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Offener Brief an die Redaktion der Roten Hilfe Zeitung (RHZ) – ein Diskussionsbeitrag


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Offener Brief an die Redaktion der Roten Hilfe Zeitung (RHZ) – ein Diskussionsbeitrag

Karsten Schönsee (hier) übernahm auf seinem Blog maoistdazibao, den Artikel der Kommunistischen Organisation (KO) (hier) mit der Überschrift: „Offener Brief an die Redaktion der Roten Hilfe Zeitung (RHZ).“
Meine Antwort zu den Artikeln der KO und der Roten Hilfe Zeitung, möchte ich hier veröffentlichen und zu Diskussion stellen.

Der Artikel ist zwar unter der Rubrik Diskussion, in der Kommunistischen Organisation (KO) erschienen; dort ist aber keine Diskussion möglich. Also versuche ich es hier, in der Hoffnung, dass mein Kommentar doch irgendwie zur KO gelangt.

Ich selbst war über die Artikel der Roten Hilfe Zeitung erschrocken und wütend, doch nicht überrascht, so etwas zu lesen. Dass das Anti-Kommunismus in Vollendung ist, steht außer Frage.

Doch wie wird auf diesen Anti-Kommunismus geantwortet? Mit der Wahrheit, mit Teilwahrheiten oder gar mit der Unwahrheit? Jetzt wird, zu mindestens der Verfasser schreiben: mit der Wahrheit.

Doch was ist die Wahrheit? Ist es die Wahrheit, dass der Sozialismus in der DDR bis in den Herbst 1989 ein blühender und erfolgreicher Aufbau des Sozialismus war, der dann durch eine Konterrevolution des Imperialismus, innerhalb kürzester Zeit, im Herbst 1989, zerstört wurde, wie immer wieder suggeriert wird?

Oder ist es die Wahrheit, wie ich es immer wieder schreibe und bei Gossweiler nachzulesen ist, dass mit Chruschtschow der Revisionismus in der Sowjetunion 1956 auf dem XX. Parteitag, erstmalig öffentlich in Erscheinung getreten ist; dieser von Breshnew nicht beende wurde, – denn schon Breshnew kehrte nicht auf den Leninschen Kurs (Gossweiler) zurück, – und Gorbatschow den Chruschtschowschen Revisionismus dann vollendete.

„Der XX. Parteitag war eine entscheidende Zäsur in der Geschichte der Sowjetunion, aber auch der ganzen kommunistischen Weltbewegung. Er vollzog den Bruch mit dem Leninismus und den Übergang auf die Position des Revisionismus in entscheidenden Fragen, dies aber unter der Flagge der „Rückkehr zu Lenin“.“
(Kurt Gossweiler, Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus, http://kurt-gossweiler.de/?p=757#more-757)

„Er (Chruschtschow) hat erreicht, dass die KPdSU in diesen elf Jahren aus der führenden marxistisch-leninistischen Partei in ein Führungszentrum der revisionistischen Zersetzung der kommunistischen Weltbewegung verwandelt wurde, deren gesunde marxistisch-leninistischen Kräfte nicht mehr die Kraft aufbrachten, nach Chruschtschows Sturz die Partei wieder auf den Weg Lenins zurückzuführen.“
(Kurt Gossweiler, Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR (http://kurt-gossweiler.de/?p=759)

„Aber dennoch ist es Tatsache, dass der Kurs der Chruschtschow-Gruppe von 1953 an bis zum Sturz Chruschtschows im Oktober 1964 der Kurs der KPdSU blieb, und selbst danach wurde seine Absetzung nicht damit begründet, dass er eine falsche, dem Marxismus-Leninismus(!) zutiefst zuwiderlaufende Politik betrieben hatte, – was der Wahrheit entsprochen hätte und notwendig gewesen wäre, wenn man auf den Leninschen Kurs hätte zurückkehren wollen. […]
In den folgenden Tagen wurde von der Parteiführung, – an deren Spitze mit Leonid Breschnew der Mann gestellt worden war, den schon Chruschtschow selbst als seinen Nachfolger ins Auge gefasst hatte, – nachdrücklich betont, dass sich die Partei weiterhin von den Beschlüssen des XX. Parteitages und der nachfolgenden Parteitage, – die alle den Stempel Chruschtschows trugen – leiten lassen werde. Später geübte Kritik an Chruschtschow beschränkte sich auf den Vorwurf des „Subjektivismus“ und der „Tendenzen des Personenkults“.
(Gossweiler, ebenda)

„Aber nicht nur in diesem Fall liegt die Wurzel des „Gorbatschowismus“ (hier muss man einfügen: auch der Breshnewismus) im „Chruschtschowismus“.
Der Chruschtschowismus ist der Breshnewismus der sechziger und siebziger Jahre, wie der Gorbatschowismus der Chruschtschowismus der achtziger/neunziger Jahre ist. (angelehnt an Kurt Gossweiler)

Ist nicht auch das die Wahrheit, dass in der DDR von 1945 bis Angang der 1970er Jahre der Sozialismus, trotz der revisionistischen Entwicklung in der Sowjetunion, sehr erfolgreich aufgebaut wurde, dann aber auch hier der sowjetische Revisionismus siegte und die Zerstörung des Sozialismus, nun auch in der DDR stattfand, trotz aller Erfolge?

Eine falsche, die sozialistische Wirtschaft überfordernde revisionistische Wirtschaftspolitik, ist wie Doping im Sport: kurzfristige Erfolge, aber langfristig zerstörerische Niederlagen.

Und ist es nicht auch das die Wahrheit, dass der Sozialismus, mit seiner sozialistischen Wirtschaft, die es zweifelsohne bis 1989 in allen sozialistischen Ländern gegeben hat, durch eine revisionistische Politik zerstört wurde.

Die Frage ist also, welchen Sozialismus, und damit welche DDR (diese Frage muss so scharf gestellt werden), will ich verteidigen? Die sozialistische DDR bis 1971 oder die revisionistische DDR bis 1989.

Ich glaube mit der Beantwortung dieser Frage, beginnt eine zielführende, eine gerechte Verteidigung und eine dem heutigen Menschen nützende Verteidigung der DDR. Eine glorifizierende Verteidigung der DDR, halte ich für kontraproduktive, ja sogar für eine schädliche Verteidigung, – weil sie dem Klassenfeind immer wieder Angriffspunkte und damit Themen bietet, den Sozialismus im Ganzen, nicht den Revisionismus, in Frage zu stellen. Wir sollten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben!

„Die Hauptursache (für den Niedergang des Sozialismus) habe ich schon genannt: Die wirtschaftliche Entwicklung erfüllte nicht die Erwartungen der Leute und die Versprechungen der Partei. Statt stetigem Aufschwung trat von einem bestimmten Punkt an ein Abschwung ein, verschlechterte sich die Versorgung, gab es auf bestimmten Gebieten doch Preiserhöhungen, verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen in den Betrieben, wurden zwar auf der einen Seite viele neue Wohnungen gebaut, wurde aber auf der anderen dem Verfall der Altbausubstanz kein Einhalt geboten, kurzum, das Leben wurde statt leichter und reicher – belastender und ärmer. Das alles wäre aber noch zu ertragen gewesen, wenn die Partei den Menschen offen die Ursachen für diese negative Entwicklung dargelegt und mit ihnen darüber beraten hätte, wie man die Situation meistern könnte.
Doch die Parteiführung ging einen anderen Weg. Sie ließ über die Medien verbreiten, dass alles in Ordnung sei, dass die Pläne erfüllt und übererfüllt würden, dass das Land von Erfolg zu Erfolg schreite – kurz, zwischen dem, was die Menschen tagtäglich im Betrieb, auf den Straßen, in den Läden und Verkehrsmitteln erlebten, und dem, was ihnen abends vom Bildschirm in den Nachrichten entgegentrat, klaffte ein Abgrund. Die Medienpolitik der Partei musste die Menschen empören, weil sie sich nicht nur belogen, sondern auch veralbert, nicht ernst genommen sahen. Sie verloren das Vertrauen zur Partei, die ihnen nicht die Wahrheit sagte, und öffneten nicht nur ihre Ohren, sondern schenkten auch ihren Glauben den Westmedien, deren Berichte über den DDR-Alltag in vielem dem, was sie kannten, näherkam, als die eigenen Sender.
Wie schrecklich weit Erich Honecker dem Denken und Fühlen der DDR-Bürger und von denen insbesondere der Jugend entfernt war, wurde besonders deutlich, als er zu einem Jahrestag des 13. August 1961, dem Tag der Errichtung der „Mauer“ in Berlin, erklärte, die Mauer werde „noch 100 Jahre stehen“, wenn nötig. Er, der einst an der Spitze der Jugendorganisation der Freien Deutschen Jugend gestanden hatte, hatte keinerlei Empfinden dafür und offenbar auch keine Kenntnis davon, dass die DDR-Jugend der 80er Jahre die Mauer längst nicht mehr als Schutzwall empfand, sondern als eine Gefängnismauer, die sie lieber heute als morgen beseitigt sehen würde.
Die Kluft zwischen Partei und breiten Teilen des Volkes war groß geworden, und auch in der Partei selbst verlor die Parteiführung immer mehr an Vertrauen bei den einfachen Mitgliedern. […]
Der Sozialismus in Europa wurde in einem über 40-jährigen Kalten Krieg von außen in einer fast 40-jährigen Kombination mit einer vom Zentrum (Moskau) ausgehenden Zersetzungsarbeit im Innern zuerst an seiner Entfaltung gehindert, dann gelähmt und seiner wichtigsten Kraft, der Unterstützung durch die Massen, beraubt, um dann in diesem Zustand von der früheren Schutzmacht an den Imperialismus ausgeliefert zu werden.
Die Konterrevolution fand nicht an einem Tage, sondern 40 Jahre lang statt. Die Demonstranten des 4. November waren zwar von der Konterrevolution in Bewegung gesetzt – aber sie waren nicht die Konterrevolution. […]
Für den Neubeginn der Sozialisten wäre dies (die gewaltsame Niederschlagung der Demonstrationen 1989) eine Katastrophe gewesen, für die Sieger von heute aber ein unschätzbares Geschenk, hätte es ihnen doch die Glorifizierung ihrer brutalen Kolonisierungspraxis ebenso erlaubt wie die Rechtfertigung einer grausamen Abrechnung mit allen, die, in welcher Form auch immer, für die Deutsche Demokratische Republik eingetreten waren und sie verteidigten.
Bleibt als Allerletztes die Frage: War die Niederlage des Sozialismus unvermeidlich?
Nein, sie war nicht unvermeidlich, wenn die Marxisten-Leninisten den Vorstoß des Revisionismus im Keim erstickt hätten, also schon bei der Rehabilitierung Titos oder auf dem XX. Parteitag der KPdSU. Allerspätestens hätte bei der Absetzung Chruschtschows 1964 dessen wahre Rolle offengelegt werden müssen.
Ja, die Niederlage war unausweichlich, weil den Revisionisten erlaubt wurde, die Parteiführung zu erobern und in ihr zu verbleiben. Denn der Kampf gegen den Imperialismus kann nur erfolgreich geführt werden, wenn er im eigenen Lager keine Verbündeten findet.
Es wird lange dauern, bis diese Wahrheit wieder Allgemeingut aller Kommunisten geworden sein wird.
Es ist unsere Aufgabe, diesen Prozess zu beschleunigen, damit die kommunistische Bewegung wieder eine geschichtsmächtige Kraft wird, noch bevor der Imperialismus die Menschheit in den Untergang getrieben hat.“
(Kurt Gossweiler, Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus, http://kurt-gossweiler.de/?p=757#more-757)

In dieser Arbeit führt Kurt Gossweiler viel Hauptlinien an, die den Revisionismus kennzeichnen:

  • Die erste Hauptlinie: Klassenversöhnung statt Klassenkampf
  • Die zweite Hauptlinie: Die Propagierung des Imperialismus als Vorbild für die Gestaltung des Sozialismus
  • Die dritte Hauptlinie: Der Austausch von Freund- und Feindbild
  • Die vierte Hauptlinie: Die Zerstörung des kommunistischen Parteibewusstseins

Mit der vierten Hauptlinie: Die Zerstörung des kommunistischen Parteibewusstseins, möchte ich noch einmal auf die Artikel der Roten Hilfe Zeitung zurückkommen. Ich schrieb oben, dass „ich erschrocken und wütend, doch nicht überrascht war, so etwas zu lesen“. Diese Artikel sind, nach meiner Meinung, das Resultat der Zerstörung des kommunistischen Parteibewusstseins in der Vergangenheit und der Unmöglichkeit, „die kommunistische Bewegung wieder zu einer geschichtsmächtigen Kraft“, zu machen.

(s.a.: Die Überwindung des Anti-Stalinismus – Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der kommunistischen Bewegung als einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Bewegung (http://kurt-gossweiler.de/?p=763)

Ich möchte, aus meiner Sicht, auf den Antisemitismus-Vorwurf und auf die Frage: Wer sind eigentlich „linke Oppositionelle“? aus eigenem Erleben und als Bürger der DDR, eingehen.

Mit Politik zu beschäftigen, begann ich mich Anfang der 1960er Jahre. „Lehrmeister“ wurden Kommunisten, wie die, die man in diesem Erwiderungsartikeln als „linke Oppositionelle“ bezeichnet. Diese gab es tatsächlich und es reicht eben nicht aus, zu schreiben:

„Doch auch wenn man den Begriff der „linken Opposition“ nicht so weit dehnen würde, wie ihr es tut, bleibt die Frage wer eigentlich gemeint ist, d.h. gegen wen sich die Repression in der DDR eigentlich richtete. Und es zeigt sich, dass es genau der „strömungsübergreifende Charakter“ ist, der ein wissenschaftlich korrektes Verständnis der Repression in der DDR verunmöglicht. Repression wird allgemein und immer als etwas Negatives, moralisch Falsches verstanden – nicht jedoch als etwas, was einen eindeutig bestimmbaren Klassencharakter hat.“

Nun, ich möchte doch einmal den „antikommunistische, „strömungsübergreifende“ Grundkonsens, der ein wissenschaftlich korrektes Verständnis der Repression in der DDR verunmöglicht“, einmal eingrenzen und fragen, waren die „linken Oppositionellen“ der DDR Antikommunisten?

Die Frage, ob die DDR bis zum Ende sozialistisch war, habe ich versucht, oben mit Zitaten von Kurt Gossweiler, zu beantworten. Um es noch einmal zusammenzufassen: Die DDR war, nach meiner Meinung, bis zum Ende – wirtschaftlich -, ein sozialistischer Staat, – politisch – macht sich aber immer mehr der Revisionismus der KPdSU breit (die führende Partei im sozialistischem Lager; es gab keine Brüderlichkeit), der schließlich und letztendlich zur offenen Konterrevolution und zum Untergang der UdSSR, der DDR und des ganzen sozialistischen Lagers führt.

Diese, in meinen Augen, historischen Tatsachen, werden von viele nicht zur Kenntnis genommen bzw., aus welchen Gründen auch immer, – einfach geleugnet und verschwiegen. Die Konterrevolution begann schon auf dem XX. Parteitag 1956 und nicht erst im Herbst 1989. Allein diese Thatsache verdeutlicht das völlige Versagen der Kommunistischen Bewegung!

Wenn man in diesem Artikel über „linke Oppositionelle“ von einem „antikommunistischen, „strömungsübergreifende“ Grundkonsens schreibt, so ist das einfach unmarxistisch-leninistisch und führt zu einem unwissenschaftlich, unkorrekten Verständnis der Repressionen in der DDR, um nicht zu schreiben eine Lüge, seitens der heutigen Revisionisten. Hier werden wirklichen Marxisten-Leninisten-Stalinisten in einem Topf mit Antikommunisten, Feinde der DDR und Faschisten geworfen und in revisionistischer Art und Weise, diffamiert.

Der Revisionismus im sozialistischen Lager, auch der Revisionismus in der DDR seit 1971, war der Klassenfeind und nicht die Kommunisten, die die Abweichung vom Marxismus-Leninismus, vom „Leninschen Kurs“, – den Stalin so erfolgreich gegangen ist, – verurteilten. Gegen diese Kommunisten richteten sich auch die Repressalien der Revisionisten – bis heute. – Ich weiß von was ich schreibe!

Alle Kommunisten, die freiwillig aus der Partei ausgetreten waren, oder nach der „Überprüfungen“ kein Parteibuch mehr erhielten, gehören zu der „linke Oppositionelle“. Sie waren nicht gegen den Marxismus-Leninismus-Stalinismus, – für sie immer eine Einheit, – sondern gegen den einsetzenden Chruschtschow-Revisionismus. Wie man in der DDR mit Stalin umgegangen ist, sollte allumfassend bekannt sein. Erinnert sein nur an die Stalin-Allee und an Stalinstadt.

Deshalb sollte man die Überprüfung in Anführungszeichen gesetzt, weil sich keiner der Kommunisten in irgendeiner Weise schuldig, dem Marxismus-Leninismus-Stalinismus gegenüber, gemacht haben. Alle die ich kannte hatten Schwierigkeiten, traten aus der Partei aus und wurden rausgeschmissen, weil sie 1. die Verdammung Stalins nicht mitmachen wollten, oder 2. die Parteilinie, des einsetzenden Revisionismus, kritisierten und drittens, auf keinen Fall, weil sie Juden waren. Von Antisemitismus zu schreiben, ist schlicht weg Blödsinn, denn den gab es nicht.

Wie geschrieben – alle die ich kannte.
Das eine Überprüfung der Genossen aus den angeführten Gründen notwendig war, steht außer Frage, dass dabei auch Kritiker der Parteilinie, die seit 1956 immer stärkere Züge des Revisionismus trug, mit „entsorgt“ wurden auch.
Anfang der 1970er Jahre lernte ich einen sowjetischen Kommunisten kennen, der bei einem Genossen zu Besuch war. Sie kannten sich aus dem KZ. Dieser sowjetische Kommunist erzähle, dass er die gleichen Erfahrungen gemacht hatte. Er wurde auch aus der Partei rausgeschmissen, weil dieser z.b. die Parteilinie, die zum Zerwürfnis mit der KP China und Albaniens führt, uvm., kritisiert hatte.

Wo ich bei den Repressionen angekommen bin.

Nur der sowjetische Kommunist hatte unter Repressalien zu leiden. Die sowjetischen Revisionisten waren in dieser Hinsicht wohl nicht zimperlich, als ihre deutschen „Genossen“, nach 1971.

Von den mir bekannten Kommunisten, wurde keiner repressiert. 1. waren alle VVN und zweit, Juden. Man ignoriert sie einfach. Wurden sie früher noch hofiert, änderte sich das mit dem Austritt oder Rauswurf. Ihre Argumente wurden einfach nicht mehr zu Kenntnis genommen, also begannen sie zu schweigen.

Wie erging es mir persönlich? Sah ich mich auch als einen „linken Oppositionellen“?

Kurze Antwort: ja, denn gegen den Revisionismus kann man nur ein „linker Oppositioneller“ sein, oder man macht sich schuldig, aktiv oder als schweigendes Mitglied. Womit ich nicht alle Parteimitglieder als Revisionisten abstempeln will. Ich habe viele ehrliche Parteimitglieder kennengelernt, vor allem in den bewaffneten Organen und des MfS.

Durch den Einfluss dieser Kommunisten wurde ich zu einen Marxisten-Leninisten, – zu einem Stalinisten. Worauf ich heute noch stolz bin, trat doch alles das 1989 ein, worüber wir damals, noch wage und unbestimmt, diskutierten und das Kurt Gossweiler und andere, nach 1989 so treffend, zwar nicht vollständig, analysierte, formulierte und veröffentlichte. Doch auch ich musste schweigen.

All diese Erfahrungen gehören zu meinem Geschichtsbild der DDR. Würde ich die DDR gegen die Angriffe des Imperialismus verteidigen – ohne Frage und selbstverständlich. Für mich gilt noch immer der abgelegt Fahneneid, aber nicht um den Preis, die Geschichte zu klittern.

Stalin schrieb einmal:

„Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen. Einen Fehler offen zugeben, seine Ursachen aufdecken, die Umstände, die ihn hervorgerufen haben, analysieren, die Mittel zur Behebung des Fehlers sorgfältig prüfen – das ist das Merkmal einer ernsten Partei, das heißt Erfüllung ihrer Pflichten, das heißt Erziehung und Schulung der Klasse und dann auch der Masse.“

„Schließlich lehrt die Geschichte der Partei, daß die Partei der Arbeiterklasse ohne umfassende Verbindungen mit den Massen, ohne ständige Festigung dieser Verbindungen, ohne die Fähigkeit, auf die Stimme der Massen zu lauschen und ihre brennenden Nöte zu verstehen, ohne die Bereitschaft, nicht nur die Massen zu belehren, sondern auch von ihnen zu lernen, keine wirkliche Massenpartei sein kann, die fähig ist, die Millionen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen zu führen.“

Und Lenin betont:

„Alle revolutionären Parteien, die bisher zugrunde gegangen sind, gingen daran zugrunde, daß sie überheblich wurden und nicht zu sehen vermochten, worin ihre Kraft bestand, daß sie fürchteten, von ihren Schwächen zu sprechen. Wir aber werden nicht zugrunde gehen, weil wir nicht fürchten, von unseren Schwächen zu sprechen, und es lernen werden, die Schwäche zu überwinden.“
(Lenin: „XL Parteitag der KPR(B). Schlußwort zum politischen Bericht des ZK der KPR(B)“, 1922, Werke Band 33, S. 297; zitiert a. a. O., S. 450.)

Das die kommunistische Bewegung es wieder lernt, diese Schwächen zu überwinden, sollte sie mit realistischen Argumenten, die DDR verteidigen, womit ich nicht schreiben will, dass viele Argumente nicht realistisch sind.

PS: Ich bin nur ein einfacher Arbeiter, der es nicht gegeben ist, die Gedanken so geschliffen wie in diesem Artikel, zu Papier zu bringen. Trotzdem, vielleicht sind meine Gedanken doch, für den einen oder anderen es wert, über meine Sichtweise einmal nachzudenken.

In der Hoffnung, nicht auch als Anti-Kommunist abgestempelt zu werden. Als „nicht linientreu“, was immer das heißen mag, galt ich schon in der DDR.

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