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Ankündigung


Ankündigung:

In Kürze werde ich hier den Artikel von Jochen Stelkens: Machtwechsel in Ost-Berlin – Der Sturz Walter Ulbrichts 1971, veröffentlichen.

ulbricht-honecker

Es geht um den Widerspruch zwischen den Thesen: „DDR-Sozialistische Gesellschaftsordnung, auch unter Erich Honecker“ und „DDR-Revisionistische Gesellschaftsordnung mit Erich Honecker an der Spitze“. Diesen Widerspruch beleuchtet der folgende Artikel.

Kurt Gossweiler schreibt in seinem Artikel: Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus, auf die Frage:

„Wie wirkte sich der Wechsel von Ulbricht zu Honecker in der DDR aus?

Es ist selbstverständlich, dass Erich Honecker als dem aufrechten Kommunisten und Antifaschisten, dem von der Rachejustiz des siegreichen westdeutschen Imperialismus Verfolgten, unsere ganze Sympathie und Solidarität gehört. Mit Freude haben wir erlebt, dass er sich mit seiner Rede vor Gericht der Tradition eines Karl Liebknecht und Georgi Dimitroff würdig erwies und zum Ankläger derer wurde, die ihn zum Verbrecher und Repräsentanten eines verbrecherischen Regimes stempeln wollten.

Das darf uns jedoch nicht dazu verleiten, auf eine nüchterne, selbst-kritische Betrachtung der Entwicklung der SED und der DDR unter Honeckers Führung zu verzichten.

Die Ablösung Ulbrichts und der Wechsel zu Honecker war natürlich nicht ohne Einwirkung der Moskauer Führung vor sich gegangen. Dennoch wäre es falsch, in diesem Wechsel etwa den Wechsel von einem Marxisten-Leninisten zu einem Revisionisten zu sehen. Es war vielmehr der Wechsel von einem der im Klassenkampf erfahrensten und begabtesten Führer der deutschen und der internationalen kommunistischen Bewegung zu einem von bestem Willen erfüllten, aber infolge schwacher Führungsqualitäten leicht auf Abwege zu führenden Parteifunktionär.

Zunächst schien es so, als sei mit ihm die Ära der größten Erfolge der DDR angebrochen, denn Anfang der siebziger Jahre wurde die DDR trotz allen Sperrfeuers seitens der BRD in rascher Folge von Dutzenden Staaten anerkannt und schließlich im September 1973 auch in die UNO aufgenommen, nachdem sich die Bundesrepublik gezwungen gesehen hatte, im Dezember 1972 in einem Vertrag die DDR als selbständigen deutschen Staat anzuerkennen. Indessen war damit nur eine Ernte eingefahren worden, für die der Grund in den davor liegenden Jahren regt worden war.

Überblickt man die fast zwanzig Jahre, in denen Honecker an der Spitze der SED und des Staates stand, so muss man feststellen, dass er eine Politik repräsentierte, die auf allen Gebieten äußerst widerspruchsvoll war und sich auf einer insgesamt absteigenden Linie bewegte.

Letzteres trifft aber auf alle sozialistischen Staaten Europas zu, ist also nicht in erster Linie etwaigen Fehlern der von ihm geleiteten Partei- und Staatsführung anzulasten.

Anfang der siebziger Jahre machte sich in den sozialistischen Ländern eine Trendwende der wirtschaftlichen Entwicklung bemerkbar. Die Störungen, die von der Desintegration der Wirtschaft der RGW-Staaten und von den Fehlplanungen und sprunghaften Planänderungen in verschiedenen Ländern, allen voran die Sowjetunion, als Ergebnis der revisionistischen Umorientierung der Planziele ausgingen, vergrößerten den Rückstand zu den entwickeltsten kapitalistischen Ländern, statt ihn zu verringern und verschlechterten die Lebenslage der Bevölkerung, statt sie zu verbessern.

Die Folgen waren wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, abnehmende Zustimmung und Unterstützung für die Politik von Partei und Regierung, immer schwächer werdende Verbindung der Partei zu den Massen, dafür stetig wachsender Einfluss westlicher elektronischer Medien und der Anziehungskraft der so genannten „westlichen Lebensweise“.“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=757#more-757)

Auf der Web-Site: Die Rote Front – Kommunistisches Theorieorgan, kann man den folgenden Artikel lesen: „Sozialismus in den Farben der DDR“ – Über den Revisionismus Erich Honeckers – Überarbeitete Version.

Der Autor L. M. schreibt: „Diesem Thema wurde aus meiner Sicht jahrzehntelang nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet. Womöglich lag das daran, dass Erich Honecker nach 1990 Mitglied der KPD war und man aus gewissen persönlichen Gründen keine Kritik an ihm üben wollte.“

(Anm.: Diese Frage ist mit meinem Artikel über ein Gespräch zwischen Modrow, Berghofer, Wolf und Pohl, im Haus des Ministerrates, beantwortet. (s. Lügen haben lange Beine)

„Was auch immer die Gründe nun gewesen sein mögen, für einen Marxisten hat nur die objektive Realität Gültigkeit und keine subjektiven Wünsche, keine persönlichen Kungeleien. Mit dieser Überzeugung werde ich auch dieses Thema behandeln.

Kritik muss an allem geübt werden, um es beurteilen zu können. Ein Fetisch, den man nicht kritisieren darf, dürfte jedem, der den dialektischen Materialismus verstanden hat, unbekannt sein. Da ist auch Erich Honecker keine Ausnahme, trotz seines Parteibuches, trotz seiner Lippenbekenntnisse zum Sozialismus. Was letztendlich zählt bei der Bewertung einer Person sind primär die Taten, nicht die Worte.

Zur Form dieses Artikels: Dieser Artikel wird neben einem Abschnitt zurzeit vor 1971 hauptsächlich die Jahre 1971 bis 1989/90 behandeln, also die Honecker-Ära. Die chronologische Abfolge der Kapitel orientiert sich an den Parteitagen der SED. Ausnahme bilden die Kapitel über Honeckers Verhältnis zum Maoismus und den „Sozialismus in den Farben der DDR“. Zum Inhalt des Artikels: Der Artikel befasst sich mit der revisionistischen Verwandlung der SED, an der Erich Honecker maßgebenden Einfluss hatte, samt der Anhängerschaft seiner Clique. [1] Also sei, aufgrund seiner führenden Rolle, der Name Honecker nicht bloß als Einzelperson verstanden, sondern auch als pars pro toto („Ein Teil, der für das Ganze steht“)“

Dann schreibt der Verfasser L. M. weiter: „Auch Kurt Gossweiler glaubte nicht an diesen „harmonischen Übergang“ von Ulbricht zu Honecker:

„Was Honecker betraf – so war er in meinen Augen zwar bei weitem keine ideale Besetzung für das Amt des Partei- und Staatsführers. Und ich konnte ihm auch nicht verzeihen seine schäbige Rolle beim erzwungenen Rücktritt Walter Ulbrichts, und unverständlich war mir auch, dass er und das Politbüro zugelassen hat, dass die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED das offenkundig auf ideologische Diversion zielende, von der Grundwertekommission der SPD lan­cierte Dokument ‘Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit’ (ND, 28.8.1987) unter­zeichnete.“ [40]

Dennoch sagte Kurt Gossweiler in einem anderen Artikel: „Das (der Sturz Ulbrichts durch Honecker; L. M.] ist keineswegs als Wechsel von einem Marxisten-Leninisten zu einem Revisionisten zu sehen.“ [41] Diese Schlussfolgerung Gossweilers ist falsch. Ich werde hier beweisen, warum. Völlig im Widerspruch zu dieser Schlussfolgerung schrieb Kurt Gossweiler in einem Brief vom 31. Dezember 1993 an Gerald Diesener: „Für mich war der Wechsel von Ulbricht zu Honecker der Wechsel von einem hervorragenden Führer der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung zu einem Mann ohne Führungsqualitäten, der unter Ulbrichts Führung allenfalls ein zuverlässiger Ausführer war, der aber jetzt billige Popularitätshascherei durch ökonomisch unverantwortliche Verlagerung der Mittel von der Festigung der Volkswirtschaft dienenden Investitionen zur Einfuhr von Konsumgütern – angefangen mit Bananen und Apfelsinen bis zu Golf- und Mazda-Wagen – betrieb und von Chruschtschow die schändliche Methode übernahm, durch Verdunkelung des Rufes seines Vorgängers das eigene Ansehen zu erhöhen.“ [42] Wie man sieht, beschreibt Gossweiler einigermaßen akkurat, was geschah, jedoch nicht warum (das mit der „Unerfahrenheit“ Honeckers ist die „Entschuldigung“ dafür, keine Antwort darauf zu haben).
(Fußnoten im Originalartikel)

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