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Wie steht es eigentlich um den US-Abzug aus Syrien? (Kommentar)


Wie steht es eigentlich um den US-Abzug aus Syrien? (Kommentar)

globaleye1984, 4. Februar 2019

amis

Der bevorstehende US-Abzug aus Syrien ist inmitten des orchestrierten Regime-Changes in Venezuela weit in den Hintergrund gerückt. Was keine Überraschung sein dürfte, da sich die unter einer Decke steckenden Mainstream-Medien und westlichen Regierungen, gewöhnlicherweise identische Töne anschlagen, um Kriege und Umstürze zu vermarkten.

Das kriegstreiberische Mediengewitter hat den üblen Beigeschmack das alte brennende Thematiken überschattet werden, wie der erwähnte so langsam überfällige US-Truppenabzug aus Syrien.

Während die gesamte Trump-Administration ihre volle Aufmerksamkeit dem Umsturz der Maduro-Regierung widmet, wollen die Neokons in Washington Tatsachen schaffen, die letztlich dazu führen das die Vereinigten Staaten ihre Besatzung in Syrien aufrechterhalten.

Der Mehrheitsführer im US-Senat und Fraktionsvorsitzender der Republikaner, Mitch McConell, bereitet derweil die Einführung einer Gesetzesänderung vor um Donald Trumps Entscheidung aus Syrien abzuziehen zu blockieren.

Diesbezüglich soll nun plötzlich doch der etliche Male von Trump totgesagte Islamische Staat und die während des gesamten Syrien-Kriegs kaum vom Westen zur Sprache gebrachte Al-Qaida herhalten, um einen auf unbestimmte Zeit verlängerten Aufenthalt der US-Truppenkontingente in Syrien zu rechtfertigen.

Das Timing von McConells Vorstoß ist kein Zufall. Hatten doch die US-Geheimdienstchefs am 29.Januar vor dem Kongress eine ausführliche globale Gefahreneinstufung präsentiert, laut dieser der Islamische Staat noch längst nicht abgeschrieben sei.

Diese Einschätzung dient Mitch McConnell ungemein, um die nötige Zustimmung für seine angestrebte Gesetzesänderung einzuheimsen. Trotz der offensichtlichen Anstrengungen zur Durchkreuzung der trumpschen Friedensmission, will der US-Präsident offenbar an seinem Plan festhalten zumindest beteuert er dies. Via twitter ließ Donald Trump verlauten:

“Ich habe in Syrien und Afghanistan ein totales Chaos übernommen, die “Endlosen Kriege” unbegrenzter Ausgaben und Tod. Während meiner Kampagne sagte ich sehr deutlich, das diese Kriege letztlich enden müssen. Wir haben in Afghanistan pro Jahr $50 Milliarden ausgegeben und haben ihnen so schwer zugesetzt das wir nun nach 18 langen Jahren über den Frieden sprechen…Syrien war bepackt mit ISIS bis ich vorbeikam. Wir werden bald 100% des Kalifats vernichtet haben, doch werden sie weiterhin genauestens beobachten. Es ist nun die Zeit gekommen, um heimzukehren und nach vielen Jahren unser Geld vernünftig auszugeben. Gewisse Personen müssen klug werden!”

I inherited a total mess in Syria and Afghanistan, the “Endless Wars” of unlimited spending and death. During my campaign I said, very strongly, that these wars must finally end. We spend $50 Billion a year in Afghanistan and have hit them so hard that we are now talking peace…
– Donald J. Trump (@realDonaldTrump) February 1, 2019

… after 18 long years. Syria was loaded with ISIS until I came along. We will soon have destroyed 100% of the Caliphate but will be watching them closely. It is now time to start coming home and, after many years, spending our money wisely. Certain people must get smart!
– Donald J. Trump (@realDonaldTrump) February 1, 2019

Von der üblichen fehlgeleiteten Obskurität der ISIS bezogenen Angaben abgesehen, liegt der US-Präsident außenpolitisch zur Abwechslung mal richtig mit seiner Aussage das es an der Zeit sei die kostspieligen “endlosen Kriege” zu beenden.

Die im Rahmen des US-Abzugs von der Türkei und den Vereinigten Staaten während eines Telefonats von den jeweiligen Präsidenten bilateral beschlossene Sicherheitszone, scheint der Kernpunkt zu sein der entscheidet wie sich die Abstinenz der Amerikaner gestalten wird.

Laut Medienberichten die sich auf US-Amtsträger berufen, bemühen sich die Vereinigten Staaten derzeitig darum eine neue Koalition auf die Beine zu stellen, die östlich des Euphrats die geplante “Sicherheitszone” (Besatzungszone) okkupieren soll.

Laut den Beamten seien Groß-Britannien, Frankreich und Australien als leitende Kräfte im Gespräch. Weitere hinreichende Hinweise sind diesbezüglich nicht bekanntgegeben worden, Ferner nicht wie mit den okkupierenden kurdischen Kräften entlang der türkisch-syrischen verfahren werden soll.

Was nahelegt das Ankara wahrscheinlich nicht gewillt ist auf dieses Angebot einzugehen. Dieser Ansatz scheint schnellstens verworfen worden zu sein, da die Aussicht auf seine Umsetzung kaum gegeben war.

Indes sollen die Amerikaner und Türken zu einer weitreichenderen Vereinbarung gekommen sein, derer Bedingungen detaillierter formuliert wurden. Wie das Nachrichtenportal Southfront unter Berufung auf die in London ansässige Tageszeitung ,Asharq al-Awsat mitteilt, sollen sich 7000 US-gestützte kurdische SDF-Kämpfer von der angestrebten “Sicherheitszone ” zurückziehen.

Die SDF-Kämpfer sollen von 2000 Milizionären der syrisch kurdischen Peschmerga ersetzt werden, welche von der irakischen Kurdistan-Region unterstützt werden. Überdies sollen gegenüber Washington und Ankara loyale arabische Kämpfer innerhalb von arabischen Gebieten in der Zone stationiert werden.

Laut dem Portal besuchte der prominente syrische Oppositionsführer Naser al-Hariri am 1.Februar das kurdische Autonomiegebiet im Nord-Irak, wo er mit der lokalen Führungspersönlichkeit Masoud Barzani zusammentraf.

Die beiden Anführer sollen abgemacht haben das amerikanisch-türkische Abkommen zu erleichtern, indem sie für die Zone die notwendigen kurdischen und arabischen Truppen zur Verfügung stellen. Die in London ansässige Tageszeitung sagte zudem das Moskau und Damaskus versuchen würden das Sicherheitszonen-Abkommen zu sabotieren, indem sie ihre eigene Resolution unterbreiten würden, nämlich die Umsetzung der 1998 beschlossenen Adana-Vereinbarung.

Drei verschiedene Ansätze von denen zwei das kontinuierliche Chaos verheißen. Die NATO-Rochade anhand der Stationierung von US-Vasalen entlang der türkisch syrischen Grenze östlich des Euphrats, und die zweite Variante die arabisch-kurdische Kräfte in der Zone vorsieht, schließen die syrische Regierung aus, was weiteres explosives Potenzial parat hält.

Besatzungsmächte aller Couleur sind unerwünschte Entitäten in Ländern, für deren Zerstörung sie verantwortlich sind. Damaskus hat ohne Missverständnisse des Öfteren betont, dass es jeden einzelnen Zentimeter von Syrien zurückerobern will.

Die syrische Bevölkerung, und wir sprechen hier von den 90% die sich in Regierungsgebieten überwiegend in Sicherheit wiegen können, wird die beiden Ansätze für eine unnötige Sicherheitszone mitnichten akzeptieren.

Damaskus ist während der Kriegsjahre zu einem noch facettenreicheren Mikrokosmos aller Syrer erwachsen. Westliche Mainstream-Journalisten wagen es nicht allzu viel in der syrischen Hauptstadt Recherchen nachzugehen.

Beispielsweise wäre es interessant zu erfahren was Syrer von den Plänen halten, ihr Heimatland nach dem angerichteten 8-jährigen Massaker an ihren Nächsten weiterhin gegen jedes Recht verstoßend besetzt zu halten.

Die einzige plausible und entspannende Lösung für das gesamte syrisch-türkische Grenzgebiet, ist die Reaktivierung des oben erwähnten Adana-Abkommens, unter dem sich Ankara und Damaskus verpflichteten, terroristische Übergriffe auf den jeweiligen Nachbarstaaten zu vereiteln und zu verhindern.

Die auf russischen und amerikanischen Hochzeiten tanzende Türkei ließ indes verlauten, dass sie nicht abgeneigt sei die Adana-Vereinbarung zu reanimieren.

Was hingegen bedeuten würde das territoriale Zugeständnisse folgen müssten, die darauf hinauslaufen würden, das Damaskus an seiner Grenze zur Türkei das Ruder wieder übernehmen würde, wie laut Adana-Vereinbarung festgelegt.

Diese Version ist die aussichtsreiche auf Frieden in der Region und darüber hinaus. Angesichts der neo-osmanischen Ambitionen und der angestrebten Annektierung Nord-Syriens, ist stark davon auszugehen das Ankara eher zum amerikanischen Lager tendieren wird.

Verf. R.R.

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