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Wenn heutige „Linke“ über Stalin diskutieren: Oder wie man Kritiker seines eigenen ideologischen Weltbildes, mundtot macht – Teil 3


Wenn heutige „Linke“ über Stalin diskutieren: Oder wie man Kritiker seines eigenen ideologischen Weltbildes, mundtot macht

kpd-verbot

Die „linke“ Bewegung hat nach dem Untergang des Sozialismus durch den Revisionismus, zwei Probleme:
1. den rechten und den linken Revisionismus, und
2. die rechte und die linke Geschichtsklitterung.
Die einen verarschen die Menschen mit rechter Demagogie und die anderen mit linker; die einen wollen die Geschichte rechts, mit Goebbels überholen und die andere links, mit Marx. 95 % der Medien, ob „rechts“ oder „linke“, haben nur eine Aufgabe, – das Volk zu verblöden, zu indoktrinieren und zu instrumentalisieren. Beide marschieren sie brav im Gleichschritt, für den Machterhalt der herrschenden Klasse; auch wenn sie sonst was beteuern.

Unter dem Artikel von Andreas Wehr: „Die Zäsur – Über die Folgen des Rückzugs von Sahra Wagenknecht, veröffentlicht von Linke Zeitung, am 17. März 2019, fand folgende Kommentierung statt.

Von der Leserin Helga veröffentliche die „Linke“ Zeitung folgenden Kommentar:

Verfasst von Helga | 17. März 2019, 12:28
„Mit dem Rückzug von Sahra Wagenknecht ist nun offenkundig geworden, dass das Projekt Aufstehen gescheitert ist – zumindest in der Form, in der es im September 2018 ins Leben gerufen wurde. Womöglich war die Bewegung aber nur der Vorläufer einer sich neu bildenden populären Linken. Denn es bleibt eine Tatsache, dass eine solche Linke dringend benötigt wird (…).
Warum muß es denn unbedingt eine „neue“ Linke sein, Herr Andreas Wehr? Alle wirklich linken Positionen werden in der KPD vertreten, und zwar ohne Kompromisse, es gibt also durchaus eine Möglichkeit, man muß nur den Mut haben dazu zu stehen; sicher nicht einfach, Kommunisten werden gemieden, wie der Teufel das Weihwasser, selbst von sogenannten linken Vereinigungen, und bereits an dieser Stelle beginnen sich solche Bewegungen unglaubwürdig zu machen.“

Womit sie völlig Recht haben sollte, wie die Kommentierung weiter zeigen wird. Der rechte und der linke Revisionismus hat die KPD auf Korn genommen. Das die KPD zum Marxismus-Leninsmus zurückkehrt und zu Avantgarde der Arbeiterklasse wird, liegt den Sektierern wie Wackersteine im Magen. Ich bin überzeugt, die Angst, dass sie die Deutungshoheit der Geschichte verlieren könnten, läßt sie keine Nacht ruhig schlafen.

Auf diesem Kommentar antwortet die „Linke“ Zeitung:

Verfasst von LZ | 17. März 2019, 12:55
„Man beachte, daß Wehr von der „populären neuen Linken“ spricht. Und eine KPD, die Stalin und den Stalinismus hochleben läßt, ist nun wirklich keine Linke, die die geringste Aussicht hat populär zu werden. Eine solche „Linke“ sollte man tatsächlich meiden wie der Teufel das Weihwasser, will man nicht völlig unglaubwürdig werden.“

Nach dem Anspruch der „Linken“ Zeitung sind also alle rechten und linken Revisionisten, alle rechten und linken Geschichtsklitterer, glaubwürdiger, als alle die, die sich auf den Marxismus-Leninismus beziehen. Stalin, und mit ihm Lenin, (dazu gehört sicherlich auch Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck und andere deutsche Kommunisten), ist und bleibt, eine Unperson. Die wahre Lehre besitzen nur diese hochmütigen und selbstherrlichen Herren von der „Linken“ Zeitung.

Darauf antwortet Helga, wie folgt:

Verfasst von Helga | 17. März 2019, 13:39
„Einzig die KPD vertritt konsequent linke Positionen, allein Ihre Wortwahl „Stalinismus“ offenbart doch sehr deutlich, dass Sie wie viele andere von den Lügen und Dämonisierungen über Stalin indoktriniert sind. Es ist nicht einfach „den Weizen von der Spreu“ zu trennen, aber machen Sie sich doch mal wenigsten die Mühe, bevor Sie hier die üblichen Narrative des Mainstreams nachplappern, damit marschieren Sie brav im Gleichschritt der herrschenden Klasse, ganz nach diesem Motto:
‚Wie wir alle wissen, ist der Stalinismus das größte Verbrechen an der Menschheit. Der Diktator Stalin enthauptete die gesamte Armee, verfolgte ehrliche Kommunisten und ließ in den Gulags massenhaft unbescholtene Menschen für sich arbeiten. Und wer auch nur wagte, den Mund aufzumachen, wurde auf der Stelle erschossen. Stimmt’s?“
Ja, solche Gruselgeschichten werden seit Goebbels Zeiten den unwissenden und ungebildeten Menschen tagtäglich durch die Massenmedien immer wieder eingehämmert. Es sind von A – Z alles Lügen. Warum? Nun, ganz einfach: die Bourgeoisie und ihre Lakaien (darunter verstehen wir die herrschende Kapitalistenklasse, die Oligarchen, die Reichen, die Ausbeuter, ihre Zuträger und Hilfskräfte) – sie alle haben wahnsinnige Angst davor, daß eines Tages die arbeitende Bevölkerung wieder einmal sagen könnte: Jetzt ist Schluß! Weg mit dem Gesindel der Sozialschmarotzer – und das sind die Leute, die (sagen wir mal) ein fettes Konto haben, einige Immobilien oder Aktien besitzen, Unternehmer sind und nicht mehr zu arbeiten brauchen, weil Profite und Zinsen reichlich sprudeln. (…) Doch sehen wir uns den Stalinismus an. Bilder sagen ja oft mehr als Worte. Hier nun die wahre Geschichte…

(Hier folgt der Link zu einem Wendehals-Kommunisten, der bis zu „Wende“ Stalin genauso wie die gesamte SED verteufelte und uns heute, mit Stalin-Bücher unter dem Arm, erklären will die DDR seit bis 1989 sozialistische gewesen und durch eine Konterrevolution aus dem Westen, zerstört wurde. Eine objektive, kritische und selbstkritische Analyse des Untergangs der Sozialismus, nennt er Leichenfledderei.)

Trotzdem, besser kann man den die Demagogie der „Linken“ Zeitung, die seit Goebbels Zeiten, nun auch von selbsternannten Linken, verbreitet wird, nicht zusammenfassen.
Darauf antwortet die „Linke“ Zeitung und fast die ganze Goebbelssche Propaganda, die ich eigentlich bis jetzt immer nur von den Rechten und Faschisten gelesen haben, zusammen:

Verfasst von LZ | 17. März 2019, 13:47
„Stalin HAT die gesamte Führung der revolutionären bolschewistischen Partei und ebenso die der roten Armee liquidieren lassen. Einfach dazu nur die – offiziellen – Protokolle der Moskauer Prozesse lesen. Stalin HAT 1928 die Räte aufgelöst und durch ein Fake Parlament ersetzt. Stalin HAT die Komintern aufgelöst und die Weltrevolution den wechselnden Erfordernissen der russischen Außenpolitik untergeordnet. Stalin HAT jede innerparteiliche Kritik und abweichende Meinung mit der Theorie der „Partei als monolithischer Block“ ausgelöscht. Stalin HAT die revolutionäre emanzipatorische Kulturpolitik der Bolschewiki ersetzt durch reaktionäre Familienpolitik.“

Fehlt nur noch, dass die „Linke“ Zeitung Stalin und Hitler auf eine Stufe stellt und schreibt Stalin=Hitler, denn dann ist sie in der faschistoiden Ideologie des Mainstreams angekommen.

An dieser Stelle mische ich mich in die Kommentierung ein, und zwar mit einem längeren Zitat von Kurt Gossweiler und Andrej Fursow:

„Kurt Gossweiler hat einmal etwas Passendes zu eurer Verdammung Stalins geschrieben. Helga hat völlig recht, mit dem was sie schreibt, ihr verbreitet schlimmsten Revisionismus, dieses Mal von links.
‚Wäre Chruschtschows Ziel nicht gewesen, mit seiner „Geheimrede” Stalins Autorität ein für alle Mal zu zertrümmern, (…) um für seine konterrevolutionäre Kursänderung freien Bahn zu haben; und hätte zu seinen Absichten nicht auch gehört, der Überzeugung der Sowjetbürger in die Gerechtigkeit ihrer Sache und dem Stolz auf ihre Sowjetmacht einen tödlichen Schlag zu versetzen; hätte er wirklich nur im Sinn gehabt, den unschuldigen Opfern der „Säuberungen” Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die geschichtliche Wahrheit über die Zeit der Repressionen darzulegen, dann hätte in seinem Bericht etwa das Folgende gesagt werden müssen:
1936, nach der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland, nach der Aufrüstung des faschistischen Deutschland unter Duldung und sogar Mithilfe der Westmächte, nach dem Verrat der Westmächte an der spanischen Republik, standen wir vor der Gefahr, vom faschistischen Deutschland – möglicherweise sogar im Einvernehmen mit den Westmächten -, überfallen zu werden und uns allein der stärksten Militärmacht der ganzen Kriegsgeschichte gegenübergestellt zu sehen, von der wir aus dem Spanienkrieg schon wussten, was sich dann in Norwegen und Frankreich später wiederholte, nämlich, dass der faschistischen Wehrmacht im Hinterland der überfallenen Länder „fünfte Kolonnen” von Quislingen und Verrätern zu Hilfe kamen.
Wie groß die Gefahr des Überfalles war, zeigte sich noch viel deutlicher mit dem Münchener Abkommen der Westmächte mit Hitler und der Auslieferung der Tschechoslowakei an ihn, mit der Weigerung der Westmächte, mit uns einen Vertrag über kollektive Sicherheit und gegenseitigen Beistand zur Bändigung Hitlerdeutschlands abzuschließen.
Unsere Vorbereitungen auf den faschistischen Überfall mussten also auch der Verhinderung der Bildung einer 5. Kolonne in unserem Hinterland gelten. Noch gab und gibt es bei uns Feinde der Sowjetmacht, einst von uns enteignete Kulaken und ihre Nachkommen, Reste der zerschlagenen Gruppen der Trotzkisten und anderer Oppositionsgruppen – hatte doch Trotzki mehrfach in seinen Veröffentlichungen dazu aufgerufen, im Kriegsfalle den Aufstand gegen den „Stalinismus” zu beginnen; ferner Leute, die mit den Deutschen sympathisierten, z.B. unter den Wolgadeutschen oder bei bestimmten Nationalitäten, wie den Krimtataren und den Tschetschenen.
Also mussten wir angesichts der tödlichen Bedrohung alles tun, um es möglichen Feinden der Sowjetmacht unmöglich zu machen, im Hinterland mit Fünften Kolonnen den faschistischen Überfall zu unterstützen.
Dabei mussten wir in Rechnung stellen und in Kauf nehmen, dass es bei Säuberungen so großen Ausmaßes, wie wir sie für notwendig erachteten, nicht auszuschließen war, dass auch Unschuldige,- sei es wegen absichtlicher Falschbeschuldigungen durch feindliche Elemente, sei es aus Übereifer örtlicher Organe, sei es durch Anlegen eine zu pauschalen Rasters -, in erheblichem Umfange von den Maßnahmen betroffen sein würden, wie es dann auch der Fall war.
Aber wir hatten damals abzuwägen, was schwerer wog: wenn wegen ungenügender Sicherungsmaßnahmen die Sowjetmacht zugrunde ging – oder wenn bei unseren Sicherungsmaßnahmen nicht nur echte Feinde, sondern auch unschuldige und sogar eigene Leute getroffen würden.
Die Partei hat sich für die Sicherung der Sowjetmacht als der allem anderen übergeordneten Pflicht entschieden.
Jetzt aber ist es an der Zeit, dabei begangenes Unrecht aufzuklären und wiedergutzumachen.”
So oder so ähnlich hätte eine ehrliche, kommunistische Stellungnahme, zu der für jeden Kommunisten schmerzlichsten Seite der Geschichte der Sowjetunion lauten müssen. Eine kommunistische, das heißt wahrheitsgemäße Schuldzuweisung auch für diese Opfer hätte darüber hinaus klar aussprechen müssen, dass auch ihre Leiden und ihr Tod wie der von 25 Millionen Sowjetsoldaten und -bürgern und der von 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges auf das Konto derer geht, die die Führung der Sowjetunion vor eine solch grausame Entscheidung stellten – auf das Konto Hitlers und des deutschen Imperialismus in erster Linie, in zweiter aber auch auf das Konto derer, die Hitlerdeutschland aufrüsteten, um es als Stoßkeil gegen die Sowjetunion zu lenken und seine Bändigung durch ein kollektives Sicherheitsbündnis sabotierten.
Indem er statt dessen Stalin als Massenmörder hinstellte, übernahm nun der Führer der KPdSU die bisher nur über die westlichen Medien verbreiteten antisowjetischen Hetz-Lügen aus den Küchen der imperialistischen Spezialisten für psychologische Kriegsführung und verkündete sie als Wahrheit.
Von daher kommt es, dass ehrliche und überzeugte Kommunisten auch heute noch bedenkenlos die giftige Verleumdung weitergeben, Stalin habe mehr Kommunisten umgebracht, als Hitler.
Die Wahrheit ist, dass alle Kommunisten, alle Kämpfer gegen den Faschismus und alle Juden, die im vom Faschismus besetzten Europa überlebt haben, dies vor allem der Sowjetunion, der Roten Armee und damit auch Stalin verdanken.
Dessen waren sich damals die Menschen weltweit bewusst. Und selbst seine imperialistischen Gegenspieler vom Format eines Churchill konnten nicht umhin, Stalins historische Größe anzuerkennen. Er würdigte Stalin nach dessen Tod mit folgenden Worten:
‚Er war eine herausragende Persönlichkeit, die in unserer rauen Zeit, in der Periode, in der sein Leben verlief, imponierte. Stalin war ein außergewöhnlich energischer, belesener und äußerst willensstarker Mann, heftig, schroff, schonungslos in der Sache wie im Gespräch, dem selbst ich, der ich im englischen Parlament groß geworden bin, nichts entgegenzusetzen vermochte. (…)
In seinen Werken spürt man eine hünenhafte Kraft. Stalins Kraft war so groß, dass er unter den Führern aller Völker und Zeiten nicht seinesgleichen kennt. (…) Die Menschen konnten seinem Einfluss nicht widerstehen. Als er den Raum der Konferenz von Jalta betrat, erhoben wir uns alle, buchstäblich wie auf Kommando. Und, so seltsam es ist, wir legten die Hände an die Hosennaht. Stalin besaß einen tiefschürfenden, gründlichen und logischen Verstand. Er war ein unübertroffener Meister darin, in schweren Momenten einen Ausweg aus der auswegslosen Lage zu finden (…). Er war ein Mann, der seinen Feind mit den Händen seiner Feinde vernichtete, der uns, die er offen Imperialisten nannte, zwang, gegen Imperialisten zu kämpfen. Er übernahm das Russland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.” (Zitiert von Nina Andrejewa in ihrem Artikel „Ich kann meine Prinzipien nicht preisgeben”. ND v. 2./3. 4. 1988)‘
Dann füge ich nachfolgende Links an.
Revisionismus – Totengräber des Sozialismus, Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953 – 1964
Die Zentralfrage: Wie konnte der revisionistische Umsturz gelingen?
Die Überwindung des Anti-Stalinismus – Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der kommunistischen Bewegung als einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Bewegung

Und der russischen Historiker Professor Andrej Fursow, Leiter des Zentrums für Russland-Forschung an der Moskauer Geisteswissenschaftlichen Universität und dem Mitglied der Internationalen Akademie der Wissenschaften (München), schreibt auf die Frage: Herr Fursow, warum wird die Frage der Entstalinisierung gerade jetzt, fast 60 Jahre nach Stalins Tod, zur Sprache gebracht?
„Auf den ersten Blick erscheint der Versuch einer neuen Runde der Entstalinisierungskampagne sehr seltsam, denn Stalin ist vor fast 60 Jahren gestorben, ab 1956 begann die „Entthronung des Personenkults“, 1961 fand sie mit dem Her-austragen der sterblichen Hülle Stalins aus dem Mausoleum ihre Fortsetzung, dann folgten die Perestroika und die Zeit nach der Perestroika, wo Stalin mit Unmengen von Schmutz übergossen wurde, wo man ihm alle möglichen Sünden zuschrieb. Man sollte meinen, damit wäre das Thema abgeschlossen. Dennoch verkündeten im Jahr 2010 gewisse Personen einen Kreuzzug gegen den Stalinismus. Sie sagen, so zum Beispiel Karaganow in der Zeitung „Nesawissimaja gaseta“, wir hätten uns in den letzten 20 Jahren erneut Stalin genähert, und sollten wir keine Reue üben wegen des Selbstgenozids, sollten wir dieses Stalin-Erbe nicht zurückweisen, so würde es schlecht um uns stehen. Interessant ist, dass in den letzten 20 Jahren die prostalinschen Stimmungen und das Interesse an Stalins Figur gewachsen sind. Wir entfernen uns nicht einfach nur von der Stalin-Epoche, sondern überhaupt von der sowjetischen Epoche, aber dennoch nimmt das Interesse für Stalin zu, seine Figur wird mächtiger, gigantischer und gewinnt an Maßstab. Und das, wo der Stalinismus als System unmöglich wiederherzustellen ist. Mehr noch, bereits Ende der 1940-er Jahre hatte sich der Stalinismus als System praktisch erschöpft. Das war auch Stalin klar geworden, und auf dem XIX. Parteitag der KPdSU (B), der zugleich der 1. Parteitag der KPdSU war (denn die Partei wurde umbenannt), und dann auf dem Oktoberplenum 1952 versuchte er, etwas zu verändern. Aber er schaffte es nicht mehr.
Was ist der Grund für eine derartige Zunahme der Aufmerksamkeit für Stalin? Das hat einen einfachen Grund – die Stalin-Epoche verbinden die Leute mit sozialer Gerechtigkeit, mit einer sicheren Zukunft, mit dem großen Sieg im Krieg, mit einer starken Außenpolitik – mit der Macht Russlands. Und in dieser Hinsicht wird Stalin das Symbol für die Errungenschaften der Sowjetunion, für die Errungenschaften Russlands im 20. Jahrhundert. Es ist klar, indem sie es auf Stalin abgesehen hat, richtet sich die Entstalinisierungskampagne in Wirklichkeit gegen Russland, gegen seine Erfolge im 20. Jahrhundert, gegen seinen Sieg im Krieg und schließlich auch gegen das russische Volk, denn es wird vorausgesetzt, wenn das Volk einen solchen Tyrann, ein solches Ungetüm, wie ihn die Antistalinisten oft nennen, geduldet habe, so sei es ein Volk von Sklaven. Kurz gesagt, die „Entstalinisierung 2011“ ist eine ideologische Informations- und Propagandakampagne, deren Ziel nicht mehr Stalin und auch nicht mehr der Sozialismus ist, denn der Sozialismus wurde in den 1980-er Jahren unter Rufen „Weg mit dem Stalinismus!“ demontiert, sondern bereits Russland.
Was ist in den letzten 20 Jahren klar geworden, und was hat den Ideologen der Entstalinisierung, die ebenso die Ideologen der comprador-kapitalistischen, der liberal-kriminellen Ausraubung des Landes waren, einen solchen Schreck eingejagt? Sie erschreckte die Tatsache, dass dem Kapitalismus in Russland nicht nur der Sozialismus im Wege stand, sondern Russland selbst, Russland als die Lebensweise der Russen. Es stellte sich heraus, dass die Russen unvereinbar sind mit dem Kapitalismus, mit seinen Werten, dass sie jenes, was in den 1990er Jahren geschehen ist, niemals als gerecht anerkennen werden. Eine Linie dieser Kampagne zur Entstalinisierung ist ja, dass alle – das Volk und ebenso die Elite – Reue üben sollen. Karaganow schreibt in seinem Artikel, dass im Kontext dieser Reue eine Aussöhnung des Volkes und der Eliten notwendig sei. Hinter diesem Aufruf steht aber ganz einfach, dass das Volk die Ergebnisse der barbarischen Ausraubung in den 90er Jahren akzeptieren soll, dass es die Diebe nun als ihre neuen Herren, als dominierende Gruppe akzeptieren soll, dass es wegen der sozialen Ungerechtigkeit nicht mehr „aufmucken“ soll. Übrigens ist in die Kampagne zur Entstalinisierung ein sehr starker Mechanismus integriert, der gegen die soziale Gerechtigkeit als traditioneller russischer Wert gerichtet ist.“ Prof. Fursow: Die Entstalinisierung Russlands

Die Wahrheit eines Kurt Gossweilers, einem anerkannten Faschismus- und Revisionismus-Forscher oder eines Andrej Fursow, gefiel den Sektierern der „Linken“ Zeitung überhaupt nicht.
Deshalb wurde er bezeichnender Weise zensiert und nicht veröffentlicht.
Die Leserin Helga legt noch einmal nach und bringt es wieder auf den Punkt, indem sie schreibt:

Verfasst von Helga | 17. März 2019, 14:27
„Es gibt natürlich noch eine Menge mehr über Stalin, aber Ihre selbstgerechten Behauptungen zeigen eigentlich auch, dass Sie gar nicht Willens sind, eine andere als Ihre, und vor allem Ihnen und der Masse eingebläuten Sichtweise, in Betracht zu ziehen. Sie sind eben ein typisches Opfer der jahrzehntelangen Indoktrination, ignorant und selbstherrlich.
(Links: siehe oben)
Wenn man will, findet man die Wahrheit, vorausgesetzt man kann auch selbstkritisch sein und sich nicht selbst für die Lichtgestalt der Weisheit halten.“

Nun folgt ein weiter Sektierer, der des Öfteren bei ZL kommentiert und Redakteur bei LZ sein muss.

Verfasst von A. Holberg | 17. März 2019, 15:15
„Was Stalin konterrevolutionär getan hat, ist im Kommentar der LZ zu Helgas Einlassungen richtig zusammengefasst. Man könnte vielleicht sagen, dass das internationale Kräfteverhältnis – die Isolation der der Oktoberrevolution und der aus ihr hervorgegangenen UdSSR – eine im Marx’schen Verständnis Entwicklung zum Sozialismus hin nicht gestattet hat. Dann bleibt das negative Erbe des Stalinismus das, dass er (bzw. die von ihm geführte postrevolutionäre Bürokratie) die – nennen wir sie mal „staatskapitalistische“ – traurige Realität als „Sozialismus“ verkauft und damit genau diese Perspektive in den Augen des überwiegenden Teils des internationalen Proletariats beschmutzt, verbrannt hat.“

Der Trotzkismus dieses Herren lässt grüßen.
Dass die UdSSR, mit Stalin an der Spitze, schon sozialistisch war, (s. Verfassung von 1936) muss negiert werden, damit die Aussagen über die UdSSR, in seine verschrobene Ideologie passt.
In diesem Zusammenhang möchte ich allen, die an der Wahrheit über Stalin und die Sowjetunion interessiert sind, die Blogs: Red Channel, Kurt Gossweiler-Blog und das Stalin-Archive empfehlen.
Da mein Kommentar zensiert wurde und ich keine Aussicht sah mit diesen selbstgefälligen Sektierern zu diskutieren, schrieb ich noch einen letzten Kommentar:

Verfasst von Sascha Iwanow | 17. März 2019, 17:33
Besser hatte es Chruschtschow auch nicht schreiben können.

Die Antwort der „Linken“ Zeitung ist bezeichnet für den linken Revisionismus dieser Zeitung:

Verfasst von LZ | 18. März 2019, 7:59
„Chruschtschow hat sich in seiner Geheimrede keienswegs von der Liquidierung der revolutionären Führung distanziert, nicht von der Auflösung der Räte, nicht von der Auflösung der Komintern und der Unterordnung der Weltrevolution unter die Erfordernisse der russischen Außenpolitik, nicht von der Theorie der „Partei als monolithischer Block“ und auch nicht von der reraktionären Familienpolitik. Er hat allein die extremen Formen von Stalins Paranoia ab Ende der 30ger Jahre ins Visier genommen.“

Und sowas nimmt von sich in Anspruch, die Arbeiterklasse in eine neue Zukunft führen zu wollen. Dass alles lese ich schon seit Anfang der 1960er Jahre.
Nichts hätten dieser Herren zu Stande gebracht. Die hätten die Oktoberevolution genauso verraten wie es einst Trotzki bei den Verhandlungen zum Brester Frieden getan hat, oder Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow, die wahren Vernichter des Sozialismus in der UdSSR und der völligen Desavouierung der kommunistischen Weltbewegung. Chruschtschow hat die Autorität Stalin für den Revisionismus seiner Clique, diskreditiert, die „Linke“ Zeitung setzt sein Werk fort.
Bezeichnend ist auch der letzte Kommentar der veröffentlich wurde. Wenn man denkt blöder geht es nimmer, kommt ein noch größerer Schwätzer daher. Das dieser Kommentar nicht zensiert wurde, ist bezeichnende für das Unvermögen der Redakteure der „Linken“ Zeitung, die richtigen Erkenntnisse aus der Geschichte zu ziehen.

Verfasst von Politikus | 18. März 2019, 10:34
Vergesst die KPD. Welche Praxis hat die, wo suchen die immer noch ihr Heil?
Die Digitalisierung braucht ein neues Konzept der Arbeitsorganisation.
Es geht darum die Teilung der Arbeit und ihre Folgen aufzuheben.
Das muss aber in einem Prozess erfolgen, der im Heute starten kann.
Dazu ist auch eine neue Form von gesellschaftlichen Eigentum notwendig, die Geld als Kapital von ihrem Herrschaftsanspruch befreit.
Die LZ kennt das Konzept.[sic]
Dann wäre hier mal eine öffentlicher Diskurs möglich.
Ich habe auch das Versagen von Wagenknecht vorhergesagt.
Wer den öffentlichen Diskurs nicht wagt, weckt nicht die Superintelligenz, die im Austausch der Erfahrungen der Massen erwachsen kann!“

Nach dem Durchlesen der Kommentare und dem Feststellen, das in der „Linken“ Zeitung zensiert wird, habe ich mich entschlossen, keine Artikel von dieser Zeitung mehr zu übernehmen und die veröffentlichten Artikel zu löschen.
Leider ist es heute so, dass auf „linken“ Seiten mehr zensiert wird, als auf Seiten des Mainstreams!


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5 Gedanken zu „Wenn heutige „Linke“ über Stalin diskutieren: Oder wie man Kritiker seines eigenen ideologischen Weltbildes, mundtot macht – Teil 3“

  1. Lieber Sascha,
    vielen Dank für Deine Unterstützung bzgl. meiner Kommentare zu obigem Thema bei der „Linken Zeitung“. Nach meinem ersten Kommentar, in welchem ich die KPD als mögliche Wahl eingebracht habe, hatte ein Kommentator darauf, ebenso diese Möglichkeit in Betracht gezogen; sofort hagelte es scharfe Kommentare, wie Du oben beschrieben hast, von der „Linken Zeitung“; es war ziehmlich offensichtlich, dass etwaige weitere Befürwortungen zur KPD unter allen Umständen im Keim erstickt werden sollten, um eben genau mit den üblichen Diffamierungen und Verächtlichmachung den Kommentatoren die Richtung vorzugeben, mit Erfolg. Aus meiner Sicht ist diese sogenannte „Linke Zeitung“ nichts anderes als auch die Partei „Die Linke“, von der sie sich ja nach außen hin vorgibt abzugrenzen. Psychologisch ganz gut gemacht, aber nicht gut genug; spätestens bei den oben genannten Kontroversen fallen die Masken.
    Ich lese mit sehr viel Interesse Deinen Blog, und möchte Dir für die unendliche Mühe danken und vor allem für Deine Standhaftigkeit in allen Deinen Ansichten und Deinem Tun.
    Ich bin kein eingeschreibenes Mitglied in der KPD, aber ich denke in meinem Herzen und in meinem Verstand, kann ich nur das sein.
    Liebe Grüße
    Helga

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    1. Hallo Helga,
      immer wieder gerne, nur nicht mehr bei LZ. Ich schreibe immer:
      Die „linke“ Bewegung hat nach dem Untergang des Sozialismus durch den Revisionismus, zwei Probleme:
      1. den rechten und den linken Revisionismus, und
      2. die rechte und die linke Geschichtsklitterung.
      Die einen verarschen die Menschen mit rechter Demagogie und die anderen mit linker; die einen wollen die Geschichte rechts überholen und die andere links. 98 % der Medien, ob „rechts“ oder „linke“, haben nur die eine Aufgabe, – das Volk zu verblöden, zu indoktrinieren und zu instrumentalisieren. Beide marschieren sie brav im Gleichschritt für den Machterhalt der herrschenden Klasse; beides trägt dazu bei, die Menschen zu verwirren und handlungsunfähig zu machen und, wenn die Menschen einmal handeln, handeln sie kopflos.
      Ich finde es gut das du Mitglied der KPD bist. Nur schmeißt endlich die Revisionisten und Wendehals-Kommunisten raus. Nur eine offene, kritische und selbstkritische Aufarbeitung der Geschichte des Sozialismus und seines Untergangs seit 1956, ermöglichte es der Kommunistischen Bewegung wieder glaubwürdig zu werden und läßt sie bei den Menschen wieder Gehör finden. Wie schrieb Stalin:
      „Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen. Einen Fehler offen zugeben, seine Ursachen aufdecken, die Umstände, die ihn hervorgerufen haben, analysieren, die Mittel zur Behebung des Fehlers sorgfältig prüfen – das ist das Merkmal einer ernsten Partei, das heißt Erfüllung ihrer Pflichten, das heißt Erziehung und Schulung der Klasse und dann auch der Masse.“

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      1. Hallo Sascha,
        vielen Dank für die Antwort; nun ich bin kein Mitglied der KPD, aber ich unterstütze durchaus die kommunistische Grundidee, ich glaube eine andere Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft gibt es nicht; aber ja, du hast recht, die Zerwürfnisse, die starren Ansichten und Kleinkriege, das Leugnen der eigenen Schwächen, hindert viele, die richtigen Lehren aus vergangenen Fehlern zu ziehen.
        Ich bin in der DDR aufgewachsen, ich hätte nie für möglich gehalten eines Tages in einem Staat aufzuwachen, der seine braune Ideologie nie abgelegt hat, ich fühle mich nicht zu Hause, aber vermutlich geht das vielen so. In den 30 Jahren nach der Zerschlagung der DDR kann man feststellen wie sehr die Menschen manipuliert und indoktriniert wurden, wie sie gegeneinander aufgehetzt werden; manchmal wünsche ich mir, ich könnte zaubern und alles rückgängig machen.
        Liebe Grüße
        Helga

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        1. Hallo Helga,
          ja, da gebe ich dir Recht, „die Zerwürfnisse, die starren Ansichten und Kleinkriege, das Leugnen der eigenen Schwächen, hindert viele, die richtigen Lehren aus vergangenen Fehlern zu ziehen.“ Ich muss noch hinzufügen, und das ist das Schlimmste, adäquat auf die Angriffe der Bourgeoisie und ihren Vasallen, auf den Sozialismus, zu reagieren.
          Wenn man sich, 30 Jahre nach dem Untergang des Sozialismus, immer noch hinstellt und lapidar schreibt: „die DDR war das Beste, was die deutsche Arbeiterklasse hervorgebracht hat“, was ja stimmt, nicht aber erklärt wie es zum Untergang des „Besten, was die deutsche Arbeiterklasse hervorgebracht hat“, gekommen ist, wird die Kommunistische Idee keine Chance mehr haben, wieder die gleiche Kraft zu bekommen, wie sie 1917 schon einmal hatte. Es reicht eben nicht mehr aus, dem Menschen zu sagen, schuld am Untergang des Sozialismus war der Klassenfeind, Gorbatschow und eine Konterrevolution 1989.
          Wenn man den Menschen nicht die Wahrheit sagt, dass nämlich der Untergang des Sozialismus mit dem Chruschtschowschen Revisionismus begann (mit der Verteufelung Stalins); Ulbricht, Pieck und viele andere Kommunisten, besonders der KP Chinas und Albaniens, sich noch gegen diesen Revisionismus gewehrt haben, aber keine Chance hatten, in Abhängigkeit von der Sowjetunion, ist man unglaubwürdig. Wenn man den Menschen nicht sagt, dass dieser Revisionismus zu Beginn der 1970 Jahre im ganzen sozialistischen Lage gesiegt hatte, auch in der DDR, und damit die Zerstörung des Sozialismus durch eine falsche revisionistische Politik, vor allen Dingen einer falschen revisionistischen Wirtschaftspolitik, trotz sozialistischer Produktionsverhältnisse und sozialistischer Partei, zerstört wurde, wird es keine Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft geben. Man kann einen Untergang nicht mit einer Erfolgsgeschichte, bis zum Schluss rechtfertigen. Das ist linker Revisionismus und linke Geschichtsklitterung
          Auch ich bin in der DDR aufgewachsen. Im Gegensatz zu dir, war ich jedoch schon Mitte der 1960er Jahre überzeugt, dass ich einmal in einer kapitalistischen Gesellschaft aufwachen werden. (aber das ist eine andere Geschichte).
          Ja die Menschen wurden und werden manipuliert und indoktriniert. Das Schlimme ist, von beiden Seiten.

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