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Video: Wie kam es zum Mauerfall? und mein Kommentar dazu


Video: Wie kam es zum Mauerfall? und mein Kommentar dazu

Ich kenne dieses Video, das ich mir mehrmals angesehen haben, seit Ende 2015. Und wenn ich ehrlich bin, nicht mehr aus dem Kopfschütteln rauskomme, – je öfter ich mir dieses Video angesehen habe, und ich frage mich immer wieder wie man so ein Video veröffentlichen kann?
Hier wird der bürgerlichen Geschichtsschreibung, eine revisionistische Geschichtsschreibung entgegengehalten, als ob die Macher dieses Video (KIDeutschland) noch nie etwas von marxistisch-leninistischer Geschichtsschreibung gehört hat.
Es beginnt schon mit den Aussagen über den 17. Juni 1953. Haben die Macher des Videos nie das gelesen, was Kurt Gossweiler über die „Hintergründe des 17. Juni 1953“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=761#more-761) geschrieben hat, oder über die „Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=757#more-757) geschweige denn, über „Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=759).
Lesen wir, was Gossweiler im letztgenannten Artikel über den 17. Juni 1953 schreibt:
„Dieser Besprechung im Politbüro der KPdSU folgte eine Einladung an Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Fred Oelßner zu einer „Beratung“ nach Moskau (1953). Bei dieser „Beratung“, die in Wahrheit einem Befehlsempfang gleichkam, […]
Nach ihrer Rückkehr aus Moskau stand die Führung der SED vor der aufgezwungenen Aufgabe, den Moskauer Forderungen entsprechende Maßnahmen durchzuführen und sie dem Partei- und dem Staatsvolk plausibel zu erklären. Aber auch dafür ließen ihnen die neuen Männer in Moskau keinen Freiraum. Der am 27. Mai 1953 […] verlangte W.S. Semjonow von der SED-Führung einen Wortlaut des Kommuniqués, mit dem der „neue Kurs“ verkündet werden sollte“. […]
Rudolf Herrnstadt sagte: obwohl er es nach den gegebenen Anweisungen selbst geschrieben habe, könne er seiner Veröffentlichung nicht zustimmen; es würde „eine nicht zu verantwortende Schockwirkung in der Partei und in der Öffentlichkeit hervorrufen, die Partei desorientieren und erbittern und dem Gegner die Flanke öffnen“. Walter Ulbricht und Otto Grotewohl, denen er seine Bedenken mitteilte, waren genau der gleichen Ansicht. In einer Unterredung mit Semjonow sagte Herrnstadt dem dann auch: „So darf man den Kurswechsel nicht einleiten. Das Kommuniqué kann nur Verwirrung stiften.“ Darauf Semjonow: „Das Kommuniqué muss morgen in der Zeitung stehen.“ Herrnstadt: (…): „Geben Sie uns 14 Tage, und wir können den Kurswechsel so überzeugend und fortreißend begründen, dass wir mit ihm in die Offensive gehen und nicht der Gegner.“ Darauf gab Semjonow „sehr scharf und von oben herab“ die geradezu ungeheuerliche Antwort: „In 14 Tagen werden Sie vielleicht schon keinen Staat mehr haben.“
So erschien das Kommuniqué dann am 11. Juni 1953 und tat genau die von Herrnstadt, Ulbricht und Grotewohl vorhergesehene und befürchtete Wirkung: es „desorientierte und erbitterte die Partei und öffnete dem Gegner die Flanke“. Diese Vorgänge und die zitierte Antwort Semjonows sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, nur drei Monate nach Stalins Tod, in der neuen Führung Leute gab, die mit dem Gedanken spielten, die DDR der BRD preiszugeben – gegen entsprechende Gegenleistungen, versteht sich.“
Dieser Verrat setzte sich von Chruschtschow über Breshnew/Honecker bis Gorbatschow/Modrow, Krenz, Gysi fort und führte in erster Linie zum Untergang des Sozialismus und nicht die Politik des Klassenfeindes, der BRD-Regierungen. Das der Klassenfeind an allem schuld ist, und die lapidare Aussage „Wir in der DDR haben Fehler gemacht“ werden immer dann benutzt, wenn heutige „Kommunisten“ keine Antworten geben können oder wollen und nicht die Wahrheit sagen. Das der Klassenfeind jeden Fehler ausnützen würde, weiß jeder der im Klassenkampf eigenermaßen Bescheid weiß.
Zum Schluss, des Videos verfällen die Macher des Videos in die gleichen stereotypischen Aussagen wie sie in der DDR gang und gäbe war, als ob es nie Revisionismus in der DDR und es dessen Einfluss, nie gegeben hätte. Es ist ja gerade ein Kennzeichen des Revisionismus, das er bei bestehenden sozialistischen Produktionsverhältnissen, den Kapitalismus restauriert. Ab 1971 war die DDR ein sozialistischer Staat, in dem der Revisionismus, vor allem durch eine revisionistische Wirtschaftspolitik, der Grundlangen des Sozialismus zerstörte. Peter Hacks sah, „in Erich Honeckers „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, die Vorherrschaft der Partei und der von ihr durch Opportunismus und Unvermögen bedingten Idiotie, welche die Grundlagen des Sozialismus in der DDR bedrohte.
Man könnte noch viel mehr über dieses Video schreiben. Ich möchte es bei der Aussage belassen, das mit solch einem revisionistisches Geschichtsbild kein Neuanfang der kommunistischen Bewegung erfolgen kann.
Zum Schluss möchte ich noch auf zwei Artikel von Kurt Gossweiler verweisen:
„Die antisozialistische Doppelstrategie des Imperialismus und der historische Wechsel von der Konfrontationspolitik zur – schließlich erfolgreichen – ‚indirekten Strategie‘.“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=780#more-780) und „Die Überwindung des Anti-Stalinismus – Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der kommunistischen Bewegung als einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Bewegung“ (https://saschasweltsicht.wordpress.com/anti-stalinismus/…)

Siehe auch die Diskussion auf Facebook: https://www.facebook.com/sascha.iwanow.9847/posts/368810263936886?comment_id=370222517128994&notif_id=1548340736632902&notif_t=feedback_reaction_generic

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