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Der alte Staat und die Souveränität der Völker I


Der alte Staat und die Souveränität der Völker I

karstenschoensee, 17. Februar 2019

In loser Reihenfolge werden hier unterschiedliche Texte zum Thema „Der alte Staat und die Souveränität der Völker“ veröffentlicht. Den Beginn macht ein Beitrag des kubanischen Genossen Raul Antonio Capote aus der deutschsprachigen Monatszeitschrift „Granma Internacional“ Januar 2019, S. 14:

Während des Irakkriegs plünderten US-Truppen das Nationale Museum Photo: AFP 

USA: Wenn Waffen nicht ausreichen

Eine Bedrohung aufbauen, den Feind verteufeln, mit der Angst arbeiten, das sind die von den Invasoren oft benutzten Mittel gewesen, um die Unterstützung ihrer Völker zu erhalten, die sie, wie es ihren Interessen entgegenkam, entweder mobilisierten oder demobilisierten

Die Globalisierung der Kultur ist eine Realität, aber man muss dem einen Nachnamen hinzufügen, die Globalisierung der Kultur der USA Photo: Reuters

 

Der Abgeordnete des afghanischen Parlaments Mir Ahmad Joyenda bestätigte, dass im Falle seines Landes ausländische Soldaten des Nachts die Mauern unterhöhlt hätten und in das Nationalmuseum eingedrungen wären, um dort zu rauben. Afghanistan war ein Opfer von Raub und absichtlicher Zerstörung seiner archäologischen Reichtümer.

Auf den Völkern lasten Jahrhunderte von Täuschung und Betrug, die heute, durch die Massenmedien und die neuen Technologien der Information und Kommunikation in ihrem Ausmaß kaum messbare Dimensionen angenommen haben.

Nach Auffassung von Luis Brito García wird mit der Kultur der Wille des Feindes aufoktroyiert und dessen Konzeption der Welt, der Werte und des Verhaltens aufgepropft. „Auf lange Sicht kann der politische Apparat nicht siegreich im Krieg verteidigen oder im Frieden erzwingen, was die Kultur zurückweist“. 2

Die globale kapitalistische Macht besitzt heute mächtige kulturelle Waffen. „Mit Operationen der Durchdringung, der motivationalen Forschung, der Propaganda und Erziehung haben die politischen und wirtschaftlichen Apparate die Aufgabe übernommen, am lebenden Körper der Kultur zu operieren. Die Operation hat als chirurgische Instrumente ein Arsenal von Symbolen zur Verfügung mit dem Planeten als Schlachtfeld und dem menschlichen Bewusstein als Beute. Seine Kanonen sind die Massenkommunikationsmittel, seine Projektile die Ideologien“. 3

Die großen Kapitalisten wissen, dass die ideologische Kontrolle elementar ist, damit die Völker nicht gegen die Ausbeutung der Transnationalen rebellieren und deshalb investieren sie in die Massenkommunikationsmittel und eignen sie sich an, ein aus vielen Faktoren bestehendes Gewebe, das agiert, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu manipulieren.

Wie können wir uns von der Amerikanisierung unserer Gewohnheiten, unseres Geschmacks, unserer Gebräuche und unseres Denkens befreien? Wie entzieht man den Leuten die Vorlieben und Verhaltensweisen, die sie ihr ganzes Leben hatten? Die Spiele, die Unterhaltung, die Shows sind ein Teil von uns, von unserer Lebensart. Wie kann man auf die Art sich anzuziehen verzichten, auf die TV-Serien, die uns gefallen, auf die Musik, die wir hören, den Sport, den wir sehen? Auf all das, was uns Vergnügen bereitet, wenn wir zuhause im Wohnzimmer vor dem Fernsehgerät uns ein bisschen „zerstreuen“ , ausruhen, von der Realität abkoppeln möchten?

Der Einfluss Roms erreichte nur einen Teil des Planeten, die darauffolgenden Imperien hatte ihre begrenzten Bereiche in mehr oder weniger ausgedehnten Räumen. Vom Imperium Karls V. sagte man, dass in seinem Reich die Sonne nie unterging. Der kulturelle Einfluss Spaniens, Großbritanniens und Portugals war enorm, sie dehnten sich mit ihrer Sprache, ihren Gewohnheiten und Bräuchen auf einen großen Teil der Welt aus, aber den Vereinigten Staaten ist es gelungen, ihren Einfluss über den gesamten Globus zu tragen, von der Politik bis hin zur Mode.

Die Bewohner dieser Welt bis in ihren entlegensten Winkel benutzen Jeans, essen Hamburger, trinken Coca Cola, kauen Kaugummi, tragen Kappen und T-shirts mit US-Bildern oder Buchstaben, sind Fans von US-Gruppen oder Sängern, lieben Fernsehserien und Filme aus Hollywood, verfolgen den Klatsch über Filmstars, sie unterhalten sich mit den morbiden Bildern, die die Paparazzi machen; Liebe, Sex, Mode und Träume werden immer mehr made in USA.

Die Globalisierung der kultur ist eine Realität, aber man muss dem einen Nachnamen hinzufügen, die Globalisierung der Kultur der USA.

Die Macht des Imperiums verfügt heute über eine enorme Erfahrung, ihre Herrschaft über die Kulturindustrie, die Kommunikations- und Informationsmedien verleihen ihm einen großen Vorteil; aber diese Macht hat das kubanische sozialistische Projekt als Gegenstück, ein kulturelles Projekt, das sich durch die 60 Jahre seiner Existenz bestätigt hat, das außerdem seine eigene Authentizität besitzt, die Kraft, sich aus der Gegenkultur, die es schafft, zu nähren. Sein Vorbildcharakter fördert das Entstehen ähnlicher autonomer Projekte an anderen Orten der Welt.

„Die Macht einer Kultur“, sagte Antonio Gramsci, „misst sich an ihren Möglichkeiten kritischer Assimilation und daran angesichts neuer Realitäten zu bestehen“. Frei von jedem historischen Determinismus ist Kuba eine „Anomalie“, die von der kapitalistischen Weltordnung nicht akzeptiert werden kann.

Antagonist der Religion des Marktes, der der Welt als letzte Station ihres Weges auferlegt wurde: eine Welt, in der die Geschichte verleugnet werden soll, hat die Kultur als erste, zweite und letzte Verteidigungslinie.

Anmerkungen:
1 Le Monde, May Muzzafar, mayo del 2003
2 Luis Brito García. El imperio contracultural: del rock a la posmodernidad, S. 13.
3 Luis Brito García. El imperio contracultural: del rock a la posmodernidad, S. 14.

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