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Wir haben den rechte und den linken Opportunismus noch lange nicht überwunden – wie die Diskussion auf AmericanRebel zeigt


Wir haben den rechte und den linken Opportunismus noch lange nicht überwunden, wie die Diskussion auf AmericanRebel zeigt

Auf einem befreundeten Blog: AmericanRebel, erschien unter der Überschrift: 9. November 1989, mehrere Artikel zum sogenannten Mauerfall, zu den die Redaktion von AmericanRebel (Nico) die folgende Einleitung schrieb:

30 Jahre ist es nun her das die in Ost und West verhasste Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten, der DDR und der BRD unter Freudengeschrei überflüssig wurde.
Seit Wochen trommeln die Medien ihre Legende vom Mauerfall. Eine große Propagandablase von Freiheit und friedlicher Revolution. Filme, Veranstaltungen usw. überziehen das Land. Einseitig wird über die Ereignisse an der Staatsgrenze der DDR berichtet. Einst, nachvollziehbar, als „Antifaschistischer Schutzwall“ und zur Verhinderung von Republikflucht gebaut, wurde sie in der Bevölkerung nach und nach immer verhasster und warf kein gutes Licht auf den deutschen Staat, der vorgab, der Staat der Arbeiter und Bauern zu sein.
Ein Großteil der Kommunisten und der kommunistischen Parteien und Organisationen in Deutschland unterwarfen sich dem Diktat der seid langen revisionistisch entarteten KPdSU unter Chruschtschow und Breschnew. Nur die kleine KPD/ML kämpfte als revolutionäre, kommunistische Partei in der DDR und der BRD für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland. Sie war die einzige gesamtdeutsche Partei, die die Interessen aller Werktätigen vertrat. Aber bedeutungslos war sie nicht, denn dann hätten die Herrschenden und ihre Organe das Ministerium für Staatssicherheit und der Verfassungsschutz, die übrigens in dieser Sache auch gern zusammenarbeiteten, sie nicht so brutal und unnachgiebig verfolgt. In über 200 westdeutschen Betrieben gab es Rote Betriebsräte, die konsequent die Interessen ihrer Kollegen/innen verfolgten. Tausende von politischen Prozessen in der BRD wurden gegen die Genossen/innen der KPD/ML geführt. Lange Haftstraße und Zerstörung der Familien und Freundeskreise erhielten viel KPD/ML-Genossen/innen in der DDR.

bild-roter-morgenBildnis das 1977 von Berliner Künstlern erschaffen wurde. Es war über 4 Meter breit und wurde z. B. bei Westberliner 1.-Mai-Demonstrationen auf einem LKW mitgeführt. Bild: Archiv Roter Morgen

Als es 1989 zum Volksaufstand kam, war sie letztlich, auch geschwächt durch die Zersetzungsarbeit von Trotzkisten, zu schwach, um die Führung bei der Schaffung eines revolutionären sozialistischen deutschen Staates zu übernehmen.
Nachfolgend vier Artikel die einige Geschehnisse um den 9. November 1989 näher beleuchten.
Redaktion AmericanRebel, 9. November 2019

***

Keiner der nachfolgenden Kommentatoren las anscheinend die Artikel, setzt sich mit ihnen auseinander und erlangten neue Erkenntnisse, oder respektierte andere Sichten auf die Ereignisse. Vielmehr wurden zwei Sätze aus der Einleitung herausgegriffen und zerpflügt: Es geht um folgende Sätze:

„30 Jahre ist es nun her, dass die in Ost und West verhasste Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten, der DDR und der BRD, unter Jubelgeschrei überflüssig wurde.“

Und um den Satz:

„Einst, nachvollziehbar, als „Antifaschistischer Schutzwall“ und zur Verhinderung von Republikflucht gebaut, wurde sie in der Bevölkerung nach und nach immer verhasster und warf kein gutes Licht auf den deutschen Staat, der vorgab, der Staat der Arbeiter und Bauern zu sein.“

Diese Sätze, die Wahrheit über die sogenannte Mauer, stieß vor allen Dingen bei den Reform-„Kommunisten“ und den DDR-Revisionisten auf großen Widerspruch.

Ich will jetzt nicht die ganzen Kommentare analysieren und meine Sicht dazu schreiben. Die Kommentare von Wilfried Bergholz, 8. November 2019; von Norbert, 10. November 2019, 11:49 und von Franz, 10. November 2019, 13:42, sollten aber nicht unbeachtet bleiben. Die Kommentare sollten analysiert werden und auch widersprochen werden, da sie revisionistisch Ansichten verbreiten.

So schrieb gleich der erste Kommentator, Wilfried Bergholz, 8. November 2019:

„30 Jahre ist es nun her, dass die in Ost und West verhasste Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten, der DDR und der BRD, unter Jubelgeschrei überflüssig wurde …“
Bin ich hier bei der ARD gelandet? Die eher zufällige Öffnung der Staatsgrenze der DDR (unter fleißiger Mitwirkung von ARD/ZDF) hat unsere Revolution für einen demokratischen Sozialismus in der DDR verhindert. Wir waren verzweifelt. Und nicht (niemals) wird gezeigt, wie durch die offenen Tore unseres Landes in Richtung Osten Spekulanten, Kapitalisten und dann die Treuhand spazierte … Das wird offiziell verschwiegen, aber wir müssen es sagen, solange wir leben.“

Richtig ist die Tatsache, dass nach der Öffnung der „Mauer“, Spekulanten, Kapitalisten und dann die Treuhand“ spazierte sind, um die von Gorbatschow und seinen Helfern in der SED, verkaufte DDR „abzuwickeln“ und ihren Profit zu machen.
Weiterhin beklagt Wilfried, dass die „eher zufällige Öffnung der Staatsgrenze der DDR“ „unsere Revolution für einen demokratischen Sozialismus verhindert“, hat.
Also meine Revolution wurde nicht verhindert, die starb nach dem Putsch an Walter Ulbricht 1971.
Alle Konterrevolutionen beginnen mit der Losung: „Für einen demokratischen Sozialismus“. Das war bei Chruschtschow so, dann bei Dubcek, aber noch viele mehr bei Gorbatschow mit „Glasnost und Perestroika“ und zum Schluss auch bei den DDR-Revisionisten.

„Kommunisten, wie z.B. Rolf Vellay, bedurften keiner Bekenntnisse Gorbatschows, um in ihm einen bewussten Feind des Sozialismus zu erkennen. Auf der sog. Perestroika-Konferenz des Frankfurter IMSF der DKP im Jahre 1987 erklärte Vellay hellsichtig:

„Gorbatschow als Generalsekretär – das ist die Konterrevolution an der Spitze der KPdSU!
Gorbatschow als Präsident der UdSSR – das ist das Ende des Sozialismus in der Sowjetunion!
„Neues Denken“ – das ist die Paralyse des revolutionären Gehalts der kommunistischen Weltbewegung.” (neues Denken steht hier für „demokratischen Sozialismus“.) (Rolf Vellay, Ausgewählte Aufsätze, Briefe und Vorträge, Heft 83, Berlin, Mai 2002 der Schriftenreihe für marx.-lenin. Bildung der KPD.)

Im Jahr 2000 erklärte dann Gorbatschow in seinem Ankara-Vortrag ganz offen heraus:

„Mein Lebensziel war die Zerschlagung des Kommunismus”.

Aber Wilfried beklagt, dass „unsere Revolution für einen demokratischen Sozialismus in der DDR verhindert“ wurde. Er beklagt nicht, dass der moderne Revisionismus in allen sozialistischen Ländern, ausgehend von der Sowjetunion, den Aufbau des Sozialismus verhindert hat. Zu seiner „Ehrenrettung“ sei gesagt:

„Es ist unvermeidlich – und deswegen könnte man es eine Gesetzmäßigkeit des Klassenkampfes nennen, – dass bei auftretenden Schwierigkeiten Meinungsverschiedenheiten bis zu scharfen Fraktionierungen darüber auftreten, wie weiter vorzugehen sei: die Schwierigkeiten durch Kampf überwinden, oder sie zu umgehen, oder – drittens – sie durch einen Kompromiss mit dem Gegner vermeintlich aus der Welt zu schaffen. Je größer und Gefahr drohender die Schwierigkeiten, desto größer die Versuchung, durch einen opportunistischen Kompromiss den riskanten Kampf zu vermeiden. Wer dieser Versuchung im Klassenkampf erliegt, erliegt früher oder später auch dem Gegner; wer ihr widersteht, erstarkt und legt damit den Grund für künftige Siege. (Kurt Gossweiler in Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR)

Dann schreibt Norbert, 10. November 2019, 11:49:

„Es ist eine unwahre Behauptung, die Mauer sei in Ost und West verhasst gewesen. Es ist eine Lüge, wie sie auch von den Kollaborateuren der Konterrevolution und dem ganzen Gesindel der DDR-Delegitimierer immer wieder aufgetischt wird!
Denn für die DDR war die Staatsgrenze zur imperialistischen BRD der sichere Schutz gegen Provokationen, Sabotage- und Diversionsakte. Und nur bei den Machthabern in der BRD, bei Adenauer & Co.?? den Altnazis und deren US-amerikanischen Drahtziehern war diese Grenze verhasst!
Die Sicherung der DDR Staatsgrenze half, einen Atomkrieg in Europa zu verhindern! Die US-amerikanischen Kriegstreiber hatten vor, mehrere Atombomben auf verschiedene Orte der DDR abzuwerfen. Das konnte mit dem 13. August 1961 verhindert werden. Siehe hier: https://www.mdr.de/zeitreise/atombomben-auf-deutschland-100.html.
Es ist die typische Propaganda der westdeutschen Machthaber, zu behaupten, die DDR-Staatsgrenze sei „nach und nach immer verhasster“ geworden, und das habe „kein gutes Licht auf den deutschen Staat, der vorgab, der Staat der Arbeiter und Bauern zu sein“.
Wir (!!!) distanzieren uns aufs Schärfste von solchen Behauptungen!
Es ist eine Äußerung des Klassenfeindes, der westdeutschen Revanchisten und Militaristen, die DDR habe nur vorgegeben, ein sozialistischer Staat zu sein. Die DDR war ein sozialistischer Staat.“

Meine Antwort auf diesen von Weltfremdheit, Unsachlichkeit, Hass und Rechthaberei geprägten Kommentar, war die folgende:

Sascha Iwanow, 10. November 2019, 14:03

„Nach einer offenen, ehrlichen, kritischen und selbstkritischen Niederlagenanalyse hört sich dein Kommentar Norbert, ja nicht gerade an. Ich gehöre auch nicht zu „den Kollaborateuren der Konterrevolution (ich war nie in der SED) und dem ganzen Gesindel der DDR-Delegitimierer“; habe 1961 den Bau der Mauer bejaht und verteidigt, – trotzdem schreibe ich dir folgendes:

Wie weltfremd und abwesend jeglicher Realität, muss man sein, um sich nicht einzugestehen, dass die „Mauer“ in Ost und West gehasst und nach und nach immer verhasster wurde, – auch und vor allen Dingen, bei den einfachen Menschen, die nicht verstanden haben und nicht verstanden konnten (weil die Propaganda der SED in dieser Hinsicht Grotten schlecht war), dass die Mauer, ein zu recht bezeichneter antifaschistischer Schutzwall war. Was du dazu schreibst, ist ja alles richtig. Tatsache ist aber auch, und das gehört zur historischen Wahrheit, dass die einfachen Menschen diese Mauer hassten, Abgrund tief hassten, je länger sie stand.

Dass die „Mauer“ bei den „Machthabern in der BRD, bei Adenauer & Co., den Altnazis und deren US-amerikanischen Drahtziehern“ gehasst wurde, halte ich für eine Gerücht oder Illusion. Richtig ist, die „Mauer“ hat ihren direkten Einfluss auf die DDR kurzzeitig vereitelt; die Revanchisten hatten aber schon längst den Plan B in der Bearbeitung. Nachzulesen bei Kurt Gossweiler, einer der führenden Faschismus- und Revisionismusforscher der DDR, in „Die antisozialistische Doppelstrategie des Imperialismus und der historische Wechsel von der Konfrontationspolitik zur – schließlich erfolgreichen – ‚indirekten Strategie‘“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=780)

1989 haben dann die Menschen mit den Füssen, auch über die „Mauer“, abgestimmt. Die Bilder von der Grenzöffnung schon vergessen?

Das Chruschtschow, Breshnew, Gorbatschow Revisionisten und Verräter waren, ist ja hinreichend bekannt. Kurt Gossweiler schreibt in, „Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=759):

„Aber dennoch ist es Tatsache, dass der Kurs der Chruschtschow-Gruppe von 1953 an bis zum Sturz Chruschtschows im Oktober 1964 der Kurs der KPdSU blieb, und selbst danach wurde seine Absetzung nicht damit begründet, dass er eine falsche, dem Marxismus-Leninismus zutiefst zuwiderlaufende Politik betrieben hatte, – was der Wahrheit entsprochen hätte und notwendig gewesen wäre, wenn man auf den Leninschen Kurs hätte zurückkehren wollen. […]

In den folgenden Tagen wurde von der Parteiführung, – an deren Spitze mit Leonid Breschnew der Mann gestellt worden war, den schon Chruschtschow selbst als seinen Nachfolger ins Auge gefasst hatte, – nachdrücklich betont, dass sich die Partei weiterhin von den Beschlüssen des XX. Parteitages und der nachfolgenden Parteitage, – die alle den Stempel Chruschtschows trugen! – leiten lassen werde. Später geübte Kritik an Chruschtschow beschränkte sich auf den Vorwurf des „Subjektivismus“ und der „Tendenzen des Personenkults“.

Hier ist es wichtig zu erkennen, dass der Chruschtschowsche Revisionismus von Breshnew weitergeführt wurde; – den Gorbatschow ab 1985, dann noch vollendete.

„Zu erklären bleibt also schon, wie es überhaupt zur Übernahme der Partei- und Staatsführung durch eine antileninistische Gruppierung kommen konnte, und wieso in all den Jahrzehnten seit 1953 die marxistisch-leninistischen Kräfte die Partei nicht wieder auf den richtigen Kurs zu bringen vermochte; wieso es den revisionistischen Kräften der KPdSU vielmehr gelang, auch international die meisten Parteien der kommunistischen Weltbewegung zur Billigung ihres Kurses zu bringen.“ (Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR, ebenda)

Das der Chruschtschowsche Revisionismus, gegen den sich die SED unter Walter Ulbricht noch mit aller Kraft wehrte, 1971 auch in der DDR siegreich war, ist auch bewiesen. Kurt Gossweiler, schreibt in „Stärken und Schwächen der SED im Kampf gegen den Revisionismus“, (http://kurt-gossweiler.de/?p=757#more-757):

„Das Führungskollektiv der SED mit Walter Ulbricht als Generalsekretär führte denn auch einen ebenso entschlossenen wie flexiblen Kampf zur Verteidigung einer marxistisch-leninistischen politischen Linie der SED. Dafür aber geriet Walter Ulbricht sehr bald nicht nur unter das Feuer des Klassenfeindes in Bonn, sondern sah sich immer häufiger gezwungen, Fallen auszuweichen und unschädlich zu machen, deren Herkunft nicht im Westen, sondern im Osten lag. […]

„Unter der Führung Walter Ulbrichts hat diese Partei ein Maximum des damals möglichen Widerstandes gegen den Revisionismus der Chruschtschow-Clique geleistet und erheblich dazu beigetragen, dass Chruschtschow im Oktober 1964 gestürzt wurde.“ […]

„Die Ablösung Ulbrichts und der Wechsel zu Honecker war natürlich nicht ohne Einwirkung der Moskauer Führung vor sich gegangen. (Nicht zu vergessen der Brief der Mitglieder des ZK der SED, unter entscheidender Mitwirkung Honeckers, zum Putsch gegen Walter Ulbricht) Dennoch wäre es falsch, in diesem Wechsel etwa den Wechsel von einem Marxisten-Leninisten zu einem Revisionisten zu sehen. (Ein Irrtum Gossweilers) Es war vielmehr der Wechsel von einem der im Klassenkampf erfahrensten und begabtesten Führer der deutschen und der internationalen kommunistischen Bewegung zu einem von bestem Willen erfüllten, aber infolge schwacher Führungsqualitäten leicht auf Abwege zu führenden Parteifunktionär.[…]

„Honecker hatte […] auf außenpolitischem Gebiet mehrfach der revisionistischen Aufweichungspolitik in die Hände gearbeitet: So bei der Vorbereitung und Durchführung des KSZE-Prozesses und dem Abschluss des Helsinki-Abkommens, oder auch bei der Billigung des gemeinsamen Dokumentes von SED und SPD vom August 1987 „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“, mit dem die Vertreter der SED-Seite geradezu Vorarbeit für die Ereignisse des Herbstes 89 geleistet haben.“

Wie groß die Kluft zwischen Staat/Regierung/SED und DDR-Bürger wirklich war läßt sich nur vermuten.

„Die Hauptursache (für den Niedergang des Sozialismus) habe ich schon genannt: Die wirtschaftliche Entwicklung erfüllte nicht die Erwartungen der Leute und die Versprechungen der Partei. Statt stetigem Aufschwung trat von einem bestimmten Punkt an ein Abschwung ein, verschlechterte sich die Versorgung, gab es auf bestimmten Gebieten doch Preiserhöhungen, verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen in den Betrieben, wurden zwar auf der einen Seite viele neue Wohnungen gebaut, wurde aber auf der anderen dem Verfall der Altbausubstanz kein Einhalt geboten, kurzum, das Leben wurde statt leichter und reicher – belastender und ärmer. Das alles wäre aber noch zu ertragen gewesen, wenn die Partei den Menschen offen die Ursachen für diese negative Entwicklung dargelegt und mit ihnen darüber beraten hätte, wie man die Situation meistern könnte.

Doch die Parteiführung ging einen anderen Weg. Sie ließ über die Medien verbreiten, dass alles in Ordnung sei, dass die Pläne erfüllt und übererfüllt würden, dass das Land von Erfolg zu Erfolg schreite – kurz, zwischen dem, was die Menschen tagtäglich im Betrieb, auf den Straßen, in den Läden und Verkehrsmitteln erlebten, und dem, was ihnen abends vom Bildschirm in den Nachrichten entgegentrat, klaffte ein Abgrund. Die Medienpolitik der Partei musste die Menschen empören, weil sie sich nicht nur belogen, sondern auch veralbert, nicht ernst genommen sahen. Sie verloren das Vertrauen zur Partei, die ihnen nicht die Wahrheit sagte, und öffneten nicht nur ihre Ohren, sondern schenkten auch ihren Glauben den Westmedien, deren Berichte über den DDR-Alltag in vielem dem, was sie kannten, näherkam, als die eigenen Sender.

Wie schrecklich weit Erich Honecker dem Denken und Fühlen der DDR-Bürger und von denen insbesondere der Jugend entfernt war, wurde besonders deutlich, als er zu einem Jahrestag des 13. August 1961, dem Tag der Errichtung der „Mauer“ in Berlin, erklärte, die Mauer werde „noch 100 Jahre stehen“, wenn nötig. Er, der einst an der Spitze der Jugendorganisation der Freien Deutschen Jugend gestanden hatte, hatte keinerlei Empfinden dafür und offenbar auch keine Kenntnis davon, dass die DDR-Jugend der 80er Jahre die Mauer längst nicht mehr als Schutzwall empfand, sondern als eine Gefängnismauer, die sie lieber heute als morgen beseitigt sehen würde.

Die Kluft zwischen Partei und breiten Teilen des Volkes war groß geworden, und auch in der Partei selbst verlor die Parteiführung immer mehr an Vertrauen bei den einfachen Mitgliedern.

Das sind die historischen Tatsachen und sie zu leugnen ist wie „Eulen nach Athen tragen“. Natürlich hat die „Mauer“ „kein gutes Licht auf den deutschen Staat, der vorgab, der Staat der Arbeiter und Bauern zu sein“ geworfen. Allein die Existenz der „Mauer“ gab den „Machthabern in der BRD, bei Adenauer & Co., den Altnazis und deren US-amerikanischen Drahtziehern“, die Möglichkeit „die menschliche Schiene zu reiten“ und die Menschen, beiderseits der „Mauer“, aufzuhetzen. Auch das ist eine historische Tatsache.

Zur Frage, ob die DDR zu Ende hin ein sozialistischer Staat gewesen ist oder nicht.

Die DDR war 1989 ein Staat mit einer sozialistischen Wirtschaft aber mit einer revisionistischen Partei- und Staat-Führung. Es ist doch allseitig bekannt, das mit der Chruschtschowschen Geheimrede auf dem XX. Parteitag, 1956, der Revisionismus öffentlich wurde und damit der Niedergang des Sozialismus begann. Wäre sich noch Walter Ulbricht dagegen das die SED von Moskau auf den revisionistischen Kurs gedrängt wurde, begann 1971, mit den unrealistischen, nicht zu erfüllenden Zielsetzungen des VIII. Parteitag auch der Revisionismus in der DDR und damit der Niedergang des Sozialismus. Zwar gab es noch kurzzeitig Erfolgserlebnisse, die auf Pump finanziert wurden, der Niedergang war, für den, der keine ideologischen Scheuklappen trug, am Horizont weithin sichtbar. Die Konterrevolution fand also nicht erst im Herbst 1989 statt, sondern sie begann schon 1956/1971. Von einer sozialistischen DDR, kann man, bei Beachtung des Abhängigkeitsverhältnisses von der Sowjetunion, – in der seit 1956 der Revisionismus regierte, – nun wirklich nicht mehr schreiben.

Zum Schluss einen gutgemeinten Rat. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du machst weiter die Augen zu und drischt weiterhin Phrasen wie: „die Kollaborateure der Konterrevolution und das ganzen Gesindel der DDR-Delegitimierer“, oder du beginnst eine offene, ehrlich, kritische und selbkritische Analyse der DDR-Geschichte, – dann bist du für einen Neuanfang der kommunistischen Bewegung geeignet -, oder du glorifizierst weiterhin, kritiklos den Revisionismus der SED, zum Sozialismus, dann wist du wieder erleben, wie 1989, dass dir die Menschen davonlaufen und dich nicht als einen ansehen, der ihre Interessen vertreten kann, – und damit schadest du einen Neuanfang der kommunistischen Bewegung mehr als es der Klassenfeind je hätte tun können.

Ganz zum Schluss noch ein Zitat, von einem in der DDR desavouierten – Stalin:

„Alle diese kleinbürgerlichen Gruppen dringen auf die eine oder andere Weise in die Partei ein und tragen in sie den Geist des Schwankens und des Opportunismus, den Geist der Zersetzung und der Unsicherheit hinein. Sie sind es hauptsächlich, die die Quelle der Fraktionsmacherei und des Zerfalls bildet, die Quelle der Desorganisation und Sprengung der Partei von innen heraus. Gegen den Imperialismus kämpfen, wenn man solche ´Bundesgenossen` im Rücken hat, heißt in die Lage von Leuten geraten, die von zwei Seiten beschossen werden – von der Front und vom Hinterland. Deshalb ist der schonungslose Kampf gegen solche Elemente, ihre Verjagung aus der Partei die Vorbereitung für den erfolgreichen Kampf gegen den Imperialismus“ (Stalin, Bd. 6, Seite 162).

„Die Geschichte der Partei lehrt, daß die Partei ihre Rolle als Führer der Arbeiterklasse nicht erfüllen kann, wenn sie, von Erfolgen berauscht, überheblich zu werden beginnt, wenn sie aufhört, die Mängel ihrer Arbeit zu bemerken, wenn sie sich fürchtet, ihre Fehler einzugestehen, sich fürchtet, diese rechtzeitig, offen und ehrlich zu korrigieren.

Die Partei ist unbesiegbar, wenn sie Kritik und Selbstkritik nicht fürchtet, wenn sie die Fehler und Mängel ihrer Arbeit nicht verkleistert, wenn sie an den Fehlern der Parteiarbeit die Kader erzieht und schult, wenn sie es versteht, ihre Fehler rechtzeitig zu korrigieren.

Die Partei geht zugrunde, wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen läßt, sich dem Gefühlt der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt.“
(„Geschichte der KPdSU(B) – Kurzer Lehrgang“, S. S. 449.)

Schließlich lehrt die Geschichte der Partei, daß die Partei der Arbeiterklasse ohne umfassende Verbindungen mit den Massen, ohne ständige Festigung dieser Verbindungen, ohne die Fähigkeit, auf die Stimme der Massen zu lauschen und ihre brennenden Nöte zu verstehen, ohne die Bereitschaft, nicht nur die Massen zu belehren, sondern auch von ihnen zu lernen, keine wirkliche Massenpartei sein kann, die fähig ist, die Millionen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen zu führen.“
(Ebenda, S. 450.)

Auch der Kommentar von Franz, 10. November 2019, 13:42, sollte nicht unwidersprochen bleiben. So schreibt er am Beginn:

„Es ist eine unwahre Behauptung, die Mauer sei in Ost und West verhasst gewesen. „Wer so etwas behauptet muß entweder sehr jung sein oder nur abgeschottet in SED-Kreisen verkehrt sein.“

Ich würde sagen: Wer diese zwei Sätze formuliert ist 28 Jahre mit Scheuklappen, um nicht zu schreiben, mit einem Brett vor dem Kopf, rumgelaufen.

Nico hat völlig recht, wenn er schreibt:

„Einst, nachvollziehbar, als „Antifaschistischer Schutzwall“ und zur Verhinderung von Republikflucht gebaut, wurde sie in der Bevölkerung nach und nach immer verhasster und warf kein gutes Licht auf den deutschen Staat, der vorgab, der Staat der Arbeiter und Bauern zu sein.“

Wer im Volk und mit den Menschen gelebt hat, kann das nur bestätigen. Die „Mauer“ wurde nicht geliebt, sondern gehasst. Selbst Kommunisten, die einmal die Notwendigkeit erkannt hatten, dass der Bau der „Mauer“ eine Notwendig war, rückten von dieser Meinung ab, je stärker der moderne Revisionismus den Aufbau des Sozialismus unmöglich machten. Ich habe einst den Bau der „Mauer“ auch begrüßt und verteidigt. Je länger sie jedoch stand, um so öfter fragt ich mich: „Was soll sie noch? Der moderne Revisionismus eilt doch schon lange, mit sieben Meilenstiefeln, auf die Restauration des Kapitalismus zu. Und je offensichtlicher es wurde, dass der moderne Revisionismus, die von ihm geweckten Bedürfnisse (Chruschtschow: bis 1970 die USA in der Pro-Kopf-Produktion eingeholt und bis 1980 die Grundlagen des Kommunismus in der Sowjetunion gelegt zu haben; die Erreichung „des höchsten Lebensstandards der Welt“; die „lichten Höhen des Kommunismus“. Honecker: Ich werde noch den Sieg des Kommunismus erleben.) nicht erfüllen konnte, umso mehr hassten die Menschen die „Mauer“. Wer allerdings in „abgeschottet in SED-Kreisen verkehrt“ hielt bis zum Schluss an der Notwendigkeit der „Mauer“ fest. Das bezeugt der Kommentar von Norbert. Wie mir scheint ein ehemaliger SED-Funktionär.

Dann wird es noch abenteuerlicher und geschichtsklitterischer, wenn Franz schreibt:

„Wie soll eine Mauer einen Atomkrieg verhindern? Jedes Flugzeug und jede Rakete kann darüber fliegen. Den Atomkrieg hat die Luftabwehr der Sowjetunion verhindert, das Gleichgewicht der Kräfte.
Die Mauer ist ein Produkt der sektiererischen Politik von Ulbricht, der auf die Provokationen Adenauers immer hereinfiel und möglichst schnell zum Sozialismus kommen wollte. Die Mauer ist eine verzweifelte Antwort auf die Abstimmung mit den Füßen.“

Und natürlich muss heute und jetzt Stalin wieder einmal herhalten, um zu beweisen das er recht hat:

„Stalin dagegen betrachtete die DDR lediglich als eine aufgezwungene Zwischenstation auf dem Weg zu einem demokratischen Gesamtdeutschland: „Die Erfahrung des letzten Krieges hat gezeigt, daß das deutsche und das sowjetische Volk in diesem Krieg die größten Opfer gebracht haben, daß diese beiden Völker die größten Potenzen in Europa zur Vollbringung großer Aktionen von Weltbedeutung besitzen. Wenn diese beiden Völker die Entschlossenheit an den Tag legen, für den Frieden mit der gleichen Anspannung ihrer Kräfte zu kämpfen, mit der sie den Krieg führten, so kann man den Frieden in Europa für gesichert halten. Wenn Sie so den Grundstein für ein einheitliches, demokratisches und friedliebendes Deutschland legen, vollbringen Sie gleichzeitig ein großes Werk für ganz Europa, indem Sie ihm einen festen Frieden gewährleisten.“ (Glückwunschtelegramm Stalin an Pieck und Grotewohl zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik).
Ohne die geringsten Vorbehalte wegen des Nationalsozialismus und des nur wenige Jahre zurückliegenden Überfalls auf die UdSSR zu äußern, trat Stalin für ein Bündnis mit Deutschland „zur Vollendung großer Aktionen von Weltbedeutung“ ein – und in der Tat hätte ein sowjetische-deutsches Zusammengehen die Geschichte der Nachkriegszeit anders aussehen lassen.“

Anders herum wird ein Schuh draus. Ein antifaschistisch-demokratisches Deutschland war nur ein Zwischenschritt, bis 1952, dann wurde der Aufbau des Sozialismus, unter Mitwirkung von Stalin, vor allen Dingen aber, unter Berücksichtigung seiner Erfahrungen, in der DDR aufgebaut.

Das Stalin und die DDR unter Führung von Walter Ulbricht, nach der vom Westen ausgehenden Teilung Deutschland, – Währungsunion, militärisches Einbinden der drei westlichen Besatzungszonen in die Nato, Gründung der BRD, – von der Absicht ein antifaschistisch-demokratisches Deutschland zu schaffen, notwendiger Weise abgegangen sind und 1952 beschlossen, den Sozialismus in der DDR aufzubauen, verschweigt Franz. Lieber klittert er die Geschichte.

Verbrecherisch und durch nicht zu rechtfertigen, ist dann die Geschichtslüge:

„Ulbricht und Anhänger wollten dagegen mit Riesenschritten zum Sozialismus, was schließlich zum 17. Juni und zur fortlaufenden Auszehrung der DDR durch Flucht führte und schließlich mit dem Mauerbau gegen die eigene Bevölkerung endete.“

Diese Meinung vertraten schon die Revisionisten um Chruschtschow. So schreibt Kurt Gossweiler in: Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“:

„Heinz Brandt, zur Zeit des 17. Juni 1953 noch Sekretär für Agitation und Propaganda in der Bezirksleitung Berlin der SED, später Überläufer und eines der für manchen noch so sehr notwendigen Beispiele dafür, dass einer ein Feind sein und dennoch jahrelang im Parteiapparat in hoher verantwortlicher Position unerkannt bleiben und als zuverlässiger Genosse gelten kann, – dieser durch seine Funktion gut informierte Heinz Brandt schrieb in einem Buch über die Situation im Juni 1953: „Der Kreml verlangte ultimativ, dass die bisherige SED-Politik liquidiert werde (s. Kommuniqué „Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der Deutschen Demokratischen Republik“), er verlangte sogar einen Wechsel in der Führung, er war bereit, die DDR eventuell sogar aufzugeben, um über Churchills Mittlerrolle zu einem Agreement mit den USA zu gelangen. Es hatte sich eine einmalige Konstellation für die demokratische und friedliche Wiedervereinigung Deutschlands ergeben, für die katastrophenlose Liquidierung des unseligen ,sozialistischen’ DDR-Abenteuers.“ (Heinz Brandt, Ein Traum, der nicht entführbar ist. Mein Weg zwischen Ost und West. Frankfurt/M, 1985, S. 208)
„Der gleiche Heinz Brandt ließ am 23. April 1981 in einer Sendung des RIAS mit dem Titel „Die DDR vor der Mauer“ wissen, dass Semjonow am 9. Juni schon eine neue Liste für das Politbüro fertig hatte, mit Herrnstadt an der Spitze. Dieser erste, aber keineswegs letzte Versuch, Walter Ulbricht zu stürzen, schlug fehl, …“

 Über das Kommuniqué schreibt Kurt Gossweiler:

„Dieser Besprechung im Politbüro der KPdSU folgte eine Einladung an Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Fred Oelßner zu einer „Beratung“ nach Moskau. Bei dieser „Beratung“, die in Wahrheit einem Befehlsempfang gleichkam, wurde den Genossen aus Berlin ein fertiges Dokument in die Hand gedrückt mit der Überschrift: „Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der Deutschen Demokratischen Republik“, in dem alle Maßnahmen der Partei und der Regierung der DDR der letzten Monate, – die zu einem großen Teil auf Empfehlungen und Forderungen der Sowjetischen Kontroll-Kommission (SKK) zurückgingen! – für falsch und fehlerhaft erklärt wurden, und verlangt wurde, sie rückgängig zu machen. Verlangt wurde auch, alle landwirtschaftlichen Genossenschaften aufzulösen, „die sich als lebensunfähig gezeigt haben“, in der DDR seien nur einfache Formen der Genossenschaften lebensfähig, in der der Boden gemeinsam bearbeitet würde, „ohne dass die Produktionsmittel vergesellschaftet werden“. Die Forderung nach Auflösung der „lebens-unfähigen“ Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften wurde in der DDR dank Walter Ulbrichts und der Mehrheit des ZK der SED nicht durchgeführt; …“, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat.

Dieses Kommuniqué ist auch der Beweis dafür, dass die DDR-Führung nur Befehlsempfänger KPdSU-Führung war und dass das Kommuniqué, der letzte Tropfen war, der das Fass am 17.Juni 1953, zum Überlaufen brachte.

Ich empfehle Frank den Artikel von Kurt Gossweiler zu lesen, der die wahren Hintergründe des 17. Juni 1953 beleuchtet. Es könnte seine kruden Behauptungen und Lügen, über die Regierungszeit Walter Ulbricht, revidieren.
Hintergründe des 17. Juni 1953. Anhang: Rede von Max Reiman auf der 15. ZK-Tagung der SED, 24.-26. Juli 1953, mit Kurt Gossweilers Vorwort vom August 2003

„Aber, Genossen, seid Euch darüber klar, dass die Ereignisse des 17. Juni für unsere Partei, für die KPD, ihre Auswirkungen haben. Wir versuchen zunächst, volle Klarheit in der Partei zu schaffen und die Verwirrung zu beheben, die vor allem in solchen Bemerkungen von Mitgliedern und Funktionären der Partei zum Ausdruck kam, wie die: Seht Ihr, wir haben recht gehabt, als wir schon immer sagten, die SED prallt zu weit vor mit ihrer Politik, wie es die Opportunisten sagten, oder: Wir haben schon immer gesagt, dass der Aufbau des Sozialismus die Menschen Westdeutschlands vor den Kopf stößt und die Sektierer sagen: Jetzt wird der Sozialismus preisgegeben.
Die Sektierer und Opportunisten zusammen stellen die Frage der Fehler in den Vorder-grund, und sie wurden auch hierbei durch das begünstigt, was sie aus dem demokratischen Rundfunk hörten, bzw. sie gaben der Hetze der Gegner nach.“
(Max Reimann: Rede auf der 15. ZK-Tagung der SED, 24. – 26. Juli, 1953)

Zum Schluss kann man nur feststellen:

„Unvermeidlich war und ist der Sieg und die Vorherrschaft des rechten Opportunismus und seiner theoretischen Rechtfertigung, des Revisionismus, wie die Geschichte zeigt, dort und so lange, wie in der Arbeiterbewegung der hoch entwickelten kapitalistischen Staaten ein relativ großer Teil der Arbeiter ihre Situation durchaus nicht mit den Worten des Kommunistischen Manifests richtig beschrieben sehen, sie hätten nichts zu verlieren als ihre Ketten.
Dagegen kann in den revolutionären, marxistisch-leninistischen Parteien und in den sozialistischen Staaten von einer Unvermeidlichkeit des Sieges des Revisionismus keine Rede sein. Ein solcher Sieg wird nur dann und dort unvermeidlich, wo der ständig zu führende Kampf gegen jede Abweichung vom Marxismus-Leninismus abgeschwächt oder gar eingestellt wird – wie in der KPdSU nach dem Tode Stalins.
Der neue Generalsekretär der KPdSU, Chruschtschow, steuerte – zunächst kaum merklich und dabei ständig lauthals seine unverbrüchliche Treue zu den Lehren Lenins beteuernd – zwar nicht geradlinig, sondern im Zick-Zack-Kurs, aber zielbewusst und hartnäckig – das Partei- und Staatsschiff immer weiter in das Fahrwasser des Revisionismus. Dies schon von Anfang an, also seit 1953. Aber als scharfe Zäsur wurde in der breiten Öffentlichkeit erst der XX. Parteitag der KPdSU empfunden. Aber diese Zäsur wurde ihr vorgeführt nicht als das, was sie war, nämlich das Verlassen des Leninschen Kurses, sondern umgekehrt, als Rückkehr zu ihm. Mit dieser Behauptung begann Chruschtschow schon im Jahre 1953 sich in das Vertrauen der Partei und der Bevölkerung einzuschleichen, wie beim Studium der Materialien des Juli-Plenums der KPdSU von 1953 deutlich wird.“
(Gossweiler, ebenda)

Und Gerhard Feldbauer schreibt in einer Oktober-Nummer des „Rotfuchs“:

„Für die Vorbereitung einer neuen sozialistischen Offensive ist die marxistisch-leninistische Analyse der Ursachen und Gründe der Niederlage dringend erforderlich. Wir werden diese Lehren nicht ziehen können, wenn wir nicht das entscheidende Kettenglied – den Opportunismus und Revisionismus in seinen verschiedenen Ausprägungen – dabei erfassen“.
Es geht also nicht um eine geburtstagsfeierliche Rückschau auf die DDR, sondern um die gedankliche Vorbereitung einer neuen sozialistischen Offensive auf eine neue, diesmal gesamtdeutsche Demokratische Republik.
Die aber wird nicht gelingen ohne Klarheit über die Rolle des Revisionismus bei der Zerstörung der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten Europas.“

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