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Starikow: Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie – 2. Teil


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Starikow: Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie

(Übersetzung eines Artikels aus dem Russischen von der Internet­Seite svoy­put.ru von H. Münch)

2. Teil

Vorbemerkung der Redaktion: Diese Arbeit über die Methode der Erhöhung der Effektivität in der Stalinschen Ökonomie ist zu lang, um sie in einer Ausgabe unserer Zeitung zu bringen. Wir haben den Text deshalb in zwei Teile geteilt. Der erste Teil ist in der Februar-Ausgabe erschienen. Hier ist nun der zweite Teil.

 „Die Unterschiede des „stalinschen“ ökonomischen Modells vom „chruschtschowschen“. Eine Mine mit verzögerter Wirkung wurde von Chruschtschow in das Fundament der UdSSR gelegt.

Bis zum „Chruschtschowschen Tauwetter“, also in der „Epoche des Stalinismus“, wirkt ein unserer Ökonomie ein interessanter und sehr effektiver Mechanismus – die Kontrolle und Vergütung der Senkung der Selbstkosten der Produktion. Im Zusammenwirken mit anderen, sicherte er die bekannten jährlichen Senkungen der Preise.

Wie war das aufgebaut? Schauen wir uns das genauer an.

Am Anfang des Jahres werden auf alle Basiswaren, in Übereinstimmung mit den erreichten Selbstkosten, feste, für dieses Jahr unveränderliche Preise festgelegt. Aber für die Senkung der Selbstkosten zahlte man Prämien – und gute! Und, beachten Sie! Man hatte etwas, wovon man sie zahlen konnte, weil im Laufe des Jahres die Produktion verbessert wurde, und wenn bei unverändertem Preis die Selbstkosten fallen, dann wächst der Gewinn! Und davonwurden dann die Prämien gezahlt.

Es ist natürlich, daß zum Ende des Jahres die Selbstkosten der Waren wesentlich gesenkt worden waren und der Gewinn anstieg. Das Nachdenken über die Produktion war vorteilhaft.

(Anm. des Übersetzers: nach meiner Erinnerung an einen Vortrag auf YouTube: weil die Prämien, die teilweise bis zu Jahresgehältern und mehr betrugen, unmittelbar an die Ideengeber und Verwirklicher ausgezahlt wurden, und nicht, wie später durch Chruschtschow eingeführt, an die Partei- und Betriebsführungen. Chruschtschow schuf damit ein staatlich sanktioniertes Korruptionssystem, um sich die Unterstützung der Partei- und Wirtschaftskader zum persönlichen Machtausbau zu sichern, womit natürlich das Interesse der eigentlichen Produzenten an der Effektivitätserhöhung geradezu vernichtet wurde. In dem Vortrag wurde auch ein ganzes Bündel an Methoden zur Erhöhung der Effektivität genannt, an die ich mich aber nicht mehr erinnere, die von Chruschtschow außer Kraft gesetzt wurden).
Jetzt weiter. Zum Ende des Jahres wurden die Ergebnisse erfaßt. Derjenige, bei dem die Selbstkosten mehr gesenkt wurden als bei den anderen, wurde zusätzlich prämiert (zusätzlich zu den Prämien im Verlaufe des Jahres!).

Den volkswirtschaftlichen Effekt, der durch die Steigerung der Effektivität der Produktion, wie sie eben geschildert wurde, entstand, führte dazu, die Preise im kommenden Jahr verringern zu können.

Er wurde also den Leuten übergeben, dem ganzen Volk des Landes. Der Gewinn war kein Selbstzweck. Mehr noch, am Ende des Jahres wurde der Gewinn durch die Senkung der Preise bewußt und geplant „beschnitten“.

Das wurde folgendermaßen gemacht. Zu den neuen (verminderten) Selbstkosten wurde eine Norm des Gewinns dazugerechnet, nehmen wir an, 20% (in unterschiedlichen Zweigen der Produktion und den unterschiedlichen Jahren waren die Ziffern unterschiedlich, in Abhängigkeit von den Bedingungen und den Zielen der Regulierung) und so erhielt man neue, auf natürliche Weise gesenkte Preise, welche bis zum nächsten Jahr galten. Die Absenkung der Preise wurde jährlich durchgeführt und die Liste der so gesenkten Preise wurde veröffentlicht. Über dieses Ereignis sang Wysotskiy (Anm. Übers.: sehr bekannter und beliebter sowj. Dichter und Sänger): „war eine Zeit, und die Preise wurden gesenkt“.

Ist dies nun gut oder schlecht? Urteilen Sie selbst. Unter Kontrolle befanden sich die Selbstkosten sowie der Preis. Und sogar der Gewinn war die ganze Zeit unter Kontrolle und konnte nicht riesengroße Ausmaße annehmen. Und das ist von mehreren Seiten her sehr gut. Betrachten wir wenigstens einige.

Erstens, das war sehr gut für den Betrieb, denn ein geringer, nämlich normierter Gewinn blähte den Preis der Waren nicht auf und die Waren konnten auf Grund dessen allen zugänglich sein, fanden einen einfachen Absatz und das stellte dem Unternehmen einen gleichmäßigen Zufluß an Finanzmitteln sicher.

Zweitens, dieser Mechanismus der Formierung der Preise und des Gewinns existierte in allen Unternehmen und nicht ein Unternehmen konnte sich in die Stellung des „Monopolisten“ bringen und anfangen eine Erhöhung der Preise zudiktieren, einen nicht erarbeiteten Gewinn erhalten – einen Gewinn auf Grund der Beraubung des Anderen. Oder anders ausgedrückt, einen höheren Gewinn ohne die Verringerung der Selbstkosten.

Warum ist die Beraubung des Anderen schrecklich? Nicht nur deshalb, weil irgendwer auf Kosten von irgendwem “um sonst durchfuhr“. Nicht nur deshalb ist das schlecht. Viel schlechter ist, daß „die Explosion der Preise“, welche in diesen Fällen immer auftritt, eine nichtzulässige Disharmonie in die Produktion und Konsumtion einführt und diese Disharmonie bringt im besten Fall eine Anarchie der Produktion, oder aber ihre vollständige Einstellung, mit sich.

Den Schaden durch das „Chruschtschowsche“ Modell kann man leicht erkennen, wenn man zu den angeführten Überlegungen eine Analyse mit Hilfe der Regeln der Bewegung der Geldströme durchführt. Auf ihm ist dargestellt, wie der Mechanismus anfing zu arbeiten, wenn im Zentrum der Aufmerksamkeit (im Zielmodul) anstelle der Senkung der Selbstkosten der Gewinn gestellt wurde und die Regeln der Geldströme folgendermaßen gemacht wurden: Den Gewinn des Unternehmens hat man als wichtigstes Merkmal geplant, für dessen Erfüllung man entweder prämiert oder bestraft wurde. Der Gewinn wurde dabei in absoluten Ziffern geplant, d.h. man plante direkt, daß das Unternehmen verpflichtet war, so und so viel Tausend (Millionen) Rubel Gewinn zu erhalten. In der gleichen Zeitwurde unter dem Vorwand, daß „wir kein kapitalistisches System sind und die Beraubung der Bevölkerung durch hohe Preise nicht zulässig ist“, der Gewinn im prozentualen Verhältnis fest an die Größe der Selbstkosten angebunden, was es im stalinschen System nicht gab.

Erinnern wir uns, in ihm war es so. Auf eine Periode (nehmen wir ein Jahr an) wurde ein fester Preis festgelegt und es wurde die ANZAHL der Erzeugnisse geplant. Die Hauptsache war die Erfüllung des Planes nach ARTEN und der ANZAHL der Erzeugnisse und dabei wurde die Senkung der Selbst kosten prämiert. Auf diese Art und Weise hatten im Verlauf der Planungsperiode die Selbstkosten und der Gewinn keine feste Verbindung. Am Ende der Planungsperiode war der Selbstkostenanteil gegenüber dem Beginn um eine bestimmte Prozentzahl verringert, und so erhielt man den neuen (verringerten) Preis für die nächste Planungsperiode. Die Steigerung des Gewinns spielte in dem stalinschen System überhaupt keine Rolle, aber vergrößern konnte man ihn nur auf zwei Wegen: durch Vergrößerung des Ausstoßes von Waren im Vergleich zum Plan und durch ABSENKUNG DER SELBSTKOSTEN, welche zum Ende der Planungsperiode die Grundlage für die laufende Preissenkung bildete.

Auf diese Art und Weise forderten die Regeln der Bewegung der Geldströme des stalinschen Systems eine Absenkung der Selbstkosten durch Erfüllung und Übererfüllung des Planes den ARTEN und den ZAHLEN der Erzeugnisse nach zu erreichen.

Jetzt sehen Sie, was das „Chruschtschowsche“ System forderte. In ihm war ALLES GENAU ANDERS HERUM. In ihm war die Hauptsache, den Gewinn (in Rubeln) zu erhalten, der geplant war. Aber der Gewinn selbst wurde als fester prozentualer Anteil der Selbstkosten berechnet. So erhielt man eine Abhängigkeit, JE HÖHER DIE SELBSTKOSTEN, DESTO HÖHERDER GEWINN. So erhielt man, daß man nicht zur Absenkung der Selbstkosten strebte, sondern zur ERHÖHUNG DER SELBSTKOSTEN.

Im Weiteren werden auf 6 Seiten von 16 Seiten einige Beispiele angeführt, zu welch unsinnigen Reaktionen und Auswirkungen dieses „Chruschtschowsche“ System in den Unternehmen geführt hat. Ich spare mir dies, da ich denke, daß jedem normal denkenden Menschen klar geworden ist, wie schädlich Chruschtschow für die sozialistische Wirtschaft war. Aber er hat sich auch auf anderen Gebieten ähnlich „hervorgetan“, so daß ein Untergang des sozialistischen Systems schwer zu vermeiden war.

Unsere Aufgabe ist es, aus diesen Fehlern zu lernen und die ursprünglichen Grundlagen des Sozialismus von Lenin und Stalin zu erforschen.

Goethe und Hegel, auf die sich S. Wagenknecht beruft, schreiben zwar schöne, intelligente Sachen, sie sind aber Schreibstuben gelehrte, die von der ökonomischen Praxis keine Ahnung haben und schon gar nicht unter den Bedingungen des entwickelten Imperialismus. Da halte ich mich lieber an Lenin, dessen Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ so aktuell wie nie ist und an Stalin, der eine riesige Volkswirtschaft unter den Bedingungen der imperialistischen Umkreisung und des Krieges erfolgreich geleitet hat und von dessen ökonomischen Prinzipien und Erfolgen zu seiner Zeit selbst Imperialisten begeistert waren.

Mit sozialistischem Gruß,
Ihr “Stalinist“
H. Münch

(Willkommen im Club!)

Siehe auch:

J.W. Stalin: Über die Grundlagen des Leninismus
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/12/22/j-w-stalin-ueber-die-grundlagen-des-leninismus/
Ludo Martens: Stalin anders betrachtet
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2019/09/27/ludo-martens-stalin-anders-betrachtet/
Die Stalinprämien
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2019/11/16/die-stalinpraemien/
Was ist sozialistische Planwirtschaft?
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/01/04/was-ist-sozialistische-planwirtschaft/
Die Schwierigkeiten der Sowjetunion
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/01/18/die-schwierigkeiten-der-sowjetunion/

 

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