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Kleines Politisches Wörterbuch: Was ist Kapitalismus?


Kleines Politisches Wörterbuch: Was ist Kapitalismus?

kapitalismus

Kapitalismus: ökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem privatkapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln, der privaten Aneignung der Ergebnisse der Produktion und der -> Ausbeutung der Lohnarbeiter beruht; historisch letzte Ausbeutergesellschaft.

Die beiden sich antagonistisch gegenüberstehenden Hauptklassen des Kapitalismus sind: die -> Bourgeoisie (Kapitalisten), die Eigentümer der Produktionsmittel und die ökonomisch und politisch herrschende Klasse ist, und die -> Arbeiterklasse (Proletariat) (heute besser: Klasse der Lohnabhängigen), die juristisch frei ist von feudaler Abhängigkeit und als Nichteigentümer von Produktionsmitteln ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen muß.

Das -> ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus ist das Mehrwertgesetz. Es bestimmt das Ziel der kapitalistischen Produktion: die Produktion und die Aneignung von -> Mehr-wert, dessen wichtigste Erscheinungsform neben dem Zins und der Grundrente der Profit ist.

Den im Produktionsprozeß durch die Arbeiter geschaffenen Mehrwert eignen sich die Kapitalisten unentgeltlich an, da ihnen als Eigentümer der Produktionsmittel das Resultat (Produkt) des Produktionsprozesses gehört. Der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der Aneignung ihrer Ergebnisse ist der -> Grundwiderspruch des Kapitalismus. Er führt zu immer stärkerer Konzentration und Zentralisation von Produktion und Kapital auf der einen Seite und zur wachsenden Existenzunsicherheit und zur Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse auf der anderen Seite. Er hat periodische Wirtschaftskrisen, Kriege und erbitterte Klassenkämpfe zur Folge.

Ihre politische und ideologische Herrschaft übt die Bourgeoisie mit Hilfe des -> bürgerlichen Staates aus, unterstützt durch vielfältige ideologische Einrichtungen.

Historisch löst der Kapitalismus den -> Feudalismus ab. Der Kapitalismus entwickelt sich im Schoße des Feudalismus, wobei der Prozeß der -> ursprünglichen Akkumulation des Kapitals von entscheidender Bedeutung ist.

Das erste Stadium seiner Entwicklung ist gekennzeichnet durch die Herausbildung von Manufakturen.

Das zweite Stadium, der Kapitalismus der freien Konkurrenz, ist charakterisiert durch die Herausbildung und Entwicklung des kapitalistischen Fabriksystems, das sich auf der Grundlage der -> industriellen Revolution entwickelt. Der -> Imperialismus ist das Stadium des monopolistischen Kapitalismus, das historisch letzte Stadium, in dem die -> allgemeine Krise des Kapitalismus einsetzt. Auf dieser Entwicklungsstufe wächst der monopolistische Kapitalismus in den -> staatsmonopolistischen Kapitalismus hinüber.

Der Kapitalismus schuf mächtigere Produktivkräfte als alle früheren Produktionsweisen zusammengenommen, erhöhte die gesellschaftliche Produktivität der Arbeit bedeutend und verwirklichte die gesellschaftliche Produktion in großem Maßstab; er brachte die modernen Wissenschaften hervor.

Die von der Bourgeoisie verkündeten Ideen der Freiheit der Persönlichkeit offenbarten sich in der gesellschaftlichen Praxis als die Freiheit des kapitalistischen Wirtschaftens. Die Idee der Gleichheit aller Bürger trat als die Gleichheit der Warenbesitzer in Erscheinung, die Idee der Brüderlichkeit aller Menschen, als Kampf aller gegen alle.

Der Widerspruch zwischen den gesellschaftlichen Produktivkräften und den -> Produktionsverhältnissen spitzt sich im letzten Stadium des Kapitalismus, im Imperialismus, so zu, daß seine Lösung objektiv unerlässlich wird.

Der Kapitalismus ist heute unfähig, die sozialen Probleme der Menschheit zu lösen. Er ist mit seiner Hochrüstung vielmehr zu einer Existenzbedrohung der Menschheit geworden.

Der Kapitalismus wird gesetzmäßig vom -> Sozialismus, der ersten Phase des -> Kommunismus, abgelöst. Diese Ablösung zu vollziehen ist die historische Mission der Arbeiterklasse (Klasse der Lohnabhängigen). Im -> Klassenkampf gegen die Bourgeoisie hat sie ihre Klassenorganisationen geschaffen, vor allem ihre marxistisch-leninistische Partei, die den politischen, ökonomischen und ideologischen Kampf der Arbeiterklasse wissenschaftlich leitet, und die Gewerkschaften. An der Spitze aller ausgebeuteten und unterdrückten Klassen und Schichten, aller demokratischen Kräfte wird die Arbeiterklasse (Klasse der Lohnabhängigen) zur Führerin des Volkes bei der revolutionären Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens. In der gegenwärtigen -> Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus gewinnt der Klassenkampf zur Lösung des Grundwiderspruchs zwischen Kapital und Arbeit auf internationaler Ebene immer mehr an Bedeutung, wobei dies im Rahmen der -> friedlichen Koexistenz erfolgen muß. Der ökonomische Wettstreit gewinnt an Bedeutung, der ideologische Klassenkampf spitzt sich zu. -> ökonomische Gesellschaftsformation

(Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag 1988, S. 473ff)

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