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Rezension eines Mitglieds des PV der Deutschen Kommunistischen Partei über das Buch „Der Donbass in der weltweiten Konfrontation: ein klassenbezogener Ansatz“


Rezension eines Mitglieds des PV der Deutschen Kommunistischen Partei über das Buch „Der Donbass in der weltweiten Konfrontation: ein klassenbezogener Ansatz“

dkp

Das Buch behandelt die Ereignisse im Donbass – und nicht nur diese — aus Sicht eines Kommunisten aus der Donezker Volksrepublik. Der Autor Stanislaw Retinskij ist Sekretär des ZK der Kommunistischen Partei der DVR, einer Partei, deren Mitglieder bei der Gründung der DVR eine wichtige Rolle gespielt haben, von der Organisation der Aktionen und des Referendums bis zur Formulierung der grundlegenden Dokumente und leitenden Funktionen im ersten Parlament, und die heute der am besten organisierte Teil der linken Bewegung in der DVR ist und einen wesentlichen Beitrag zur Organisation internationaler Solidarität mit den Republiken des Donbass leisten.

Der Autor geht auf die Ereignisse im Donbass und der Ukraine seit 2014 und deren Vorgeschichte vom marxistischen Standpunkt aus ein und stellt weitreichende Überlegungen zu deren antioligarchischem – kleinbürgerlichen – Klassencharakter an, der sie von vorhergehenden „separatistischen Bestrebungen“ in der Region nach der Auflösung der Sowjetunion deutlich unterscheidet.

Dabei greift der Autor in der Analyse der Situation historisch weit zurück, auf die Bedeutung des Donbass in der Sowjetunion und nach deren Auflösung. Er behandelt auch deren internationale Einbindung, die Interessen der USA, der EU, die Rolle der Russischen Föderation und die Bedeutung des Donbass im weltweiten antiimperialistischen Kampf, wobei in diesem Zusammenhang auch auf Länder wie Venezuela, Kuba und Syrien eingegangen wird.

In einigen Kapiteln geht es, auch anhand eigener Erfahrungen des Autors, um die linke Solidaritätsbewegung mit dem Donbass am Beispiel Deutschlands, Italiens und der Türkei.

Das Buch beschränkt sich jedoch nicht auf das Geschehen im Donbass. Ausgehend davon behandelt es mit Bezug auf marxistische Theoretiker von Lenin über Lukács bis Gramsci das Verhältnis von Partei und Klasse und die Entstehung von Klassenbewusstsein. Ein weiterer sehr interessanter Teil des Buches behandelt Fragen der Ökonomie im Sozialismus, die Diskussionen in der Sowjetunion über Alternativen zu den Ware-Geld-Beziehungen und zu den Kossyginschen Reformen unter anderem in Form eines gesamtstaatlichen automatisierten Systems zur Datenerhebung und -verarbeitung.

Während bei den Überlegungen zum Charakter des Konflikts im Donbass zu Beginn des Buches auch auf die innerparteiliche Diskussion zu dieser Frage in der KP der DVR eingegangen wird, geht Stanislaw Retinskij zum Schluss auf einige andere Autoren ein, die den Donbass im Kontext internationaler Konfrontation behandeln.

Beim Lesen des Buchs werden viele Fragen beantwortet, aber es stellen sich auch neue, die Stoff für weitere fruchtbare Diskussionen bieten.

Im ganzen bietet das Buch Stanislaw Retinskijs neben vielem anderen Interessanten eine wichtige marxistische Analyse des Geschehens im Donbass und macht auch deutlich, warum für Kommunisten und Linke die Solidarität mit dem kämpfenden Donbass nach wie vor so wichtig ist.

Renate Koppe, Mitglied des Parteivorstands der DKP

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