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Russischer Präsident Putin analysiert den Zweiten Weltkrieg


Bei http://kremlin.ru ist ein Artikel des russischen Präsidenten erschienen (75 Jahre Großer Sieg: Eine gemeinsame Verantwortung gegenüber der Geschichte und der Zukunft), den ich hier in deutscher Übersetzung veröffentliche. (Der Artikel ist Kaliningrad-Domizil entnommen.)
Da die Geschichte im Westen schon immer in Sinne der herrschenden Klasse geklittert wurde und wird, – diese Tendenz nach 1990 auch im kapitalistischen Russland immer stärker zu beobachten ist (durch Suworow und Co.), werde ich diesen Artikel nach und nach analysieren, kommentieren und mit Anmerkungen versehen.

Das dieser Artikel von den westlichen, geschichteklitternden Vasallen und Lakaien der herrschenden Klasse völlig verrissen wurde, ist schon mal ein gutes Zeichen und lässt den Wahrheitsgehalt der Aussagen von Putin sehr hoch erscheinen.

Russischer Präsident Putin analysiert den Zweiten Weltkrieg

Freitag, 19. Juni 2020

putin

Seit langem angekündigt, ist nun ein großer Artikel des russischen Präsidenten Putin, am Vorabend des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion, erschienen. Er beschäftigt sich mit den Ursachen und dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges, insbesondere jedoch des Großen Vaterländischen Krieges. Putin nutzt für diesen Artikel Fakten, die bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannt waren.
(Anm.: Hier irrt der Übersetzer. Die „Fakten“ sind in der marxistisch-leninistischen Geschichtsschreibung schon lange bekannt; – nur in der bürgerlichen wurden sie geleugnet und/oder gefälscht.)

75 Jahre Großer Sieg: Allgemeine Verantwortlichkeit vor der Geschichte und Zukunft

Vor 75 Jahren endete der Große Vaterländische Krieg. Seit diesem Zeitpunkt sind einige Generationen herangewachsten. Die politische Karte des Planeten hat sich verändert. Die Sowjetunion, die einen grandiosen, vernichtenden Sieg über den Nazismus errang und die ganze Welt rettete, existiert nicht mehr. Und selbst die eigentlichen Ereignisse dieses Krieges, selbst für deren Teilnehmer, liegen weit zurück. Aber warum begeht man in Russland den 9. Mai als den wichtigsten Feiertag? Am 22. Juni schien das Leben einzufrieren. Wem schnürt es hierbei nicht die Kehle zu? (Anm.: Am 22. Juni 1941 hat das faschistische Deutschland die Sowjetunion überfallen.)

Es ist üblich zu formulieren: Der Krieg hat tiefe Spuren in jeder Familie hinterlassen. Hinter diesen Worten steht das Schicksal von Millionen Menschen, ihre Opfer, ihre schmerzlichen Verluste. Stolz, Wahrheit und Erinnerung.

Für meine Eltern war der Krieg die schrecklichen Qualen im belagerten Leningrad, wo mein zweijähriger Bruder Witja starb. Nur durch ein Wunder ist meine Mutter am Leben geblieben. Mein Vater, als Reservist, schützte als Freiwilliger seine Heimatstadt. Er handelte so, wie viele Millionen sowjetischer Bürger. Er kämpfte am Newki-Brückenkopf, wurde schwer verwundet. Und je mehr die Jahre vergehen, um so mehr entsteht der Wunsch darüber mit den Eltern zu sprechen, mehr Einzelheiten aus der Kriegszeit und ihrem Leben zu erfahren. Aber es ist schon nicht mehr möglich irgendetwas zu fragen. Somit bewahre ich in meinem Herzen heilig die Gespräche mit Vater und Mutter und ihre zurückhaltenden Emotionen zu diesem Thema.

Für mich und meine Kollegen ist es wichtig, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel verstehen, welche Art von Prüfungen und Qualen ihre Vorfahren durchgemacht haben. Wie, warum konnte man überleben und gewinnen? Woher kam ihre wahrhaft eiserne Stärke, die die ganze Welt überraschte und begeisterte? Ja, sie haben ihr Zuhause, ihre Kinder, Verwandten und ihre Familie geschützt. Aber alle waren durch die Liebe zum Mutterland, zum Vaterland verbunden. Dieses tiefe, persönliche Gefühl in seiner Gesamtheit spiegelt sich in der Essenz unseres Volkes wider und ist zu einem der bestimmenden in seinem heldenhaften Opferkampf gegen die Nazis geworden.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview02.JPGFoto: Berlin. 1945. Soldat Michael Makarow vor dem Reichstag.
Foto: Anatoli Morosow/RIA Novosti

Die Menschen fragen oft: „Wie wird sich die aktuelle Generation verhalten? Was wird in einer kritischen Situation passieren?“ Vor meinen Augen – junge Ärzte, Krankenschwestern, manchmal Studenten von gestern, die heute in die „rote Zone“ gehen, um Menschen zu retten. Unsere Soldaten opferten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Nordkaukasus und in Syrien ihr Leben. Sehr junge Leute. Viele Kämpfer der legendären, unsterblichen sechsten Luftsturmkompanie waren 19, 20 Jahre alt. Aber alle zeigten, dass sie genauso würdige Soldaten unserer Heimat sind, wie es diejenigen waren, die das Land während des Großen Vaterländischen Krieges verteidigten.

Daher bin ich sicher, dass es dem Charakter der Völker Russlands entspricht, ihre Pflicht zu erfüllen und sich nicht zu schonen, wenn die Umstände dies erfordern. Selbstlosigkeit, Patriotismus, Liebe zum eigenen Zuhause, zur eigenen Familie, zum Vaterland – diese Werte sind heute von grundlegender Bedeutung für die russische Gesellschaft. Sie ruhen im Großen und Ganzen weitgehend auf der Souveränität unseres Landes.

Jetzt haben wir neue Traditionen, die vom Volk geboren wurden, wie das Unsterbliche Regiment. (Anm.: Das Unsterbliche Regiment ist eine beeindruckende Veranstaltung, bei der Menschen mit den Fotos ihre Vorfahren, die am Krieg teilgenommen haben, durch die Städte ziehen. Die Stimmung dabei ist friedlich, aber die Bilder sind eindrücklicher, als jede Dokumentation oder jedes Buch über den Krieg. Wenn man auf diese Weise vorgeführt bekommt, wie viele Menschen alleine aus einer Stadt in dem Krieg gekämpft und gelitten haben oder gestorben sind, dann geht man wirklich mit dem Gedanken „nie wieder Krieg!“ nach Hause.)
Dies ist ein Marsch unserer dankbaren Erinnerung, eine lebenswichtige Verbindung zwischen den Generationen. Millionen von Menschen gehen zu dieser Prozession mit Fotos ihrer Verwandten, die das Vaterland verteidigt und den Nationalsozialismus besiegt haben. Dies bedeutet, dass ihr Leben, ihre Prüfungen und Opfer, der Sieg, den sie uns gaben, niemals vergessen werden.

Es ist notwendig, die Analyse der Gründe, die zum Weltkrieg geführt haben, Gedanken über seine komplexen Ereignisse und Lehren fortzusetzen.

Unsere Verantwortung gegenüber Vergangenheit und Zukunft besteht darin, alles zu tun, um das Wiederauftreten schrecklicher Tragödien zu verhindern. Daher halte ich es für meine Pflicht, einen Artikel über den Zweiten Weltkrieg und den Großen Vaterländischen Krieg zu verfassen. Ich habe diese Idee mehr als einmal in Gesprächen mit führenden Persönlichkeiten der Welt diskutiert und deren Verständnis erfahren. Ende letzten Jahres, auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der GUS-Staaten, waren wir uns alle einig: Es ist wichtig, den Nachkommen die Erinnerung zu vermitteln, dass der Sieg über den Nationalsozialismus in erster Linie vom sowjetischen Volk errungen wurde, dass im heldenhaften Kampf an der Front und im Hinterland Schulter an Schulter stand. Vertreter aller Republiken der Sowjetunion. Und ich sprach mit meinen Kollegen über die nicht sehr einfache Vorkriegszeit. (Anm.: Hier übersieht Putin eines (er muss es als Repräsentant des russischen Kapitalismus übersehen, denn auch für ihn hat die kommunistische Ideologie ein Verbrechen zu sein und er lebt in der Tradition des Chruschtschowschen Revisionismus.) – ohne eine politische und militärische Führung, die die richtigen Entscheidungen trifft, wie z.b. die Panzerwerke hinter dem Ural zu bauen (Stalin), wird jeder Krieg verloren. Bestes Beispiel hierfür ist Frankreich 1940.
Frankreich war bis 1940 die stärkste Militärmacht in Kontinentaleuropa und hatte die Unterstützung Englands. Allerdings hatte Frankreich aber eine führende politische Klasse, die in ihrer antikommunistischen Appeasement-Politik das einzige seligmachende Allheilmittel sah und eine militärische Führung, die im 1. Weltkrieg stecken geblieben war. Ihre Militärdoktrin war völlig veraltete.
Nicht so in der Sowjetunion. Stalins Beiträge, – auch anderer Autoren, – zur marxistisch-leninistischen Militärtheorie und -politik, legen beredtes Zeugnis dafür ab, dass die Sowjetunion einen anderen, den richtigen Weg, ging. Auch das hat zum Sieg beigetragen.
Nun wäre es falsch den französischen Soldaten abzusprechen, ihre Pflicht nicht erfüllte oder sich geschont zu haben, wenn die Umstände anderes forderten; dass sie Selbstlosigkeit, Patriotismus, Liebe zum eigenen Zuhause, zur eigenen Familie, zum Vaterland nicht gekannt hätten, – was ihnen fehlte war eine fortschrittliche politische und militärische Führung. Deshalb war die Niederlage unvermeidlich.
Nach meiner Meinung, hätte auch die Sowjetunion den Krieg verloren, wie Frankreich, hätte nicht an der Spitze des Staates eine Avantgarde gestanden, aus denen Menschen hervorgingen wie die Helden der Sowjetunion.)

Dieses Gespräch stieß in Europa und der Welt auf große Resonanz. Es ist also wirklich notwendig und aktuell, sich den Lehren der Vergangenheit zuzuwenden. Gleichzeitig gab es viele Emotionen, schlecht versteckte Komplexe und laute Anschuldigungen. Eine Reihe von Politikern beeilten sich wie üblich zu erklären, dass Russland versucht, die Geschichte neu zu schreiben. Sie konnten jedoch keine einzige Tatsache widerlegen, kein einziges angeführtes Argument. Natürlich ist es schwierig, ja unmöglich, über echte Dokumente zu streiten, die übrigens nicht nur in russischen, sondern auch in ausländischen Archiven aufbewahrt werden.

Daher ist es notwendig, die Analyse der Ursachen, die zum Weltkrieg geführt haben, fortzusetzen und über seine schwierigen Ereignisse, Tragödien und Siege, über seine Lehren nachzudenken – für unser Land und die ganze Welt. Und hier, ich wiederhole, ist es von grundlegender Bedeutung, sich nur auf Archivmaterial, Beweise von Zeitgenossen, zu stützen, um ideologische und politisierte Spekulationen auszuschließen.

Ich erinnere nochmal an Offensichtliches. Die Ursachen, die zum Zweiten Weltkrieg führten, sind größtenteils auf Entscheidungen zurückzuführen, die nach dem Ersten Weltkrieg getroffen wurden waren. Der Versailler Vertrag ist zu einem Symbol tiefgreifender Ungerechtigkeit für Deutschland geworden. Tatsächlich war es Ausrauben des Landes, welches gezwungen war, den westlichen Alliierten enorme Reparationen zu zahlen, was seine Wirtschaft aussaugte. Der Oberbefehlshaber der Alliierten, der französische Marschall F. Fauch, beschrieb Versailles prophetisch: „Dies ist kein Frieden. Dies ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.“

Es war eine nationale Demütigung, die den Nährboden für radikale und revanchistische Gefühle in Deutschland bildete. Die Nazis spielten geschickt mit diesen Gefühlen, bauten ihre Propaganda darauf auf und versprachen, Deutschland vor dem Versailler Erbe zu retten, seine frühere Macht wiederherzustellen und damit trieben sie das deutsche Volk tatsächlich in einen neuen Krieg. Paradoxerweise haben westliche Staaten, vor allem Großbritannien und die USA, direkt oder indirekt dazu beigetragen. Ihre Finanz- und Industriekreise investierten sehr aktiv in deutsche Fabriken und Fabriken, die Kriegsmaterial herstellten. Und unter der Aristokratie und dem politischen Establishment gab es viele Anhänger radikaler, rechtsextremer, nationalistischer Bewegungen, die in Deutschland und Europa an Stärke gewannen.

Die „Friedensordnung“ von Versailles hat zahlreiche versteckte Widersprüche und offene Konflikte erzeugt. Sie basieren auf den Grenzen der neuen europäischen Staaten, die von den Gewinnern des Ersten Weltkriegs willkürlich gezogen wurden. Fast unmittelbar nach ihrem Erscheinen auf der Karte begannen territoriale Streitigkeiten und gegenseitige Ansprüche, die sich in „Zeitbomben“ verwandelten.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Ersten Weltkriegs war die Schaffung des Völkerbundes. Diese internationale Organisation weckte große Hoffnungen auf langfristigen Frieden und kollektive Sicherheit. Es war eine fortschrittliche Idee, deren konsequente Umsetzung, ohne Übertreibung, eine Wiederholung der Schrecken eines globalen Krieges hätte verhindern können.
(Anm.: Auch das ist ein Irrtum von Putin. Ich habe mal gelernt, das zwischen imperialistischen Staaten antagonistische Widersprüche bestehen, – Widersprüche also, die unlösbar sind.
Das bezeugt der Vertrag von Versaille. In diesem Vertrag traten die antagonistischen Widersprüche innerhalb des Imperialismus am deutlichsten hervor, – England und Frankreich führten den 1. Weltkrieg mit friedlichen, d.h. mit ökonomischen Mitteln fort. Es galt, den Festlandskonkurrenten um die Weltherrschaft, für immer auszuschalten.
Diese Widersprüche wurden auch in den Völkerbund hineingetragen, manifestierten sich dort und machten eine sinnvolle Arbeit des Völkerbundes unmöglich.
Verhindert hat der Völkerbund, eben wegen dieser Widersprüche, – NICHTS.)

Der Völkerbund, der von den Siegermächten Großbritannien und Frankreich dominiert wurde, zeigte jedoch seine Ineffizienz und ging einfach in leeren Gesprächen unter. Im Völkerbund, eigentlich auf dem gesamten europäischen Kontinent, wurden die wiederholten Forderungen der Sowjetunion nach einem gleichberechtigten System der kollektiven Sicherheit nicht gehört. Insbesondere geht es um den Abschluss osteuropäischer und pazifischer Sicherheitsverträge, die ein Hindernis für die Aggression hätten darstellen können. Diese Vorschläge wurden ignoriert.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview03.JPGFoto: Chamberlain unterzeichnet das Münchner Abkommen.
Foto: „Rodina“

Der Völkerbund konnte Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt nicht verhindern, wie den italienischen Angriff auf Äthiopien, den spanischen Bürgerkrieg, die japanische Aggression gegen China und den Anschluss Österreichs. Und im Falle des Münchner Abkommens, an dem neben Hitler und Mussolini auch die Führer Großbritanniens und Frankreichs, mit voller Zustimmung des Rates des Völkerbundes teilnahmen, wurde die Tschechoslowakei zerstückelt. Ich stelle in diesem Zusammenhang fest, dass sich Stalin, im Gegensatz zu vielen der damaligen Führer Europas, nicht durch ein persönliches Treffen mit Hitler beschmutzte, der damals in westlichen Kreisen als angesehener Politiker bekannt und in europäischen Hauptstädten ein gern gesehener Gast war.
(Anm.: Das Münchner Abkommen wird in der Sowjetunion „Münchner Verschwörung“ genannt. Und auch wenn es heute im Westen gerne vergessen wird, war Hitler tatsächlich über viele Jahre im Westen sehr respektiert. Noch 1938 wurde Hitler vom Time Magazine zum „Man of the Year“ erklärt.)

In der Thematik Tschechoslowakei handelte Polen zusammen mit Deutschland. Sie entschieden im Voraus und gemeinsam, wer welche tschechoslowakischen Länder bekommen würde. Am 20. September 1938 informierte der polnische Botschafter in Deutschland, J. Lipsky, den polnischen Außenminister, J. Beck, über Hitlers Zusicherungen: „… wenn die Angelegenheit zwischen Polen und der Tschechoslowakei aufgrund polnischer Interessen in Tieszyn zu einem Konflikt kommt, wird das Reich auf unserer (polnischer) Seite stehen. „Der Nazi-Führer gab sogar Hinweise und riet, dass Polen erst dann mit seinen Handlungen beginnen sollte, wenn die Deutschen das Sudetengebiet besetzt haben“. (Anm.: Das wird in deutschen Geschichtsbüchern gerne verschwiegen, aber Polen hat tatsächlich Teile der Tschechoslowakei annektiert, als Deutschland die Sudetengebiete besetzt hat. Das kann jeder leicht nachprüfen, indem man die Geschichte des Gebietes Teschen – heute Cieszyn – googelt.)

Warum wird der 9. Mai als wichtigster Feiertag in Russland gefeiert? Und am 22. Juni scheint das Leben einzufrieren. Warum schnürt es uns den Hals zu?

Den Polen war klar, dass ihre aggressiven Pläne ohne Hitlers Unterstützung zum Scheitern verurteilt wären. Hier zitiere ich eine Aufzeichnung des Gesprächs des deutschen Botschafters in Warschau, Herrn A. Moltke, mit J. Beck vom 1. Oktober 1938 über die polnisch-tschechischen Beziehungen und die Position der UdSSR zu diesem Thema. Dort steht geschrieben: „… Herr Beck … bedankte sich sehr für die loyale Auslegung der polnischen Interessen auf der Münchner Konferenz sowie für die Aufrichtigkeit der Beziehungen während des Tschechischen Konflikts. Die Regierung und die Öffentlichkeit (d.h. Polen) würdigen die Position des Führers und des Reichskanzlers voll und ganz.“

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview04.JPGFoto: Das Jahr 1938. Deutsche Truppen marschieren in die Prager Burg ein.
Foto: GettyImages

Die Teilung der Tschechoslowakei war grausam und zynisch. München hat sogar die formellen, fragilen Garantien, die auf dem Kontinent verblieben waren, vernichtet. Es zeigte, dass gegenseitige Vereinbarungen wertlos sind. Es war die Münchner Verschwörung, die als „Auslöser“ diente, nach der ein großer Krieg in Europa unvermeidlich wurde.

Heute möchten europäische Politiker und vor allem polnische Staats- und Regierungschefs München „zum Schweigen bringen“. Warum? Nicht nur, weil ihre Länder dann ihre damaligen Verpflichtungen verraten, das Münchner Abkommen unterstützt und einige sogar an der Aufteilung der Ernte teilgenommen haben. Aber auch, weil es irgendwie unbequem ist, sich daran zu erinnern, dass in diesen dramatischen Tagen des Jahres 1938 nur die UdSSR für die Tschechoslowakei eingetreten ist.

Die Sowjetunion versuchte auf der Grundlage ihrer internationalen Verpflichtungen, einschließlich der Abkommen mit Frankreich und der Tschechoslowakei, die Tragödie zu verhindern. Polen verfolgte seine Interessen und bemühte sich, die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems in Europa zu verhindern. Am 19. September 1938 schrieb der polnische Außenminister J. Beck, vor seinem Treffen mit Hitler, direkt an den bereits erwähnten Botschafter J. Lipsky: „… im vergangenen Jahr lehnte die polnische Regierung vier Mal den Vorschlag ab, sich der internationalen Intervention zur Verteidigung der Tschechoslowakei anzuschließen.“ (Anm.: 1938 hatte die Tschechoslowakei Bündnisse mit der Sowjetunion und mit Frankreich. Mit der Unterschrift unter das Münchner Abkommen hat Frankreich sein Schutzversprechen gegenüber der Tschechoslowakei gebrochen. Auch das wird heute gerne in Geschichtsbüchern verschwiegen, ist aber leicht nachprüfbar. Das französisch-tschechische Bündnis sah unter anderem vor, dass französische Flugzeuge im Falle eines Krieges mit Deutschland von der Tschechoslowakei aus die damals sehr wichtigen Industriegebiete in Sachsen bombardieren sollten.)

Großbritannien und Frankreich, damals der Hauptverbündete der Tschechen und Slowaken, beschlossen, von ihren gegebenen Garantien Abstand zu nehmen und zerrissen damit dieses osteuropäische Land. Sie haben es nicht nur aufgegeben, sondern lenkten die Bestrebungen der Nazis nach Osten, mit dem Ziel, dass Deutschland und die Sowjetunion unweigerlich zusammenstoßen und sich gegenseitig ausbluten würden.

Dies war der Sinn der westlichen Politik der „Beschwichtigung“. Und das nicht nur in Bezug auf das Dritte Reich, sondern auch in Bezug auf die anderen Mitglieder des sogenannten Anti-Komintern-Pakts – dem faschistischen Italien und dem militaristischen Japan. Ihren Höhepunkt fand diese Politik in Fernost mit dem anglo-japanische Abkommen vom Sommer 1939, welches Tokio in China freie Hand ließ. Die führenden europäischen Mächte wollten die tödliche Gefahr für die ganze Welt, die von Deutschland und seinen Verbündeten ausgeht, nicht anerkennen. Man hoffte, dass der Krieg sie selbst nicht betreffen würde.

Das Münchner Abkommen zeigte der Sowjetunion, dass westliche Länder Sicherheitsprobleme lösen würden, ohne die Interessen der Sowjetunion zu berücksichtigen. Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, würden sie eine antisowjetische Front bilden.

Gleichzeitig versuchte die Sowjetunion bis zur letzten Minute, jede Chance zu nutzen, um eine Anti-Hitler-Koalition zu bilden. Ich wiederhole: trotz der doppelsichtigen Position der Länder des Westens. Durch Informationen der Geheimdienste erhielt die sowjetische Führung im Sommer 1939 detaillierte Informationen über anglo-deutsche Kontakte hinter den Kulissen. Ich mache darauf aufmerksam, dass diese Gespräche sehr intensiv und fast zeitgleich mit den trilateralen Gesprächen von Vertretern Frankreichs, Großbritanniens und der UdSSR geführt worden, die andersherum wieder von westlichen Partnern absichtlich verzögert wurden. Ich werde in diesem Zusammenhang ein Dokument aus britischen Archiven zitieren. Dies ist eine Anweisung der britischen Militärmission, die im August 1939 in Moskau eintraf. Es heißt ausdrücklich, dass die Delegation „sehr langsam verhandeln sollte“; „Die britische Regierung ist nicht bereit, detaillierte Verpflichtungen einzugehen, die unsere Handlungsfreiheit unter allen Umständen einschränken könnten.“ Ich stelle auch fest: Im Gegensatz zu den Briten und Franzosen wurde die sowjetische Delegation von hochrangigen Führern der Roten Armee geführt, die über alle erforderlichen Vollmachten verfügten, um „eine Militärkonvention zur Organisation der militärischen Verteidigung Englands, Frankreichs und der UdSSR gegen Aggressionen in Europa zu unterzeichnen“.
(Hinweis: An dieser Stelle sei an die Aussagen „Marschall G.K. Shukow, – mit Ergänzung von Prof. Karl-Heinz Gräfe, (auf diesem Blog) erinnert. (https://saschasweltsicht.wordpress.com/2020/02/24/marschall-g-k-shukow-ueber-die-verhandlungen-mit-den-militaermissionen-grossbritanniens-und-frankreichs-im-august-1939-mit-einer-ergaenzung-von-prof-karl-heinz-graefe-spezialist-fuer-osteuropa/)

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview05.JPGFoto: Ribbentrop zeigt Daladier wo er seine Unterschrift unter das Münchner
Abkommen setzen muss. Foto: RIA Novosti

Auch Polen spielte seine eigene Rolle beim Scheitern der Verhandlungen, da es keine Vereinbarungen mit der sowjetischen Seite wollte. Selbst unter dem Druck der westlichen Verbündeten weigerte sich die polnische Führung, mit der Roten Armee im Kampf gegen eine Konfrontation mit der Wehrmacht zusammenzuarbeiten. Und erst als bekannt wurde, dass Ribbentrop in Moskau eintraf, informierte Y. Beck die sowjetische Seite widerstrebend, nicht direkt, sondern über französische Diplomaten: „… bei gemeinsamen Aktionen gegen die deutsche Aggression wird eine Zusammenarbeit zwischen Polen und der UdSSR, zu technischen Bedingungen, die noch zu besprechen sind, nicht ausgeschlossen“. Gleichzeitig erklärte er seinen Kollegen: „… Ich bevorzuge diese Formulierung nicht nur deshalb, um die Taktik zu erleichtern, denn unser grundsätzlicher Standpunkt zur UdSSR ist endgültig und bleibt unverändert.“

Heute möchten europäische Politiker und vor allem polnische Staats- und Regierungschefs München „zum Schweigen bringen“. Warum?

In dieser Situation unterzeichnete die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Deutschland. Tatsächlich unterzeichnete das letzte europäische Land, und dies vor dem Hintergrund der realen Gefahr eines Zwei-Fronten-Krieges – mit Deutschland im Westen und Japan im Osten, wo bereits intensive Kämpfe auf dem Khalkhin-Gol stattfanden.

Stalin und sein Gefolge verdienen viele gerechtfertigte Anschuldigungen. Wir erinnern uns sowohl an die Verbrechen des Regimes gegen unser eigenes Volk, als auch an die Schrecken der Massenrepression. Ich wiederhole: Sowjetischen Führern kann man vieles vorwerfen, aber nicht ohne eine Berücksichtigung der realen äußeren Bedrohungen. Sie sahen, dass die Sowjetunion alleine Deutschland und dessen Verbündeten gegenübersteht. Und sie handelten, sich dieser realen Gefahr bewusst, um wertvolle Zeit für die Stärkung der Verteidigung des Landes zu gewinnen.
Anm.: Wenn Putin hier von „gerechtfertigte Anschuldigungen“ Stalin und sein Gefolge gegenüber, schreibt, so vergisst er, dass selbst „gerechtfertigte Anschuldigungen“ eben nur ANSCHULDIGUNGEN sind, – und diese Anschuldigungen beruhen auf die faschistische Propaganda eine Josef Goebbels und des sowjetischen Revisionismus nach Stalins Tod.
Wenn er dann weiterschreibt: „Sowjetischen Führern kann man vieles vorwerfen, aber nicht ohne eine Berücksichtigung der realen äußeren Bedrohungen. Sie sahen, dass die Sowjetunion alleine Deutschland und dessen Verbündeten gegenübersteht. Und sie handelten, sich dieser realen Gefahr bewusst, um wertvolle Zeit für die Stärkung der Verteidigung des Landes zu gewinnen“, frage ich mich von welchen „gerechtfertigte Anschuldigungen“ er weiter oben schreibt. Es ging um das Überleben des ersten sozialistischen Staates, um nicht mehr und nicht weniger.

Kurt Gossweiler hat einmal etwas Passendes zur Verdammung Stalins durch den sowjetischen Revisionismus, – des oberster Vertreter Chruschtschow war, – geschrieben.
„Wäre Chruschtschows Ziel nicht gewesen, mit seiner „Geheimrede” Stalins Autorität ein für alle Mal zu zertrümmern, (…) um für seine konterrevolutionäre Kursänderung freien Bahn zu haben; und hätte zu seinen Absichten nicht auch gehört, der Überzeugung der Sowjetbürger in die Gerechtigkeit ihrer Sache und dem Stolz auf ihre Sowjetmacht einen tödlichen Schlag zu versetzen; hätte er wirklich nur im Sinn gehabt, den unschuldigen Opfern der „Säuberungen” Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die geschichtliche Wahrheit über die Zeit der Repressionen darzulegen, dann hätte in seinem Bericht (Geheimrede) etwa das Folgende gesagt werden müssen:
1936, nach der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland, nach der Aufrüstung des faschistischen Deutschland unter Duldung und sogar Mithilfe der Westmächte, nach dem Verrat der Westmächte an der spanischen Republik, standen wir vor der Gefahr, vom faschistischen Deutschland – möglicherweise sogar im Einvernehmen mit den Westmächten -, überfallen zu werden und uns allein der stärksten Militärmacht der ganzen Kriegsgeschichte gegenübergestellt zu stehen, von der wir aus dem Spanienkrieg schon wussten, was sich dann in Norwegen und Frankreich später wiederholte, nämlich, dass der faschistischen Wehrmacht im Hinterland der überfallenen Länder „fünfte Kolonnen” von Quislingen und Verrätern zu Hilfe kamen.
Wie groß die Gefahr des Überfalles war, zeigte sich noch viel deutlicher mit dem Münchener Abkommen der Westmächte mit Hitler und der Auslieferung der Tschechoslowakei an ihn, mit der Weigerung der Westmächte, mit uns einen Vertrag über kollektive Sicherheit und gegenseitigen Beistand zur Bändigung Hitlerdeutschlands abzuschließen.
Unsere Vorbereitungen auf den faschistischen Überfall mussten also auch der Verhinderung der Bildung einer 5. Kolonne in unserem Hinterland gelten. Noch gab und gibt es bei uns Feinde der Sowjetmacht, einst von uns enteignete Kulaken und ihre Nachkommen, Reste der zerschlagenen Gruppen der Trotzkisten und anderer Oppositionsgruppen – hatte doch Trotzki mehrfach in seinen Veröffentlichungen dazu aufgerufen, im Kriegsfalle den Aufstand gegen den „Stalinismus” zu beginnen; ferner Leute, die mit den Deutschen sympathisierten, z.B. unter den Wolgadeutschen oder bei bestimmten Nationalitäten, wie den Krimtataren und den Tschetschenen.
Also mussten wir angesichts der tödlichen Bedrohung alles tun, um es möglichen Feinden der Sowjetmacht unmöglich zu machen, im Hinterland mit Fünften Kolonnen den faschistischen Überfall zu unterstützen.
Dabei mussten wir in Rechnung stellen und in Kauf nehmen, dass es bei Säuberungen so großen Ausmaßes, wie wir sie für notwendig erachteten, nicht auszuschließen war, dass auch Unschuldige, – sei es wegen absichtlicher Falschbeschuldigungen durch feindliche Elemente, sei es aus Übereifer örtlicher Organe, sei es durch Anlegen eine zu pauschalen Rasters -, in erheblichem Umfange von den Maßnahmen betroffen sein würden, wie es dann auch der Fall war.
Aber wir hatten damals abzuwägen, was schwerer wog: wenn wegen ungenügender Sicherungsmaßnahmen die Sowjetmacht zugrunde ging – oder wenn bei unseren Sicherungsmaßnahmen nicht nur echte Feinde, sondern auch unschuldige und sogar eigene Leute getroffen würden.
Die Partei hat sich für die Sicherung der Sowjetmacht als der allem anderen übergeordneten Pflicht entschieden.
Jetzt aber ist es an der Zeit, dabei begangenes Unrecht aufzuklären und wiedergutzumachen.”
So oder so ähnlich hätte eine ehrliche, kommunistische Stellungnahme, zu der für jeden Kommunisten schmerzlichsten Seite der Geschichte der Sowjetunion lauten müssen. Eine kommunistische, das heißt wahrheitsgemäße Schuldzuweisung auch für diese Opfer hätte darüber hinaus klar aussprechen müssen, dass auch ihre Leiden und ihr Tod wie der von 25 Millionen Sowjetsoldaten und -bürgern und der von 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges auf das Konto derer geht, die die Führung der Sowjetunion vor eine solch grausame Entscheidung stellten – auf das Konto Hitlers und des deutschen Imperialismus in erster Linie, in zweiter aber auch auf das Konto derer, die Hitlerdeutschland aufrüsteten, um es als Stoßkeil gegen die Sowjetunion zu lenken und seine Bändigung durch ein kollektives Sicherheitsbündnis sabotierten.
Indem er statt dessen Stalin als Massenmörder hinstellte, übernahm nun der Führer der KPdSU die bisher nur über die westlichen Medien verbreiteten antisowjetischen Hetz-Lügen aus den Küchen der imperialistischen Spezialisten für psychologische Kriegsführung und verkündete sie als Wahrheit.
Von daher kommt es, dass ehrliche und überzeugte Kommunisten auch heute noch bedenkenlos die giftige Verleumdung weitergeben, Stalin habe mehr Kommunisten umgebracht als Hitler.
Die Wahrheit ist, dass alle Kommunisten, alle Kämpfer gegen den Faschismus und alle Juden, die im vom Faschismus besetzten Europa überlebt haben, dies vor allem der Sowjetunion, der Roten Armee und damit auch Stalin verdanken.
Dessen waren sich damals die Menschen weltweit bewusst. Und selbst seine imperialistischen Gegenspieler vom Format eines Churchill konnten nicht umhin, Stalins historische Größe anzuerkennen. Er würdigte Stalin nach dessen Tod mit folgenden Worten:
„Er war eine herausragende Persönlichkeit, die in unserer rauen Zeit, in der Periode, in der sein Leben verlief, imponierte. Stalin war ein außergewöhnlich energischer, belesener und äußerst willensstarker Mann, heftig, schroff, schonungslos in der Sache wie im Gespräch, dem selbst ich, der ich im englischen Parlament groß geworden bin, nichts entgegenzusetzen vermochte, (…)

In seinen Werken spürt man eine hünenhafte Kraft. Stalins Kraft war so groß, dass er unter den Führern aller Völker und Zeiten nicht seinesgleichen kennt. (…) Die Menschen konnten seinem Einfluss nicht widerstehen. Als er den Raum der Konferenz von Jalta betrat, erhoben wir uns alle, buchstäblich wie auf Kommando. Und, so seltsam es ist, wir legten die Hände an die Hosennaht. Stalin besaß einen tiefschürfenden, gründlichen und logischen Verstand. Er war ein unübertroffener Meister darin, in schweren Momenten einen Ausweg aus der ausweglosen Lage zu finden (…). Er war ein Mann, der seinen Feind mit den Händen seiner Feinde vernichtete, der uns, die er offen Imperialisten nannte, zwang, gegen Imperialisten zu kämpfen. Er übernahm das Russland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.” (Zitiert von Nina Andrejewa in ihrem Artikel „Ich kann meine Prinzipien nicht preisgeben”. ND v. 2./3. 4. 1988)
Nachzulesen in : Revisionismus – Totengräber des Sozialismus, Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953 – 1964 (http://kurt-gossweiler.de/?p=832 )

Gut das Putin wenigstens ein bisschen an die Geschichtslügen des Westens kratzt. Deshalb auch wieder der kollektive Aufschrie der Vasallen und Lakaien der herrschenden westlichen Imperialisten, in allen Medien.)

In Bezug auf den damals geschlossenen Nichtangriffsvertrag wird heute viel über das moderne Russland geredet und behauptet. Ja, Russland ist der Nachfolger der UdSSR, und die Sowjetzeit mit all ihren Triumphen und Tragödien ist ein wesentlicher Bestandteil unserer tausendjährigen Geschichte. Ich erinnere mich aber auch, dass die Sowjetunion eine rechtliche und moralische Wertung des sogenannten Molotow-Ribbentrop-Paktes vorgenommen hat. In einer Resolution des Obersten Sowjets vom 24. Dezember 1989 wurden die geheimen Protokolle offiziell als „Akt persönlicher Macht“ verurteilt, die nicht „den Willen des sowjetischen Volkes widerspiegelten, welches für diese Verschwörung nicht verantwortlich ist“.
(Anm.: Die Resolution des Obersten Sowjets ist und bleibt eine Farce in der neuen russischen Geschichte. Hier haben sowjetische Revisionisten Geschichte charakterisiert, die sie seit Chruschtschows gefälscht und jahrzehntelang verschwiegen haben. Allein die Aussage über den Nichtangriffsvertrag, als ein „Akt persönlicher Macht“ zu verurteilt, die nicht „den Willen des sowjetischen Volkes widerspiegelten, welches für diese Verschwörung nicht verantwortlich ist“, ist hanebüchener Unsinn.
Gorbatschow selbst formulierte einmal über den Obersten Sowjets: „Erst Ende 1987 gelangten wir zu dem Schluss, dass wir ohne eine politische Reform nicht auskommen würden. Die ersten freien Wahlen öffneten neuen Leuten den Weg zur Macht, … Es begann ein unabhängiges Parlament zu arbeiten, das schwierige Entscheidungen im Geiste der Perestroika übernahm. Mühsam, aber stetig begann sich die Struktur der Regierung zu verändern, es erfolgte die Demontage der alten Staatsmaschinerie. Neue gesellschaftliche Organisationen schossen wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden. In der Gesellschaft brodelte es, uns allen war manchmal unwohl, aber wir behielten die grundlegende Entwicklungsrichtung bei.“
(Michail Gorbatschow und Zdenek Mlynar. Gespräche in Wien, Moskau und Prag. Herausgegeben und übersetzt von Klaus Kukuk; Berlin 2019, Verlag am Park, S. 76/77) Es ist verständlich, dass Putin diesen Nonsens der „neuen Leuten an der Macht“ wiederholt.
Die ganze damalige sowjetische Politik war darauf ausgerichtet, ein Land, das noch vor 20 Jahren ein russisch-orthodoxer, feudalistischer, analphabetischer und rückständiger Agrarstaat war, so lange wie möglich aus dem Krieg herauszuhalten, – denn eines wusste Stalin: der Angriff auf die Sowjetunion, wird kommen. Er kannte schließlich, so wie die westlichen Politiker auch, den Inhalt Hitlers „Bewerbungsschreiben“ für den internationalen Imperialismus: Mein Kampf, – in dem Hitler das Hauptanliegen seiner Politik beschrieb: Vernichtung des Jüdischen Bolschewismus.

Der „Hitler-Stalin-Pakt“ wurde in der Sowjetunion nie anders genannt, als das was er war: ein Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffsvertrag. Die Bezeichnung: „Molotow-Ribbentrop-Pakt“ oder „Hitler-Stalin-Pakt“ wurde von den westlichen Geschichtsfälscher eingeführt und genutzt, um zu suggerieren, Molotow oder sogar Stalin, hatten ein Pakt mit Hitler geschlossen, um Europa unter sich aufzuteilen und Hitlers Politik nur mit Hilfe, zu mindestens mit Duldung Stalins, durchgeführt werden konnte. Auf diese Lüge beruht die Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus und auch der antikommunistische, geschichtsrevisionistische Gleichsetzung Stalins mit Hitler. (Wir Kommunisten sollten diese falsche, geschichtsrevisionistische Bezeichnung, eine bewußt gewählte Formulierung der deutschen Faschisten, nicht benutzen.)

Siehe auch: Anmerkungen zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag und zur Rolle Stalins im Zweiten Weltkrieg
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/29/653/
Der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag (1939)
https://saschasweltsicht.wordpress.com/2018/01/02/der-deutsch-sowjetische-nichtangriffsvertrag-1939/

Andere Staaten ziehen es jedoch vor, sich nicht an derartige Vereinbarungen zu erinnern, in denen sich die Unterschriften der Nazis und westlicher Politiker befinden. Ganz zu schweigen von der rechtlichen oder politischen Bewertung einer solchen Zusammenarbeit, einschließlich der stillschweigenden Zustimmung einiger europäischer Staats- und Regierungschefs zu den barbarischen Plänen der Nazis, bis hin zu ihrer direkten Ermutigung hierzu. Wie lautet der zynische Satz des polnischen Botschafters in Deutschland, J. Lipsky, der am 20. September 1938 in einem Interview mit Hitler sagte: „… zur Lösung der Judenfrage werden wir (Polen) ihm … ein schönes Denkmal in Warschau setzen.“

Wir wissen nicht, ob es auch geheime „Protokolle“ und Anhänge zu den Abkommen einer Reihe von Ländern mit den Nazis gab. Es bleibt nur „an das Wort zu glauben“. Insbesondere Materialien zu geheimen deutsch-englischen Verhandlungen wurden noch nicht freigegeben. Daher fordern wir alle Staaten nachdrücklich auf, den Prozess der Öffnung ihrer Archive und die Veröffentlichung bisher unbekannter Dokumente aus der Vorkriegs- und Militärzeit zu intensivieren. So wie es Russland in den letzten Jahren getan hat. Wir sind hier bereit für eine breite Zusammenarbeit, für gemeinsame Forschungsprojekte von Historikern.

Aber zurück zu den Ereignissen unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg. Es war naiv zu glauben, dass Hitler nach dem Vorgehen gegen die Tschechoslowakei keinen weiteren Gebietsanspruch geltend machen würde. Diesmal an seinen, noch vor kurzem Komplizen in der Teilung der Tschechoslowakei – Polen. Anlass war hier übrigens auch das Erbe von Versailles – das Schicksal des sogenannten Danziger Korridors. Die anschließende Tragödie Polens liegt vollständig auf dem Gewissen der damaligen polnischen Führung, die den Abschluss des anglo-französisch-sowjetischen Militärbündnisses verhinderte und auf die Hilfe westlicher Partner angewiesen war. Man verriet sein Volk unter der Walze der Nazi-Zerstörungsmaschine.

Die deutsche Offensive entwickelte sich in voller Übereinstimmung mit der Blitzkriegslehre. Trotz des heftigen, heldenhaften Widerstands der polnischen Armee, befanden sich eine Woche nach Kriegsbeginn, am 8. September 1939, deutsche Truppen am Stadtrand von Warschau. Und die militärpolitische Elite Polens floh bis zum 17. September in das Gebiet Rumäniens und verriet ihr Volk, das weiterhin gegen die Invasoren kämpfte.

Westliche Verbündete haben die polnischen Hoffnungen nicht erfüllt. Nach der Kriegserklärung an Deutschland rückten französische Truppen nur wenige dutzend Kilometer tief in deutsches Gebiet vor. Es sah alles wie eine demonstrative Aktion aus. Darüber hinaus beschloss der anglo-französische Oberste Militärrat, der am 12. September 1939 zum ersten Mal in Französisch-Abbeville zusammentrat, die Offensive aufgrund der raschen Entwicklung der Ereignisse in Polen vollständig einzustellen. Der berüchtigte „seltsame Krieg“ begann. Es gibt einen direkten Verrat Frankreichs und Englands an ihren Verpflichtungen gegenüber Polen. (Anm.: Die Zeit vom Kriegsbeginn (1.9.1939) bis zur deutschen Offensive gegen Frankreich im Mai 1940 wird im Allgemeinen als „Sitzkrieg“ bezeichnet, in Frankreich spricht man vom „seltsamen Krieg“.)

Später, während der Nürnberger Prozesse, erklärten deutsche Generäle ihren raschen Erfolg im Osten. Der ehemalige Stabschef der operativen Führung des Oberkommandos der Streitkräfte Deutschlands, General A. Jodl, gab zu: „… wenn wir 1939 nicht besiegt wurden, dann nur, weil während unseres Krieges mit Polen im Westen ungefähr 110 französische und englische Divisionen gegen 23 deutsche Divisionen völlig inaktiv blieben.“

Ich bat, aus dem Archiv den gesamten Umfang von Materialien im Zusammenhang mit Kontakten zwischen der UdSSR und Deutschland zu nehmen, welches die dramatischen Tage August und September 1939 betrifft. Aus diesen Unterlagen geht hervor: Absatz 2 des Geheimprotokolls zum Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der UdSSR vom 23. August 1939 stellte fest, dass im Falle einer territorialen und politischen Umstrukturierung der Gebiete des polnischen Staates, die Grenze der Interessenbereiche der beiden Länder „ungefähr entlang des Flusses verlaufen sollte“ Narew, Weichsel und San. „Mit anderen Worten, der sowjetische Einflussbereich umfasste nicht nur die Gebiete, in denen die ukrainische und die weißrussische Bevölkerung lebte, sondern auch die historischen polnischen Gebiete zwischen den Flüssen Bug und Weichsel. Nicht jeder kennt diese Fakten. (Anm.: Das ist wichtig, weil die Grenze nach der Eroberung Polens durch Deutschland nicht dort verlaufen ist, wo sie laut Zusatzprotokoll hätte verlaufen sollen, sondern weiter östlich, s. Zusatzprotokoll. )

Ebenso wie die Tatsache, dass Berlin unmittelbar nach dem Angriff auf Polen in den ersten Septembertagen 1939 Moskau beharrlich und wiederholt aufforderte, sich den Militäroperationen anzuschließen. Die sowjetische Führung ignorierte solche Aufrufe jedoch. Und man zögerte den Moment des Einlassens auf die dramatischen Entwicklungen so lange wie möglich hinaus.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview06.JPGFoto: Jüdische Bevölkerung hinter Stacheldraht im Warschauer Ghetto.
1941-1943. Foto: „Rodina“

Erst als endlich klar wurde, dass Großbritannien und Frankreich ihrem Verbündeten nicht helfen wollten und die Wehrmacht schnell ganz Polen besetzt und tatsächlich sich in Richtung Minsk bewegen könnte, wurde beschlossen, am Morgen des 17. September Truppenteile der Roten Armee in den sogenannten Ostteil zu führen. Heute gehört es zum weißrussischen Gebiet, der Ukraine und Litauen.

Es war klar, das es keine andere Option gab. Andernfalls würden sich die Risiken für die UdSSR um ein Vielfaches erhöhen, da die alte sowjetisch-polnische Grenze, ich erinnere nochmal daran, nur wenige dutzend Kilometer von Minsk entfernt verlief. Und der unvermeidliche Krieg mit den Nazis würde für das Land aus äußerst ungünstigen strategischen Positionen heraus beginnen. Und Millionen von Menschen verschiedener Nationalitäten, darunter Juden, die in der Nähe von Brest und Grodno, Przemysl, Lvov und Vilno leben, würden von den Nazis und ihren lokalen Schergen – Antisemiten und radikalen Nationalisten – ausgerottet.

Siehe auch: Die Sowjetunion hatte keine andere Wahl
https://wordpress.com/post/saschasweltsicht.wordpress.com/9711

Es war die Tatsache, dass die Sowjetunion bis zur letzten Gelegenheit versuchte, die Teilnahme an dem aufflammenden Konflikt zu vermeiden und nicht auf der Seite Deutschlands mitspielen wollte, was dazu führte, dass der wirkliche Kontakt der sowjetischen und deutschen Truppen weit östlich von der, im Geheimprotokoll festgelegten Grenzen, stattfand. Nicht entlang der Weichsel, sondern ungefähr entlang der sogenannten Curzon-Linie, die 1919 von der Entente als Ostgrenze Polens empfohlen wurde.

Wir fordern alle Staaten nachdrücklich auf, den Prozess der Öffnung ihrer Archive und die Veröffentlichung bisher unbekannter Dokumente aus der Vorkriegs- und Militärzeit zu intensivieren, so, wie es Russland getan hat.

Wie Sie wissen, ist es auch in der Vergangenheit immer schwierig gewesen, in die Zukunft zu schauen. Ich kann nur sagen, dass die sowjetische Führung im September 1939 die Gelegenheit hatte, die westlichen Grenzen der UdSSR noch weiter nach Westen bis nach Warschau zu verschieben, sich aber dagegen entschieden hat.

Die Deutschen schlugen vor, einen neuen Status quo festzulegen. Am 28. September 1939 unterzeichneten I. Ribbentrop und V. Molotov in Moskau den Vertrag über Freundschaft und die Grenze zwischen der UdSSR und Deutschland sowie das Geheimprotokoll über die Änderung der Staatsgrenze, welches die Demarkationslinie anerkannte, an der de facto zwei Armeen standen.

Im Herbst 1939 begann die Sowjetunion mit der Eingliederung Lettlands, Litauens und Estlands, um ihre militärstrategischen Verteidigungsaufgaben zu lösen. Der Eintritt dieser Länder in die UdSSR wurde auf vertraglicher Grundlage mit Zustimmung der damals gewählten Macht durchgeführt. Dies stand im Einklang mit dem damaligen internationalen und staatlichen Recht. Darüber hinaus wurden im Oktober 1939 die Stadt Vilno und die umliegende Region, die früher zu Polen gehörte, Litauen übergeben. Die baltischen Republiken, im Bestand der der UdSSR, behielten ihre Regierung und ihre Sprache bei und richteten Vertretungen in den hohen sowjetischen staatlichen Strukturen ein.

In all diesen Monaten hörte der diplomatische und militärpolitische Kampf, die Arbeit der Geheimdienste, die für neugierige Augen unsichtbar war, nicht auf. Moskau verstand, dass es ein unerbittlicher und grausamer Feind war, dass bereits ein versteckter Krieg gegen den Nationalsozialismus im Gange war. Und es gibt keinen Grund, offizielle Erklärungen, formelle Protokollnotizen jener Jahre als Beweis für „Freundschaft“ zwischen der UdSSR und Deutschland zu betrachten. Die UdSSR hatte aktive Handels- und technische Kontakte nicht nur zu Deutschland, sondern auch zu anderen Ländern. Gleichzeitig versuchte Hitler wiederholt, die UdSSR in eine Konfrontation mit Großbritannien zu ziehen. Die sowjetische Führung folgte jedoch diesen Überredungsversuchen nicht.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview07.JPGFoto: Adolf Hitler mit Neville Chamberlain bei einem Besuch des britischen Premierministers in München. September 1938 Foto: GettyImages

Hitler unternahm einen letzten Versuch, die Sowjetunion zu überzeugen, gemeinsam zu handeln, während Molotows Besuch in Berlin im November 1940. Molotow befolgte jedoch genau Stalins Anweisungen und beschränkte sich auf allgemeine Diskussionen über die Idee der Deutschen, das sich die UdSSR dem Dreierpakt anschließen solle – dem Bündnis zwischen Deutschland, Italien und Japan, welches im September 1940 geschaffen und gegen Großbritannien und die USA gerichtet war. Es war kein Zufall, dass Molotow bereits am 17. November den sowjetischen Gesandten in London, I. Maisky, wie folgt anwies: „Zu Ihrer Information … In Berlin wurde keinerlei Vereinbarung unterzeichnet und wird auch nicht unterzeichnet werden. Die Angelegenheiten in Berlin beschränken sich auf … einen Meinungsaustausch … Deutsche und Japaner, wie Sie sehen können „wollen uns sehr gerne in Richtung Persischer Golf und Indien drängen. Wir haben die Diskussion über dieses Thema abgelehnt, da wir solche Ratschläge aus Deutschland für unangemessen halten.“ Und am 25. November hat die sowjetische Führung dem ein Ende gesetzt. Offiziell legte man in Berlin Bedingungen vor, die für die Nazis inakzeptabel waren, darunter der Abzug deutscher Truppen aus Finnland, das Abkommen über gegenseitige Unterstützung zwischen der UdSSR und Bulgarien und eine Reihe anderer. Damit wurde jede Möglichkeit eines Beitritts zum Pakt bewusst ausgeschlossen. Diese Position stärkte schließlich den Führer in seiner Absicht, einen Krieg gegen die UdSSR zu beginnen. Und bereits im Dezember genehmigte Hitler den Barbarossa-Plan, indem er alle Warnungen seiner Strategen vor der katastrophalen Kriegsgefahr an zwei Fronten beiseitelegte. Er tat dies im vollen Bewusstsein, dass die Sowjetunion die Hauptkraft war, die ihm in Europa gegenüberstand. Und der bevorstehende Zusammenstoß im Osten wird über den Ausgang des Weltkrieges entscheiden. Und er war sich sicher, dass der Ausflug nach Moskau schnell und erfolgreich sein würde.

Ich möchte unterstreichen: Die westlichen Länder stimmten damals tatsächlich den sowjetischen Handlungen zu und akzeptierten das Bemühen der Sowjetunion, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Am 1. Oktober 1939 sagte der damalige Chef der britischen Admiralität, W. Churchill, in einer Radioerklärung: „Russland verfolgt eine kalte Politik seiner eigenen Interessen … Um Russland vor der Bedrohung durch die Nazis zu schützen, war es eindeutig notwendig, dass die russischen Armeen an dieser Grenzlinie stehen (er meinte die neue westliche Grenze).“ Am 4. Oktober 1939 erklärte der britische Außenminister E. Halifax im House of Lords: „… es sei daran erinnert, dass die Maßnahmen der Sowjetregierung darin bestanden, die Grenze im Wesentlichen auf die von Lord Curzon während der Versailler Konferenz empfohlene Linie zu verlagern … Ich zitiere nur historische Fakten und glaube, dass sie nicht zu leugnen sind. „ Der bekannte britische Politiker und Staatsmann D. Lloyd George betonte: „Die russischen Armeen besetzten Gebiete, die nicht polnisch waren und die nach dem Ersten Weltkrieg von Polen gewaltsam erobert wurden … Es wäre ein Akt des kriminellen Wahnsinns, den russischen Vormarsch mit dem Vormarsch der Deutschen gleichzusetzen.“ (Anm.: Auch das findet sich nicht in deutschen Geschichtsbüchern: Nach dem Ersten Weltkrieg fand in Russland nicht nur ein Revolutionskrieg statt, sondern auch ein Interventionskrieg der 14 „demokratischen Staaten“ gegen die Oktoberrevolution. An diesem Interventionskrieg nahm auch Polen teil. Von 1919 bis 1921 fand der Polnisch-Sowjetischen Krieg statt, in dem Piłsudski-Polen, mit Unterstützung der Franzosen und Engländer, Gebiete im Baltikum, in Weißrussland und der Ukraine annektierten. Diese annektierten Gebiete wurden im Vertrag von Riga für Polen festgeschrieben, was ein imperialistischer Raubfrieden bedeutete.)

Und in informellen Gesprächen mit dem sowjetischen Bevollmächtigten I. Maisky sprachen hochrangige englische Politiker und Diplomaten offener. Der stellvertretende britische Außenminister R. Butler teilte am 17. Oktober 1939 mit: „… in britischen Regierungskreisen glaubt man, dass es keine Frage einer Rückübergabe der Westukraine und Weißrusslands an Polen geben kann. Wenn es möglich wäre, ein ethnografisches Polen von überschaubarer Größe mit einer Garantie zu schaffen, nicht „nur die UdSSR und Deutschland, sondern auch England und Frankreich, die britische Regierung würde vollkommen zufrieden sein.“ Am 27. Oktober 1939 sagte der Chefberater von N. Chamberlain, H. Wilson: „Polen muss … als unabhängiger Staat mit seiner ethnografischen Grundlage wiederhergestellt werden, aber ohne die Westukraine und Weißrussland.“

Es ist erwähnenswert, dass während dieser Gespräche auch die Möglichkeiten untersucht wurde, um die sowjetisch-britischen Beziehungen zu verbessern. Diese Kontakte legten weitgehend den Grundstein für ein künftiges Bündnis und die Anti-Hitler-Koalition. Unter den verantwortlichen weitsichtigen Politikern stach W. Churchill hervor, der sich trotz der bekannten Abneigung gegen die UdSSR, zuvor für eine Zusammenarbeit mit ihr ausgesprochen hatte. Bereits im Mai 1939 erklärte er im Unterhaus: „Wir werden in Lebensgefahr sein, wenn wir kein großes Bündnis gegen Aggressionen schließen können. Es wäre die größte Dummheit, wenn wir die natürliche Zusammenarbeit mit Sowjetrußland ablehnen würden.“ Und nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten in Europa – bei einem Treffen mit I. Maisky am 6. Oktober 1939 – sagte er vertraulich: „… es gibt keine ernsthaften Widersprüche zwischen Großbritannien und der UdSSR, und daher gibt es keinen Grund für angespannte und unbefriedigende Beziehungen. Die britische Regierung „… sie möchte … Handelsbeziehungen entwickeln. Sie wäre auch bereit, alle möglichen anderen Maßnahmen zu erörtern, die zur Verbesserung der Beziehungen beitragen könnten.“

Der Zweite Weltkrieg fand nicht über Nacht statt, er begann nicht plötzlich. Und die deutsche Aggression gegen Polen war nicht plötzlich. Es ist das Ergebnis vieler Trends und Faktoren in der Weltpolitik der damaligen Zeit. Alle Vorkriegsereignisse standen in einer schicksalhaften Kette. Aber die Hauptsache, die die größte Tragödie in der Geschichte der Menschheit vorbestimmte, war natürlich der staatliche Egoismus, die Feigheit, die Nachsicht gegenüber einem Aggressor, der an Stärke gewann, und die Unvorbereitetheit der politischen Eliten, einen Kompromiss zu suchen.

Es ist daher unfair zu sagen, dass der zweitägige Besuch des nationalsozialistischen Außenministers Ribbentrop in Moskau der Hauptgrund für den Zweiten Weltkrieg ist. Alle führenden Länder tragen bis zu dem einen oder anderen Grad die Mitschuld an ihrem Beginn. Jeder machte irreparable Fehler und glaubte arrogant, dass es möglich ist, andere zu überlisten, einseitige Vorteile zu sichern oder sich von der bevorstehenden Weltkatastrophe fernzuhalten. Und für solche Kurzsichtigkeit, für die Weigerung, ein kollektives Sicherheitssystem zu schaffen, mussten sie Millionen von Menschenleben zahlen, kolossale Verluste.

Ich schreibe darüber und habe nicht die Absicht, die Rolle eines Richters zu übernehmen, jemanden zu beschuldigen oder zu rechtfertigen, insbesondere um eine neue Runde internationaler Informationskonfrontation im historischen Bereich einzuleiten, die zwischen Staaten und Nationen entstehen können. Ich bin der Meinung, dass die akademische Wissenschaft, mit einer umfassenden Vertretung angesehener Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern, nach ausgewogenen Bewertungen vergangener Ereignisse suchen sollte. Wir alle brauchen Wahrheit und Objektivität. Ich für meinen Teil habe Kollegen immer ermutigt und aufgefordert, einen ruhigen, offenen und vertrauensvollen Dialog zu führen. Zu einem selbstkritischen, unvoreingenommenen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit. Ein solcher Ansatz wird es ermöglichen, die damals gemachten Fehler nicht zu wiederholen und eine friedliche und erfolgreiche Entwicklung für viele Jahre sicherzustellen.
(Anm.: Ein weiterer Irrtum von Putin, was schon im Völkerbund nicht funktioniert hat, wird auch über 100 Jahre später nicht funktionieren. Der „staatliche Egoismus, die Feigheit, die Nachsicht gegenüber einem Aggressor, […] und die Unvorbereitetheit der politischen Eliten, einen Kompromiss zu suchen“ gehört doch zum Wesen der Herrschenden in Klassengesellschaften. Eine Einigkeit erlangen sie nur in ihrem Antikommunismus.
Das heutige Verhalten alle kapitalistischer und imperialistischer Staaten gegenüber den USA ähnelt doch sehr stark dem Verhalten der imperialistischen Staaten zur damaligen Zeit gegenüber Deutschland.
Egon Bahr schrieb einmal: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten (also um Profit, Macht und Ressourcen). Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
Es ist schade, aber eine Realität, dass die russische Führung diesem Irrtum unterliegt und immer noch von unseren westlichen PARTNERN spricht. Russland hat im Westen keine Partner.)

Viele unserer Partner [sic] sind jedoch noch nicht zu einer Zusammenarbeit bereit. Im Gegenteil, um ihre Ziele zu erreichen, erhöhen sie den Umfang und das Ausmaß von Informationsangriffen gegen unser Land, wollen sich damit rechtfertigen, weil sie eine Schuld fühlen. Sie treten mit scheinheiligen politisierten Erklärungen auf. In der am 19. September 2019 vom Europäischen Parlament gebilligten Entschließung zur Bedeutung der Erhaltung des historischen Gedächtnisses für die Zukunft Europas, wurde die UdSSR zusammen mit Nazideutschland direkt beschuldigt, den Zweiten Weltkrieg ausgelöst zu haben. Natürlich wird München dort nicht erwähnt.

Churchill schrieb in einer Nachricht an Stalin am 27. September 1944: „Es war die russische Armee, die der deutschen Militärmaschine den Mut nahm …“

Ich glaube, dass solche „Papiere“ – ich kann diese Entschließung nicht als Dokument bezeichnen – augenscheinlich bewusst auf einen Skandal ausgerichtet, eine gefährliche, echte Bedrohung sind. Immerhin wurde es von einem sehr angesehenen Organ akzeptiert. Und was zeigt uns dies? Es mag traurig sein, aber es zeigt eine bewusste Politik der Zerstörung der Weltordnung der Nachkriegszeit, deren Schaffung eine Frage der Ehre und Verantwortung der Länder war, von denen einige Vertreter heute für diese falsche Erklärung gestimmt haben. Und so erhoben sie ihre Hand zu den Schlussfolgerungen des Nürnberger Tribunals, zu den Bemühungen der Weltgemeinschaft, die nach dem Sieg von 1945 universelle internationale Institutionen schuf. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass der Prozess der europäischen Integration selbst, bei dem die entsprechenden Strukturen, einschließlich des Europäischen Parlaments, geschaffen wurden, nur dank der Lehren aus der Vergangenheit, seiner klaren rechtlichen und politischen Einschätzung, ermöglicht wurde. Und diejenigen, die diesen Konsens bewusst in Frage stellen, zerstören die Grundlagen des Nachkriegseuropas.

Neben der Bedrohung der Grundprinzipien der Weltordnung gibt es auch eine moralische, Seite. Spott und Verächtlichmachung über die Erinnerung – stellt eine Gemeinheit dar.  Diese Gemeinheit ist beabsichtigt, scheinheilig und völlig bewusst, wenn Aussagen zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs alle Mitglieder der Anti-Hitler-Koalition mit Ausnahme der UdSSR auflisten. Gemeinheit ist feige, wenn sie Denkmäler zerstören, die zu Ehren der Kämpfer gegen den Nationalsozialismus errichtet wurden, und beschämende Handlungen mit falschen Parolen des Kampfes gegen eine unerwünschte Ideologie und angebliche Besetzung rechtfertigen. Die Gemeinheit ist blutig, wenn diejenigen, die sich den Neonazis und den Erben von Bandera widersetzen, getötet und verbrannt werden. Ich wiederhole, Gemeinheit manifestiert sich auf unterschiedliche Weise, aber deshalb hört sie nicht auf, ekelhaft zu sein.

Das Vergessen der Lehren aus der Geschichte wird unweigerlich zu einer teuren Angelegenheit. Wir werden die Wahrheit auf der Grundlage dokumentierter historischer Fakten fest verteidigen. Wir sprechen weiterhin ehrlich und unparteiisch über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist auch ein Großprojekt zur Schaffung der größten Sammlung von Archivdokumenten, Film- und Fotomaterialien zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Vorkriegszeit in Russland.

Diese Arbeiten sind bereits im Gange. Bei der Erstellung dieses Artikels habe ich auch viele neue, kürzlich gefundene, freigegebene Materialien verwendet. Und in dieser Hinsicht kann ich verantwortungsbewusst erklären, dass es keine Archivdokumente gibt, die die Version der Absicht der UdSSR bestätigen würden, einen Präventivkrieg gegen Deutschland zu beginnen. Ja, die sowjetische Militärführung hielt an der Doktrin fest, dass die Rote Armee im Falle einer Aggression den Feind schnell abwehren, in die Offensive gehen und den Krieg auf feindlichem Gebiet führen würde. Solche strategischen Pläne bedeuteten jedoch keineswegs die Absicht, Deutschland zuerst anzugreifen.

Natürlich verfügen Historiker heute über Dokumente der Militärplanung, Richtlinien des sowjetischen und deutschen Hauptquartiers. Schließlich wissen wir, wie sich Ereignisse in der Realität entwickelt haben. Auf dem Höhepunkt dieses Wissens sprechen viele über Handlungen, Fehler und Fehleinschätzungen der militärpolitischen Führung des Landes. In diesem Zusammenhang möchte ich eines sagen: Neben einer Vielzahl von Fehlinformationen verschiedener Art, erhielten die sowjetischen Führer auch echte Informationen über die bevorstehende Aggression der Nazis. In den Vorkriegsmonaten unternahmen sie Schritte, um die Kampfbereitschaft des Landes zu erhöhen, einschließlich einer getarnten Einberufung eines Teils der für die Ausbildung verantwortlichen Militärs, der Verlegung von Formationen und Reserven aus den inneren Militärbezirken an die Westgrenze.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview08.JPGFoto: Wiederherstellung der gemeinsamen Grenze zwischen Ungarn und Polen: Ungarische und polnische Offiziere begrüßen sich. 16. März 1939. Foto: GettyImages

Der Krieg war nicht plötzlich, man hat auf ihn gewartet, man bereitete sich auf ihn vor. Aber der Angriff der Nazis war beispiellos in seiner zerstörerischen Macht. Am 22. Juni 1941 traf die Sowjetunion auf die mächtigste, mobilste und ausgebildetste Armee der Welt, für die das industrielle, wirtschaftliche und militärische Potenzial fast ganz Europas zur Verfügung stand. An dieser tödlichen Invasion nahmen nicht nur die Wehrmacht, sondern auch deutsche Satelliten und Militärkontingente vieler anderer Staaten des europäischen Kontinents teil.

Die schweren militärischen Niederlagen von 1941 brachten das Land an den Rand einer Katastrophe. Es war notwendig, die Effizienz und Kontrollierbarkeit des Kampfes durch außergewöhnliche Methoden, durch allgemeine Mobilmachung und durch die Mobilisierung aller Kräfte des Staates und der Bevölkerung wiederherzustellen. Im Sommer 1941 begann unter feindlichem Beschuss die Evakuierung von Millionen von Bürgern, Hunderten von Fabriken und Betrieben in den Osten des Landes. So schnell wie möglich wurde die Produktion von Waffen und Munition im Hinterland gestartet und im ersten militärischen Winter an die Front geliefert. Schon 1943 wurde die militärische Produktion Deutschlands und seiner Verbündeten übertroffen. Im Verlaufe von anderthalb Jahren haben die Sowjets das erreicht, was unmöglich schien. Sowohl an der Front, wie auch im Hinterland. Und es ist immer noch schwierig zu erkennen, zu verstehen und sich vorzustellen, welche unglaublichen Anstrengungen, Mut und Hingabe diese großen Erfolge erforderten.

Gegen die mächtige, bis an die Zähne bewaffnete, kaltblütige, aggressive Nazi-Maschinerie entstand die gigantische Macht der sowjetischen Gesellschaft, vereint durch den Wunsch, ihr Heimatland zu schützen. Der Feind, der in das friedliche Leben und in Pläne und Hoffnungen eingebrochen ist, wurde zurückgeschlagen.

Natürlich erfassten während dieses schrecklichen, blutigen Krieges einige Menschen Angst, Verwirrung und Verzweiflung. Es gab Verrat und Desertation. Die brutalen Fehler, die durch die Revolution und den Bürgerkrieg verursacht wurden, der Nihilismus, die spöttische Haltung gegenüber der nationalen Geschichte, die Traditionen und der Glaube, den die Bolschewiki vor allem in den ersten Jahren nach ihrer Machtübernahme zu pflanzen versuchten, wurden spürbar. Aber die allgemeine Haltung der Sowjetbürger und unserer Landsleute, die sich im Ausland befanden, war anders – man versuchte zu retten, unser Heimatland zu retten. Es war ein echter, unaufhaltsamer Impuls. Die Menschen suchten Unterstützung in wahren patriotischen Werten.
(Anm.: Was für ein Blödsinn hier von brutalem Fehler der Revolution und von Nihilismus zu schreiben. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Putin der Vertreter des oligarchischen Kapitalismus in Russland ist. An dieser Stelle betreibt Putin genauso Geschichtsklitterung wie sie im Westen an der Tagesordnung ist. Ich widerhole mich: Im Antikommunismus sind sich die Herrschenden in Klassengesellschaften alle gleich.
Und was die Auslandsrussen angeht, so war es doch vielmehr so, dass sie zum größten Teil mit den deutschen Faschisten zusammenarbeitet; – es ging ja schließlich gegen den Bolschewismus, – vor dem sie währen der Revolution geflohen sind. Diesen Verrat am den sowjetischen Menschen heute als echtem, unaufhaltsamen Impuls“ und wahre patriotische Werte, schön zu lügen, ist schon hanebüchend.)

Die „Strategen“ der Nazis waren überzeugt, dass ein riesiger multinationaler Staat leicht von selbst zerschlagen werden könnte. Man hoffte, dass der plötzliche Krieg, seine Rücksichtslosigkeit und unerträglichen Nöte die interethnischen Beziehungen unweigerlich verschärfen würden. Und das Land kann in Teile geteilt werden. Hitler erklärte unverblümt: „Unsere Politik gegenüber den Völkern, die in den Weiten Russlands leben, sollte darin bestehen, jede Form von Meinungsverschiedenheit und Spaltung zu fördern.“

Aber von den ersten Tagen an wurde klar, dass dieser Nazi-Plan gescheitert war. Bis zum letzten Blutstropfen wurde die Festung Brest von Soldaten mit mehr als 30 Nationalitäten geschützt. Während des Krieges – und in großen entscheidenden Schlachten und zur Verteidigung jedes Brückenkopfes, jedes Meters ihres Heimatlandes – sehen wir Beispiele für eine solche Einheit.
(Anm.: … unter Führung der kommunistischen Partei der Sowjetunion, die die sowjetischen Menschen zu wahren Helden erzogen hatte. Ob solcher Heldenmut im heutigen Russland noch möglich ist, wage ich zu bezweifeln.)

Für die Millionen Evakuierten wurden die Wolga-Region und der Ural, Sibirien und der Ferne Osten, die Republiken Zentralasiens und des Kaukasus ihre Heimat. Ihre Bewohner teilten das Letzte, unterstützten alles, wo sie nur konnten. Die Freundschaft der Völker, ihre gegenseitige Unterstützung, wurde für den Feind zu einer echten unzerstörbaren Festung.

Die Sowjetunion, die Rote Armee, leistete den entscheidenden Hauptbeitrag zur Vernichtung des Nationalsozialismus – egal was man heute versucht zu beweisen. Helden, die bis zum Ende in der Einkreisung kämpften, in Bialystok und Mogilew, Uman und Kiew, Wjasma und Charkow. Sie griffen in der Nähe von Moskau und Stalingrad, Sewastopol und Odessa, Kursk und Smolensk an. Sie befreiten Warschau, Belgrad, Wien und Prag. Sie stürmten Königsberg und Berlin.

Wir halten an der wahren, nicht glatten oder lackierten Wahrheit über den Krieg fest. Diese volkstümliche, menschliche Wahrheit – hart, bitter und gnadenlos – wurde uns größtenteils von Schriftstellern und Dichtern vermittelt, die durch das Feuer und die Hölle der Frontkämpfe gingen. Sowohl für mich, als auch für andere Generationen – ihre ehrlichen, tiefen Geschichten, Romane, durchdringenden „Leutnantische Prosa“ und Gedichte haben meine Seele für immer geprägt. Sie wurden zum Vermächtnis – um Veteranen zu ehren, die alles getan haben, um zu siegen. Erinnert euch an diejenigen, die auf dem Schlachtfeld geblieben sind.

Und heute sind die einfachen und im Wesentlichen großartigen Zeilen von Alexander Twardowskis Gedicht „Ich wurde in der Nähe von Rschew getötet …“, das den Teilnehmern an der blutigen, brutalen Schlacht des Großen Vaterländischen Krieges im zentralen Teil der sowjetisch-deutschen Front gewidmet ist, schockierend. Nur während der Kämpfe um die Stadt Rshew und den Rshewer-Felsvorsprung von Oktober 1941 bis März 1943 verlor die Rote Armee 1.342.888 Menschen, einschließlich Verwundeter und Vermisster. Ich nenne diese beängstigenden, tragischen, alles andere als vollständige Zahlen, die zum ersten Mal aus Archivquellen stammen, eine Hommage an die Leistung bekannter und namenloser Helden, über die in den Nachkriegsjahren, aus verschiedenen Gründen, unverdient und ungerecht wenig oder gar nicht gesprochen wurde.

Ich werde ein weiteres Dokument zitieren. Dies handelt sich um den Bericht der Internationalen Kommission für Reparationen aus Deutschland unter der Leitung von I. Maysky, der im Februar 1945 erarbeitet wurde. Aufgabe der Kommission war es, die Formel festzulegen, nach der das besiegte Deutschland den Schaden der Siegermächte kompensieren sollte. Die Kommission kam zu folgendem Schluss: „Die Zahl der Einsatztage, die deutsche Soldaten an der sowjetischen Front verbrachten, übersteigt die Gesamtzahl der Tage an allen anderen alliierten Fronten um mindestens das Zehnfache. Die Sowjetfront hat auch vier Fünftel der deutschen Panzer und etwa zwei Drittel der deutschen Flugzeuge gebunden.“ Insgesamt machte die UdSSR rund 75 Prozent aller militärischen Anstrengungen der Anti-Hitler-Koalition aus. In den Kriegsjahren „schleifte“ die Rote Armee 626 Divisionen der „Achsen“-Länder, von denen 508 deutsche Divisionen waren.

Am 28. April 1942 erklärte Roosevelt in einer Ansprache an die amerikanische Nation: „Die russischen Truppen zerstörten und zerstören weiterhin mehr Soldaten, Flugzeuge, Panzer und Kanonen unseres gemeinsamen Feindes, als alle anderen vereinten Nationen zusammen.“ Churchill schrieb in einer Nachricht an Stalin am 27. September 1944: „Es war die russische Armee, die den Mut der deutschen Militärmaschine gebrochen hat …“.

Gemeinheit kann feige sein, zum Beispiel bei der Zerstörung von Denkmälern, die zu Ehren der Kämpfer gegen den Nationalsozialismus errichtet wurden, und dies mit beschämenden Handlungen und falschen Parolen des Kampfes gegen eine unerwünschte Ideologie und angebliche Besetzung rechtfertigen.

Diese Einschätzung rief weltweit Resonanz hervor. Denn in diesen Worten steckt dieselbe große Wahrheit, die damals niemand in Frage stellte. Fast 27 Millionen Sowjetbürger starben an den Fronten, in deutscher Gefangenschaft, an Hunger und bei Bombenangriffen, in den Ghettos und Öfen der Todeslager der Nazis. Die UdSSR verlor einen von sieben Bürgern, Großbritannien – einen von 127 – und die Vereinigten Staaten – einen von 320 Menschen. Leider ist diese Zahl der schwerste, irreparable Verlust der Sowjetunion noch nicht endgültig. Es ist notwendig, die sorgfältige Arbeit fortzusetzen, um die Namen und das Schicksal aller Toten wiederherzustellen – Kämpfer der Roten Armee, Partisanen, Untergrundarbeiter, Kriegsgefangene und Gefangene von Konzentrationslagern, Zivilisten, die von den Schlächtern getötet worden sind. Es ist unsere Pflicht. Und hier spielen Teilnehmer der Suchbewegung, militärpatriotische und freiwillige Vereinigungen eine besondere Rolle, beispielsweise Projekte wie die elektronische Datenbank „Erinnerung des Volkes“, die auf Archivdokumenten basiert. Und natürlich ist eine enge internationale Zusammenarbeit erforderlich, um eine solche allgemeine humanitäre Aufgabe zu lösen.

Zum Sieg führten die Anstrengungen aller Länder und Völker, die gegen einen gemeinsamen Feind kämpften. Die britische Armee verteidigte ihre Heimat vor einer Invasion, kämpfte gegen die Nazis und deren Satelliten im Mittelmeer in Nordafrika. Amerikanische und britische Truppen befreiten Italien, eröffneten eine zweite Front. Die Vereinigten Staaten versetzten dem Angreifer im Pazifik mächtige, vernichtende Schläge. Wir erinnern uns an die kolossalen Opfer des chinesischen Volkes und ihre enorme Rolle bei der Niederlage der japanischen Militaristen. Vergessen wir nicht die Kämpfer des „Französischen Resistance“, die die beschämende Kapitulation nicht akzeptierten und den Kampf gegen die Nazis aufnahmen.

Wir werden auch immer dankbar sein für die Hilfe, die die Alliierten geleistet haben, um der Roten Armee Munition, Rohstoffe, Lebensmittel und Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Und diese war bedeutend – ungefähr 7 Prozent der gesamten militärischen Produktion der Sowjetunion.
(Anm.: Wie können „ungefähr 7 Prozent der gesamten militärischen Produktion der Sowjetunion“ als bedeutend angesehen werden. Das ist wieder einer dieser politisch-korrekten Antworten und damit eine Lüge.
Bedeutend war, was die sowjetischen Menschen, unter Führung der KPdSU, geleistet haben, nämlich über 1500 Betriebe unter den Bedingungen des Krieges, nach dem Osten zu transportieren und sie dort, unter schwierigstes Bedingen, wieder in Betrieb zu nehmen.
Bedeutend war, das schon 1943 die militärische Produktion Deutschlands und seiner Verbündeten übertroffen wurde und das von einem Land, von dem Churchill einem schrieb: „Russland war 1917 das Land des hölzernen Hackpflug“.
Ich halte es mit der Beurteilung der Lend-Lease Act-Lieferungen mit Shukow, der einmal sagte: „Die Lieferungen waren wesentlich, aber nicht kriegsentscheidend. Auf den Schlachtfeldern starben sowjetische Menschen und nicht us-amerikanische oder englische. Ohne die Lieferungen hätte der Krieg ein halbes oder ein Jahr länger gedauert, aber er wäre auch so für uns siegreich zu Ende gegangen“.
Wie sah denn nun die Lend-Lease-Lieferungen in Wirklichkeit aus?
Wenn wir diese Lieferungen von Waffen und militärischer Ausrüstung in ein Geldäquivalent umwandeln, dann, so der Historiker, Doktor der Wissenschaften M. I. Frolow, erreicht bis Ende 1941 – in eine schwierige Zeit für den Sowjetunion – die in der UdSSR schickte Lend-Lease-Lieferungen, aus den USA Materialien an MMU 545.000 US-Dollar, mit Gesamtkosten der US-Versorgung der Antihitlerkoalition Länder von 741 Millionen Dollar. Das heißt, in dieser schwierigen Zeit erhielt die Sowjetunion weniger als 0,1% der amerikanischen Hilfe. Darüber hinaus erreichten die ersten Lend-Lease-Lieferungen im Winter 1941-1942 die UdSSR sehr spät, und in diesen kritischen Monaten leisteten die Sowjetunion und nur die Sowjetunion dem deutschen Angreifer auf ihrem eigenen Land und mit eigenen Mitteln echten Widerstand, ohne bemerkenswerte Hilfe von den westlichen Demokratien zu erhalten. Die Schlacht von Moskau 1941/42, sowie die Stalingrader Schlacht 1942/43 wurden ohne Hilfe durch die Lend-Lease-Lieferungen siegreich geführt. Erst in der Schlacht im Kursker Bogen Sommer 1943 machten sich die Lend-Lease-Lieferungen, vor allen Dingen die gelieferten Studebaker-LKW, bemerkbar.)

Der Kern der Anti-Hitler-Koalition nahm unmittelbar nach dem Angriff auf die Sowjetunion Gestalt an, als die Vereinigten Staaten und Großbritannien sie im Kampf gegen Nazideutschland bedingungslos unterstützten. Während der Teheraner Konferenz von 1943 bildeten Stalin, Roosevelt und Churchill ein Bündnis von Großmächten, einigten sich auf die Entwicklung der Koalitionsdiplomatie, einer gemeinsamen Strategie im Kampf gegen die gemeinsame tödliche Bedrohung. Die Führer der „Großen Drei“ hatten ein klares Verständnis dafür, dass die Kombination von industriellen, ressourcenbezogenen und militärischen Potenzialen der UdSSR, der USA und Großbritanniens eine unbestreitbare Überlegenheit gegenüber dem Feind schaffen würde.
(Anm.: Dass die Unterstützung der USA und Englands „bedingungslos“ war gehört ja wohl auch zur Legendenbildung.
War es nicht vielmehr so, dass es us-amerikanische, zusammen mit deutschen Imperialisten waren, die Hitler an die Macht brachten. Und war es nicht vielmehr so, dass die us-amerikanischen Interessen viel weiter gingen, als den Faschismus in Europa durch die Sowjetunion vernichten zu lassen und sie deshalb die Sowjetunion unterstützt haben. (Zerschlagung der englischen und französischen Kolonialreiche und Erringung der Weltherrschaft.)
War es nicht Harry S. Truman, der noch am 24.Juni 1941 (also zwei Tage nach den Überfall auf die Sowjetunion) in der New York Times schrieb: „Wenn wir sehen, dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn wir sehen, dass Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, und auf diesem Wege lassen wir sie so viele wie möglich töten.“
Die USA haben noch nie bedingungslos gehandelt.
So schreibt der us-amerikanische Historiker J. Herring, ganz offen: „Lend-Lease war nicht der uninteressierteste Akt in der Geschichte der Menschheit … Es war ein Akt des umsichtigen Egoismus, und die Amerikaner haben immer klar erkannt, welche Vorteile sie daraus ziehen können.“ Und das war auch so, denn der Lend-Lease erwies sich für viele amerikanische Unternehmen als unerschöpfliche Quelle der Bereicherung. Tatsächlich waren die Vereinigten Staaten das einzige Land der Anti-Hitler-Koalition, das durch den Krieg erhebliche wirtschaftliche Vorteile erhielt. Nicht ohne Grund wird in den Vereinigten Staaten selbst der Zweite Weltkrieg manchmal als „guter Krieg“ bezeichnet.
Das ist auch der Titel des amerikanischen Historikers S. Terkeli „Der gute Krieg: Eine mündliche Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ (1984). Darin bemerkte er offen mit Zynismus: „Fast die ganze Welt erlebte während dieses Krieges schreckliche Umwälzungen, Schrecken und wurde fast zerstört. Wir sind mit unglaublicher Ausrüstung, Werkzeugen, Arbeit und Geld aus dem Krieg herausgekommen. Für die meisten Amerikaner war der Krieg ein Spaß … Ich spreche nicht von diesen unglücklichen Menschen, die ihre Söhne und Töchter verloren haben. Aber für alle anderen war es eine verdammt gute Zeit.“
Fast alle Forscher, die sich mit der „bedingungslos Hilfe“ der USA beschäftigen, schreiben einstimmig, dass das Lend-Lease-Programm die wirtschaftliche Situation in den Vereinigten Staaten spürbar wiederbelebt hat, in deren Zahlungsbilanz Lend-Lease-Operationen während des Krieges zu einem der führenden Artikel wurden.“
)

Die Sowjetunion kam ihren Verpflichtungen gegenüber den Alliierten voll und ganz nach und half stets mit. So unterstützte die Großoperation „Bagration“ in Belarus durch die Rote Armee, die Landung angloamerikanischer Truppen in der Normandie. Im Januar 1945, als unsere Soldaten bis zur Oder durchbrachen, beendeten sie die letzte mächtige Offensive der Wehrmacht an der Westfront in den Ardennen. Und drei Monate nach dem Sieg über Deutschland erklärte die UdSSR Japan, in voller Übereinstimmung mit den Abkommen von Jalta, den Krieg und besiegte die millionenstarke Kwantung-Armee.

Bereits im Juli 1941 erklärte die sowjetische Führung: „Der Zweck des Krieges gegen die faschistischen Unterdrücker besteht nicht nur darin, die Bedrohung unseres Landes zu beseitigen, sondern auch allen Völkern Europas zu helfen, die unter dem Joch des deutschen Faschismus zu stöhnen.“ Mitte 1944 wurde der Feind aus nahezu dem gesamten sowjetischen Gebiet vertrieben. Aber man musste ihn bis ans Ende seiner Höhle verfolgen. Und die Rote Armee begann eine Befreiungsmission in Europa. Sie rettete ganze Nationen vor Zerstörung und Versklavung, vor dem Schrecken des Holocaust. Sie wurden gerettet auf Kosten von Hunderttausenden von Leben sowjetischer Soldaten.

Es ist auch wichtig, die enorme materielle Unterstützung nicht zu vergessen, die die UdSSR den befreiten Ländern bei der Beseitigung der Hungergefahr, bei der Wiederherstellung der Wirtschaft und der Infrastruktur geleistet hat. Sie tat dies zu einer Zeit, als sich die Asche Tausende von Kilometern von Brest nach Moskau und bis zur Wolga erstreckte. Zum Beispiel bat die österreichische Regierung im Mai 1945 die UdSSR um Hilfe bei der Ernährung, da „sie in den nächsten sieben Wochen vor der neuen Ernte nicht wusste, wie sie ihre Bevölkerung ernähren sollte“. Die Zustimmung der sowjetischen Führung, Lebensmittel zu schicken, bezeichnete der Staatskanzler der Provisorischen Regierung der Österreichischen Republik, K. Renner,  als „einen Rettungsakt …“, den „die Österreicher niemals vergessen werden“.
(Anm.: So sieht internationale Solidarität aus, ohne nationalistischen Ziel zu verfolgen.)

Die Alliierten gründeten gemeinsam das Internationale Militärgericht, um politische und Kriegsverbrecher der Nazis zu bestrafen. Seine Entscheidungen bieten klare rechtliche Voraussetzungen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Völkermord, ethnische und religiöse Säuberungen, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Nürnberger Tribunal verurteilte direkt und unstrittig Nazi-Komplizen, Kollaborateure verschiedener Couleur.

Dieses beschämende Phänomen der Kollaborateure trat in allen europäischen Ländern auf. Solche „Figuren“ wie Peten, Quisling, Wlasow, Bandera, ihre Handlanger und Anhänger, obwohl sie in die Kleidung von Kämpfern für nationale Unabhängigkeit oder Freiheit vom Kommunismus geschlüpft waren, sind Verräter und Henker. In der Unmenschlichkeit übertrafen sie oft ihre Meister. Der Versuch, Gunst zu ergattern, führte dazu, dass sie als Teil spezieller Strafgruppen bereitwillig die kannibalischsten Aufgaben ausführten. Es war die Arbeit ihrer blutigen Hände, was die Hinrichtungen des Babi Yar, das Massaker von Wolyn, das verbrannte Katyn, die Aktionen der Vernichtung von Juden in Litauen und Lettland betraf. (Anm.: 1943 haben ukrainische Einheiten, die mit des SS zusammengearbeitet haben, bei einem Massaker in Katyn über 150 Zivilisten abgeschlachtet.
Dieser Ort war vor dem Großen Vaterländischen Krieg schon einmal Schauplatz eines grausamen Massakers, als deutsche Faschisten hunderte polnische Offiziere ermordeten.
Dieses Massaker wurde bis zum Entscheid des Europäischen Gerichtshofes (und leider darüber hinaus), die gefälschten Beweise über Katyn nicht zu Kenntnis zu nehmen, – der Entscheid, der von der westlichen Geschichtsklitterung wie üblich nicht zur Kenntnis genommen und so einen Prozess auf Widergutmachung gegen Russland ablehnt wurde, – der sowjetischen Seite und hier Stalin persönlich, angelastet. Eine antikommunistische Geschichtslüge, s. a. diverse Artikel auf diesem Blog über Katyn.)

Und unsere Position ist bis heute unverändert – es kann keine Rechtfertigung für die kriminellen Handlungen von Nazi-Komplizen geben, sie haben keine Verjährungsfrist. Daher ist es rätselhaft, wenn in einer Reihe von Ländern diejenigen, die sich durch die Zusammenarbeit mit den Nazis beschmutzt haben, plötzlich mit Veteranen des Zweiten Weltkriegs gleichgesetzt werden. Ich halte es für unzulässig, Befreier und Besatzer gleichzusetzen. Und die Heldentat der Komplizen der Nazis kann nur als Verrat an der Erinnerung an unsere Väter und Großväter angesehen werden. Der Verrat an jenen Idealen, die die Völker im Kampf gegen den Nationalsozialismus vereinten.

Dann standen die Führer der UdSSR, der USA und Großbritanniens, ohne Übertreibung, vor einer historischen Aufgabe. Stalin, Roosevelt und Churchill vertraten Länder mit unterschiedlichen Ideologien, staatlichen Bestrebungen, Interessen und Kulturen, zeigten jedoch großen politischen Willen, erhoben sich über Widersprüche und Vorurteile und stellten die wahren Interessen der Welt in den Vordergrund. Infolgedessen konnten sie eine Einigung erzielen und eine Lösung finden, von der die gesamte Menschheit gewonnen hat.
(Anm.: Wie kann man nur so geschichtsvergessen sein und schreiben: „Stalin, Roosevelt und Churchill vertraten Länder mit unterschiedlichen Ideologien, staatlichen Bestrebungen, Interessen und Kulturen, zeigten jedoch großen politischen Willen, erhoben sich über Widersprüche und Vorurteile und stellten die wahren Interessen der Welt in den Vordergrund“.
Die wahren Interessen der Menschheit wurden allein von Stalin in den Vordergrund gestellt. Roosevelt und Churchill, beides Vertreter von Klassengesellschaften, stellen die Interessen ihrer herrschenden Klasse in den Vordergrund. Das zeigt sich allein daran, dass schon währen der angeblich so gedeihlichen Anti-Hitler-Koalition, von den USA und England, der „Kalte Krieg“ in immer stärkeren Maßen geführt wurde und die Anti-Hitler-Koalition nach der Potsdamer Konferenz zu Ende ging (Truman-Doktrin, März 1947).)

Die siegreichen Mächte haben uns ein System hinterlassen, das zum Inbegriff der intellektuellen und politischen Suche mehrerer Jahrhunderte geworden ist. Eine Reihe von Konferenzen – Teheran, Jalta, San Francisco, Potsdam – legte den Grundstein dafür, dass die Welt trotz der akutesten Widersprüche seit 75 Jahren ohne globalen Krieg lebt.

Der historische Revisionismus, dessen Erscheinungsformen wir jetzt im Westen beobachten, insbesondere im Hinblick auf das Thema des Zweiten Weltkriegs und dessen Ausgang, ist gefährlich, da er das Verständnis der 1945, auf den Konferenzen von Jalta und San Francisco festgelegten Prinzipien der friedlichen Entwicklung, grob und zynisch verzerrt. Die wichtigste historische Errungenschaft Jaltas und anderer Entscheidungen dieser Zeit war die Vereinbarung, einen Mechanismus zu schaffen, der es den führenden Mächten ermöglicht, im Rahmen der Diplomatie zu bleiben und die zwischen ihnen auftretenden Differenzen so zu lösen.

Das 20. Jahrhundert brachte totale und umfassende Weltkonflikte mit sich, und 1945 tauchten auch Atomwaffen in der Arena auf, die die Erde physisch zerstören konnten. Mit anderen Worten, die gewaltsame Beilegung von Streitigkeiten ist äußerst gefährlich geworden. Und die Gewinner des Zweiten Weltkriegs haben das verstanden. Sie verstanden und erkannten ihre eigene Verantwortung gegenüber der Menschheit.

Die traurige Erfahrung des Völkerbundes wurde 1945 berücksichtigt. Die Struktur des UN-Sicherheitsrates wurde so gestaltet, dass Friedensgarantien so konkret und effektiv wie möglich sind. So erschien die Einrichtung ständiger Mitglieder des Sicherheitsrates und das Veto als ihr Privileg und ihre Verantwortung.

Was bedeutet das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat? Um es ganz klar auszudrücken, dies ist die einzig vernünftige Alternative zu einem direkten Zusammenprall der größten Länder. Diese Aussage einer der fünf Mächte, dass eine Lösung für sie nicht akzeptabel ist, widerspiegelt ihre Interessen und Vorstellungen über die richtige Vorgehensweise. Und andere Länder, auch wenn sie damit nicht einverstanden sind, nehmen eine solche Position als gegeben hin und geben Versuche auf, ihre einseitigen Bestrebungen, auf die eine oder andere Weise, weiter umzusetzen – es müssen Kompromisse gesucht werden.

Eine neue globale Konfrontation begann fast unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und war zeitweise sehr heftig. Und die Tatsache, dass sich der Kalte Krieg nicht zum Dritten Weltkrieg entwickelte, bestätigte überzeugend die Wirksamkeit, der von den Großen Drei geschlossenen Abkommen. Die bei der Gründung der Vereinten Nationen vereinbarten Verhaltensregeln ermöglichten es, die Risiken weiter zu minimieren und die Konfrontation unter Kontrolle zu halten.

Natürlich sehen wir, dass das UN-System nicht spannungsfrei und nicht so effizient ist, wie es sein könnte. Die UNO erfüllt jedoch weiterhin ihre Hauptfunktion. Die Prinzipien des UN-Sicherheitsrates sind ein einzigartiger Mechanismus zur Verhinderung eines großen Krieges oder eines globalen Konflikts.

Töne, das Veto abzuschaffen, den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates besondere Möglichkeiten zu verweigern, sind in den letzten Jahren ziemlich oft zu hören – sind in der Tat unverantwortlich. In diesem Fall werden die Vereinten Nationen im Wesentlichen zum Völkerbund – ein Treffen für leere Gespräche, ohne Einfluss auf die Weltprozesse. Wie alles endete, ist bekannt. Deshalb näherten sich die siegreichen Mächte mit äußerster Ernsthaftigkeit der Bildung eines neuen Weltordnungssystems, um die Fehler ihrer Vorgänger nicht zu wiederholen.

Die Schaffung eines modernen Systems internationaler Beziehungen ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs. Selbst die unvereinbarsten Widersprüche – geopolitisch, ideologisch, wirtschaftlich – beeinträchtigen nicht die Suche nach Formen friedlichen Zusammenlebens und friedlicher Interaktion, wenn es einen Wunsch und einen Willen dafür gibt. Heute erlebt die Welt nicht die friedlichsten Zeiten. Alles ändert sich – vom globalen Gleichgewicht zwischen Macht und Einfluss bis zu den sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des Lebens von Gesellschaften, Staaten und ganzen Kontinenten. In früheren Epochen waren Verschiebungen dieser Größenordnung fast nie ohne größere militärische Konflikte möglich. Ohne Machtkampf, um den Aufbau einer neuen globalen Hierarchie. Dank der Weisheit und Weitsicht der politischen Führer der alliierten Mächte, konnte ein System geschaffen werden, welches extreme Auswüchse bei der weltweiten Entwicklung von objektiven, historischen Momenten von Rivalität verhindert.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview09.JPGFoto: Tim Brakemeier/picture-alliance/dpa/AP Images

Unsere Pflicht – für alle, die politische Verantwortung übernehmen, und vor allem den Vertretern der siegreichen Mächte im Zweiten Weltkrieg – ist es, sicherzustellen, dass dieses System erhalten und verbessert wird. Heute wie 1945 ist es wichtig, politischen Willen zu zeigen und gemeinsam über die Zukunft zu diskutieren. Unsere Kollegen – die Herren Xi Jinping, Macron, Trump, Johnson – unterstützten die russische Initiative, ein Treffen der Führer der fünf Atomstaaten – ständige Mitglieder des Sicherheitsrates – abzuhalten. Wir danken ihnen dafür und erwarten, dass ein solches persönliches Treffen zum frühestmöglichen Zeitpunkt stattfinden kann.

Was sollte auf der Tagesordnung für den bevorstehenden Gipfel stehen? Zunächst ist es unserer Meinung nach ratsam, Schritte zur Entwicklung kollektiver Prinzipien in der Weltpolitik zu erörtern. Sprechen wir offen über Friedenssicherung, Stärkung der globalen und regionalen Sicherheit, strategische Rüstungskontrolle, gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und anderen dringenden Herausforderungen und Bedrohungen.

https://i0.wp.com/kaliningrad-domizil.ru/media/publication/photo/2020-06-19/Interview10.JPGGeschichte und Moderne. Die wichtigste Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg: Die Prinzipien des UN-Sicherheitsrates sind ein einzigartiger Mechanismus zur Verhinderung eines großen Krieges oder eines globalen Konflikts. Foto: Victor Kinelovsky / RIA Novosti

Ein gesondertes Thema auf der Tagesordnung des Treffens ist die Situation in der Weltwirtschaft. Und vor allem die Überwindung der durch die Coronavirus-Pandemie verursachten Wirtschaftskrise. Unsere Länder ergreifen beispiellose Maßnahmen, um die Gesundheit und das Leben der Menschen zu schützen und Bürger in schwierigen Situationen zu unterstützen. Wie schwerwiegend die Folgen der Pandemie sein werden, wie schnell die Weltwirtschaft aus der Rezession herauskommt, hängt von unserer Fähigkeit ab, wie echte Partner zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus ist es nicht hinnehmbar, die Wirtschaft zu einem Instrument des Drucks und der Konfrontation zu machen. Zu den geforderten Themen zählen der Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel sowie die Gewährleistung der Sicherheit des globalen Informationsraums.

Die von Russland vorgeschlagene Agenda des bevorstehenden Fünfer-Gipfels ist sowohl für unsere Länder als auch für die ganze Welt äußerst wichtig und relevant. Und in jeder Hinsicht haben wir konkrete Ideen und Initiativen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gipfel Russlands, Chinas, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens eine wichtige Rolle bei der Suche nach gemeinsamen Antworten auf moderne Herausforderungen und Bedrohungen spielen und ein gemeinsames Engagement für den Geist des Bündnisses, die hohen humanistischen Ideale und Werte demonstrieren wird, für die unsere Großväter und Väter Schulter an Schulter gekämpft haben.

Basierend auf einem gemeinsamen historischen Gedächtnis können und müssen wir uns gegenseitig vertrauen. Dies wird als solide Grundlage für erfolgreiche Verhandlungen und konzertierte Maßnahmen zur Stärkung der Stabilität und Sicherheit auf dem Planeten sowie für den Wohlstand und das Wohlergehen aller Staaten dienen. Ohne Übertreibung ist dies unsere gemeinsame Pflicht und Verantwortung gegenüber der ganzen Welt, gegenüber gegenwärtigen und zukünftigen Generationen.

Quelle: 75 лет Великой Победы: общая ответственность перед историей и будущим

Schlussbemerkung: Wenn man „Putins Analysen“ richtig verstehen will, muss man das, was Marx und Engels in Die deutsche Ideologie geschrieben haben, im Hinterkopf haben:

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so dass ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefassten herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.“

„Putins Analysen“ sind somit die Sichtweise und die Schlussfolgerungen des russischen Präsidenten, des Vertreters der russischen Oligarchie; – mit sehr viel diplomatischen Schönreden und spürbarer Vertretung der Interessen der Klasse, die er vertritt.

Ja, er schreibt auch über das Volk, über Vaterlandliebe und über Patriotismus; verschweigt aber, dass das gleiche Volk, das den Sieg errungen hat, heute von einer Klasse geknechtet und ausgebeutet wird, die auch den 2. Weltkrieg zu verantworten haben, – denn der Faschismus ist die aggressivste Form des Kapitalismus.

Wie nicht anders zu erwarten sind seine Äußerungen über die Revolution und die Zeit danach. Als Vertreter der Klasse, die durch die Oktoberrevolution entmachtet wurde und die trotz internationaler Hilfe durch mehrere imperialistischen Staaten eine Niederlage erlitten hat, ist seine Wut auf die Revolution allgegenwärtig.

Stefan Bollinger schreibt in Der unverzichtbare Lenin (Ossietzky https://www.ossietzky.net/25-2017&textfile=4195 )
„In Russland hat Lenin besonders schlechte Karten, denn ihm wird die Schuld daran zugeschoben, dass die russische Armee nicht zu den Siegern des Ersten Weltkrieges gehöre und dass seine Zersetzungsarbeit und seine Zuneigung zum Selbstbestimmungsrecht der Nationen eine „Atombombe“ unter das Fundament des russischen Imperiums gelegt und gezündet habe, wie der Präsident (also Putin) selbst diese Denkweise vorgab.“

Nach sorgfältigem Studium des Textes kann ich mit Fug und Recht schreiben – nichts Neues an allen Fronten der Klassenauseinandersetzung.

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3 Gedanken zu „Russischer Präsident Putin analysiert den Zweiten Weltkrieg“

  1. In den Natoländern des Westens würde man die Geschichte des II. Weltkriegs gerne neu schreiben, nach eigenen Ideen verfassen. Da kommt Präsident Putins Artikel genau richtig, um daran zu erinnern, wie dieser Krieg wirklich entstand und verlief.

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