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Starikow: Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie – 1. Teil


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Starikow: Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie

(Übersetzung eines Artikels aus dem Russischen von der Internet-Seite svoyput.ru von H. Münch)

1. Teil

Vorbemerkung der Redaktion: Diese Arbeit über die Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie ist zu lang, um sie in einer Ausgabe unserer Zeitung zu bringen. Wir haben den Text deshalb in zwei Teile geteilt. Den zweiten Teil bringen wir in der März-Ausgabe.

Einleitung vom Übersetzer: Ich bin überzeugter („gläubiger“) Sozialist schon mein ganzes Leben lang, da ich in der DDR aufgewachsen bin und die Lehren der Klassiker des Marxismus-Leninismus sehr ernst genommen habe, die ich auf Grund meiner beiden Studien (eins davon in der UdSSR) auch immer lesen und lernen musste.

Dabei fiel mir auf, dass viele theoretischen Lehren dieser Vordenker in der Praxis nicht umgesetzt und auch nicht weiter entwickelt wurden, was zu teils schizophrenen Zuständen in der Wirtschaft und im täglichen Leben in der DDR, aber vor allem in der UdSSR, führte. Ich bemerkte dies vor allem, als ich 1976 zum ersten Mal in der SU und dabei auch südlich Saratow in dörflichen Gegenden war. Der Eindruck, dass da etwas gewaltig schiefläuft, verstärkte sich sehr, als ich von 1980 bis 1984 in der SU studierte und danach die ökonomischen Folgen der Gorbatschowschen Politik der „Perestroika“ miterlebte. Ich war am Anfang auch Anhänger von Gorbatschow, weil ich die Folgen seiner Politik nicht einschätzen konnte und nur wusste, dass sich etwas ändern müsste.

Ich beobachtete voller Horror die Entwicklung und den Zusammenbruch der UdSSR und damit des sozialistischen Weltsystems sowie die Annexion der DDR durch die BRD. Dies waren für mich die tragischsten Erlebnisse in meinem Leben. Ich habe mich 30 Jahre lang nicht mit diesen Problemen beschäftigt, weil es für mich zu schmerzhaft war, mich daran zu erinnern.

Jetzt aber denke ich, dass man einfach gezwungen ist, diese Probleme aufzuarbeiten und nach Alternativen zu dem heutigen Monopol- und finanzkapitalistischen System zu suchen, welches die Welt beherrscht, weil wir an einem Wendepunkt angekommen sind und die nächste große Krise des imperialistischen Systems vor der Türe steht.

Von der deutschen Sozialdemokratie, die nach Liebknecht und Luxemburg immer wieder die Interessen der Werktätigen verraten hat und dies auch heute weiter tut, kann man keine Alternativen erwarten, da sie grundsätzlich antisozialistisch eingestellt ist. Das gilt heute leider auch für die „Linke“, die schon so weit „systemintegriert“ ist, dass man sie von der Sozialdemokratie kaum noch unterscheiden kann. Ich hatte einige Hoffnung auf S. Wagenknecht gesetzt, da sie mir von den bekannteren Politikern noch die sozialistischsten Positionen zu vertreten schien und habe mir deshalb das Buch von D. Goeßmann „Sahra Wagenknecht, Von links bis heute“ gekauft und gelesen, weil ich hoffte, darin Antworten zu finden. Ich wurde aber ziemlich enttäuscht.

Davon abgesehen, dass der Autor, der über Wagenknecht schreibt, diese ziemlich voreingenommen aus seiner westlichen Sicht einschätzt, bleibt zum Schluss doch der Eindruck, dass Wagenknecht die kapitalistische Konkurrenzwirtschaft verteidigt und von der Sache her einen reformierten Kapitalismus im Sinne der „sozialen Marktwirtschaft“ anstrebt.

Damit bin ich aber ganz und gar nicht einverstanden, denn dieses System hat auf der ganzen Linie versagt und ich gebe Lenin Recht, der sagt, dass es unmöglich ist, den Imperialismus in den Kapitalismus der freien Konkurrenz zurück zu führen.

Deshalb habe ich mich weiter umgesehen, vor allem im Internet auf russischsprachigen Seiten. Dabei bin ich in YouTube auf einige Vorträge von renommierten russischen Ökonomen und Politologen gestoßen, die sich mit der Politik Stalins in der UdSSR auseinandersetzten, vor allem mit der Ökonomie.

Ich bin dabei auf die so genannte Methode der Erhöhung der Effektivität der Produktion in der Stalinschen Ökonomie aufmerksam geworden, die ich sehr interessant fand und habe im Weiteren dann einen Artikel dazu gesucht, den ich unter der oben genannten Überschrift gefunden und jetzt z.T. übersetzt habe, da ich denke, dass es Zeit ist, sich ernsthaft mit dem theoretischen Erbe und der praktischen Politik Stalins auseinander zu setzen und von der neoliberalen Verteufelung seiner Person weg zu kommen und Chruschtschow, Gorbatschow sowie Solschenizyn (sein Buch „Archipel Gulag“ ist nachgewiesener maßen eine Anhäufung von Halbwahrheiten, Lügen und Übertreibungen) als eindeutige Verräter der sozialistischen Ideen zu brandmarken.

(Anm.: Hier werden wieder Breshnew und Gromyko, auf der sowjetischen Seite, und Honecker, auf der DDR-Seite, (und auch alle anderen 1. Sekretäre der sozialistischen Staaten) ausgeklammert. Sie haben den Chruschtschowschen Revisionismus genauso weitergeführt wie die oben genannten. Der Leninschen Kurs, beim Aufbau des Sozialismus, wurde doch nicht nach dem Sturz Chruschtschows, wieder beschritten und von Gorbatschow, wieder verlassen. Die Entwicklung war doch kontinuierlich.)

In Russland werden inzwischen „Stalin-Lesungen“ durchgeführt, die man sich im Internet anschauen kann und die viele „Klicks“ erhalten. Ich bin auf jeden Fall im Verlauf meiner Suche zum „Stalinisten“ geworden und schäme mich dessen überhaupt nicht, auch wenn dies in der heutigen „aufgeklärten und progressiven Gesellschaft“ ein Schimpfwort ist.

H. Münch

Nun aber zum Text!

Starikow: Methode der Erhöhung der Effektivität (MEÖ) in der Stalinschen Ökonomie/Stalin J.W.

Die Politik der planmäßigen Senkung der Preise.

Für Sie eine kleine Aufgabe. Sie sind Staatsoberhaupt. Sie stellten ein bestimmtes Volumen an Produkten her, welches wir als 100 % annehmen. Aber nach einem Jahr erhielten Sie als Resultat der Erhöhung der Produktivität der Arbeit auf Grund der Einführung neuer Technologien, der Organisation der Arbeit usw. eine Erhöhung des Volumens der hergestellten Produkte und dieses beträgt jetzt 110 % vom vorherigen. Frage: nutzen Sie diesen Zuwachs um 10 %, um mehr Geld zu drucken oder verringern Sie die Preise um den Betrag dieses Zuwachses?

Falls Sie die Preise senken, wächst die Kaufkraft der Bevölkerung: die Armen werden reicher, aber die Reichen werden nicht ärmer. Falls Sie aber Geld ohne Senkung der Preise drucken, bleibt die Kaufkraft insgesamt die frühere, aber das Geld aus den Taschen derer, die arbeiten, geht in die Taschen der über, die es verstehen, Geld zu machen. Jetzt steigen die Preise, weil man auf Grundlage des Zuwachses mehr Geld druckt.

Im Jahr 1939 wurde in der UdSSR eine neue Methode der Erhöhung der Effektivität der Ökonomie (MEÖ) ausgearbeitet. Die MEÖ nutzte man in der Mehrzahl der Zweige der Volkswirtschaft. Die MEÖ arbeitet effektiv in der sozialistischen wie auch in der kapitalistischen Ökonomie, aber in der sozialistischen Ökonomie war die Effektivität der MEÖ um mehr als zwei Mal höher.

Im Jahr 1955 übernahm Japan die MEÖ, was dessen stürmisches ökonomisches Wachstum auf Grund vor allem innovativer Technologien (Japanisches Wunder) sicherstellte, aber die UdSSR hat im gleichen Jahr auf diese MEÖ verzichtet (Chruschtschow), was in der Folge die Degeneration der Ökonomie hervorrief.

In der UdSSR verwendete man von 1939 bis 1955 eine „Zaubermethode“, welche einen beispiellosen Aufschwung der Ökonomie sicherstellte. Über diese Methode ist zur heutigen Zeit absolut nichts bekannt, obwohl man sie in jenen Jahren in der UdSSR überall angewandt hat.

Aber beginnend mit der Mitte der 50-iger Jahre hat sich die Situation stark verändert. Das Zuwachstempo verringert sich, in einer Reihe von Zweigen traten wirkliche Ausfälle auf.

So hat der japanische Milliardär Cherosi Teravama im Jahr 1991 gesagt, indem er sich an die sowjetischen Ökonomen wandte: „Sie sprechen nicht über das Grundlegende, über Ihre Vorreiterrolle in der Welt. Im Jahr 1939 waren Sie, die Russen, die Klugen, aber wir, die Japaner, die Dummköpfe. Im Jahre 1949 wurden Sie noch klüger, aber wir blieben noch Dummköpfe. Aber im Jahr 1955 wurden wir klüger, doch Sie verwandelten sich in fünfjährige Kinder. Fast unser gesamtes ökonomisches System haben wir praktisch von Ihrem kopiert, mit dem einzigen Unterschied, dass wir Kapitalismus, private Produzenten haben und wir mehr als 15 % Zuwachs nie erreichten, aber Sie bei gesellschaftlichem Eigentum an Produktionsmitteln erreichten 30 % und mehr. In allen unseren Firmen hängen Eure Losungen der Stalinzeit.“

Die überwältigende Mehrheit der Bürger des modernen Russlands, vom Liberalen bis zum Kommunisten, sind überzeugt, dass die Bevölkerung der UdSSR immer wesentlich schlechter als in den westlichen Ländern lebte. Niemand vermutet, dass gerade bei Stalin in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die sowjetischen Menschen in materieller und moralischer Hinsicht wesentlich besser lebten als in jedem anderen Land jener Zeit und besser, als in der modernen USA, über das heutige Russland schon gar nicht zu reden.

Dann aber kam Chruschtschow und verdarb alles. Und nach 1960 gerieten die Einwohner der UdSSR unmerklich in ein ganz anderes Land und nach einiger Zeit vergaßen sie, wie sie früher lebten. Gerade zur Chruschtschow-Zeit erschienen in diesem neuen Land all diese negativen Linien, welche man heute fälschlich dem sozialistischen System als organisch eigen zurechnet.

Und dieses Land eines inzwischen von den Chruschtschow-Reformen geschwächten Sozialismus, welches überhaupt nicht der früheren UdSSR ähnlich war, stürzte im Jahr 1991 unter der Last der angehäuften Probleme zusammen. Gorbatschow hat diesen Prozess nur beschleunigt, indem er im Stile Chruschtschows weiter handelte.

Im Laufe der Reformen der Jahre 1956-1960, welche N.S. Chruschtschow verwirklichte, wurden kardinale Veränderungen im politischen wie auch im ökonomischen System des Sozialismus vorgenommen.

Diese Veränderungen führten zu einer wesentlichen Verschlechterung der materiellen Lage praktisch aller Schichten der Bevölkerung, zur Verringerung der Produktion von landwirtschaftlichen und industriellen Waren, der Verkleinerung des Assortiments dieser Waren und Verringerung ihrer Qualität, der Erhöhung der Preise.

Anmerkung der Redaktion: Mit der Überschrift: „Die Unterschiede des „stalinschen“ ökonomischen Modells vom „chruschtschowschen“.
Eine Mine mit verzögerter Wirkung wurde von Chruschtschow in das Fundament der UdSSR gelegt“ wird der Abdruck des Artikels in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

Siehe auch:

J.W. Stalin: Über die Grundlagen des Leninismus
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/12/22/j-w-stalin-ueber-die-grundlagen-des-leninismus/
Ludo Martens: Stalin anders betrachtet
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2019/09/27/ludo-martens-stalin-anders-betrachtet/
Die Stalinprämien
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2019/11/16/die-stalinpraemien/
Was ist sozialistische Planwirtschaft?
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/01/04/was-ist-sozialistische-planwirtschaft/
Die Schwierigkeiten der Sowjetunion
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/01/18/die-schwierigkeiten-der-sowjetunion/

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2 Gedanken zu „Starikow: Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie – 1. Teil“

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