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Kleines Politisches Wörterbuch: Was ist Ideologie?


Kleines Politisches Wörterbuch: Was ist Ideologie?

ideologie

Ideologie: System der gesellschaftlichen (politischen, ökonomischen, philosophischen, künstlerischen, religiösen usw.) Ideen, die durch die materiellen Verhältnisse der Gesellschaft, insbesondere die -> Produktionsverhältnisse, bedingte Klasseninteressen zum Ausdruck bringen und darauf gerichtet sind, das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen entsprechend zu beeinflussen, und in entsprechenden Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen ihren Ausdruck finden.

Die Ideologie trägt Klassencharakter. „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“ (MEW, 3, S. 46.)

Die Ideologie einer Klasse ist nach Inhalt und Form durch deren Stellung in einer historisch bestimmten Gesellschaft – vor allem durch ihr Verhältnis zum Eigentum an den Produktionsmitteln – bedingt. Allgemein gilt, daß alle vorsozialistischen Ideologie nur in gewissen Grenzen – die der Klassenpolitik entsprechen – eine richtige Widerspiegelung der objektiven gesellschaftlichen Verhältnisse sind und zugleich mit Elementen der Verzerrung, der Illusionierung und der apologetischen Rechtfertigung dieser Verhältnisse verbunden sind.

In der Ideologie der aufstrebenden Bourgeoisie wird beispielsweise ihr eigenes Klasseninteresse als Interesse der gesamten Gesellschaft ausgegeben. Die Verwirklichung ihrer Klassenziele erscheint als Realisierung des Interesses aller unterdrückten Klassen und Schichten. In dem Maße, wie die zur Herrschaft gelangte Ausbeuterklasse zum Hemmnis weiterer gesellschaftlicher Entwicklung wird, dient die Ideologie dazu, ihre überlebte Herrschaft zu verteidigen, indem sie die sich herausbildende Ideologie der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen bekämpft und die bestehenden Verhältnisse als ewig und unveränderlich erklärt.

Die Ideologie der Arbeiterklasse (Klasse der Lohnabhängigen) ist zum Unterschied von allen anderen Ideologien wissenschaftlich begründet, offen parteilich und eine Anleitung zum praktisch-revolutionären Handeln. Sie bringt in theoretischer Form die historische Aufgabe der Arbeiterklasse zum Ausdruck: die kapitalistische Gesellschaft und damit die antagonistische Klassengesellschaft überhaupt zu beseitigen und den Sozialismus und Kommunismus, d. h. die klassenlose Gesellschaft, zu errichten. Die Arbeiterklasse kann diese Aufgabe nur erfüllen, wenn sie über die wissenschaftliche Erkenntnis der gesellschaftlichen Bewegungs- und Entwicklungsgesetze verfügt, durch ihre revolutionäre Partei organisiert und geführt wird und das breiteste Bündnis mit allen anderen Werktätigen und Ausgebeuteten schafft.

Die wissenschaftliche Grundlage der sozialistischen Ideologie, der -> Marxismus-Leninismus, wurde von Marx, Engels und Lenin als Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit sowie der Verallgemeinerung der praktischen Erfahrungen des Klassenkampfes geschaffen. Er muß durch die revolutionäre Partei in die Arbeiterklasse hineingetragen werden, damit er zur materiellen Gewalt wird. Nur dann ist die Arbeiterklasse in der Lage, ihre historische Mission zu erfüllen. Deshalb ist für die -> marxistisch-leninistische Partei die ideologische Arbeit Herzstück ihrer revolutionären Tätigkeit. Indem die Arbeiterklasse ihre führende Rolle verwirklicht, entwickelt sie im Prozeß des sozialistischen Aufbaus und des allmählichen Übergangs zur kommunistischen Gesellschaft die sozialistische Ideologie zur Ideologie des gesamten werktätigen Volkes. Da die sozialistische Gesellschaft nur bewußt errichtet werden kann, was sowohl Wissen um die gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten als auch die Herausbildung gemeinsamer Grundüberzeugungen und eines gesellschaftlichen Gesamtwillens voraussetzt, sind die Vermittlung der sozialistischen Ideologie und eine ständige ideologische Erziehung unerläßlich.

Im Programm der SED heißt es: „Grundanliegen der politisch-ideologischen Tätigkeit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist es, die Arbeiterklasse und alle Werktätigen mit den revolutionären Ideen des Marxismus-Leninismus auszurüsten, ihnen die Politik der Partei zu erläutern, ihr sozialistisches Denken, Fühlen und Handeln zu entwickeln, sie für die Lösung der Aufgaben zu mobilisieren und sie gegen alle Einflüsse der imperialistischen und bürgerlichen Ideologie zu wappnen.“ (Programm der SED, S. 94.)

Zwischen bürgerlicher und sozialistischer Ideologie findet ein unversöhnlicher Kampf statt. Die Erfahrungen dieses Kampfes bestätigen Lenins Feststellung: „… bürgerliche oder sozialistische Ideologie. Ein Mittelding gibt es hier nicht … Darum bedeutet jede Herabminderung der sozialistischen Ideologie, jedes Abschwenken von ihr zugleich eine Stärkung der bürgerlichen Ideologie.“ (Lenin, Bd. 5, S. 396.)

Unter den Bedingungen des Kampfes um die Sicherung des Friedens, gegen den Konfrontationskurs der reaktionärsten imperialistischen Kreise, des Ringens der sozialistischen Staaten um die Fortsetzung der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftssysteme gilt es, die Auseinandersetzung auf die extrem antikommunistische und friedensgefährdende Ideologie zu konzentrieren und auch mit solchen bürgerlichen Ideologen im Geiste gemeinsamer Verantwortung zusammenzuwirken, die sich dem aggressiven Kriegskurs widersetzen. Das verlangt ein hohes Maß an Flexibilität und Prinzipienfestigkeit, um sowohl alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Interesse der Sicherung des Friedens auszuschöpfen als auch keine Verwässerung der sozialistischen Ideologie zuzulassen. (cis)

(Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag 1988, S.395f)

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