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Von der DDR-Staatsanwaltschaft zum Wendehals – Peter Przybylski, Tatort Politbüro – Band 2: Honecker, Mittag und Schalck-Golodkowski


Von der DDR-Staatsanwaltschaft zum Wendehals – Peter Przybylski: Tatort Politbüro – Band 2: Honecker, Mittag und Schalck-Golodkowski

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ (B. Brecht)

So, nun habe ich auch den 2. Band: Peter Przybylski, Tatort Politbüro – Honecker, Mittag und Schalck-Golodkowski gelesen. Zugegeben ich musste aus diesen Band immer wieder aus der Hand legen und diese Geschichtsklitterung, diese in sich verschachtelten Lügen, zu verarbeiten.

„Man kann „jede Wahrheit, wenn man sie ‚exorbitant’ macht (…), wenn man sie übertreibt, wenn man sie über die Grenze ihrer wirklichen Anwendbarkeit hinaus ausdehnt, ad absurdum führen, ja sie wird unter diesen Umständen unvermeidlich absurd.” (Lenin, Werke, Bd. 31, über Radikalismus, Berlin 1959, S. 47 f.)

Klappentext:

Band 2„Erich Honecker, Günter Mittag und Alexander Schalck-Golodkowski – drei Schlüsselfiguren des SED-Regimes, die eigentlichen Strategen des Untergangs – stehen im Mittelpunkt des zweiten Bandes von «Tatort Politbüro», Nachfolgeband des Bestsellers «Tatort Politbüro. Die Akte Honecker».

Nachdem Walter Ulbricht, der wirtschaftlich mehr Unabhängigkeit von Moskau wollte, mit Hilfe Breschnews gestürzt worden war, mußte Honecker sich bei seinem populistischen Wirtschaftskurs vor allem auf zwei Männer stützen: auf Mittag und Schalck-Golodkowski.

Günter Mittag, zweiter Mann im Politbüro und allmächtiger Manager der DDR-Wirtschaft, den Breschnew bei Honecker als Westagenten denunzierte und gegen den Mielke ermittelte, schaltete Volkskammer und Regierung und selbst das Politbüro aus, um bis zuletzt den Bankrott der DDR zu verschleiern. Er war es, der das Ausmaß der Auslandsverschuldung streng geheim hielt, Statistiken schönte, mit Hilfe von Schalck High-Tech im Westen klauen ließ und einen ökologischen Raubbau ohnegleichen betrieb.

Alexander Schalck-Golodkowski, der den Aufstieg von KoKo vom kriminellen Kleinbetrieb zum kapitalistischen Mammutkonzern organisierte, war ein Tausendsassa der Geheimdiplomatie und der krummen Geschäfte, ein Meisterspion, der mit Häftlingen und Sportlern, mit Kunst und Antiquitäten, mit Waffen und Nazisymbolen – mit allem handelte, was Devisen zu bringen versprach.“

Peter Przybylski, seit 1963 bis zur Wiedervereinigung Staatsanwalt beim Generalstaatsanwalt der DDR, lebt heute als Rechtsanwalt in Berlin.

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Meinen Eindruck, den ich nach dem Lesen des 1. Bandes gewonnen habe, hat sich noch verstärkt. Auch der 2. Band ist keine objektive, kritische und selbkritische Analyse der Geschichte der DDR, sondern eine schäbig anti-kommunistische Generalabrechnung mit dem Sozialismus. Mal wird Honecker gegen Ulbricht ausgespielt, mal Ulbricht gegen Honecker; dann wird Mittag diffamiert und zum Schluss Schalck-Golodkowski usw., usf.; dann wird alles in einem Topf geworfen, umgerührt und schon kommt eine Hetzschrift gegen die DDR heraus. Nicht, aber auch gar nichts positives soll von der DDR bleiben. Genauso wie es die Auftragsgeben dieses Schreiberlings gewünscht haben.

Marx schreibt:

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“

Diese Tatsache verfolgte mich beim Lesen mit jeder Zeile. Allein an der immer abwertenden Sprache kann man nachvollziehen, dass hier ein schäbiger Anti-Kommunist „die Feder führt“.

Hätte Przybylski auch nur eine halbwegs objektive Darstellung der DDR-Geschichte geschrieben, hätte er in diesem kapitalistischen Staat nicht ein einziges Buch verkauft. So ließ sich der Autor, im Bewusstsein, das Hilfswillige im Kapitalismus gut bezahlt werden, getrieben von seiner Geldgier und seinen „menschlich Qualitäten“, dazu verleiten, die Geschichte zu klittern; zu verdrehen und so zusammenzuschreiben, dass man seine Lügen nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden kann.

So konnte der Autor dann auch schon im Vorwort über die Resonanz seines Machwerkes, genüsslich feststellen:

„Aber ich hätte vorher auch nicht zu hoffen gewagt, daß der Band sich über Monate auf der Bestsellerliste behaupten und Bundeskanzler Kohl ihn seiner Urlaubslektüre zugesellen würde.“

Na, das ist doch was. Sogar der Bundeskanzler Kohl hat dieses Machwerk gelesen. Da trafen sich wenigstens dort, zwei im Geiste zusammengehörige Vasallen der herrschenden Klasse.

Und wieder habe ich mich beim Lesen des Buches gefragt: Wie konnte es geschehen, das Leute die nach der „Wende“ ihr anti-kommunistische Gesinnung, die sie ihr ganzes Leben schon gehabt haben müssen, wie solche Charakterschweine, Karriere in der DDR machen konnte, und das über Jahrzehnte.

Der Autor charakterisiert und beschreibt über etliche Seiten Schalck-Golodkowski, und zwar abwertend. Hält sich der Autor für ein menschlich besser Wesen als es Schalk war? Er ist es nicht. Was Schalk getan hat ist auch nicht besser, als das, was Przybylski mit diesen Büchern tut. Beide fanden und finden bei den Feinden der DDR große Anerkennung.

Nebenbei. Ich weiß nicht wieviel diese Bücher neu gekostet haben. Wenn ich heute lese, dass sie bei Amazon ab 0,74 € zu haben sind, entspricht das in etwas die Qualität dieser Machwerke.

(S.a. Vom der DDR-Staatsanwaltschaft zum Wendehals – Peter Przybylski: Tatort Politbüro – Die Akte Honecker)

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