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Über Selbstkritik, Kritik und den wissenschaftlichen Kommunismus


Über Selbstkritik, Kritik und den wissenschaftlichen Kommunismus

die-großen-vierIch werde immer wieder von selbsternannten Kommunisten angegriffen, weil ich eine nüchterne, kritische und selbstkritische Analyse des Untergangs des Sozialismus fordere und diese Analyse auch in meinen Artikeln vertrete.
Es beginnt mit Vorhaltungen wie: ich sein ein Dogmatiker, ein Zentrist, ein Verräter der Arbeiterklasse und der DDR und ich betriebe „Leichenfledderei“ Anti-DDR-Probaganda, und es wäre „schon immer einfacher, als gegen aktuelle Missstände anzurennen“. Weiterhin verbitten sie sich, „keine Beratung von Leuten, die danebenstehen und abwarten haben, was passiert“.
Dann werde ich hinter meinem Rücken diffamiert, als Antikommunist beschimpft, „entfreundet“ oder auch einfach nur stillschweigend gesperrt und blockiert. Zu einer Auseinandersetzung mit den Thesen des wissenschaftlichen Kommunismus sind sie in ihrem Revisionismus, Dogmatismus und Verherrlichung des Revisionismus, – der 1956 begann und bis 1989 das ganze sozialistische Lager durchsetzte, – nicht in der Lage, weil 1. Viele kluge Köpfe die Entwicklung des Revisionismus vorhersagten, 2. Die Geschichte diese Vorhersagen glänzend bestätigt hat und 3. Sie nicht begreifen können, dass der Sozialismus keinen Sozialismus mehr war, sondern Revisionismus und der Untergang 1989, mit einer Konterrevolution, gesetzmäßig endetet.
Oft ist es so, dass diese „Kommunisten“ aktiv, als Führungskader der SED oder passiv, als Mitglied der SED, die Entwicklung Jahrzehnte mitgetragen haben; obwohl schon früh abzusehen war, wohin die Entwicklung geht, und sie verantwortlich sind, für die Überantwortung Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter an den Kapitalismus/Imperialismus.

Aber lassen wir Lenin und Stalin zu Wort kommen, was sie über die Partei, Kritik und Selbstkritik schreibt (das leider diese Revisionisten völlig vergessen haben):

„Die Notwendigkeit von Kritik und Selbstkritik als ein Kernpunkt der leninistischen Methode, die anderen gegenüber ohne Ansehen der Person und ebenso sich selbst gegenüber kritisch und revolutionär ist, zieht sich wie ein roter Faden durch diese Schrift. Für manche, die nun bloß die revisionistischen Zerrbilder wirklich Kommunistischer Parteien vor Augen haben, mag es vielleicht verwunderlich klingen, aber Kritik und Selbstkritik sind nicht allein Prinzipien der proletarischen Revolution schlechthin, sondern gerade auch des Parteiaufbaus!

Über die Selbstkritik als Wesensmerkmal der Kommunistischen Partei – im Gegensatz zu revisionistischen Vorstellungen nach dem Motto „die Partei, die Partei hat immer recht“, (auch eine Losung der SED-Genossen) das darüber hinaus auch als fest verankertes antikommunistisches Vorurteil weit verbreitet ist – wird in „Über die Grundlagen des Leninismus“ Lenin wie folgt zitiert:

„Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen. Einen Fehler offen zugeben, seine Ursachen aufdecken, die Umstände, die ihn hervorgerufen haben, analysieren, die Mittel zur Behebung des Fehlers sorgfältig prüfen – das ist das Merkmal einer ernsten Partei, das heißt Erfüllung ihrer Pflichten, das heißt Erziehung und Schulung der Klasse und dann auch der Masse.“

„Schließlich lehrt die Geschichte der Partei, daß die Partei der Arbeiterklasse ohne umfassende Verbindungen mit den Massen, ohne ständige Festigung dieser Verbindungen, ohne die Fähigkeit, auf die Stimme der Massen zu lauschen und ihre brennenden Nöte zu verstehen, ohne die Bereitschaft, nicht nur die Massen zu belehren, sondern auch von ihnen zu lernen, keine wirkliche Massenpartei sein kann, die fähig ist, die Millionen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen zu führen.“

„Die Geschichte der Partei lehrt weiter, daß die Partei ihre Rolle als Führer der Arbeiterklasse nicht erfüllen kann, wenn sie, von Erfolgen berauscht, überheblich zu werden beginnt, wenn sie aufhört, die Mängel ihrer Arbeit zu bemerken, wenn sie sich fürchtet, ihre Fehler einzugestehen, sich fürchtet, diese rechtzeitig, offen und ehrlich zu korrigieren.“

„Die Partei ist unbesiegbar, wenn sie Kritik und Selbstkritik nicht fürchtet, wenn sie die Fehler und Mängel ihrer Arbeit nicht verkleistert, wenn sie an den Fehlern der Parteiarbeit die Kader erzieht und schult, wenn sie es versteht, ihre Fehler rechtzeitig zu korrigieren.“

„Die Partei (hier kann man schreiben, der ganze Sozialismus) geht zugrunde, wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen läßt, sich dem Gefühlt der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt.“

Lenin hat betont:

„Alle revolutionären Parteien, die bisher zugrunde gegangen sind, gingen daran zugrunde, daß sie überheblich wurden und nicht zu sehen vermochten, worin ihre Kraft bestand, daß sie fürchteten, von ihren Schwächen zu sprechen. Wir aber wer-den nicht zugrunde gehen, weil wir nicht fürchten, von unseren Schwächen zu sprechen, und es lernen werden, die Schwäche zu überwinden.“ (Lenin: „XL Parteitag der KPR(B). Schlußwort zum politischen Bericht des ZK der KPR(B)“, 1922, Werke Band 33, S. 297; zitiert a. a. O., S. 450.)

Die Geschichte der SED im Zeitraffer! Tatsachen des wissenschaftlichen Kommunismus, die diese Leute bis heute nicht begriffen haben oder nicht begreifen wollen.

„Die vielleicht heute für kommunistische Kräfte wichtigste Passage im Kapitel „Die Methode“ betrifft die erbarmungslose Brandmarkung aller Versuche, Kritiken abzuwürgen, Selbstkritik zu verhindern oder als Angelegenheit des stillen Kämmerleins auszugeben.“

(Stalin: „Über die Grundlagen des Leninismus“, 1924)

Kurt Gossweiler schreibt in „Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus“:

„Die revisionistischen Grundentscheidungen der sowjetischen Führung der Chruschtschow-Periode glaubte die SED-Führung mitvollziehen zu müssen. Insofern wurden auch die SED-Mitgliedschaft und die Bevölkerung infiziert von der revisionistischen Verfälschung des Marxismus-Leninismus und der Geschichte der sozialistischen Staaten. […]

Doppelt verhängnisvoll wirkte und wirkt sich aus, dass dieses Abgehen vom Marxismus-Leninismus mit Erfolg als das genaue Gegenteil dessen, nämlich als Wiederherstellung und Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus ausgegeben wurde. Das hat zum einen, als es noch Zeit dafür war, Widerstand gegen das Verlassen des wirklich marxistisch-leninistischen Weges zu leisten, diesen Widerstand verhindert; und es verhindert zum anderen heute die Erkenntnis für die wirklichen Ursachen des Zusammenbruchs der sozialistischen Staaten, weil dieser Zusammenbruch ja vermeintlich das Ergebnis des Beharrens auf dem marxistisch-leninistischen Weg war. […]

Überblickt man die fast zwanzig Jahre, in denen Honecker an der Spitze der SED und des Staates stand, so muss man feststellen, dass er eine Politik repräsentierte, die auf allen Gebieten äußerst widerspruchsvoll war und sich auf einer insgesamt absteigenden Linie bewegte. Letzteres trifft aber auf alle sozialistischen Staaten Europas zu, ist also nicht in erster Linie etwaigen Fehlern der von ihm geleiteten Partei- und Staatsführung anzulasten. […]

Anfang der siebziger Jahre machte sich in den sozialistischen Ländern eine Trendwende der wirtschaftlichen Entwicklung bemerkbar. Die Störungen, die von der Desintegration der Wirtschaft der RGW-Staaten und von den Fehlplanungen und sprunghaften Planänderungen in verschiedenen Ländern, allen voran die Sowjetunion, als Ergebnis der revisionistischen Umorientierung der Planziele ausgingen, vergrößerten den Rückstand zu den entwickeltsten kapitalistischen Ländern, statt ihn zu verringern und verschlechterten die Lebenslage der Bevölkerung, statt sie zu verbessern.

Die Folgen waren wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, abnehmende Zustimmung und Unterstützung für die Politik von Partei und Regierung, immer schwächer werdende Verbindung der Partei zu den Massen, dafür stetig wachsender Einfluss westlicher elektronischer Medien und der Anziehungskraft der so genannten „westlichen Lebensweise“. […]

Doch die Parteiführung ging einen anderen Weg. Sie ließ über die Medien verbreiten, dass alles in Ordnung sei, dass die Pläne erfüllt und übererfüllt würden, dass das Land von Erfolg zu Erfolg schreite – kurz, zwischen dem, was die Menschen tagtäglich im Betrieb, auf den Straßen, in den Läden und Verkehrsmitteln erlebten, und dem, was ihnen abends vom Bildschirm in den Nachrichten entgegentrat, klaffte ein Abgrund. Die Medienpolitik der Partei musste die Menschen empören, weil sie sich nicht nur belogen, sondern auch veralbert, nicht ernst genommen sahen. Sie verloren das Vertrauen zur Partei, die ihnen nicht die Wahrheit sagte, und öffneten nicht nur ihre Ohren, sondern schenkten auch ihren Glauben den Westmedien, deren Berichte über den DDR-Alltag in vielem dem, was sie kannten, näherkam, als die eigenen Sender.“

Wieder einmal musste ich beim Durcharbeiten der Kapitel „Die revisionistische Linie des 20. Parteitags der KPdSU (1956) und die grundlegenden Fehler der berechtigten Kritik der KP Chinas (1963)“ feststellen, dass ich, wie schon seit 1965, der Kommunist war und bin, und diese Leute, das was sie schon immer waren – Revisionisten und Zentristen.

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