Alle Beiträge, China, Debatte, Geo-Politik, Gesellschaft, Kapital + Arbeit, Parteien, Parteipolitik, Politik, Welt, Wirtschaft

Sozialismus chinesischer Prägung. Die Vermarktung der chinesischen Wirtschaft


Dieser Artikel, von karstenschoensee, ist zuerst auf maoistdazibao erschienen:

Sozialismus chinesischer Prägung. Die Vermarktung der chinesischen Wirtschaft

karstenschoensee, 08.08.2020

brar-sozialismus-chinesischer-praegung

Harpal Brar bringt in seinem neuesten Buch „Sozialismus chinesischer Prägung. Die Vermarktung der chinesischen Wirtschaft“ (London, 2020, 493 Seiten) den marxistisch-leninistischen Standpunkt vor, dass Warenproduktion und Warenzirkulation, die Existenz des Marktes, unvereinbar ist mit dem Kommunismus und dass es daher die Aufgabe des Sozialismus ist, den Markt abzuschaffen. Der Revisionismus dagegen folgt den Fußstapfen der bürgerlichen Ökonomen, glaubt an den „Marktsozialismus“, nach dem die andauernde Existenz von Ware-Geld Beziehungen im Sozialismus weitergehen soll und weit davon entfernt ist nur ein Erbe des Kapitalismus zu sein, sondern eine innewohnende Notwendigkeit der sozialistischen Ökonomie sei, welche nicht nur die Fortsetzung des Marktes sondern auch seine Ausweitung erfordert.

Durch die „Reformen“ der letzten vier Jahrzehnte ist nicht nur ein vollständig funktionierender Markt in China geschaffen worden, sondern dieser Markt wurde auch in den Weltmarkt integriert und ein Anhängsel dessen. Das Wertgesetz wurde der Regulator der Produktion und der Profit wurde das oberste Kriterium der Effizienz.  Harpal Brars neuestes Buch argumentiert damit, dass das was die chinesischen Genossen als „Sozialismus chinesischer Prägung“ bezeichnen, nur ein verhüllender Begriff (Euphemismus) für die Vermarktung der chinesischen Wirtschaft ist.

Obwohl die chinesische Wirtschaft einen beachtlichen Fortschritt gemacht hat und die KP Chinas einen Erfolg beim Betreiben einer Marktwirtschaft erzielt hat, erfordert dies große Kosten, was in den entsprechenden dieses Buches behandelt wird. Der Autor begrüßt den Aufstieg Chinas, aber es ist auch sein fester und begründeter Standpunkt, dass, wäre die chinesische Führung nicht den Weg des Marktsozialismus gegangen, sondern hätte sie damit fortgefahren am System der zentralisierten Planwirtschaft festzuhalten, China eine weit größere und ausgeglichene wirtschaftliche Entwicklung erreicht hätte, unabhängig von den Tücken, Launen und Kapriolen des Imperialismus sowie den Zerstörungen des Marktes.

Dieses Buch kann im Webshop der CPGB-ML www.shop.thecommunists.org bezogen werden. Da es leider nur in englischer Sprache vorliegt, hier ein kleiner Einblick in die deutsche Übersetzung des Inhaltsverzeichnisses.

Inhalt:
Vorwort

TEIL I – Zusammenstellung der modernen chinesischen Geschichte
Kapitel 1: Vom Opiumkrieg bis zur Kulturrevolution

TEIL II – Die Kulturrevolution
Kapitel 2: Die Kulturrevolution
Kapitel 3: Die offizielle Bewertung der Kulturrevolution
Kapitel 4: Die Gegendarstellung

TEIL III – Vermarktung der Ökonomie
Kapitel 5: Die Entkollektivierung
Kapitel 6: „Reform und Öffnung“
Kapitel 7: Weiteres über Vermarktung

TEIL IV – Die dunkle Seite der „Reformen“
Kapitel 8: Gesundheit und Erziehung
Kapitel 9: „Ein Kind Politik“
Kapitel 10: Wachstum des privaten Reichtums
Kapitel 11: Die Bauindustrie und der Immobilienmarkt
Kapitel 12: Ein Schuldenberg
Kapitel 13: Ausländische Währungsreserven
Kapitel 14: Opposition gegen die „Reformen“

TEIL V – Hat der Westen seine Wette auf China verloren?
Kapitel 15: Schaffung globaler Sieger
Kapitel 16: Staats- und Privateigentum
Kapitel 17: Made in China, Neue Seidenstraße und Handelskrieg
Kapitel 18: Beziehungen China – Afrika

TEIL VI – Krieg und Frieden
Kapitel 19: Krieg und Frieden

SCHLUSSFOLGERUNG

Kapitel 20: Ist Chinas Aufstieg alleine auf den Markt zurückzuführen?

ANHANG
Einige Fragen der politischen Ökonomie und der Theorie
Der 4 Juni 1989 konterrevolutionärer Aufruhr
III. Verteidigung Jiang Qings

NACHTRAG
Coronavirus und die Krise 2020
Bibliographie
Index

****