Alle Beiträge, Antifaschistischer Kampf, Antiimperialistischer Kampf, Entstalinisierung, Geo-Politik, Internationalismus, KPdSU, Krise des Kapitalismus, Niederlagenanalyse, Oktoberrevolution, Poletarier aller Länder - Vereinigt Euch!, Politik, Politik des Friedens, Russland, Sowjetunion

Über Stalinismus und AntiStalinismus


https://maoistdazibao.files.wordpress.com/2020/07/stalinismus.jpg

Über Stalinismus und AntiStalinismus

karstenschoensee, 26.07.2020

Vom Onlineportal imerodromos.gr ein Artikel zum Thema
„Stalinismus und AntiStalinismus“, Quelle, Donnerstag, 23. Juli 2020

Über Stalinismus und AntiStalinismus

Nachvollziehbare Klärungen und Hinweise über einen unfruchtbaren, obstruktiven und gefährlichen Konflikt – von Dimitris Patelis

„Auch Wasjulin ein Stalinist!“… rief der Funktionär der Linken nach einer eingehenden Diskussion (mit Übersetzung) mit dem großen sowjetischen Philosophen Wiktor Alexejewitsch Wasjulin[1] in Moskau in den 1990er Jahren … „Ich war beeindruckt!“ – und er setzte fort – „ein großer marxistischer Philosoph, Kommunist und Bolschewist, aber ein Stalinist“… – „Woraus schließt du das?“ – fragte ich ihn. Die Antwort war entwaffnend: „So viele Stunden haben wir gesprochen und er schimpfte nicht ein einziges Mal auf Stalin!“.

Also auf der Grundlage dieser Weisheit verunglimpfen sie Stalin und dessen Abkömmlinge immer als = „Stalinisten“… Hier macht die Dialektik der konkreten Analyse der konkreten Situation einen Höhenflug … Ich erinnere mich noch immer an das nachdenkliche Lächeln meines Lehrers über den Zustand und die Verkommenheit des linken Intellekts …

Der Begriff des „Stalinismus“ selbst ist nicht wissenschaftlich marxistisch. Das gleiche gilt für den Begriff „Personenkult“, besonders populär nach dem 20. Parteitag der KPdSU und dem Bericht Nikita Chruschtschows „Über den Personenkult und seine Folgen“ (25.2.1956). Die Charakterisierung einer ganzen historischen Epoche des sozialistischen Aufbaus und der Praxis der internationalen revolutionären Bewegung mit dem Namen eines Führers, weist auf eine idealistische, metaphysische Geschichtsauffassung hin, als vermeintliche Folge des Willens und der Laune einer einzelnen Person. Darüber hinaus nährt er bidirektional zwei metaphysische und eher religiöse und theologische Konzepte der Geschichte: Das des „Personenkults“, das hagiografische und vergötternde und das dämonisierende, unterstützt durch Rituale und abhängig von reflexartig ergreifenden Gedenkveranstaltungen (für ein verlorenes „Paradies“) und feierlichen Verfluchungen und Exorzismen (für die Befreiung von einer „Hölle“). Beide mildern als höhere Konzepte die rationale, nüchterne, wissenschaftliche, dialektische Auffassung der Logik der Geschichte und die historische Gesetzmäßigkeit der Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes und schaffen sie, einschließlich der Entstehung des revolutionären Weltprozesses, des sozialistischen Aufbaus und der Rolle des Subjekts in ihm (kollektiv und individuell-persönlich) schließlich ab.

Darüber hinaus stellt es unter dem Begriff des „Stalinismus“ die bürgerliche Propaganda im Geist der „Theorie von den zwei Extremen“ und der Ideologie über den „Totalitarismus“ die Gesamtheit der revolutionären kommunistischen Bewegung und den Aufbau des frühen Sozialismus mit dem Faschismus und dem Nazismus gleich. Sie setzen Stalin (und alle kommunistischen Führer) grob mit Hitler und Mussolini usw. gleich. Sie wollen so dem Siegeszug des sozialistischen Aufbaus und dem antifaschistischen Sieg der UdSSR unter der Führung Stalins selbst schaden. Quellen der Inspirationen des modernen „AntiStalinismus“ sind die Ideologien des Liberalismus und NeoLiberalismus, der rechten Sozialdemokratie der II. Internationale, der verschiedenen Varianten von Anhängern Trotzkis, die unauslöschliche Erinnerung an den „erneuernden“ EuroKommunismus, die Spielarten des NeoMarxismus und was Solschenizyn gesagt hatte usw. Hier wird die gemeinsame Methodik des rechten, revisionistischen „AntiStalinismus“ und des dogmatisch-sektiererischen „Stalinismus“ deutlich. Dabei handelt es sich um die umgekehrte „Theorie“ des Personenkults. Das allwissende, unfehlbare, usw. „Väterchen“, „des Führers der Völker“ mit der „immer richtigen Linie“, wird einfach in den blutrünstigen, rücksichtslosen, mörderischen Verbrecher usw. umgewandelt, während die ganze Geschichte der UdSSR als Produkt der willensstarken Aktivität desselben (und seines Umfelds), basierend auf einem Modell (gleich oder verschieden zu dem von Marx, Engels und Lenin), dargestellt wird.

Heute bemühen sich die kampflosen Sieger des Kalten Krieges und jetzigen Exponenten der Achse der „Neuen Ordnung“, die Nazis (Faschisten) unserer Zeit, mit einer Gehirnwäsche bei den Völkern eine heimtückische Ideologie zu etablieren, in Form der Gleichung: Nazismus = Sozialismus-Kommunismus = UdSSR = „Totalitarismus“, Marx = Lenin = Stalin = Hitler, und so weiter …. Sie tun das um die Hoffnung abzuschaffen, die die Oktoberrevolution anfachte, der AntiFaschistische Sieg, insgesamt die frühe sozialistische Revolution des 20. Jahrhunderts, und vor allem: Um die unmittelbar bevorstehenden großen Revolutionen des 21. Jahrhunderts zu verhindern, die ihr Ende bedeuten würden … Sie wollen uns davon überzeugen, jede Idee eines Kampfes für die Würde zu vergessen, für die Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung, denn sie führt angeblich zu „Diktatur“ und „Totalitarismus“, gleich dem Hitlers… Sie wollen uns überzeugen, dass die Brutalität des „globalisierten“ Imperialismus der Multis die einzige Möglichkeit für die Menschheit ist… Sie wollen uns überzeugen, dass Unterwürfigkeit die einzig „realistische“ Lebensweise ist…

Diese ihre Besessenheit, verstärkt sich je mehr sich die globale Wirtschaftskrise und ihre Folgen verschärfen, je größer ihre Antagonismen und Konflikte werden, während die Gefahr einer totalitären, globalen Explosion näher rückt, je mehr das tödliche Versagen des Kapitalismus angesichts der COVID-19-Pandemie offenbar wird, je mehr die Herrschenden vor jeder möglichen Radikalisierung, aufständischem Engagement und Revolte der Unterdrückten zittern, die sich außerhalb des kastrierten Schemas und der Mechanismen mit einem vorhersehbaren Management und einer Ausbreitung von Krisen bewegen.

Die Propaganda der Bourgeoise wirkt, da einige Leute nicht den geringsten Hinweis auf die oben genannten gesetzmäßigen, historischen Ereignisse ertragen können, in denen sich – im Rahmen der verflochtenen, internen und externen, internationalen und globalen Widersprüche – die Schritte des kollektiven Subjekts der Revolution entfalten, in welche auch der zwar widersprüchliche, aber in der Tat enorme Beitrag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) – KPdSU und Stalins einzuordnen ist[2]. Die Akzeptanz dieser historisch belegten Tatsache impliziert keine unkritisch-metaphysische Verabsolutierung des „für immer unfehlbaren und absolut wahren“ Denkens, jeden Wortes und jeder Tat des großen Führers in allen ihren Ausprägungen. Das wäre ein karikaturistischer, unhistorischer und unwissenschaftlicher Missbrauch dieser historischen Persönlichkeit, der kommunistischen Bewegung und der Sache der Revolution und des Sozialismus-Kommunismus im Allgemeinen.

Eine Menge freigegebener Archive von Geheimdiensten aus verschiedenen Ländern belegen, dass die Führer des Kapitals tolerant gegenüber jeder Variante „linker“ Auffassungen und Tendenzen waren. Es reichte, dass diese in das Konzept irgendeines „Anti Stalinismus“ und Anti Sowjetismus passten! Eine Politik, deren Früchte wir bis heute in den Kreisen des „institutionalisierten Intellekts“ und vor allem an den Universitäten ernten… Wenn zu diesen noch die ansehnlich durch das System bezuschusste Propaganda hinzukommt, die ideologische Manipulation des Denkens (auch unbewusst) durch die Mechanismen der offiziellen bürgerlichen „Wissenschaft“ und Bildung/Ausbildung, sowie auch die systematische Indoktrination durch die Industrie der bürgerlichen Massenmedien im Sinne dieser reaktionären Ideologien und Lehren, kann der Schaden unumkehrbar werden. Zugunsten der letzteren argumentieren vehement auch die „verbrannten“ Gehirne von Proponenten der Linken aus dem Bereich der Anwerbung, aus denen schon vor langer Zeit, durch die automatisierte, feste Aktivierung von Barrieren auf der Ebene der abhängigen Reflexe, jede Spur marxistischer (wissenschaftlicher, rationaler, dialektischer) Annäherung an diese Probleme verschwunden ist…

[1] Über das Werk W. A. Wasjulins, s. Internationale Schule der „Logik der Geschichte“.

[2] Siehe dazu: Die Oktoberrevolution und der frühe Sozialismus in der Logik der Geschichte. Fragen der revolutionären Theorie, Methodik und Praxis. Athen , Kapsimi, 2017.

****