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Zehn Voraussagen von Karl Marx, die das 21. Jahrhundert prägen


Zehn Voraussagen von Karl Marx, die das 21. Jahrhundert prägen

karstenschoensee, 5. Dezember 2018

Im Folgenden wird der Artikel „Zehn Voraussagen von Karl Marx, die das 21. Jahrhundert prägen“ der cubanischen Zeitschrift „Granma Internacional- Deutsche Ausgabe“ (Nr. 6 – Juni 2018, S. 13) über die Aktualität der Marxschen ökonomischen Lehre abgedruckt:

kapitalismus

Zehn Voraussagen von Karl Marx, die das 21. Jahrhundert prägen

Von: Sergio Alejandro Gómez

JEDES Mal, wenn die Alarmglocken einer Wirtschaftskrise läuten, schnellen die Verkäufe der Bücher von Karl Marx in die Höhe. Wenige haben wie dieser deutsche Denker des 19. Jahrhunderts die Funktionsweise des Kapitalismus und dessen Folgen für die Menschheit verstanden.

Obwohl die hegemoniale Maschinerie mit allen Mitteln versucht hat, die Analysen von Marx zu widerlegen und den Tod der Ideen zu verordnen, denen er sein Leben widmete, so hat der Marxismus doch allen Prüfungen der Zeit standgehalten und seine Gültigkeit bestätigt, nicht nur als Methode, um die Welt zu verstehen, sondern als Werkzeug, sie zu verändern.

Nachdem zwei Jahrhunderte nach der Geburt von Karl Marx vergangen sind, präsentiert Granma Internacional zehn Vorhersagen von Marx, die den Rhythmus des 21. Jahrhunderts prägen.

DIE KONZENTRATION UND ZENTRALISIERUNG DES KAPITALS

In „Das Kapital“, seinem größten Werk, definiert Marx die Methode zur Reproduktion der Reichtümer im Kapitalismus und sagte deren Tendenz voraus, sich zu konzentrieren und zu zentralisieren.

Wenn der erste Aspekt sich auf die Anhäufung des Mehrwerts bezieht – das, was die Arbeiter zusätzlich erwirtschaften und was der Besitzer sich aneignet – so betrifft der zweite Punkt den Anstieg des Kapitalvolumens als Folge des Zusammenschlusses verschiedener Kapitale zu einem, fast immer als Ergebnis von Insolvenzen oder Wirtschaftskrisen.

Die Implikationen dieser Analyse sind verheerend für die Verteidiger der Fähigkeit der „blinden Hand des Marktes“, die Reichtümer zu verteilen.

Wie Marx vorhersagte, ist eine der Charakteristiken des Kapitalismus des 21. Jahrhunderts der wachsende Unterschied zwischen Reichen und Armen. Nach dem letzten Oxfam-Bericht landeten 82 Prozent der weltweit im Jahr 2017 geschaffenen Reichtümer in den Taschen des reichsten 1 Prozent der Bevölkerung, während die 50 Prozent Ärmsten – 3,7 Milliarden Menschen – nichts von besagtem Wachstum erhalten hat.

DIE INSTABILITÄT DES KAPITALISMUS UND DIE ZYKLISCHEN KRISEN

Der deutsche Philosoph war einer der ersten, die verstanden haben, dass die Wirtschaftskrisen nicht auf einem Fehler des kapitalistischen Systems beruhen, sondern zu seinen inhärenten Merkmalen gehören.

Auch heute noch versucht man, dies anders zu verkaufen.

Seit dem Börsencrash von 1929 bis zu den Krisen der Jahre 2007 und 2008 kann man jedoch eine klare Linie des Verhaltens ausmachen, die den von Marx beschriebenen Regeln folgt. Deshalb greifen selbst die Magnaten der Wall Steet auf der Suche nach Antworten auf die Seiten von Das Kapital zurück.

DER KLASSENKAMPF

Eine der vielleicht revolutionärsten Ideen des Marxismus war sein Verständnis, dass „die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften die Geschichte von Klassenkämpfen ist“, wie man in dem 1848 von Marx und Engels verfassten Kommunistischen Manifest nachlesen kann.

Diese These führte zu einer Krise des liberalen Denkens. Für Marx ist der kapitalistische Staat ein weiteres Werkzeug der herrschenden Klasse, um die übrigen zu beherrschen, während sie gleichzeitig ihre Reichtümer und ihre eigene Klasse reproduziert.

Eineinhalb Jahrhunderte später werden noch immer die sozialen Kämpfe zwischen dem 1 Prozent, das die Fäden der Macht innehat und den übrigen 99 Prozent geführt.

DIE INDUSTRIELLE RESERVEARMEE

Der Kapitalist muss laut Marx die Löhne niedrig halten, um an Produktivät zu gewinnen.

Das ist immer dann zu erreichen, wenn ein Arbeiter darauf wartet, den Arbeitsplatz desjenigen einzunehmen, der sich weigert, die Bedingungen zu akzeptieren.

Das nannte er die „Industrielle Reservearmee“.

Auch wenn die sozialen und gewerkschaftlichen Kämpfe seit dem 19. Jahrhundert bis heute vor allem in den entwickelten Ländern Teile dieses Szenarios verändert haben, so ist doch das Streben nach niedrigen Löhnen eine Konstante des unternehmerischen Sektors.

Während des 20. Jahrhunderts wanderten große Produktionsgesellschaften aus Europa und den USA auf der Suche nach qualifizierter Arbeitskraft, die mit weniger Verdienst zufrieden war, nach Asien aus.

Auch wenn jüngste Regierungen versuchen, diesen Prozess als einen vermeintlichen Arbeitsplatzverlust hinzustellen, wie dies bei der Regierung Trump in den USA der Fall ist, so ist es doch so, dass diese Unternehmen ihre hohen Wachstumsraten gerade wegen der Ausbeutung billiger Arbeitskraft aufrechterhalten konnten.

Was die Löhne betrifft, so zeigen aktuelle Studien, dass deren Kaufkraft hinsichtlich dem, was sie wirklich kaufen können und nicht nach dem nominellen Wert, in den westlichen Ländern seit dreißig Jahren im Abnehmen begriffen ist.

Die Kluft zwischen den Geschäftsführern Geschäftsführern und ihren einfachen Angestellten ist noch größer.

Wie aus einem kürzlich in der britischen Zeitschrift The Economist erschienen Artikel hervorgeht, ist, während der Lohn der Arbeiter in Ländern wie den USA in den letzten zwei Jahrzehnten stagnierte, der Lohn der hohen Führungskräfte signifikant angestiegen: Wenn sie früher 40 Mal mehr als die einfachen Angestellten erhielten, so bekommen sie jetzt 110 Mal mehr als diese.

DIE NEGATIVE ROLLE DES FINANZKAPITALS

Auch wenn Marx die dem Prozess der Kapitalanhäufung innewohnenden Mechanismen der Ausbeutung genau beschreibt, so gilt seine stärkste Kritik dem Finanzkapital, der Art von Kapital, die keinen direkten materiellen Bezugspunkt zur Wirtschaft hat, sondern „fiktiv“ ist wie z. B. ein Schuldschein oder eine Schuldverschreibung.

In seiner Epoche konnte man sich nicht einmal vorstellen, welches Entwicklungsniveau dieser Wirtschaftssektor in der Moderne einnehmen würde, wo dank der Nutzung der Computer die Tätigung von Finanztransaktionen in Lichtgeschwindigkeit vonstatten geht.

Die Spekulation und die Erarbeitung von komplexen Finanzmechanismen – wie die sogenannten Subprime, die die Krise von 2007 –2008 auslösten, stellen eine traurige Bestätigung der Besorgnisse von Marx dar.

DIE SCHAFFUNG FALSCHER BEDÜRFNISSE

Das 19. Jahrhundert kannte noch nicht die Lawine an Werbepropaganda in Radio und Fernsehen und noch weniger die modernen Mechanismen, Werbebotschaften individuell im Internet zu verbreiten, aber Marx warnte bereits vor der Fähigkeit des kapitalistischen Systems, Entfremdung und falsche Bedürfnisse unter den Menschen zu schaffen.

„Die Extension von Produkten und Bedürfnissen führen zu einer Art kalkulierter und verschwörerischer Knechtschaft, zu ausgefeilten, eingebildeten, unmenschlichen und unnatürlichen Gelüsten“, sagte Marx vor über 150 Jahren voraus.

In der Welt von heute sind die Telefone nach ein paar Monaten veraltet und die Werbung übernimmt es, den Nutzer davon zu überzeugen, das nächste Modell zu kaufen. Währenddessen kommen die elektrischen Haushaltsgeräte mit eingebauten Mängeln auf den Markt, damit sie nach wenigen Jahren ihre Funktion einstellen und die Notwendigkeit schaffen, sie zu ersetzen.

DIE GLOBALISIERUNG

„Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen“, heißt es bei Marx und Engels im Kommunistischen Manifest.

Sein Portrait der Globalisierung der Märkte, verbunden mit der Aufzwingung einer bestimmten Konsumkultur könnte nicht genauer sein.

DER PROTAGONISMUS DER MONOPOLE

Diese Tendenz wird gleichzeitig von der Schaffung transnationaler Monopole begleitet. Wenn auch die klassische liberale Wirtschaftstheorie davon ausging, dass der Wettbewerb eine Vielzahl von Eigentümern mit sich bringen werde, ging Marx einen Schritt weiter und erkannte die Tendenz des Marktes, nach dem Gesetz des Stärkeren zu fusionieren.

Große Konglomerate von Kommuniaktionsmedien, Telefon- und Erdölgesellschaften sind einige der aktuellen Beispiele des vom Marxismus beschriebenen Prozesses.

DIE SELBSTMÖRDERISCHE TENDENZ DES KAPITALISMUS

„Alle festen eingerosteten Verhältnisse werden aufgelöst“ heißt es in einer der weitsichtigen Reflexionen über den Kapitalismus im Kommunistischen Manifest.

Marx und Engels verstanden die kreative und gleichzeitig selbstzerstörerische Natur des Kapitalismus, der in seinem Streben nach Produktivität um jeden Preis einen unmenschlichen Rhythmus der Produktion und des Konsums erzwingt.

Es ist genau diese Tendenz, die heute unseren Planeten an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat.

Der Einfluss des Menschen beim Anstieg der globalen Temperatur ist eine wissenschaftlich bewiesene Realität, auch wenn einige Präsidenten, wie der der Vereinigten Staaten, dies weiter abstreiten.

DIE FÄHIGKEIT DER AUSGEBEUTETEN ZUR REVOLUTION

Den größten Einfluss auf die Geschichte hatte aber nicht Marx´ tiefgreifende Analyse der Widersprüche des Kapitalismus, sondern sein Aufruf, eine neue Art von Gesellschaft zu schaffen: den Kommunismus.

Seine Botschaft, dass die ausgebeuteten Klassen in der Lage seien, sich von Unterdrückung und Ungleichheit zu befreien, veränderte das 20. Jahrhundert für immer und inspirierte die Revolutionen in Russland, China, Vietnam und Kuba und in anderen Ländern. Sein Aufruf an die Einheit der ausgebeuteten Klassen hat auch im 21. Jahrhundert volle Gültigkeit.

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