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Kleines Politische Wörterbuch: Was ist denn nun der so oft beschworene Revisionismus?


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Der Revisionismus marschiert seit dem XX. Parteitag 1956

Was ist denn nun der so oft beschworene Revisionismus?

Da mir immer wieder diese Frage gestellt wird, hier die Antwort aus dem „Kleines Politische Wörterbuch“, Dietz-Verlag Berlin, 1988. (Es ist interessant wie man noch 1988, ein Jahr vor dem Untergang des Sozialismus, politisch dachte.)

Revisionismus: Strömung des ->Opportunismus in der Arbeiterbewegung, deren Besonderheit darin besteht, daß sie ein ganzes System der Revision des Marxismus (später des ->Marxismus-Leninismus) zur theoretischen Begründung der opportunistischen Politik entwickelt sowie die Errungenschaften des Sozialismus entstellt und negiert.

Der Revisionismus fordert eine Korrektur der theoretischen und politischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus mit dem Ziel, den revolutionären Inhalt der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse zu beseitigen und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen.

Der Revisionismus ist eine internationale Erscheinung, die sich beim Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus in der Arbeiterbewegung herausbildete. Er ist die opportunistische Reaktion bestimmter kleinbürgerlicher bzw. kleinbürgerlich beeinflusster Schichten in der Arbeiterbewegung, insbesondere der vom Imperialismus korrumpierten, privilegierten Teile der Arbeiterklasse – der ->Arbeiteraristokratie und -bürokratie -, auf die Verschärfung des Klassenkampfes und die neuen Bedingungen des Kampfes um den Sozialismus in der Epoche des ->Imperialismus.

Seinem Klassencharakter nach ist er das Produkt, des Einflusses der bürgerlichen Ideologie auf die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung. Der Siegeszug des Marxismus in der internationalen Arbeiterbewegung zwang seine Gegner in der Arbeiterbewegung, sich marxistisch zu maskieren, um die Ideen des Marxismus zu bekämpfen. Zum „Stammvater“ des Revisionismus wurde der deutsche Sozialdemokrat E. Bernstein, der alle grundlegenden Prinzipien und Thesen des Marxismus unter dem Vorwand seiner Ergänzung und Weiterentwicklung revidierte. Die materialistische Weltanschauung wurde durch den Neukantianismus und den Empiriokritizismus, die revolutionäre Dialektik durch einen flachen Evolutionismus ersetzt.

Der Revisionismus leugnet die von K. Marx und F. Engels nachgewiesenen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Entwicklung. Es wird behauptet, die Monopole schwächten den Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit ab und führten zu einer Milderung der Klassengegensätze. An die Stelle der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung müsse die evolutionäre Durchdringung des Kapitalismus durch den Sozialismus, das friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus, treten.

Der Revisionismus verneint die Lehre vom ->Klassenkampf und von der -> Diktatur des Proletariats: Der bürgerliche Staat sei kein Organ der Klassenherrschaft der Bourgeoisie, sondern klassenindifferent; der Ausbau der bürgerlichen Demokratie wurde zur vorrangigen Aufgabe der Arbeiterbewegung erklärt. Das Wesentliche des Revisionismus ist also, daß er den Marxismus durch bürgerliche Anschauungen verwässert, ihn teils völlig durch sie ersetzt und damit der revolutionären Arbeiterbewegung das theoretische Fundament ihres Kampfes für die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft und den Aufbau des Sozialismus nimmt.

Die revisionistischen Thesen wurden jedoch durch die Geschichte selbst widerlegt: durch die kapitalistischen Wirtschaftskrisen, durch die ->allgemeine Krise des Kapitalismus, durch die demokratischen und nationalen Revolutionen, durch die ->Große Sozialistische Oktoberrevolution und das Entstehen des ->sozialistischen Weltsystems nach dem zweiten Weltkrieg.

Der Revisionismus war daher gezwungen, sich der veränderten Lage anzupassen. Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution richtete er seine Angriffe verstärkt gegen die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie und Staatslehre. Der sozialistischen Demokratie stellte er die Forderung nach einer fiktiven „reinen“ Demokratie gegenüber. Der sozialistischen Planwirtschaft begegnete er mit der Theorie von der „Wirtschaftsdemokratie“. Er schloß sich dem Antisowjetismus und ->Antikommunismus zunächst in der Weise an, daß er die Lehren W.I. Lenins dem Marxismus entgegenstellte und verunglimpfte und versuchte, den Leninismus und den Sozialismus als „rein russische Angelegenheit“ abzutun.

Als sich nach dem zweiten Weltkrieg das sozialistische Weltsystem herausbildete und der Kapitalismus in die dritte Etappe seiner allgemeinen Krise eintrat, war auch über diese Version des Revisionismus das Urteil gesprochen. Dem zunehmenden Einfluss der sozialistischen Länder und der kommunistischen Parteien tritt der Revisionismus mit einer politischen Taktik der Differenzierung und Aufweichung entgegen. Er nimmt immer mehr offen konterrevolutionäre Positionen gegenüber dem Sozialismus ein. Eine Hauptthese des heutigen Revisionismus ist die von der gegenseitigen Annäherung (Konvergenz) von Kapitalismus und Sozialismus.

Mit Hilfe der Konvergenztheorie versucht der Revisionismus, die Einheit der ->internationalen kommunistischen Bewegung zu untergraben, und wendet sich gegen die historische Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei im Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus, gegen die Leninschen Normen des Parteiaufbaus, vor allem gegen den ->demokratischen Zentralismus, wie auch gegen den proletarischen Internationalismus und öffnet damit der Konterrevolution Tür und Tor.

Dieser Politik entsprechen solche Thesen im Arsenal des „modernen“ Revisionismus wie die von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution als einem national begrenzten Ereignis in einem rückständigen Land, das keine Allgemeingültigkeit besäße; vom Vorhandensein objektiver unüberwindlicher Widersprüche zwischen den sozialistischen Staaten als beständig und gesetzmäßig wirkende Faktoren; von einem objektiven Widerspruch zwischen der sich entwickelnden Basis und einem sich angeblich nicht entwickelnden Überbau als dem Grundwiderspruch der sozialistischen Gesellschaft. Durch eine „Erneuerung“ soll ein „echter“, „demokratischer“, „humaner Sozialismus“ entstehen, der dem ->wissenschaftlichen Sozialismus von Marx, Engels und Lenin entgegengesetzt wird. Dazu wird – ausgehend von der illusionären Vorstellung von der Möglichkeit einer Demokratie „an sich“ – nach dem Muster der bürgerlichen Demokratie und unter Ignorierung des Inhalts der sozialistischen Demokratie eine quantitative „Erweiterung“ bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten gefordert und einem ->Pluralismus in Partei, Staat, Wirtschaft und Ideologie das Wort geredet, der unter sozialistischen Verhältnissen einzig und allein dazu dienen soll, die Macht der Arbeiterklasse und die führende Rolle ihrer Partei zugunsten konterrevolutionärer Interessen und Ideologien zurückzudrängen. Gelingt es ihm, in sozialistischen Ländern Einfluss zu gewinnen, untergräbt er die sozialistische Staatsmacht, das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln und die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei. Hier wird sein offen konterrevolutionärer Charakter besonders deutlich.

Der „moderne“ Revisionismus verfälscht das Verhältnis zwischen Arbeiterklasse und Intelligenz unter den Bedingungen der ->wissenschaftlich-technischen Revolution. An die Stelle des Bündnisses von Arbeiterklasse und Intelligenz solle ein neuer historischer Block treten, in dem die Intelligenz und andere »Eliten« die führende Rolle haben sollen. Der konsequente und beharrliche Kampf gegen den Revisionismus ist eine ständige grundlegende theoretische und ideologische Aufgabe aller marxistisch-leninistischen Parteien. ->Reformismus.

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Der Totentanz des Sozialismus hatte begonnen – bis er 1989/91 zu Grabe getragen wird

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