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Ljubow Pribytkowa: Nennen Sie China nicht sozialistisch …


Ljubow Pribytkowa: Nennen Sie China nicht sozialistisch …

Lubow Pribytkowa, 24.12.2010

lubow pribytkowa
Lubow Pribytkowa

Ich schaue durch die Presse der Sozialdemokratischen Partei Russlands – der Kommunistischen Partei Russlands. Überall neben dem Wort China steht das Adjektiv „sozialistisch“. Und die Begeisterung für „enormen Erfolg“ in der Wirtschaft hat kein Ende. Aber China ist schon lange Zeit kein sozialistisches Land, und wirtschaftliche Entwicklung ist nicht gleichbedeutend mit sozialistischer Entwicklung. … Warum also wird dann den Lesern das Gehirn mit einer offensichtlichen Lüge gepudert? Doch wenn man darüber nachdenkt, ist solche eine Irreführung verständlich. Die opportunistische Partei Sjuganows tritt selbst für eine „Verbesserung“ des Kapitalismus in Rußland ein, und nicht für seine Liquidierung. Um die politischen Analphabeten nicht von sich zu vertreiben, versuchen die Führer, das Wort „Kapitalismus“ nicht zu gebrauchen. Doch bei uns ruft der Lieblingsausdruck der chinesischen Genossen über den Aufbau des „Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten“ schon seit langem nichts als ein ironisches Lächeln hervor. China beschreitet schon mehr zwanzig Jahre den Weg des Kapitalismus … mit chinesischer Besonderheiten.

Erfolg in der chinesischen Wirtschaft, keine Frage. Fakten sind hartnäckige Dinge. Der Vorsitzende der Gesellschaft der russisch-chinesischen Freundschaft, Akademiemitglied M.L. Titarenko sagte wiederholt, daß „die Erfolge der VR China in verschiedenen Bereichen der wirtschaftlichen und soziokulturellen Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten sind phänomenal … Das Land hat einen starken wirtschaftlichen Durchbruch erzielt. Sein Bruttosozialprodukt hat um das 16,5-fache vergrößert, es betrug nach den Angaben der chinesischen Statistik 2008 mehr als 30 Billionen Yuan (4,6 Billionen US-Dollar). Nach dieser Kennziffer befindet sich die Volksrepublik China heute, nach Japan und den USA, auf dem dritten Platz der Welt. Das Land wurde zu einer „Weltfabrik für die Herstellung von Gebrauchsgütern westlicher Handelsmarken, zu einer Montageabteilung der Welt“. Die Volksrepublik China gehört zu den Weltmarktführern in der Stahlproduktion, der Kohleförderung, der Zementherstellung, der Produktion von Fernsehgeräten, Personalcomputern, Handys, Uhren und Fahrrädern“.

Im Jahr 2008 berichtete das APN (http://www.apn.ru/publications/print22316.htm), dass 2007 die gesamte Industrieproduktion der VR China ungefähr doppelt so hoch war wie in den USA. Das Gesamtkapital des Bankensystems überstieg 9 Billionen US-Dollar. Die Devisenreserven des Landes übersteigen 2 Billionen US-Dollar. Die Pkw-Produktion belief sich 2008 auf 8,3 Mill. Einheiten. Erfolgreich hat sich 2008 auch der Flugzeugbau entwickelt. Nacheinander eröffnen moderne Hochgeschwindigkeitsstrecken. Auch die Informationsindustrie entwickelt sich rasant. Im Jahr 2007 produzierte China 121 Mill. Computer, ein Vielfaches mehr als in den USA. Derzeit werden 40% der Mobiltelefone, 40% der Computer und 45% der Farbfernseher in China hergestellt. China investiert jährlich 160 Milliarden Dollar für die Wissenschaft. Es erreichte damit den zweiten Platz in der Welt, nach den USA. In den letzten 10 Jahren hat China mehr als 12.000 moderne Komplettanlagen vom Westen übernommen.

Die Weltgeschichte bestätigt die Tatsache der höchsten Entwicklungsraten von Ländern auf verschiedenen Kontinenten des Planeten, die nach einer antifeudalen, bürgerlich-demokratischen Revolutionen den Weg des Kapitalismus eingeschlagen haben. Im „Manifest der Kommunistischen Partei“ von 1848 schrieben Karl Marx und Friedrich Engels, dass „… die Bourgeoisie in weniger als hundert Jahren ihrer Klassenherrschaft mehr und ehrgeizigere Produktivkräfte geschaffen hat als alle vorherigen Generationen zusammen“. (K. Marx, F. Engels. Op. 50 Bd. Ausgabe 2. Moskau. Teil 4. S. 429)

Aber der kapitalistische Fortschritt ist seit seiner Geburt mit eklatanten Widersprüchen behaftet. Es entwickelten sich zwar die Technik und die Wissenschaft, aber es verfielen die Sitten und die Umwelt wurde verschmutzt. Es ergab sich eine Polarisierung der Gesellschaft. Diejenigen, die materiellen Wohlstand schufen, wurden ärmer, und diejenigen, die nichts produzierten, aber es schafften, während der anfänglichen Kapitalakkumulation räuberisch die eigenen Taschen zu füllen, wurden immer reicher. Dies schrieb bereits im 18. Jahrhundert perfekt der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau in seiner berühmten Dissertation.

Die Geschichte Chinas bestätigt diese Gesetzmäßigkeit. China war seit Jahrhunderten ein feudalistisch-unterentwickeltes Land, in dem 90% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig waren. Die überwiegende Mehrheit der Bauern lebte unter schwierigen Bedingungen, führte ein bettelarmes Dasein. Daher war China von einem rebellischen Geist durchdrungen, denn freidenkende Menschen verstanden, dass es unmöglich war, das ganze Leben des Volkes in Unterdrückung und Leid zu halten.

1648 kam es zu einem Aufstand gegen die Mandschu-Invasoren. In den Jahren 1851 – 1864 folgte der Taiping-Aufstand und dann der Ihehtuan-Aufstand. Allein in den letzten 50 Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu Dutzenden von Aufständen, zu mehreren Revolutionen. Es gab Siege und Niederlagen, Hunderte von Rebellen wurden hingerichtet oder in Gefängnisse geworfen, auf dem Weg des Kampfes wurden viele Fehler gemacht, aber auch viele weise Entscheidungen getroffen. Der Name des herausragenden Revolutionärs Sun Yat-sen ging um die ganze Welt.

Der Bürgerkrieg der vierziger Jahre endete mit dem Sieg des Volkes. Am 1. Oktober 1949 wurde die Volksrepublik China ausgerufen. Die demokratischen und sozialistischen Umgestaltungen waren nicht einfach. Die feudale Rückständigkeit, die Folgen einer langfristigen Kolonialpolitik, bei der die natürlichen Ressourcen des Landes von Ausländern geplündert wurden, der chinesisch-japanische Krieg von 1937 – 1945, das Analphabetentum der Bevölkerung und eine schwierige demografische Situation führten, bei der Errichtung eines neuen Lebens, zu zahlreichen akuten Problemen. Aufgrund der gewaltigen Aufgaben, der Komplexität der sozialen Probleme der KP Chinas und der richtigen strategischen Ausrichtung in der Politik war es nicht immer möglich, die Taktik von „Versuch und Irrtum“ zu umgehen. In Folge dessen, führten falsche Entscheidungen zu negativen wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen. Aber das Land folgte dem Weg des Aufbaus des Sozialismus – einer gerechten Gesellschaft ohne soziale Ungleichheit, Ausbeutung und Unterdrückung. (Die Entwicklung Chinas unter der Führung von Mao Zedong bedarf einer besonderen Veröffentlichung).

Nach dem Tod von Mao Zedong im Jahr 1976 öffnete die KPCh unter der ideologischen Führung von Deng Xiaoping die Tore weit, für den Einzug „Seiner Majestät des Marktes“. Die Modernisierung der sozialistischen Produktionsweise begann mit Hilfe der kapitalistischen Elemente des Managements. 1978 leitete Deng auf der „historischen“ III. Vollversammlung des Zentralkomitees der KP Chinas Wirtschaftsreformen ein und proklamierte das Konzept des „Sozialismus mit chinesischer Beswonderheiten“. Die „Open Door Policy“ begann in den 1980er Jahren – internationaler Handel und ausländische Direktinvestitionen waren erlaubt. Es wurde beschlossen, „offene Wirtschaftszonen“ zu schaffen. 1992 proklamierte die Kommunistische Partei Chinas auf dem 14. Kongress einen Kurs über den MARKT, der als „sozialistisch“ bezeichnet wurde, obwohl es dem Wesen nach einen nicht-kapitalistischen Markt nicht gibt. Natürlich nur, wenn es sich nicht um einen Jahrmarkt handelt, sondern um den Kauf und Verkauf von Waren, Kapital und Arbeitskräften.

Die KP Chinas stellte die Notwendigkeit einer Zentralisierung der Wirtschaft infrage. Sie begann den Planungsgrundsatz abzulehnen. Der privaten Unternehmertätigkeit wurde insgeheim grünes Licht gegeben. Von 1989 bis 2003 stieg die Zahl der privaten Unternehmen um das 33-fache von 91.000 auf 3 Mio. Die Zahl der dort beschäftigten Mitarbeiter stieg um das 24-fache. 2004 erklärte die Vollversammlung der Volksvertreter Chinas: „Das legale Privateigentum der Bürger ist unantastbar“. Dann lief die Privatisierung des Bankensystems auf vollen Touren. Die „Volksgemeinschaften“ sind längst zerstreut. Der Kapitalismus erhielt Bürgerrechte.

Die Übergabe sozialistischer Positionen fand in China nicht ohne einen ideologischen Kampf zwischen Kommunisten und Marktreformern statt. Der Sieg erwies sich jedoch letztendlich für Dengs neue Unterstützer. Sie wiederholten, was der Architekten der Wiederherstellung des Kapitalismus gesagt hatte: „Egal welche Farbe die Katze hat, Hauptsache, sie fängt Mäuse.“

1987 erklärte Deng Xiaoping offen, dass der Markt nicht mit dem Kapitalismus und der Plan nicht mit dem Sozialismus gleichgesetzt werden könne. Die gegenwärtige Generation der chinesischen Machthaber mit Parteiausweis in der Tasche und amerikanischen (oder französischen) Diplomen akzeptierte den sogenannten „Marktsozialismus“ voll und ganz, obwohl es sich tatsächlich um einen staatlichenKapitalismus mit chinesischen Merkmalen“ handelt. Und diese „chinesische Besonderheit“ ist das Wort „kommunistisch“ im Namen der Regierungspartei, die sozialistische Ausdrucksweise der Führer, das Vorhandensein von Resten von gesellschaftlichen Eigentum, das noch immer staatliche Eigentum an Land und die nicht vollständig beseitigte Planbarkeit, sowie die Finanzmarktregulierung der Wirtschaft.

Juri Solomatin zitierte in einem Artikel mit dem Titel „Modernes China: Wessen Gefährte werden Sie sein, wer wird Sie in die Schlacht führen?“ den außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter Chinas in der Ukraine, Yao Peisheng, in einem Interview: „1992 entwickelte die Kommunistische Partei Chinas ein Programm Marktumgestaltung, und jetzt ist es seit 10 Jahren erfolgreich umgesetzt. Wir können sagen, dass wir eine Marktwirtschaft mit sozialistischen Merkmalen haben. Für China halte ich dies für einen großen Erfolg. In letzter Zeit hat die Regierung den Privatsektor sehr ermutigt, alle notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Es ist erwähnenswert, dass dies früher undenkbar war.“

„Unsere Politik ist es, es einem Teil der Bevölkerung zu ermöglichen, sich früher zu bereichern und wohlhabende Bürger zu ermutigen, den Armen zu helfen. Wir diskriminieren diese Menschen nicht. Sie können sogar Mitglieder der Kommunistischen Partei werden. Und dies ist eine wesentliche Änderung in unserem Konzept. Und auf der anderen Seite. „Warum nicht? Wenn eine Person ein wahrer Patriot ist, die Charta, das Programm der Partei, anerkennt und der Partei beitreten möchte, und warum sollte sie nur verboten werden, weil sie mehr Geld als andere hat?“ (http://lebed.com/2004/art3877.htm)

Für die KPCh hat auch die kommunistische Ideologie chinesische Merkmale. In vielen Parteidokumenten wurde verkündet, dass die Ideologie der KPCh „Marxismus-Leninismus, die Ideen von Mao-Zedong und die Theorie von Deng Xiaoping“ sei. Die Versuche, Elemente der ersten Komponente zu finden, führten jedoch nicht zum Erfolg.

Im „chinesierten Marxismus“ – ist eine völlige Ablehnung der Grundidee des Manifests der Kommunistischen Partei: „Kommunisten können ihre Theorie in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums, zusammenfassen“.

Die von Lenin entdeckte Gesetzmäßigkeit, ist für die chinesischen „Genossen“ „überholt“, wonach die Macht des Kapitalismus in der „Macht der kleinen Produzenten … und der kleinen Produktion“ liegt. Sie bringt den Kapitalismus und die Bourgeoisie ständig, täglich, stündlich, spontan und in großem Umfang hervor“.

Wörtlich: „Denn Kleinproduktion gibt es auf der Welt leider noch sehr, sehr viel; die Kleinproduktion aber erzeugt unausgesetzt, täglich, stündlich, elementar und im Massenumfang Kapitalismus und Bourgeoisie.“

Die KPCh nahm auch das „Konzept der drei Missionen“ von Jiang Zemin an. Demnach verteidigt die Partei die Interessen der „absoluten Mehrheit des Volkes“, also der Bourgeoisie, der Arbeiter und Bauern. Damit ist die Partei nicht mehr länger die Avantgarde der Arbeiterklasse. Aus diesem Grund öffneten sie der Bourgeoisie die Türen der Partei.

Laut Statistik sind 30% der Kapitalisten Mitglieder der KPCh. Ein Drittel der 100 größten Geschäftsleuten in China sind in der KPCh. Von den 100 reichsten Menschen Chinas sind 19 Mitglieder der Chinesischen Vollversammlung der Volksvertreter. Vitali Sarmatow schreibt empört im Artikel „Die Situation der Arbeiterklasse in China“, dass die rote Fahne der KPCh, die neben dem neu aufgetauchten Mandarin auf dem Schreibtisch im Büro steht, die kommunistische Ideale so verspottet, wie sich der böse Antikommunist hatte niemals einfallen lassen. (Zeitschrift „Der Gedanke“ («Мысль»), 2009, S. 11)

1985 sagte Deng Xiaoping: „Das Festland wird das sozialistische System unterstützen und nicht den falschen Weg einschlagen – den Weg zum Kapitalismus. Eines der Merkmale, die den Sozialismus vom Kapitalismus unterscheiden, ist, dass Sozialismus allgemeinen Wohlstand bedeutet, zuerst Wohlstand geschaffen wird, nicht Einkommenspolarisierung. Der geschaffene Reichtum gehört zuerst dem Staat und dann den Menschen; deshalb ist die Entstehung einer neuen Bourgeoisie unmöglich. Der Gewinn, der dem Staat zukommt, wird für das Wohl der Menschen eingesetzt, ein kleiner Teil für die Festigung der nationalen Verteidigung, und der Rest für die Entwicklung der Wirtschaft, für Bildung und Wissenschaft und für die Anhebung des Lebensniveaus und des kulturellen Niveaus der Menschen“ (http://www.1917.com/International/China/1130506406.html)

Was ist das, die Schlauheit eines grauhaarigen orientalischen Weisen oder der altersbedingte Verlust der Urteilsfähigkeit, die politische Kurzsichtigkeit und die Ohnmacht bei der Lösung der komplexesten Aufgaben des sozialistischen Aufbaus im Kontext des globalen Imperialismus? Was zwang den gewöhnlichen Kommunisten, der sein ganzes Leben der Revolution gewidmet hatte, den konterrevolutionären Weg zu gehen? Ich denke, dass echte chinesische Kommunisten früher oder später gezwungen sein werden, diese Frage zu beantworten. Es besteht kein Zweifel daran, daß es sie in der 70 Millionen Mitglieder zählenden kommunistischen Partei Chinas gibt.

Für bürgerliche Politikwissenschaftler wie den bereits erwähnten M. Titarenko „wird die VR China Schritt für Schritt den Status einer großen nicht nur regionalen, sondern auch globalen Wirtschaftsmacht erlangen.“ Sie bestimmen die Größe nur durch die Produktionsmenge in Bezug auf das BIP und die Gewinne. Mit diesem Ansatz kann man nicht bestimmen. Hier hatte der Philosoph Hegel recht, wenn über große Persönlichkeiten sprach: „Sie waren große Leute, gerade weil sie das Große wollten und realisierten und außerdem nicht eingebildet, sondern gerecht und notwendig“.

Wenn Größe durch Gerechtigkeit und Notwendigkeit (Regelmäßigkeit) bestimmt wird, wie kann dann ein Staat, dessen Produktion nur auf die Steigerung der Profite ausgerichtet ist, um die Wenigen durch gnadenlose Ausbeutung zu bereichern, indem alle Säfte der Mehrheit der Bevölkerung durch unbarmherzigen Ausbeutung ausgepresst werden, als groß bezeichnet werden? Sind die Herrscher eines solchen Landes weise, ist ihre Politik gerecht und notwendig? Tausendmal NEIN!

Titarenko selbst, der China mit dem Wort „großartig“ ausgezeichnet hat, nennt die auffälligen Widersprüche, die die öffentliche Körperschaft des Landes zerreißen.

Wachstum der Arbeitslosigkeit. Über 30 Millionen in der Stadt und 200 Millionen im Dorf.

Soziale und Eigentumspolarisierung der Gesellschaft. Eine erhebliche Lücke in der Entwicklung von Städten und Dörfern, östlichen und westlichen Regionen des Landes.

Die katastrophale Zerstörung des Lebensraums der Bevölkerung. 200 Millionen sind absolut Analphabeten.

Es ist klar, daß er keine klassenmäßige Bewertung dieser Widersprüche vornehmen wollte, damit seine Auftraggeber ihn nicht der Sympathien für die Kommunisten verdächtigen.

Doch sehen wir selbst. Woran kann man denn „das allgemeine Aufblühen“ erkennen, das die Wirtschaftsreformen hervorgebracht, und die dem Volk einen „Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten“ beschert haben?

Unternehmen in den „freien Wirtschaftszonen“ unterliegen den Marktgesetzen. In Hongkong, das seit 10 Jahren Teil der VR China ist, herrscht reiner Kapitalismus. Die private Produktion nimmt in der chinesischen Wirtschaft einen bedeutenden Platz ein und hat nichts mit dem Sozialismus zu tun. 80% der chinesischen Exporte werden durch ausländisches Kapital kontrolliert. Von den 500 transnationalen Unternehmen sind derzeit 470 in China tätig und stehen unter der Schirmherrschaft der Hauptstadt. Warum auch nicht? Die Kapitalbedingungen sind vorzüglich. Der Gewinn für die Eigentümer ist fabelhaft. Die Arbeit ist die billigste auf der Welt. Das Arbeitssystem ist eine diaphoretische (schweißtreibende) und monströse (abscheulich), fast legale Ausbeutung.

Laut der Zeitschrift „Huzhun“ beträgt die Zahl der Menschen in China mit einem persönlichen Vermögen von mehr als 1,5 Millionen Dollar – 825.000 Menschen. Bei der Zahl der Milliardäre (130 Personen) belegte China den zweiten Platz weltweit. Alle diese Menschen in China heißen Da kuan (großes Geld). Marxisten hingegen bezeichnen diese herausgebildete Klasse von Eigentümern als BOURGEOISE. Sie baden, wie die reichsten Menschen der Welt im Luxus … Und den Parteibosse fallen diese großzügigen Wohltaten zu. Deshalb ist es kein Zufall, dass sie schreiben, dass eine solche Korruption wie in ganz China angestrebt werden muss … Die enge Verbindung des Kapitals mit den Behörden ist bereits offensichtlich geworden.

Und 150 Millionen Menschen leben unter der Armutsgrenze mit weniger als einem Dollar pro Tag. Nach Indien liegt China, nach der Zahl der Armen, an zweiter Stelle. Der Artikel „Die Reichen im Reich der Mitte: Paradoxe unter dem roten Banner“ (Elite Society Magazine) berichtete im Jahr 2003, dass „in 100 ländlichen Gebieten, mit dem niedrigsten Lebensstandard, etwa 36% der Familien kein Essen haben, mit anderen Worten, sie hungerten.“ Und die Behörden stellten fest, dass in den Regionen Zentral- und Westchinas „selbst das Problem der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln nicht grundlegend gelöst wurde““.

Die skandalöse Geschichte der Sklavenarbeit in einem privaten Ziegelunternehmen in der Provinz Shansi ist bereits um die Welt gegangen. Der Manager und seine Untergebenen wurden vor Gericht gestellt, weil ihre Fabrik ein echtes Gefängnis mit Wachhunden, regelmäßigem Schlag ins Gesicht, Peitschenhieben und Prügeln der Wachen für diejenigen war, die versuchten zu fliehen. Sklavenarbeit von fünf Uhr morgens für 16 – 20 Stunden. 34 Arbeiter lebten in einem fast leeren Raum. Sie wurden einmal am Tag mit Brot und Wasser versorgt. Für eine versuchte Flucht wurden 19 Arbeiter verkrüppelt, weitere 13 starben an Überarbeitung …

Wenn das nur ein Einzelfall gewesen wäre… Schon in der chinesischen Presse wurde darüber zu schreiben begonnen, dass „…die Arbeit oft wirklich schrecklich, manchmal sogar unter sklavischen Bedingungen, eine ganz gewöhnliche Sache ist, wenn nicht in ganz China, so doch wenigstens in den abgelegenen inneren Provinzen, wie Henan und Shanxi“. Es wird berichtet, dass Kinder gestohlen und an Besitzer von Ziegelfabriken verkauft wurden … Der Wirtschaftsprofessor Hu Jin-do von der Technischen Universität Peking erklärte kühn: „Zwangs- oder Kinderarbeit ist weit entfernt von einem isolierten Phänomen. Sie ist tief in die moderne Realität Chinas eingedrungen – eine Kombination aus Kapitalismus, Feudalismus und Sklaverei“. Nur, dass das Wort „Sozialismus“ in seiner Aussage kaum vorhanden ist …

Und der Rest – man kann es nicht genauer sagen – ist „eine Kombination aus Kapitalismus, Feudalismus und Sklaverei“. Ein chinesischer Mann gibt seiner Geliebten einen Strauß mit 99.999 Rosen für zwölftausend Dollar, über den alle chinesischen Zeitungen geschrieben haben, und –zig Millionen ziehen im Land umher, um Arbeit zu finden und nicht zu verhungern … Junge Menschen arbeiten 16 Stunden am Tag ohne soziale Kontakte … In der Provinz Guangdong arbeiten 2.000 Frauen in einer Fabrik für die Herstellung von Computertastaturen, sie leben in einem Wohnheim nahe der Fabrik zu 20 Personen in einem kleinen Zimmer, und sie arbeiten bis zu 12 Stunden 7 Tage in der Woche, mit einer 15-minütigen Pause am Tag und zwei Ausgehtagen im Monat. Das Verlassen der Fabrik ist ohne eine spezielle Genehmigung unmöglich.

Die Ausbeutung auf höchster Ebene, fehlende Rechte, ein Verbot der Aktivitäten von Gewerkschaftsorganisationen und die Unfähigkeit, ihre Grundrechte zu schützen, aber die Schaffung günstiger wirtschaftlicher und politischer Bedingungen für die Klasse der Bourgeoisie, die nur durch die Ausbeutung von Leiharbeitern bestehen können. Schließung unrentabler Unternehmen. Wachstum der Arbeitslosigkeit. Soziale Ungleichheit, die die extreme Polarisierung in der Gesellschaft erreichte – 5% der Bevölkerung Chinas besitzt 80% der Reichtümer des Landes.

Wer kann ein solches „Wirtschaftswunder“ im „sozialistischen“ China bewundern und das Loblied der KPCh singen, deren Führung die schleichende Konterrevolution seit 30 Jahren unter den roten Fahnen durchführt? Nur die Feinde der Werktätigen, egal welche Sprache sie sprechen – Chinesisch, Russisch oder Englisch.

Die KPCh hat viel getan, um den Sozialismus zu vernichten und ist schon lange nicht kommunistisch. Tatsächlich führt es die Menschen in eine Katastrophe … Eine Rückkehr zu gerechten Zeiten mit friedlichen Mitteln ist kaum möglich …

Der Klassenhass wächst. Im Jahr 1993 wurden 9.000 Proteste im Land registriert. Im Jahr 2003 gab es bereits 58.000, an denen 3 Millionen Menschen teilgenommen haben. Im Jahr 2001 verbarrikadierten in der Provinz Kuangsi 30.000 Bauern die Eingänge zu ihren Dörfern und steinigten die Polizei mit Steinen. In der Stadt Yandu bewarfen Tausende Demonstranten das Verwaltungsgebäude der Stadt und die Residenz der Kommunistischen Partei mit Steinen und forderten eine Steuersenkung. Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei wurden Äxte und Heugabeln eingesetzt. (http://www.left.ru/2001/2/news15.html)

Ein spontaner Protest gewinnt an Fahrt. Obwohl das Proletariat noch nicht zu einem bewussten Klassenkampf bereit ist, haben die Werktätigen Chinas zweifellos eine neue Revolution vor sich.

Irkutsk Dezember 2010

(Eigene Übersetzung)

Quelle: ПРОПАГАНДА – научно-популяный журнал. 24.12.2010.

Nachtrag: Reuters schreibt am 7. August 2019: „Chinas Währungsreserven sinken um fast 16 Milliarden Dollar“
Die Währungsreserven sanken um 15,54 Milliarden Dollar auf 3,1 Billionen Dollar (knapp 2,8 Billionen Euro), wie die Zentralbank am Mittwoch in Peking mitteilte.

Siehe auch:
Die Diskussion um den Klassencharakter der VR China: Ausdruck der weltanschaulichen Krise
Noch einmal: Zur Frage des Klassencharakters des heutigen China
Seidenstraße. Glänzende Augen dank der üblichen Gedankenlosigkeit.
Die Notwendigkeit der Klarheit über die ökonomische Struktur Russlands
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