewesen, für die Sieger von heute aber ein unschätzbares Geschenk, hätte es ihnen doch die Glorifizierung ihrer brutalen Kolonisierungspraxis ebenso erlaubt wie die Rechtfertigung einer grausamen Abrechnung mit allen, die, in welcher Form auch immer, für die Deutsche Demokratische Republik eingetreten waren und sie verteidigten.

Bleibt als Allerletztes die Frage: War die Niederlage des Sozialismus unvermeidlich?

Ja, sie war vermeidbar, wenn die Marxisten-Leninisten den Vorstoß des Revisionismus im Keime erstickt hätten, also schon bei der Rehabilitierung Titos oder auf dem XX. Parteitag der KPdSU. Allerspätestens bei der Absetzung Chruschtschows 1968 dessen wahre Rolle offengelegt werden müssen.

Die Niederlage wurde unausweichlich, weil den Revisionisten erlaubt wurde, die Parteiführung zu erobern und in ihr zu verbleiben. Denn der Kampf gegen den Imperialismus kann nur erfolgreich geführt werden, wenn er im eigenen Lager keine Verbündeten findet.

Es wird lange dauern, bis diese Wahrheit wieder Allgemeingut aller Kommunisten geworden sein wird.

(Anm.: Diese einfachen Sätze werden Glorienschreiber und bestimmte „Kommunisten“ nie verstehen! Sie werden weiterhin nüchterne, kritische und selbstkritische Analyse als Leichenfledderei diffamieren.)

Es ist unsere Aufgabe, diesen Prozess zu beschleunigen, damit die kommunistische Bewegung wieder eine geschichtsmächtige Kraft wird, noch bevor der Imperialismus die Menschheit in den Untergang getrieben hat.“

Diese Aufgabe, von der Gossweiler schreibt, erfüllt man aber nicht, wenn mach Glorie auf die DDR verfasst, die Entwicklung des Revisionismus nicht sehen will und Kritik mit dem stumpfsinnigen Argument abbügelt, es sei Leichenfledderei.

Weit schlimmer ist jedoch, dass solche „Oberlehrer“ mit ihrer kritiklosen Glorenschreiberei einmal nichts für die Aufarbeitung des Untergangs des Sozialismus beitragen, sie leben immer noch in den 80er Jahren, zu anderen schaden sie die Genossen und attackieren sie ungerechtfertigt, die sich um eine nüchterne, selbstkritische und kritische Aufklärung und Argumentation bemühen!

Zum Schluss noch einmal Gossweiler inDer Revisionismus in der kommunistischen Bewegung“: 

„Um jedoch mit Aussicht auf Erfolg dort neu anzufangen, wo die Konterrevolution zeitweilig gesiegt hat, und dort sich zu halten und weiter voranzuschreiten, wo es nicht gelang, die Macht des Imperialismus wiederzuerrichten, ist es erforderlich, sich Klarheit über die Ursachen des Rückschlages zu verschaffen und daraus die Lehren zu ziehen.

Das Angebot an Ursachenerklärungen ist wahrlich riesig, aber größtenteils unbefriedigend bis abwegig. Der Sozialismus sei von einem Einzelnen namens Stalin zugrunde gerichtet worden, sagen sehr viele. Als Marxisten-Leninisten wissen wir, dass nicht „Männer“ die Geschichte machen, sondern die Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen ist. Historische Persönlichkeiten können nur als Repräsentanten von Klassen oder Schichten der Gesellschaft geschichtswirksam werden, nicht als Einzelpersönlichkeiten. Deshalb kann der Untergang des Sozialismus in der Sowjetunion und in Osteuropa weder einem Stalin noch einem Chruschtschow noch einem Gorbatschow als Einzelperson zur Last gelegt werden; um die Rolle zu erklären, die sie spielten, muss man herausfinden, die Interessen welcher Klasse oder Schicht sie vertraten, welche gesellschaftliche Strömung sie verkörperten.
Die Sowjetunion, die DDR und die anderen sozialistischen Staaten seien an einem Mangel an Demokratie zugrunde gegangen, sagen wieder nicht wenige.

Wenn Mangel an Demokratie eine Ursache für den Untergang von Staaten wäre, dann dürfte es schon längst keinen imperialistischen Staat mehr geben. Oder ist vielleicht die Beseitigung des Menschenrechts auf Arbeit und Wohnung nach der Annexion der DDR und seine Ersetzung durch das Recht der Kapitaleigentümer, Arbeiter ihrer Arbeit zu berauben und Mieter in die Obdachlosigkeit zu treiben, demokratischer als die Verwirklichung dieser Menschenrechte in der DDR?

Es ist hier nicht die Zeit, um noch ähnliche andere Erklärungen ebenso ad absurdum zu führen. Gewiss ist aber eins: Seit Marx und Engels ist der Sozialismus eine Wissenschaft, und seit Lenin ist auf dieser Grundlage auch der Aufbau des Sozialismus auf eine wissenschaftliche Basis gestellt worden. Das besagt:

Der Sozialismus kann mit Erfolg aufgebaut werden, und er wird seine Überlegenheit über den Imperialismus offenbaren, wenn und solange dieser Aufbau wissenschaftlich betrieben wird, d.h. unter Berücksichtigung der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des sozialistischen Aufbaus.

Lässt man jedoch diese Gesetzmäßigkeiten außer Acht, geht man von den Erkenntnissen des wissenschaftlichen Sozialismus ab, (Anm.: … wie nach dem 20. PT. – 1956!), dann wird der Kampf „Wer-Wen?“ zugunsten des Imperialismus entschieden.
Dies ist eine Aussage, der kein Marxist widersprechen kann. Diese unbestreitbare Wahrheit muss deshalb auch der Schlüssel sein für die Suche nach den Ursachen der Katastrophe des europäisch Sozialismus.“

Zum Schluss ein Zitat von Lenin:

„Alle revolutionären Parteien, die bisher zugrunde gegangen sind, gingen daran zugrunde, daß sie überheblich wurden und nicht zu sehen vermochten, worin ihre Kraft bestand, daß sie fürchteten, von ihren Schwächen zu sprechen. Wir aber werden nicht zugrunde gehen, weil wir nicht fürchten, von unseren Schwächen zu sprechen, und es lernen werden, die Schwäche zu überwinden.“

(Lenin: „XL Parteitag der KPR(B). Schlußwort zum politischen Bericht des ZK der KPR(B)“, 1922, Werke Band 33, S. 297; zitiert a. a. O., S. 450.)

Dieses Zugrunde gehen begann nach Stalin und Ulbricht!

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